Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 23 (7.7.1888)
- Date
- 1888-07-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 — len, dass sie — wie!man sich gewöhlich dafür ausdrückt — überschlagen. Denn dieses?Ueberschlagen geschieht eben nur dadurch, dass die Athemkraft zu groß genommen ist im Verhältnis zur Muskelkraft. Alle zu tiefen -und zu hohen Töne sind somit gänzlich unbrauchbar und kündigen sich auch sogleich dem Gefühl des Zuhörers als maßlos und widerlich an- Und hinsichtlich des Klanges endlich haben - wir die beiden Grenzen in. der gleichen möglichst hell gehaltenen und in der gleichen möglichst dunkel gehaltenen Scala festgestellt. Ueber diesen Grad der Hellen und der dunklen Farbe, wie er sich für die ganze Scala ergeben hat, darf kein Ton hinnausgehen, sonst ist die Maß- Einheit hinsichtlich des Klanges unmöglich: denn gesetzt auch, irgend -ein Ton wäre als einzelner dazu fähig, noch Heller oder dunkler Zu erscheinen, so hat dies keinen Werth, wenn nicht auch alle übrigen Töne im Zusammenhänge 311 derselben Klangfarbe gebracht werden können. Alle zu dunkeln und alle überhellen Töne sind so- - mit gänzlich unbrauchbar. Denn wenn auch ein Ton für sich allein zu stehen scheint, so steht er doch im Gesänge stets im Verhältnis zu allen übrigen Tönen. Und wer somit über die festgesetzten sich natürlich ergebenden Grenzen, sei es hinsichtlich der Stärke oder des Umfanges oder der Klangfarbe, hinausgeht, hebt sogleich die Maßeinheit auf, welche alle Töne trotz der mannigfaltigsten Nüancirungen umschließen muß. Und ist dies bei jedem der drei Merkmake der Gleichheit für sich abgesondert-der Fall, so gilt es auch für die Verbindung der drei Merkmale mit einander: nur die innerhalb dieser Grenzen möglichen Tonformen sind gut und können zu einander im Verhältniße der Maßeinheit stehen, wie wir dies bei der Lehre vom Uebergang einer Tonsorm in die andere weiter unten noch weiter erörtern werden. Vorher aber müssen wir die durch die Verbindung der drei .Merkmale der Gleichheit' innerhalb jener Grenzen möglichen Tonformen selbst näher betrachten. — (Fortsetzung folgt.) Gedenket -er Nage -er Vorzeit — erwüget -ie Äen-erung -er Zeitalter. - (V. B. M. 32.7.) XIV. . . Die Wirkung der Emanzipation in Frankreich ist in den wissenschaftlichen Arbeiten der damaligen jüdischen Gelehrten unverkennbar. Wir nennen nur die verdienstlichen Arbeiten von Michael Beer aus. Nancy und Salvadors geistreiche Geschichte der mosaischen Gesetze. Außerdem haben mehrere Rechtsgelehrte sich äußerst berühmt gemacht. Zn erster Reihe der um die Judenheit unsterblich gewordene Crem ieux aus Nismes wie Oulif in Metz. Sie haben durch ihre unwiderstehliche That- und Redekraft viele Mißbräuche bekämpft und beseitigt. Uebrig ens bemerken wir ausdrücklich, dass die Emanzipation in Frankreich keineswegs eine KL'te gegen die Religion veranlasst hat. Zm Gegentheil herrschte im Allgemeinen strerge Religiosität, auch der Form nach, bei den liberalsten Ansichten. Nur ein Streben nach Veredlung hat sich überall geltend gemacht, das zweifelsohne zum Ziele führte. Auch die niederländische Revolution 1795, eine Tochter der französischen, war der Emancipution der Juden höchst förderlich. Die Befreiung der Juden von damals noch herrschenden Beschränk ungen lag in der Konsequenz des Princips. In der Batavischeu! Republik waren übrigensdie Inden darauf besser vorbereitet, als irgendwo. Ungeachtet mancher Ausschließungen und der übermäßigen . Macht der Rabbinen, gegen deren Ausspruch zu appelliren ein Verbrechen war, hatten sich dennch treffliche Männer gebildet und in verschiedenen Zweigen des Wissens hervorgethan. Wir nennen beispielsweise die Aerzte van Laan als Physiker, Stein als Botaniker, Heilbron, dessen Schriften sechsmal in Rotterdam gekrönt wurden, M/S. Asser,. Cappadoce, Davids u. a. m-, welche auch von der Regierung ausgezeichnet wurden. Selbst in der Marine gab es tüchtige Juden von anerkannten Verdiensten. Nach eingeholter Begutachtung über deren Reife zur Naturalisation, erklärte endlich die General- Versammlung am 2. September 1796 dieselben in jeglicher Hinsicht für Bürger der Republik. . Um dieser großen Wohlthat würdig zu werden, traten alsbald die zeitgemäß gebildeten Juden zusammen und bildeten einen Verein Namens Adat-Jeschurun, entwarfen Pläne zur Umschaffung des Lebens der minder gebildeten Classe, zur Aenderung der nicht entsprechenden gottesdienstlichen Formen, zur Erweckung des Sinnes für bürgerliche Gewerbe, insbesondere für. Landbau und Handwerk. Allein ihre Bemühungen wurden einerseits von den Rabbinen, andererseits von den Vorurtheilen christlicher Handwerker wie gewöhnlich vereitelt. König Ludwig Napoleon änderte zwar die Verhältniße zu ihren Gunsten, doch standen ihnen noch viele Vorurtheile entgegen. Sie mussten, trotzdem sie die freisinnige Gesetzgebung zu allem befähigte, doch noch die Wirkung der Zeit abwärten. Diese trat ein, als Napoleon 1807 die Deputirten nach Paris berief. Sie sandte alsbald mit Genehmigung des Königs eine Deputation nach Paris, bestehend aus Dr. jur. Asser dem Jünger en, dem Dr. med. Lemon und dem Dr. phil. Litwall, die dem großen Synedrion ihre Huldigung und Unterwerfung bekundeten. Ihrer- Anstrengung gelang es endlich, auch im Königreiche Holland wohlthätige Veränderungelt hervorzubringen, die durch eine neue neue Verfassung der Synagoge, welche inr Jahre 1809 ebenfalls unter ein Consiftorium gestellt, noch - besonders begünstigt wurde. In keinem Lande haben die Juden solche glänzende Beweise von der Nichtigkeit der ihnen in bürger- Hinsicht gemachten.Vorwürfe geliefert, als in Holland; aber auch in keinem anderen Reiche sind ihre Verdienste so unbefangen, vorurtheilslos gewürdigt worden. Dies geht auf's Unzweideutigste aus der großen Zahl aus ihrer Mitte — und zwar aus allen Gebieten — gewählten Beamten hervor. Dem wackeren I. D. Meyer, der ein kurzes Verzeichnis derselben geliefert, sind wir!׳och besonders dankbar dafür, wie für seine Anfertigung eines erkundlichen Verzeichnißes über christliche und jüdische Verbrecher vom Jahre 1780 bis 1816, das natürlich höchst günstig für die Juden zeugt. Unter den mannigfachen Epitetis, womit Israel in der heiligen Schrift geschmückt wird, befindet sich bekanntlich auch die Be- Zeichnung ״Am olom" (Jes. 44.7.), und das mit Recht, wie die geneigten Leser aus der bislang kurz gezeichneten Geschichte, vom Beginne der Welt bis auf unsere Zeit, zu ersehen Gelegenheit haben. Wir sind thatsächlich das ewige Volk, oder wie es Volksmunde heißt: der ewige Jude. Vom Beginne der Welt datirt unsere Geschichte, wird es auch nach der Verheißung Jeremias (46.28): ״Wenn ich auch alle Völker, unter die ich dich verstoßen, vernichte, aber dich vernichte ich nicht", bleiben. Wir sind demnach Gott vertrauend in aller Zukunft geborgen und gesichert. Ist die kurze und bündige Lösung des weiland berühmten Predigers der freien Gemeinden Uhlig der Frage: ״Was ist Zeit?" ״Zeit nennt man die Dauer im Wechsel" — eine richtige, so haben wir entschieden aus das erwähnte Epiteton den begründeten Anspruch. Unsere Dauer im Wechsel der menschlichen Geschlechter hat sich bis jetzt vollständig