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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-08-27 · Heft 28 (27.8.1888) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 28 (27.8.1888)
Date
1888-08-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Krarmm erationspreis Für Vireittsmitglirder. Ganzjährig fl. b.— Halbjährig •־ fl. 2.50 Diertrljährtg fl. 1.25 Für Nichtmilglirder Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— Wirrteljährig fl. 1.S0 Für da» Ausland A!ihrig flv.— 10 Mark oder 5 Rubel. OesterreicMseh-ungarische Or^an die Wischer ^Sttloren Mtl dtmbeflmle«. Kr scheint-je de nachten Ga Begründer: Obcrcantor ^Lvod Bauer. Medaction und Administration Wie», II., Novaragasfe Rr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 28. Wien. 27. August 1888. Arber die Entwicklung -es Synagogengesanges von Ober-Cantor I. Singer in Wien. II. Serie. Als Moriz Deutsch im Synagogenjahre 1842—43 die zweite Cantorstelle an der Seitenstettensynagoge in Wien antrat, stieg die Bedeutungssonne Sulzer's immer höher, und es war ein gewagtes Unternehmen des unerfahrenen Eantorjüngers, an der Seite dieses schon damals geliebten Schoßkindes der synagogalen Kreise einen nur erklecklichen Grad der Anerkennung erringen zu wollen. Die volle Summe aller Errungenschaften, die dem recitirenden Cantor ermöglicht waren, die mächtige, stimmliche Wirkung des Sängers, wie die sonstigen äußerlichen Behelfe des die Sinne des Publikums bestechenden Deklamators, all' dies schien die alleinige Domäne Meister Sulzer's geworden zu sein, auf welchem Gebiete ihm kein anderer Sterblicher nur eines Fußes Breite Bedeutung abzuringen wagen durfte. Wie sollte es nun dem unerfahrenen und ungeübten Deutsch gelingen, an dieser für ihn gefährlichen Klippe Stand zu halten, ohne, schon am Anbeginne seiner Laufbahn, seine Ideale zertrümmert vor sich zu sehen und den Blick in eine fragliche und verzweifelte Zukunft richten zu müssen? ׳ Die Unternehmungen der meisten Menschen scheitern ja bekanntlich daran, dass sie stets nur die Erfolge anderer Nebenmenschen erstreben wollen und nur selten darauf bedacht sind, ihr e i g e n e s Wissen und Können möglichst zu verwerthen. Deshalb muß es als ein bedeutsamer Charakterzug m dem Lebensgange des jungen Deutsch anerkannt werden, dass er die augenblickliche Situation mir der vollen Ueberlegung eines gereiften Mannes und nicht, wozu er gewiss vollberechtigt gewesen wäre, unter der drängenden Wirkung seines rasch pulsirenden Blutes, erfasste. Sicherlich war auch Deutsch von tiefster Achtung gegen Sulzer erfüllt und blickte staunend zu seinem Meister empor, allein, wenn auch all' die großen Leistungen Sulzer's so manches Sehnen für seine zukünftigen, gleichwertigen Erfolge wach riefen, so mussten all' diese Herzensregungen zuvörderst zurückgedrängt und das volle Augenmerk auf die Agenden des zweiten Cantors gerichtet werden. Diese Amtsverrichtung wurde seinerzeit vielleicht absichtlich, vielleicht auch absichtslos stiefmütterlich behandelt, und hier that sich dem zielbewussten Auge des Jünglings ein unabsehbares Arbeitsge- .bietaiir BefriediMna seines Tbatendranaes auf. Deutsch hatte nicht weniger im Äuge, als den g e ist i g e n Gehalt dev Sulzer'fchen Vortragsweise auf den Alltagsgottesdienst zu übertragen, war sich jedoch vollauf des Fehlers der meisten zweiten Cantoren bewusst, die mit der Vollkraft ihres Tones ein Wochen-Zebmone e8re oder einen Wochen-LaäcLscb recitiren, als ob sie die Aufgabe eines ersten Cantors an den hohen Feiertagen zu erfüllen hätten, und hiedurch in einen falschen Pathos gerathen, welcher sie dem gebildeten Zuhörer gegenüber geradezu lächerlich machen muß. Nicht die Kraft (Io bechoach), sondern nur den Geist (ki im b'ruchi) der Sulzer'schen Manier suchte Deutsch für seine bescheidene Amtsthätigkeit zu verwerthen, und so muß er, wenn auch Kraus kurze Zeit sein Vorgänger war, als derjenige betrachtet werden, der den zeitgemäßen Wochentaggottesdienst und die Agenden des zweiten Cantors in der Wiener isr. Cultusgemeinde creirte.*) Die Wirksamkeit Deutschs beschränkte sich jedoch nicht blos auf die von ihm übernommene Pflichterfüllung, er suchte sich vielmehr auch beim Studium mit dem Chorpersonale verwendbar zu machen, und überhaupt seinem von ihm verehrten Meister nach besten Kräften nützlich zu werden. In seiner bis zum heutigen Tage andauernden Pünktlichkeit und Ordnungsliebe brachte er es zu Wege, in das geniale Wirrsal des Sulzer'fchen Notenarchivs die bestmöglichste Ordnung zu bringen. Die zusammengehörigen, bereits verstaubten, doch von einander losgelösten Blätter zu sammeln und zu vereinigen, vergessene Manuskripte ans Tageslicht zu fördern, so dass es ihm ermöglicht war, seinem verehrten Lehrer an dessen 40. Geburtstage einen stattlichen Band von ihm bereits vergessener Synagogengesänge zn überreichen. Diese von Deutsch mit eige- *) Die Thiitigkeit Adolf Fischer'» fällt in eine spätere Periode und fand seinerzeit, gelegentlich der Aufzeichnung seiner Biograghie, erschöpfende Würdigung.

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