Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 24 (15.7.1888)
- Date
- 1888-07-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4ms Abschwellen: nämlich die tiefen Töne forte und dunkel — übergehend zu den hohen Tönen piano und hell. Sodann kann das Anschwellen und Abschwellen geschehen in Einer Tonfarbe, sei es in der Hellen oder in der dunkeln. Und wenn wir nun die primitiven Tonformen folgendermaßen bezeichnet haben: 1) piano tief und dunkel und 2) forte hoch und Hell; so formen wir die neu gewonnenen sekundären Tonformen in gleicher Weise folgendermaßen bezeichnen: 3. forte, tief und dunkel. 4. piano, hoch und hell. 5. forte, tief und hell. 6. piano, hoch und dunkel. 7. forte, hoch und dunkel. 8. piano, tief und hell. Wir haben somit bereits acht verschiedene Tonformen, (zwei primitive und sechs sekundäre), und nehmen wir dazu noch die drei Arten des Ansatzes, staeeato, portämento und legato, welche mit jeder dieser, acht Tonformen sich verbinden lassen : so ergeben sich also im Ganzen bereits 24 verschiedene Tonsormen. Damit ist jedoch deren Zahl so wenig erschöpft, dass vielmehr je nach dem grö- Heren oder geringeren Grade der Stärke und des Klanges (zwischen dem forte und piano liegen ja viele Mittel- oder Vermittlungs- Grade, und ebenso zwischen dem Hellen und- Dunkeln) noch eine Menge neuer Unterabtheilungen und Verbindungen derselben möglich sind. Wir haben nur die hauptsächlichsten angeführt, und wenn der Schüler erst nur diese wiedergeben kann, so wird er auch die zwischeu' ihnen liegenden neuen Verbindungen ohne Mühe finden. Und wenn er nur immer innerhalb der oben angegebenen Grenzen hin׳ sichtlich der Stärke, des Umfanges und des Klanges seiner Stimme Lei allen Lonformen fich hält, so wird er auch die Uebergänge von Tonformen zu Tonsormen in zartem Verschmelzen, d. h. nach dem Gesetze der Maßeinheit, oder mit andern Worten das innere Gesetz der Aneinanderreihung, der Aufeinanderfolge derverschiedenen Tonformen bald erkennen und anwenden lernen. ' Gesetzt nun die von einem Sänger gebildeten einzelnen Tonformen alle bewegen׳ fich auch bereits in den oben angegebenen Grenzen und seien somit gut und brauchbar, als ihnen allen das aus der individuellen Stimm-Natur des Sängers folgende Maß der Gleichheit zu Grunde liegt: so bedarf doch die Art ihrer Aneinanderreihung noch eines sehr sorgfältigen Studiums. Wie die vom Eomponisten geschaffene Melodie ein Ganzes ist, welches aus verschiedenen Theilen (einzelnen Tönen und größeren Phrasen) zusamwengesetzt ist, so muß auch der Vortrag oder die Reproduktion dieser Melodie durch den Sänger ein Ganzes bilden, welches zusamwengesetzt ist aus verschiedenen Theilen; und wie die die ganze Melodie bildenden einzelnen Theile derselben in innerem nothwendigem Verhältnis zu einander stehen müssen, so müssen auch die den ganzen Vortrag umfassenden einzelnen Tonformen in innerem nothwendigem Zusammenhang auftreten. Mit andern Worten; die Tonformen müssen trotz der Abwechslung in ihrer Wahl doch immer in innerem gleichartigem Verhältnis zu einander stehen, so dass sich die eine Tonform aus der andern gleichsam von selbst mit innerer Nothwendigkeit ergibt. Denn dadurch allein wird auch in der Aneinanderreihung der mannigfaltigsten Tonsormen aneinander doch immer die Maßeinheit bewahrt. Und so entsteht denn für die Aneinanderreihung der Tonfor- MM im Gesänge das Gesetz, dass nur gleichartige Tonformen aneinander gereiht werden dürfen. Betrachtm wir nämlich die weiter oben aufgeführten acht Tonsormen — ganz abgesehen von der hohen oder tiefen Lage der Töne — genauer im Verhältnis zu einander, so haben dieselben bald ein Merünal der Gleichheit, bald zwei, bald alle drei Merkmale gemeinsam. Haben sie alle drei Merkmale mit einander gemein — den Grad der Stärke, die Art des' Ansatzes und-des Klanges —, so sind sich die Tonformen ganz , gleich, und ihre Aneinanderreihung ergibt eine in jeder Beziehung gleiche Linie, einen ganz gleichen Fluss, ist somit, wie fich von selbst versteht, auch demOhre nicht unangenehm, also im Gesänge -gut. Haben sie nur zwei Merkmale der Gleichheit gemein, z. B. den Grad der Stärke und des Klanges, unterscheiden sich aber im dritten .Merkmal, in der Art des Ansatzes (die eine Tönform est z. B.׳ staeeato, die andere portarnento), so sind auch diese Tonformen, obgleich verschieden, doch gleichartig. Ebenso, wenn sie auch nur eines jener drei Merkmale der Gleichheit mit einander gemein haben, find sie, wenn auch noch mehr von einander verschieden, doch immer-gleichartig. Haben sie jedoch gar kein -Merkmal mit einander gemein, so hört die Gleichheit unter ihnen und die Möglichkeit, sie im Gesang aneinander zu reihen, aus, z. B. eine Tonform, welche forte-staeeato-hell ist, lässt sich nicht unmittelbar vereinen mit einer Tonform, welche (in allen Theilen von jener verschieden) piano-portamento-dunkel ist; eine Tonform, welche piano-staeeatö-hell ist, lässt sich nicht unmittelbar zusammenstellen mit einer Tonform, welche forte-portärnento-dunkel ist —- u. s. w. Bei diesen Beispielen sind' alle drei Merkmale verschieden, und auch für das Ohr ist, wenn sie aufeinder folgen, der Abstand zwischen solchen ganz verschiedenen Tonformen zu grell, fremdartig und widerlich. Die Schönheit des Ganzen verlangt einen inneren Zusammen- Hang der einzelnen Theile, un d wasj.im Gesänge aneinandergereiht werden soll, muß daher in solch innerem .Zusammenhänge stehen, d. h. es muß, wenn auch nicht alle Merkmale den Tonsormen gleich sind, doch immer durch wenigstens einen Bestaudtheil, welcher den aufeinander folgenden Tonformen gemeinsam, ist, ein innerer Zusammenhang zwischen denselben bestehen. Nur - in diesem Falle kann überhaupt die eine Tonform entstehen aus der anderen, sich entwickeln aus der änderen, herausfließen aus der anderen, in gleichem Fluss trotz der Verschiedenartigkeit beider. Und sind vollends zweien aneinander zu reihenden Tonformen zwei Merkmale gemeinsam, so ist ihre innere Gleichheit noch größer und der Nebergang von der einen zur anderen noch weniger auffallend sür das Ohr. Es können also überhaupt nur gleichartige Tonsormen im Gesang aneinan-- der gereiht werden; aber auch wenn die aufeinander folgenden Tonformen ein oder zwei Merkmale gemeinsam haben, z: B. die Art des Ansatzes und den Grad der Stärke, so darf doch auch.hier der Uebergang von der einen zur anderen nicht schroff geschehen,' sondern es muß auch bei dem ihnen nicht gemeinsamen Merkmal — der Tonfarbe — von dem einen Grad desselben zu dem anderen ein zartes Uebergehen durch die zwischen beiden,Graden liegenden Mittelstufen, d. h. ein fortlaufender Fluss, ein inneres Werden des einen Grades aus dem anderen - heraus stattfinden.' (Fortsetzung folgt.) Gedenket -er Tage -er Vorzeit — erwäget -ie Äenderung -er Zeitalter. (V. B. M. 32.7.) XV. . - ■ Der Geist der Juden, welcher-ohnehin schon für die reformatorischen, freien Begriffe französischer Philosophen schwärmte, konnte sich nunmehr frei bewegen und-sich zu einer Reform .vorbereiten.