Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 25 (28.7.1888)
- Date
- 1888-07-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Pirt, abepr keineswegs abgeMenwaren, konnten mit größerem' -Rechts-Anscheine die Arnderungen, resp. Gesetze der Fremdherrschaft rviderrüfen: Sie ׳waren aber einsichtsvoll genug, die bereits gewährten Menschenrechte anzuerkennen und ihr Jahrhundert nicht zu verleugnen. Bis auf Weiteres ließen sie die Juden, bei ziemlicher Gewerbe-Freiheit, in dem bisherigen schwankenden Zustande, um allmälig fortschreitend, ihnen einen bleibenden Rechtszustand zu "sichern. 1820 gewährte Hessen-Darmstadt ihnen nicht nur eine Constitution, sondern^noch einige Mittel zur inneren Entwicklung. Im Allgemeinen drang die mahnende Stimme des Jahrhunderts durch und in allen deutschen'Staaten ist endlich die gesetzliche Stellung der Juden verbessert worden. 'Die Juden der Schweiz, Sardiniens und insbesondere des -Kirchenstaats wurden von den mannigfachsten, drückendsten Plackereienheimgesucht. Letzterer besonders sperrte sie wiederum in die lieblichen Ghettos und forderte noch im Jahre des Unheils 1823 -allsabbatlich 300 jüdische Zuhörer zu den schrecklich langweiligen׳ Bekehrungspredigten unwissender Pfaffen. - Leo XU. setzte, wie es scheint, ein besonderes Verdienst darin, die wehrlosen Juden zu mißhandeln. 1827 erneuerte er die schon 4775 eilassenen bekannten Ghettogesetze. 1829 wurde sogar ein Gerücht lautbar^ dass sämmtliche Juden ans dem Kirchenstaate vertrieben werden sollten. .Dies wäre auch ohne Weiteres zur Ehre ׳Gottes geschehen, so dadurch nicht die Gefälle der Staatskasse beein- Irächtigt würden. - Der Corresp. v. Niesen-Geb. (Forts, folgt.)' Litterarifches. ״Keltische Schnllieder nebst einem Anhänge liturgischer Ge- 'sänge" verfasst und zusammengestellt ' von Benedict Singer Ober -cantor in Jungbunzlam — Unter diesem Titel liegt mir ein schön aus gestattetes Merkchen, hervorgegangen aus der rühmlichst bekann- ׳ten Puch- und Notendruckerei des Herrn Eberle in Wien; zur Durchsicht vor. -Es ist dies eine unterrichtlich geördnere Sammlung ׳von patriotischen, rel-giösen und weltlichen ein- und zweistimmigen ׳Gesängen. Obgleich unter der großen Anzahl auch is> aelit. Schul- -liederbücher schon viele gute und gediegene Arbeiten existiren, so dürften auch diese. ״Schüllieder" einen ehrenvollen Platz unter ihren Mitschwestern erobern. Die Zusammenstellung ist pädagogisch, planmäßig von erfahrener Hand gegeben, durch Reichhaltigkeit und Viel- ׳seitigke.it sich empfehlend und lässt in den Herrn Singer einen ge- -wiegten und erfahrenen Praktiker erkennen. Den Cantoren und Lehr- -ern in׳ kleineren Provinzgemeinden, welche über keine großen Chor- -mittel zu gebieten haben, werden die liturgischen Gesänge besonders -sehr willkommen sein. Die Compositionen des Herausgebers haben ׳sämmtlich' gefällige und ins Ohr fallende Melodien, sind gut in der Stimmführung behandelt und' leicht ausführbar. Warum aber Herr Singer das Ki onu Atn’cho ״diese Perle" unseres Altmeisters Sulz er eine Volksmelodie nennt und den Componisten verschweigt ist ■■mtr-’ein Orakel. In Kürze und mit gröster Klarheit sprüht '׳sich rer B.׳zirksrabbiner und Schulleiter Herr. Dr. M. Grünwald in der Vorrede des Büches, sehr wohlwollend aus, und empfiehlt. ׳dasselbe auf's Wärmste. Nachdem auch ich die Ueberzeugung ge- Wonnen, dass die ״deutschen Schullieder" nebst dem Anhänge litur- <gischer Gesänge zur Förderung der Vaterlandsliebe und zur Hebung. 4>es Gottesdienstes wesentlich beizutragen vermögen, mache ich die verehrten-Collegen auf dieselben aufmerksam und! dürfte Jeder, de« der Preis von 45 kr. ö. W. nicht zu hoch ist, meiner Empfehlung gern beipsiichten. , M. T i n t n e r. Cantor und Lehrer in Bunzlau (Pr.Schlesien.) * * % Kaiser Iriedrich und die Musik ist der Titel eines in der letzten Nummer (13) der-״Neuen Musik-Zeitung" (Verlag von Carl Grüninger, Stuttgart) veröffentlichen Artikels, den nicht nur jeder Musikfreund, sondern jeder gute Deutsche mit lebhaftem Interresse lesen wird, erfährt man doch daraus, dass wie die Künste überhaupt in dem ritterlichsten und leutseligsten Fürsten einen mäch- Ligen und begeisterten Förderer fanden, seine Theilnahme und sein Verständnis für die Tonkunst sich stets besonders rege bethätigt haben; schon von seinen jungen Jahren war er der Musik zugethan, sie war ihm eine Trösterin in jedem Leid, eine Freundin in jeder guten oder schweren Stunde. Sein inniges Kunstverständnis rühmten alle Künstle״, welche Gelegenheit hatten, vor ihm spielen oder singen zn dürfen. — Auch der übrige sehr reichhaltige Inhalt dieser Nummer der ״Neuen Musik-Zeitung" dürfte allenthalben der Sympathien aller Kreise vergewissert halten, zumal noch verschiedentlich in der feinsinnigsten Form des königlichen Dulders gedacht wird, so in dem Gedicht van Franz Sikiug ״Den Manen ‘ Kaiser Friedrichs", einem Erinnerungsblatt von I. Baltz ״Die Tage der Rosen" mit Illustration (Begegnung des jungen in Bonn studierenden Prinzen Friedrich Wilhelm mit Ernst Moritz Arndt und Jenny Lind Rolandseck), einem Klavierstück ״Immortellen", einer Komposition für Violine und Klavier ״Elegie" rc. Wir empfehlen jedem, der noch!licht Abonneut aus die ״Neue Musik-Zeitung" sein sollte, die Anschaffung dieser äufferst interessanten Nummer- Meine Chronik. Wien. Gelegentlich des jüngst abgeschlossenen Handelsvertrages zwischen Oesterreich und Italien wurden jene Personen, welche sich als delegirte Italiens hervorragend an dem Abschlüsse betheiligten, vom Kaiser von Oesterreich durch Verleihung von Orden ausgezeichnet. Unter den Dekorirten befindet sich auch unser hervorragender Glaubensgenosse, der Abgeordnete des italienischen Parlaments Luigi Luzzatti, Sohn des unsterblichen Samuel David L n z z a t t i. Derselbe erhielt das Großkreuz des Franz- Josephs-Ordens. Strakonitz. Herr Dr. S. Dankowitz, Rabbiner und Prediger in Strakonitz in Böhmen, ist zum Landes-Oderrabbiner von Bulgarien mit einem. Gehalre von 10,000 Francs und freier Wohnung ernant worden. Diese Ernennung bedarf noch der Ratifikation der Sobranje und des Fürsten, welche im Herbste erfolgt. Dr. Dankowitz, einst Rabbiner und Prediger des Tempels iu Krakau, ist Mitglied der Ak rdemie der Wissenschaften und dozirte auch an der Universiiät in Krakau. Seit 5 Jahren amtirte Dr. Dankowitz an der Seite unseres Collegen Herrn Emil Fränkel und war der Gottesdienst immer ein audachterweckender. Dr. Dankowitz gediegene Predigten, Fränkels erhebender Gesang, ein vorzüglicher Chor und eine Prachtorgel von Hesse in Wie» veredelten denselben. Dr. Dan» kowitz weilt zur Kur in Marienbad, war erst kürzlich vier Wochen in Sofia. In Strakonitz dürfte kein Rabbiner mehr angestellt werden, und spricht man von dem Projekte Pisek und Strakonitz auf Grund , des neuen Gesetzes über die Rechtsverhältnisse unter einem Rabbinate zu stellen, auch Horacdowitz und Schüttenhofen würden dann zusammen einen Rabbiner nehmen bis jetzt sind sie beide rabbinerlos. H»aris. Bei der nächstjährigen Pariser Ausstellung soll in der Rubrik ״Geschichte der menschlichen Wohnungen" die ursprüug-