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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-07-15 · Heft 24 (15.7.1888) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 24 (15.7.1888)
Date
1888-07-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Vesten Einer, dessen irdische Reste in der Rerchshauptstadt ihre, ewige Ruhestätte gefunden; denn er hat sein Leben nicht selbstsüch- ‘ tig in den Dienst seines eigenen- Jchs gestellt, sondern was an Geistesgabe und Arbeitskraft ihm beschieden war, das bot er gewissenhaft dem Dienste Gottes und der Menschheit auf, indem er in und außer seinem Amte nur Menschenwohl zu fördern suchte. Das Feld, welches ihm hier zum Bearbeiten angewiesen war, erforderte Arbeit, Mühe und Schweiß; es ist dies das Feld der Jugenderziehung, der Jugendbildung. Jugendherzen zu bilden und Jugendseekn zu veredeln, das ist ein gar geweihter Boden, bestimmt zur heiligen Aussaat. Da muß sorgfältig, behutsam und fachmännisch zu Werke gegangen werden, um das richtige Ziel nicht zu verfehlen, damit die Aussaat heil- und nutzbringend für das ganze Leben und von allen schädlichen Einstüssen bewahrt werde. So ein treuer Arbeiter im Dienste Gottes und der Menschheit war' der Dahingeschiedene. Selbst des Alters Gebrechen vermochten der Kraft seines Geistes, dem Willen seines Herzens keinen Abbruch zu thun. Mit jugendlichem Eifer trachtete er noch immer sein eigenes Wissen zu vermehren, um das Gelernte in der Schule aus dem Leben Anderer nutzbar zu machen.. Dabei war er Träger und Verbreiter mancher Religion, ein Muster und Beispiel gottgefälligen Wandels. Aber auch am Altäre des.Herrn war er durch viele Jahre in Andacht 'und Pietät als Vorbeter thätig. Von einem solchen Manne heißt es (Kohel. 5, 11): ״Süß ist der Schlaf des Arbeiters!" Ohne Furcht und Zagen, im Vertrauen auf Gott, im Bewusstsein seiner treuen Pftichterfüllung legt ein solcher zu Ende seines Lebens-Arbeits-Tages seine ermüdeten Glieder zur ewigen Ruhe nieder. Für ihn hat der Tod keine Schrecken, . das Sterben macht ihm keine Bangigkeit, er . entschlummert sanft ins Jenseits hinüber. Und wahrlich ein sanftes,, ruhiges Entschlummern war das Hinscheiden dieses wahrhaft From- ' men und Edlen. Baum., Wien. Der in der Administration eines antisemitischen- Wochen-Journals bedienstete Alois Bischof hatte aus einem׳ Gange durch die Wallensteinstraße hektographirte Zettel auf das Trottoir - geworfen, welche die Aufforderung erhielten : ״Kauft nur bei0 Christen!" Zweien Geschäftsleuten klebte er die antisemitische Wersung sogar an die Thür. Bei seiner heutigen Verantwortung vor dem Bezirksgerichte Alsergrund als Preßgericht gab der Angeklagte an, er habe die Zettel wohl bei sich getragen, sie jedoch nur deshalb von Schritt zu Schritt fallen gelaffen, um seine Taschen zu enteren. Dieser Verantwortung legte der Richter Dr. v. Häusler keinen Werth bei und verhängte über Alois Bischof wegen Uebertretung. des § 23 des Preßgesetzes eine dreitägige Arreststrase, da nach den Vermögensverhältnißeu des Angeklagten eine Geldstrafe nicht zumerkennen war. Als erschwerend galt, dass Alois Bischof sich bereits zweimal gegen das Preßgesetz vergangen hat. Kreßbrrrg. Nachdem das Beweisverführen gegen die der" * THeilnahme an den vorjährigen Exzessen gegen den Kaufmann Jellinek angeklagten Personen geschlossen worden war, hielt Staatsanwalt v. Kramolin sein Plaidoper, worin er unter Anderem sagte : Durch einen gemeinen Tratsch, durch Verbreitung von Ämmenmär-- chen blödester und verachtenswerther Art wurden Unruhen h:rvorgerufen, welche eine ganze Stadt durch drei Tage aufgeregt und un- ׳ sicher gemacht haben. Es musste Militärmacht aufgeboten werden, und es sind sogar Verwundungen Vorgefallen. Schon das drittemal im Laufe weniger Jahre'wird Preßburg durch solche Skandale vor' dem ganzen Lande, ja vor der ganzen gebildeten Welt an den Pranger gestellt. Es wird sick's Jedermann überlegen, "sein Vermögen Ln beweglichen mrv unbeweglichen Sachen in. Preßburg zu investiren, wenn er nicht sicher ist, dass der rohe Janhagel sein Hab und Gut jeden Augenblick bedroht. Aus diesem Grunde erhebe er die׳ Anklage gegen Antonia Bukils, Victor Holly, Anna Csepelka und Anna Makovits, welche die Gerüchte über die Schlachtung verbreitet haben.. Namentlich sei Holly als der intellcctuelle Urheber der Krawalle zu betrachten. Holly hat die Magd Bukits gegen ihren Dienstgeber aafgehetzt. Holly und die Markovits haben aus Concur- ' renzneid' gegen Jellinek die Verleumdungen ausgestreut. Die Staatsanwültschaft erhebt also gegen Holly und Consorten die Anklage wegen Verleumdung. Ferner erhebt die Staatsanwaltschaft gegen Karl Bischitz, Eduard Bischitz, - Karl Bürger, Geracsek, Lucsenics, Fiala und Bambuch die Anklage wegen Theilnahme an den am 26. und 27. Mai 1887 stattgehabten Krawallen. — Nach dreiviertelstündiger Berathnng verkündete Präses GR. v. Csörgey das Urtheil Die Angeklagten Karl und .Eduard Bischitz Und Johann Fiala werden der boshaften Beschädigung fremden Eigenthums für schuldig erklärt. Die Brüder Karl und Eduard Bischitz werden zu je einem' Monat Arrest und je 5 Gulden Geldstrafe, eventuell zu noch einem Tag Arrest verurtheilt. Johann Fiala wird zu 14 Tagen Arrest und 5 Gulden Geldstrafe verurtheilt. Ferner werden die Verürtheilten zu 19 Gulden Schadenersatz an Jellinek und zur Tragung der Gerichtskosten verurtheilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprachen. HLertin. (Ein Zug aus dem Leben des Kaisers Friedrich.). Kaiser Friedrich hatte noch als Kronprinz einmal Seinen und Seiner erlauchten Gemahlin Besuch im Baruch Auerbach)'chen Waisen- Hause, dessen Protektorat sie übernommen hatten, angekündigt, und. die Zöglinge harrten in erwartungsvoller Aufregung dieses Ereignißes. Bei dem Eintritte empfingen sie die erlauchten Herrschaften mit Gesängen, geriethen aber schließlich in einige Verlegenheit, da sie nicht instruiert waren, ob sie einen nun folgenden hebräischen Sangvers bedeckten Hauptes, wie sie es zu thun gewohnt waren,, singen dürsten. Dem scharfen Blicke des Kronprinzen war aber dieser Zwiespalt in ihrer Seele nicht entgangen; plötzlich bedeckte er sein Haupt mit dem Helme und. winkte den Zöglingen lächelnd, ein Gleiches mit ihren Mützen zu thun. ßonftantinopet. - Nur wenige Eingeweihte dürften wissen, dass der derzeitige Großvezier Khimail Pascha kein geborener Moslim sondern von Geburt ein Jude ist. Derselbe wurde auf Cypern als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Vor 50 Jahren trat er zum .Islam über, während seine Geschwister ׳ es damals vorzogen, bei dem Glauben ihrer Väter zu verharren. Umsonst bot der allgewaltige Pascha seinen ganzen Einstuß auf, um sie zum Muhamedanismus heranzuziehen; erst jetzt, das heißt nach vielen, vielen Iahren ist es ihm leider endlich gelungen, den Onkel, die Tante und. zwei Cousins zum Islam zu convertiren. Alle übrigen Mitglieder der zahlreichen Familie ziehen es auch jetzt noch vor, ihrem Glauben treu zu bleiben. Khimail Pascha , gilt bekanntlich zur Zeit als derbedeutendste ottomanische Staatsmann. Ab-dul-Hamid behandelt ihn, als persönlichen Freund, und sein Rath gibt im Divan stets den, Ausschlag./ ׳ Stelkenveranderimg. College I. Schulhof, der bisher in Mislitz amtirte, ist nach Piesling berufen worden und bereits dort-, hin übersiedelt. (Wir gratuliren zum Amtsantritte. Die Red.) Der Baal-Tephilla. Von M. J.Rabbinow Lisch. Aus dem Russischen von A. L e v i n - S a g a n. (Autorisirte Uebersetzung.) (Nachdruck verboten.) . (11- Forschung.) Dunkle, gräßlich verworrene Träume begleiteten meinen: Schlummer und ich konnte mich am folgenden Tag auf sie nicht mehr besinnen. Als ich erwachte, stand das am verflossenen Tage- Geschehene und Gehörte wieder lebhaft vor mir. Ich Hatte das Ver-, langen, die empfangenen Eindrücke mit Jemand zu theilen und unaufhörlich zu sprechen von den gestrigen Begebenheiten, die mir begreisticherweise als ungewöhnliche, unerhörte. erschienen; allein zu: -meiner großen Verwunderung war Reb Awner an,diesem Tage ungemein schweigsam und finster, als wollte er jeder -Unterhaltung über das Theater ausweichen. Jedoch lag in seinem Benehmen gegen mich sowohl, als auch gegen Reb Bärken eine gewisse rührende Weichheit und Zärtlichkeit, ebenso in seinem Gesänge, der,, ungeachtet des am verflossenen Tage Gehörten, mich oft zu Thränen rührte. - So verstrich der Tag, ohne jede Erwähnung des gestrigen- Abends, wie wenn nichts vorgefallen wäre. Erst als ich mich am: späten Abend anschickte, nach Hause zu gehen, bat mich Reb Awnerflehentlich, bei ihm zu übernachten, und ich erklärte mich bereit, obwohl mein Fernbleiben zu Hause große Unzufriedenheit erregte,..

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