Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 23 (7.7.1888)
- Date
- 1888-07-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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alten, Josestner Rabbiner waren, wie, die Josefiner katholischen^ Geistlichen jener Zeit, voller Wissen, Duldsamkeit und Milde. Der Rabbiner war der Vater der Gemeinde. Heute will er Herr und Gebieter sein. Die hohe Regierung kennt nur die katholische Schablone und braucht einen Geistlichen, den Cantor kennt sie nicht oder nur vom Standpunkte des Vorbeters oder Vorsängers. Die Rabbinen bemühen sich gewiss nicht, um -das Ansehen und die Würde des Cantors bei der Regierung zu begründen, ihnen gilt die Predigt mehr als alles, und gerade sie würden sich ein unvergängliches Verdienst um den jüdischen Gottesdienst erwerben, wenn sie darnach strebten, mit dem Cantor vereint die Seelsorge zu bilden und nicht wohlgefällig der Zurücksetzung der Amtsgenossen Zusehen. Strakonitz, im Juni 1888. EmilFränkel. Vereinsnachrichteu. Gemäß eines in der' letzten Vorstandsitzung gefassten Beschlusses wird von nun ab das Vereinsjahr nicht mit 1. Juli, sondern mit 1. Jänner eines jeden Jahres beginnen; der Rechenschafts- Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr 1887—88 wird somit auch erst am 1. Jänner 1889 veröffentlicht werden. Nach Verlesung der diversen Einläufe machte der Vorsitzende die Mittheilung, dass Herr Cantor I. Schiller in Wien der anzulegenden Vereinsbibliothek einen Band des Löwenstamm'schen Synagogenwerkes gespendet habe. (Wird von der Versammlung dankend znr Kenntnis genommen). Die geehrten Mitglieder werden in Folge der unpünktlichen Einzahlungen der Vereinsbeiträge darauf aufmerksam gemacht, dass nach § 12, HI unserer Statuten ein halbjähriger Rückstand den Verlust der Mitgliedschaft nach sich zieht, und dass der Vorstand in Zukunft strengstens an dieser statutarischen Bestimmung festhalten wird. Aer Worstand des ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines". Kleine Chronik. Wien. Durch eine freigebige Spende ist die Wiener Universitäts-Sternwarte in den Besitz eines wertvollen Instruments gelangt, das sie sich aus den ihr regelmäßig zu Gebote stehenden Mitteln nicht hätte anschaffen können. Das Instrument, durch welches die Thatigkeit der Sternwarte wesentlich gefördert wird, ist ein in Paris angef.ertigtes Spiegelteleskop größten Umfanges. Baron Albert Rothschild hat dieses Instrument um den Preis von 40.000 fl. erworben und der Sternwarte zum Geschenke gemacht. Außerdem hat Baron Rothschild auf eigene Kosten das Observationsgebäude für die Aufstellung des Instrumentes errichten lassen und einen eigenen Fonds zur Erhaltung desselben gestiftet. Die Kosten der ganzen wissenschaftlichen Stifttmg dürften sich auf nahezu 100.000 Gulden belaufen Wien. Mehrere antisemitische Gemeinderäthe brachten in der Sitzung vom 2. Juli einen gegen die Juden gerichteten Antrag ein, über den jedoch die Versammlung mit großer Majorität zur Tagesordnung übergieng. Der Antrag, lautete folgendermaßen: ״Es ist im .Interesse des Gemeinderathes der Stadt Wien gelegen, dass bei Vergebung städtischer Arbeiten und Unternehmungen, bei Anstellung , öffentlicher Beamten, Lehrer, Diener u. s. w. einzig und. allein aus unsere heimische Bevölkerung Rücksicht genommen «erde, da dieser vor Allem die Vortheile des Gemeinwesens zukommen sollen. EL soll daher der Jude bei allen derarttgen Vergebungen und Anstellungen ausgeschlossen werden: nicht nur der fremde, sondern auch der eingeborene Jude. Ebenso ist dem Juden das Heimatsrecht ohne Ausnähme, wo er auch herkomme, zu verweigern. Dies fordert nicht religiöser Hass, sondern der gesunde, auf geschtlicher und täglicher Erfahrung beruhende Menschenverstand, dies fordert unser eigenes Wohl, und die wahre Humanität". Es ist bemerkenswerth, dass dieser Antrag selbst unter den Parteigenossen der Herren, die ihn einbrachten, auf Mißbilligung und Widerstand stieß. So verweigerte der Mariahilfer Gemeinderath Garber seine Unterschrift, verließ den Sitzungssaal und betrat denselben erst wieder, nachdem der Antrag abgethan war. Gemeinderath Hawranek erklärte nachträglich, er habe nur die ersten Zeilen des Antrages gelesen und denselben unterfertigt, weil er der Meinung gewesen sei, dass es sich nur um den Schutz einheimischer Wiener bei der Vergebung von Arbeiten und bei Anstellungen handle. Er versicherte,mie mehr einen Antrag zu unterschreiben, ohne ihn ganz gelesen zu haben. Der Verlesung des Antrages folgte lebhafte Unruhe und es wurden Rufe des Befremdens laut. Bürgermeister-Stellvertreter Dr. Prix, welcher in Abwesenheit des beurlaubten Bürgermeisters den Vorsitz führte, ertheilte dem Gemeinderath Dr. Richter das Wort, der sich folgendermaßen äußert: ״Meine Herren! Ich möchte Sie bitten, über diesen Antrag zur Tagesordnung überzugeheu, und zwar aus einem ganz einfachen Grunde. Es ist Ihnen Allen bekannt, dass es seit 20 Jahren in Oesterreich Staatsgrundgesetze gibt, welche normiren, dass der Zutritt zu allen Aemtern und überhaupt zu Allem den Staatsbürgern ohne Unterschied der Confession freisteht. Ich bitte nur zu bedenken, in welcher Weise Sie sich mit diesem Staatsgrundgesetze, dass die Signatur Seiner Majestät trägt, in Widerspruch setzen würden, wenn Sie heute diesen Antrag auch nur in Betracht zu ziehen sich anschickm. Ich glaube, Sie können nichts Anderes thun, als über diesen Antrag den Uebergang zur Tagesordnung beschließen — und diesen Artrag stelle ich". Es erhebt sich für den Antrag Dr. Richter fast die ganze Versammlung, mit Ausnahme von etwa zehn Anhängern der ״antiliberalen Liga". Wrag. Die Directionen der hiesigen Mittelschulen wurden verständigt, dass die Befreiung der jüdischen Schüler vom Unterricht an den jüdischen Feiertagen vom Gesetze begründet ist, und dass die israelitischen Religionslehrer zu erinnern seien, stets vor den betreffenden Feiertagen die Schüler zum Besuche des Gotteshauses anzuhalten. Budapest. Vor einigen Monaten fand zwischen dem Grafen Andor Szechenyi und Richard Wahrmann (Sohn des Abgeordneten Wahrmann) ein Duell statt, welches dadurch veranlasst, war, dass Szechenyi sich weigerte an einem Kartenspiele theilzunehmen, zudem Wahrmann schon eingeladen war. In dem Streite, der sich darüber entspann, rief Graf Szechenyi feinem Gegner das Wort ״Saujud" zu. In dem Duell erhielt Szechenyi einen Schuß in die Brust, an dessen Folgen er 2% Monate darniederlag. Daher kam es, dass die Gerichtsverhandlung gegen Wahrmann früher stattfand, und dieser zu sechs Monaten Gefängnis verurtheilt wurde. Gegen Szechenyi wurde am 23. Juni verhandelt und ihm mit Rücksicht auf seine schwere Verwundung mildernde Umstände bewilligt, weshalb ihn nur eine Gefängnisstrafe von einem Monat traf. Staatsanwalt wie Vertheidiger legten Berufung ein. In seinem Plaidoyer sagte der Vertheidiger unter Anderem, dass Jedermann es für eine Ehre halten müsse, wenn er mit den Nachkommen so glorreicher Familien, wie die Szechenyis oder Wesselenyis in Berührung komme. Vice-Staatsanwalt Goszdu erhob sich zu einer Replik, in welcher er entschieden -'gegen diese Behauptung des Vertheidigers protestirte. ״Heutzutage adelt nicht die Geburt, sondern die Arbeit und das Wissen allein. Heinrich Heine war ein Jude, aber deshalb konnte jeder Gras oder Fürst es sich zur Ehre anrechnen, wenn dieses erleuchtete Genie ihn eines Händedruckes würdigte". | Würnöerg. Herr Oberkantor Moritz Rosenhaupt dahier erhielt heute folgende Zuschrift: ״Friedrichskron, den 24. Juni 1888. Euer Wohlgeboren bin ich beauftragt, den aufrichtigen Dank Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin für die in Ihrem gefälligen Schreiben vom 20. d. M., wie für Ueberreichung Ihrer Composition ״Trost" zum Ausdruck gebrachte warme Theitnahme an