Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 24 (15.7.1888)
- Date
- 1888-07-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7׳ — zumal von Seiten der Tante. Ich erwartet״, dass er sich jetzt aussprechen werde, allein ich hatte mich getäuscht. Er gienz nur im Zimmer auf und ab in tiefem Nachdenken, häufig schwer seufzend ׳— und abermals kein Wort, kein Laut! Am folgenden Tage schien die Schweigsamkeit und Finsterkeit Reb Awners womöglich noch'zugenommen zu haben. Während unserer Repetition saß er, das Gesicht mit beiden Händen bedeckt, schwer athmend und seufzend, da — über das Theater aber wieder keine Silbe. Ich war darum, als ich vor Abend zu ihm kam, sehr erstaunt, von ihm zu hören, dass wir wieder ins Theater gehen würden. Eine gewisse Bangigkeit beschlich mich,-und die bislang schlummernden religiösen Gefühle begannen sich in mir mächtig zu regen und — so sonderbar das erscheinen mag — ich freute mich ob der Mittheilung Reb Awners nicht. Aber er war so todtenbleich und sah . so verstört aus, dass ich nicht das Herz hatte, ihm etwas zu sagen, selbst um ihn zu fragen, wo er Geld hergenommen, da er Morgens — ich wusste es sehr genau — nicht einen Groschen Hatte. . Schweigend giengen wir fort. . ׳;- Diesmal kamen wir .sehr zeitig, und der Aufgang zur Galerie war. noch geschlossen, so dass wir ziemlich lange auf der Straße ^warten mussten. Endlich ging die Thüre auf. Unter noch intensiverem Lachen des Kassiers erhielten wir Billets, begaben uns. hinauf und nahmen dieselben Plätze wie das vorige Mal ein. Im Theater war noch keine Seele anwesend und es herrschte noch fast völlige Finsternis. Mit dem Ellenbogen auf das Gitter gestützt, vertieften wir uns in das geheimnisvolle Dunkel, das unsere -Einbildung gefangen nahm. Der Vorhang war noch nicht heruntergelassen und wir konnten sehen, wie bisweilen über die Bühne Schatten dahinhuschten und hastig entschwanden in diesem unbekannten Labyrinth, das uns endlos vorkam. In dieser, von Räthselhaftem und Geheimnißvollem so reichen Dunkelheit, in dieser so neuen, mir unbekannten Sphäre beschlich Mich jäh eine tiefe Niedergeschlagenheit; es .ward mir weich ums "Herz; ich dachte an meine Mutter, die mich jetzt im Beth ha- Midrasch wähnt und sich dessen innig freut und nun so schändlich hintergangen wird — sind mir wurde schwer zu Muthe. Dann :begann ich Pläne zu bauen, wie sie durch etwas zu entschädigen, um so mem großes.Vergehen gut zu machen. Ich wollte ein berühmter Sänger oder Musiker werden! Und ich fange schon an, mir auszumalen, wie ich im Theater singen und die ganze Welt mit meiner Kunst entzücken, wie ich reich gekleidet bei meiner Mutter ׳erscheinen und ihr all' mein Geld hingeben werde; dann werde ich 'zu-singen anfängen, Gerschon wird herbeieilen, die ganze Straße -sich mit Menschen füllen, und Alle werden mit beklommenem Herzen -mir zuhöreu. Dann erwachten wieder meine religiösen Gefühle und wurmten mich; besonders verurs.chte mir der Gedanke, dass ich so lange barhäuptig sitze, große Seelenpein: da sitzt Reb Awner doch wenigstens im Käppchen! dachte ich... Da fiel aber der Vorhang mit einem Psiiff nieder; im Parquet erschienen einige Menschen, die immer den Kopf nach oben rissen und sich nach allen Seiten umblickten; und nachdem sie ihre Blicke in den verschiedensten Richtungen hatten umherirren lassen, entfernten sich manche wieder. Allmählig wird der Saal erleuchtet und gefüllt. Noch zwanzig Minuten und dieselben grandiosen Klänge füllten das Theater, denn durch eine glückliche — vielleicht auch unglückliche — Fügung der Umstände waren wir wiederum in ״Robert der Teufel" gerathen. Der Nebel, mit dem alles für uns bei ersten Aufführung bedeckt war, entschwand, und die hehre Schönheit der Melodik, die ganze erhabene Harmonie der Oper mit ihrer tragischen Düsterkeit, sie erschienen uns jetzt in ihrer ganzen Pracht. Das, was uns das erste Mal chaotisch, als wirrer Lärm vorkam, begeisterte uns jetzt durch seine Tiefe und Größe; nicht ein Ton gieng uns jetzt verloren und alles, alles, von Anfang bis zu Ende, von der entzückenden Ballade Raimbeau's bis zum letzten, durch seine Tragik erschlitternden Trio; von dem ersten Bravour-Tafelchor der Ritter bis zu dem hehren, düsteren Chor der Mönche und dem Kirchenchor hinter der Scene im fünften Akte — alles drang uns unmittelbar ins Herz, dehnte es ans zu endlosen Dimensionen und schuf dort eine' neue gigantische Welt. Was Reb Awnern betrifft, so hat. er seinen Enthusiasmus au dem heutigen Abend durch nichts äußerlich bekundet; nur sein Gesicht drückte deutlich aus, wie er fühlte und wie tief er das Werk erfasste. Die ganze Zeit über blieb er unbeweglich, stumm und concentrirt, nur beim Auftreten Alicens zeigten sich jedesmal die verrätherischen zwei Flecke auf seinen bleichen Wangen, und in seinen Augen entflammte eine furchtbare Gluth, die seinem Antlitz den Ausdruck qualvollen Leidens verlieh. Ihre herrliche Romance aus dem ersten Akte sang er in den Zwischenakten leise vor sich hin, dabei mit dem Kopfe schüttelnd und wie im Gebete die Augen nach oben richtend. ־ (Fortsetzung folgt.) ßorrespsnderrz der AedacLion. P. in Kohlj. Bestätige den eingesandt. halbj. Adonnementsbetrag. Br. in Neupest, die restiren blos für'» laufende Quartal. Jankfagung. Für die zahlreichen Gratulationen, welche mir anlässlich der mir von Seiten Sr. Majestät des Sultan gewordenen hohen Aus- Zeichnung von Collegen und Freunden zugekommen sind, stätte ich hiemit meinen herzlichsten Dank ab. Jacob Karrer, Obercantor der türk. Jjr.-Gemeinde in Wien. vis älteste, hestrenommirte Selehfleisehwaaren - Fabrik j. 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