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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-08-09 · Heft 26 (9.8.1888) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 26 (9.8.1888)
Date
1888-08-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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׳gewinnen. <&m; schöner, stimmvoller Vortrag (VIbbur), ist angenchmer als das viele Schreien und Singen..Dienet Gott mit Ehrfurcht und beherziget den Bibelspruch: ״mah tiz’ak eloi dabbez el b’ne jisrod״ .״Was sprichst du zu mir, rede zu den Kindern Israels." (Welch' eine herrliche, ja bewundernswürdige Anspielung auf die Stelle der Schrift, 2. M. 14, 15.) Aus dem Inhalte -es ersten Abschnittes. Da erlauben wir uns einige Bemerkungen vorauszuschicken. Die Welt der Erde, die Welt des Menschen insonders, ist in lauter Gegensätze aufgebaut. Wohin wir unseren Blick wenden, gewahren wir diese. In der Natur: Licht und Finsternis, glühende Hitze und erstarrende Kalte. Wir gelangen zur Erkenntnis verschiedener Dinge eben nur durch die Gegensätze; wer wüsste was Süß heißt, wenn, nicht Bitteres auch vorhanden gewesen wäre; so auch : Frieden und Streit, Fleiß und Trägheit, Wahrheit und Lüge und dergleichen. Und so verhalt sich auch im Heiligthum des Herrn, in der Religion. Hier gibt es eine Zeit, welche allen Geistesaufschwung in der Religion verdammt: dort eine Zeit, welche alle Religion' zersetzen und das heilige Kleinod der Väter in das Meer werfen möchte. So bewegt die Erden- und Menschenwelt sich nur .innerhalb der Gegensätze. Der Mensch aber ist berufen alle Gegensätze, so weit es in seinen Kräften steht, auszugleichen. Besteht ja der Mensch selbst aus Gegensätzen, Körper und Seele, und wie die oft im Kampfe gegenseitig begriffen sind; aber der vernünftige, sittlichreligiöse Mensch geht gewöhnlich siegreich aus diesem Kampfe hervor, er findet den Ausgleich und wird beiden Anforderungen Genüge leisten. Das scheint auch der Sinn des bereits früher erwähnten Bibelspruches zu sei: ״Sechaur jemos Aulom. binu scb’naus Daor Wodaur", ״Gedenke der Tage der Vorzeit, betrachtet/die Gegensatze (שנות) eines und des anderen Geschlechtes." Diese Gegensätze finden wir auch zwischen dem heutigen Cantor und dem früheren Chason als Sch'liach Zibbur. Die Anforderungen, die man vor nicht gar alter Zeit, erst in religiöser Beziehung an einen jüdischen Cantor, als Vorbeter und Vertreter der Gemeinde, gestellt hat, sie werden heute gar nicht mehr in Betracht gezogen. Hat Jemand nur eine schöne, klangvolle Bariton- oder Tenorstimme, so ist er ein gemachter Mann, nicht auf der Bretterwelt, sondern Lm Heiligthume, im Gotterhause, er erhält' die erste Cantorstelle in einer ansehnlichen Gemeinde, ohne Rücksicht auf sein vages Vor- und Jetztleben in sittlich moralischer Beziehung zu nehmen, ohne seine Ignoranz in hebräischen und lithurgischen Fachern in die Wagschale zu legen. Und doch, wenn sie Menschen auch nicht berücksichtigen, die Religion besteht darauf, und die Moral befürwortet sie. W ..... r- (Fortsetzung folgt.) Methodik -er Gesongskunst. XXXIV. Dass die Musik überhaupt zwei, Seiten in sich schließt, eine materielle und eine psychische, haben wir schon in der Einleitung unserer Artikelserie kurz dargelegt und ferner gezeigt, dass das Instrument des Sängers sein eigenes in und mit ihm selbst lebendes Organ ist. Ja auch die Frage, wie der Mensch überhaupt zum Singm komme, haben wir dort schon beantwortet, indem wir sagten/ dass die lebendigen Empfindungen der Seele von selbst zur äußern Darstellung drängen: die Seele bedient sich des ihr dazu gegebenen lebendigen Organs; und je lebhafter die Empfindungen sind, desto leichter und schneller gelangen sie zum Gebrauch des zu ihrer Aeußerung dienenden Instrumentes. Du Seele selbst also durch die ihr innewohnende Regsamkeit Und Lebendigkeit ruft auch das Gesangs-Or- ׳ gan zur Thätigkeit, sie ist der letzte Grund wie jeder anderen leiblichen Bewegung so auch diese, materiellen Funktion. Wie das Kind, wenn diedazu dienende Muskelthätigke L sich gekräftigt hat, anfängt, sich immer freier zu bewegen und bald selbstständig zu gehen, wohin es will, auf dieselbe Weise wirkt auch die immer lebendigere innere Seelenthätigkeit auf die dem Athempryceß und dem Kehlkopf dienenden Muskeln; das Kind bringt bald immer mannigfaltigere hörbare Töne hervor, womit es seine innere Seelen- . thatigkeit hörbar bekundet.׳So kommt das Kind zum Sprechen, und genügt ihm die Sprache nicht zum vollen Ausdruck seines immer lebendigeren und reicheren inneren Lebens, so werden seine Töne immer lauter und anhaltender; und aus der bald folgenden Aneinanderreihung größerer Tonreihen.entsteht ein Singen, das, wenn auch kindlich einfach, doch der erste Anfang zu jeder künftigen׳ Gesangs- Vollendung ist. Ja, wie sich bei einem Kmde deutlich zeigt, dass die innere Seelen-Erregung der Grund aller seiner hörbaren Töne ist, so kann auch der größte Gesangs-Künstler dieses seelischen Grundes, nie entbehren: Alles ruht auf ihm, doch mit dem großen Unterschiede, dass der Sänger mit klarem Bewusstsein dasselbe Organ gebraucht, welches zuerst nur einer dunklen Erregung dienstbar war. Was beim Kinde nur ein dunkles׳'Gefühl war, wird beim selbstbewussten Menschen zum klaren,׳ inneren. Tonsinn; und vermöge dieses Tonsinnes erwacht, nicht nur eine immer größere Lust und Liebe zum Gesang, sondern-es entsteht aus ihm auch die materielle Befähigung zu dieser Kunst. Ja die Lust und Liebe zum Gesang ist das erste Kennzeichen des vorhandenen Tonsinns: je größer diese Lust, desto großer der Tonsinn. Ist aber bei einem Schüler keine Lust und kein Tonsinn vorhanden, da ist 'alle Mühe vergeblich; denn jeder Mensch kann nur denjenigen Ton singen, welchen er denken kann, zuerst muß der Ton im Kopfe sitzen, dann erst wirken in Folge dieses geistigen Tonsinns vom Gehirn aus die Nerven blitzschnell aus die betreffenden׳ Muskeln ein, auch auf die klemen Ring-Schildknorpelmuskeln des Kehlkopfs,- und versetzen sie in die zur Hervorbringung des gedachten. Tones nöthige Verdichtung oder Aus- - dehnung. ' . - Wie bei jeder körperlichen Bewegung, so sind auch beim Singen die Nerven die Vermittler zwischen dem geistigen und materiellen Leben; besonders wichtig ist in dieser Hinsicht der.zehnte Hirnnero (nervus vagus); denn es ist Thatsache, dass wenn er dürchschnitten wird, sogleich die Stimme. total heiserist. Den letzten Grund dieser Nervenwirkung kann freilich Niemand erklären,- sondern es bleibt uns nur die Bewunderung einer so geheimnisvollen und großartigen geistig-materiellen Einrichtung übrig; wenn wir auch nur einen Finger bewegen, so geschieht es-durch denselben. Process, indem vom Gehirn aus blitzschnell die Nerven auf die betreffenden Muskeln wirken. Ja es können die Muskeln unserer Arme, Hände oc. in / der krafttgsten und. lebhaftesten Weise sich bewegen, und doch sehen wir an den zarten Fäden und Röhrchen' der Nerven., äußerlich keine Bewegung; dessenungeachtet aber geht, jeder Antrieb zum Bewegen . durch den Willen, der Seele von den Nerven aus: die Muskeln und alle Glieder wären lahm und lobt ohne die Nerven. Der Nerv regt die Muskelfasern zur kräftigen' Zusammenziehung an und erzeugt dadurch die Bewegung der Glieder, wie'sich dies deutlich bei den galvanischen Versuchen an Leichnamen-oder -— da vom Singen die Rede ist'—.an. tobten Kehlköpfen erkennen lässt. Warum in solcher Weise die Seele auf die Nerven.und durch sie auf die Muskeln -wirkt, wissen wir ebensowenig, als was die

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