Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 26 (9.8.1888)
- Date
- 1888-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Srüimrneralionspreis Für Dereinstnitglieder. Ganzjährig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 Vierteljährig fl. 1.25 Für SUchtmisgNever Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.50 Für vaK «uSlavd Ganzjährig fl. ^.1« Diark oder 5 Rubel. ■'?־ O österreichisch-ungarische Organ fm Oe fkmffat Wucher Hantoren mul HnltusbeMen. Hr s ch eint jeden achten Kag. Begründer: Obcrcantor Lnnsr. HLedacLisn und AdminiAratisn Wien, II., Novaragafle Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werde» nicht retournirt. Nr. 26. Wie«, S. August 1888. 8. Jahrgang. Der Mische Cantsr als Sch'liach Mbur. II. Ans der Worrede^ (KakdomoH.) Dieselbe beginnt mit einer Ansprache, welche die Cantoren j$um Lobe Gottes mit dem Verfasser, aneifert. Die Wörter der vier ״ersten Zeilen bilden, mit ihren -Anfangsbuchstaben den Namen des Verfassers, wie seines Vaters und seines Aufenthaltsortes in Prag, kunstvoll zusammengefasst. Wir müssen uns versagen, den interessanten hebräischen Text hier anzuführen aus Rücksicht für die Beschwerlichkeiten der Drucklegung und lassen nur die Uebersetzung folgen: ״Höret auf mich, ihr lieblichen Sänger, und schenkt mir euere Aufmerksamkeit. Seid nicht furchtsam und zaghaft, schauet doch an dieses ־ göttliche Werk, zu Ehren des Allgelobten, des Schöpfers des Alles, des gerechten und redlichen Richters. Fasset Muth, singet und sprechet das Lob Gottes aus. Auf! rufet, jauchzt, frohlocket und spricht: ״Preiset mit . mir des Ewigen Größe." Und der Verfasser fährt begeistert fort: ״Kommet mit mir zu der heiligen Heerde, das sind unsere' Brüder, das Haus Israel, unsere Brüder, die uns senden zu dem König aller Könige, und ihre Augen sind auf uns gerichtet. Das Heiligthum liegt in Trümmern, wir haben keine Opfer, keine Priester, sondern die Gebete unserer Lippen in der Synagoge, diesem kleinen Heiligthume, sind an die Stelle der Opfer getreten. Da wir Cantoren nun. die Stelle des Hohenpriesters zu vertreten berufen sind; da wir, so wie dieser die Opfer, die Gebete im Gotteshause dem Schöpfer darzubringen haben, warüm sollen wir zurückstehen und nicht demselben zu gleichen trachten, wenigstens annähernd ähnlich zu werden; das Gebet in voller Andacht, ohne jeden fremden Gedanken verrichten, damit es von Gott, wie das Opfer, in Gnaden ausgenommen werde? Wir müssen in der Gebetordnung wohl informirt sein, die Bedeutung der Wörter genau kennen, damit kein Jrrthum vorkomme und dadurch nur Schäden herbeiführen. - Und ich erhebe meine Gleichnisrede und spreche: Ein machtiger König war der׳ Regent eines großen Reiches. Da entstand eine Empörung im Lande; doch die Bewohner ermannten sich bald, er kannten rechtzeitig ihren Fehler, und nun den König zu besänftigen, ihre Besserung ihm kund zu geben, sandten sie ihm durch eine Deputation eine herrliche Krone, geschmückt mit seltenen Perlen und Edelsteinen. Als die Gesandten ankamen, war die Krone sehr fchadhast geworden, die schönsten und kostbarsten Theile derselben sind in Verlust gerathen. Die Botschaft wurde von den Würdenträgern am Hofe empfangen; um ihr Verlangen gestagt, brachten sie ihre Bitte vor, eine Audienz beim Könige anzusuchen, eine Fürbitte für die reuevollen Unterthanen vorznbringen, und durch eine kostbare Spende den Beweis ihrer aufrichtigen Verehrung zu bekräfttgen. Als die Vertreter des Königs die entstellte Krone besichtigten, mangelhaft von allen Seiten, indem sie viele der kostbarsten Edelsteine vermissten, da wurde die Gesandtschaft schmählich zurückgewiesen und kehrte unverrichteter Weise zurück. Dem Könige aber wurde die ganze Angelegenheit weislich verschwiegen. Und nun, wenn das bei einem irdischen Könige der Fall ist, wie erst vor dem König aller Könige, dem Allerheiligsten, gelobt sei er! Es ist doch bekannt, dass die Gebete zu einer Krone Gottes gestaltet werden; wenn nun der Sch'liach Zibbur, als Gesandter der Gemeinde Buchstaben auslässt, Wörter fehlerhaft ausspricht, so dass die Gebetkrone von den dienstthuenden Engeln als fehlerhaft befunden nicht angenommen wird und zu dem Throne Gottes gar nicht gelangt, dann kehren die Gesandten unverrrichteter Weise zurück. O, über diese Schande, diesen Frevel, über die Nichterfüllung, ja Vernachlässigung der heiligsten Pflichten! Ueberhaupt an den Sabbat- und Festtagen, wo dem Gesänge mehr Aufmerksamkeit zugewendet wird,, da geberden sich manche Chasonim wie in berauschtem Zustande, denken nur an den Beifall der Zuhörer und vergessen, dass sie vor Gott stehen, vergessen, dass Menschengunst und materieller Vortheil, bald verschwinden, hingegen ״wehakauläus jechdolun", wenn die Stimme versagen, aufhören (eine Anspielung auf Vers 29, Cap. 9 im 2. B. M.), was dann? Können solche dann noch auf den Beistand Gottes hoffen? Darum richtet euere Aufmerksamkeit in Andacht mehr dem Inhalte der Gebete zu, als dem Gesänge, als die Gunst des Volkes durch einen Ohrenkitzel zu