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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-07-28 · Heft 25 (28.7.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 25 (28.7.1888)
Date
1888-07-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Lie Gesundheit der Stimme, sondern es kann dadurch-sogar eine׳ krankhafte Stimme ihre Gesundheit erlangen. Auch aus diesen allgemeinen Bemerkungen, welche wir über technische Uebung und Gesundheit der Stimme überhaupt machen mußten, geht aber wieder mit Nochwendigkeit hervor, dass, nur diejenige Gesangschule und nur diejenige Technik die richtige ist, welche sich aus die Kenntniß der von der Natur selbst gegebenen Gesetze stützt, und sie bei fleißiger Uebung 'aufs Strengste befolgt. Nur eine solche Technik kann das leisten, was von ihr verlangt werden muß, nämlich die höchste Beherrschung der materiellen Töne durch unseren Willen, und führt uns zugleich von selbst über zu dem weiteren Theil, besten Elemente sie schon in sich enthielt, zum Gesang als ״lautender Seele". * (Fortsetzung folgt.) - Gedenket -er Nage -er Vorzeit — erwäget die Äenderung -er Zeitalter. (V. B. M. 32.7.) XVI. In den Ländern, die (1806—13) das Königreich Westphalen bildeten, befanden sich die Juden in der elendsten Lage. In den meisten Orten war ihre Zahl beschränkt, ihr Erwerb nur der entehrende und ebenso mühsame Klein- und Hausirhandel, von Jedermann ans das Schimpflichste behandelt, ohne gesetzliche Ahndung dem Pöbelhass, und nächstdem der Geldherrschaft eigener Glaubensgenossen, die Agenten einiger Höfe waren, ausgesetzt. Durch plötzlich eingetretene Politische Ereigniße, wurden dieselben dem elenden Zustande behende entrückt und als freie Menschen anerkannt. Dies war vorzüglich das Werk, des für seine unterdrückten Glaubensge- «offen unermüdlich thätigen, unvergesslichen Israel Jacobsohn, Kammeragent des Herzogs von Braunschweig. Als solcher hatte er bereits die Freischule zu Seesen zur Verbesserung des Unterrichts gegründet, eine erstaunliche Summe zum Glück und Heil der israelitischen Jugend verwendet und sich selbst ein ewiges Denkmal gesetzt. Dieser Schule verdanken wir eine bedeutende Zahl namhafter Männer und erwähnen nur die zwei berühmtesten, Kunz und Jost s. A., die die Wissenschaft, insbesondere die jüdische, mit unvergänglichen Werken geschmückt. Durch eigene bedeutende Eutschädigung erzielte Jacobsohn die Abschaffungdes so -entehrenden Leibzolles. - Dass die Juden Westphalens auf gleiche Stufe mit den französischen gestellt wurden, bedurfte kaum seiner Mitwirkung. Dies lag im Grundsätze der französischen Regierung. Am 27. Januar 1808 dekretirte Hieronymus Napoleon einfach die gänzliche Emanzipation der Juden, gründete ein Consistorium in Cassel und übertrug Jacobsohn das Präsidium. So unvorbereitet die eben befreiten Juden auch waren, enffalteten sie dennoch alsbald eine anzuerkennende Gewandtheit für die verschiedensten Fächer des bürgerlichen und Staatslebens. In der kurzen Dauer jenes Reiches giengen aus der Mitte dieser lediglich auf Trödel- und Geldgeschäfte angewiefene Menschenmaffe, brauchbare Staatsdiener, Lehrer, Aerzte, Ju« rlsten. und selbst dekorirte Krieger hervor. . . Ebenso - entwickelte sich dieser Prozeß in ׳den benachbarten Fürsten- und Herzogthümer zu Gunsten der Juden, und was besonders hervorzuheben ist, durch die Wirksamkeit des wahrhaft edlen und -bescheidenen Breidenbach s. A. Gleichzeitig mit Jacobson wirkte und strebte nämlich der edle gelehrte nnd gebildete Wolff Breidenbach für die Beseitigung der Leibzoll-Schmach. — (Siehe Grätz Geschichte der Neuzeit, Note.5, Band XI). Es war eben dm benachbarten. Staaten unmöglich geworden, in ihren verrotteten mittelalterlichen Juden-Prinzipien zu-beharren. Man begann sich endlich der so unmenschlichen Plackereien zu schämen mnd so wurde der schimpfliche Juden-Leibzoll in Baiern, Württemberg und übrigen Ländchen ׳beseitigt. Man fand es endlich rathsam den gesetzlichen Zustand der Juden zu beffern. 1808 ordnete Baden Vorbereitungsmaßregeln an und verlieh ihnen ein begrenztes Bürgerrecht mit einer eigenen auf innere Verbesserungen beruhende Verfassung, und schon 1812 fand -es sich durch die erzielten Erfolge berufen, die Zugeständniße auszudehnen. Der Reihe nach folgten die übrigen Herzog- und Fürstenthümer. Namentlich Baiern gab 1813 zweckmäßige Vorbereitungsgesetze und . traf gute Maßregeln zur Bildung und Anstellung zeitgemäßer Rabbinen. Hier sah man. aufs unzweideutigste die Früchte vernünftiger Gesetze, bezüglich Uinschaffung einer großen Masse verwarloster Juden. ° Der Umsturz der Fremdherrschaft erzeugte in den Verhaltnißen der Juden mannigfache Verlegenheiten.- Die wieder in ihre Besitzthümer zürückkehrenden Fürsten, wie überhaupt die Feinde der neuen Gesetze, die in. dem Hinaustreten aus' dem mittelalterlichen System die Ursache der verlorenen Macht wie der erlittenen Unterdrückung zu erblicken wähnten, versuchten eine Vernichtung des Ge- , schehenen und strebten alle zu Gunsten der Juden erlassenen Gesetze zu beseitigen. Doch dies ging nicht so leicht, ohne im Privatrecht die schreiendsten Ungerechtigkeiten zu üben; wozu am wenigsten Fürsten, die ebm aus dem Exile heimkehrten, sich he-bei lassen konnten. Man hätte müssen alle durch die neuen Verhältuiße zu tüchtigen Bürgern erzogenen Juden ihrer Aemter entledigen, aus dem Militär weisen, aus ihren Werkstätten treiben,. die Aerzte von den Krankenbetten scheuchen, überhaupt ihre Ehre und Gewerbsthätigkeit ihnen entreißen, um aus ihren Kindern wieder Trödler und Geldwechsler zu erziehen, die man für eine Steuer durch Städte geleiten oder nach Beliebe.tt ohne jeglichen Grund vertreiben konnte. Letzteres brachte nur die unfreie Freiftadt Lübeck fertig. Gegen die laute Mißbilligung Europas, die eindringlichsten Vorstellungen der gewiegtesten Staatsmänner׳ des Wiener Congresses, namentlich des Fürsten Metternich, und Hardenberg, siegte Mißgunst,-Haß und Handelsinteresse.. Der Senat zu Lübek wollte dem Zeitgeist keine Concessionen machen, wies׳ nicht nur schlankweg. 1818 die Juden au-, sondern scheute sich nicht sie,in ihren Häusern zu überfallen, ihr Eigenthum zu versiegeln und jeden Bürger der Freistadt Kerker und Verlust des Bürgerrechtes in Aussicht zu stellen, so er sich unterfangen würde, mit Juden geschäftlich zu verkehren. Die Stimme der allgemeinen Sittlichkeit jedoch, hinderte ein ähnliches Verfahren in den übrigen Staaten Deutschlands; obwoh 1 Hamburg und Frankfurt a. M. Lübecks gegebenen unwürdigen Beispiele einigermaßen zu entsprechen sich herbeiließen. Ecstere entzog ihnen mannigfache für den Handel so wichtige Freiheiten, letztere machte ihnen das wohlerworbene Bürgerrecht streitig. Erst nach ver» schiedenen Beschränkungsversuchen, die von den namhaftesten Rechtsgelehrten mißbilligt wurden und nach mehrjähriger Fehde über die einfachsten Begriffe der Menschenrechte, hörte Frankreich endlich auf die so mahnende Stimme der Zeit. Mecklenburg-Schwerin wurde durch die Stände gemüffigt, die 1812 gewährte Constitution der Juden zu widerrufen und Sachsen- Meiningen vertrieb sie (1819) sogar gegen sein eigenes Landesge? setz schlankweg. Braunschweig und Hesseit, deren Gebiete nur occu-

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