Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 23 (7.7.1888)
- Date
- 1888-07-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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außerhalb des Lagers (wahrscheinlich das Ghetto gemeint)/ von der r heiligen Gemeinde Prag übersiedelt nach der heiligen Gemeinde! Frankfurt am Main im Monate Cheschwan 5416." Der Verfasser ist der jüdischen Sprache mächtig und fehlt cs ihm nie an einem passenden Ausdrucke. Seine Schreibart, wenn auch mitunter im talmudischen Style gehalten, ist sinnreich, kunstvoll und er liebt häufig gleichlautende Wörter zu wählen, die doch Verschiedener Bedeutung sind, sogenannte Wortspiele; wir wollen hier nur ein Beispiel als, Muster anführen. Er will den freudigen Beruf des Cantors betonen, zur Einigung und Liebe zum Berufe aussord.ern und bedient sich dabei einer Metamorphose: "קול מצהלות חזנים מחיבתם"! Welch' eine herrliche Anspielung auf den Vers bei Trauungen, den gewöhnlich Cantorm mit Pathos vortragen : ,,קול מצהלות התנים מחופתם". Das Büchlein beträgt im Ganzen 93 kleine Octavseiten; nicht miteingerechnet sind »orangehende Gutachten berühmter Rabbiner, die voll Lobes über den Inhalt dieses Wer-kchens sich ausgesprochen, den Verfasser ״Meschauror Hagodol־ ״ nennen und das elbe warm empfehlen. Dann folgt eine eingehende, längere Vorrede; auch von dieser werden wir einen Auszug machen. Dann folgt der eigentliche Inhalt in vier Abtheilungen, woran sich noch zum Schlüsse. schöne gereimte Sprüche in doppelt alphabetischer Ordnung anreiheu, und noch Einiges, das wir auch am. Schlüsse in Betracht ziehen werden. Nur die erste Abtheilung enthält Vorschriften und Wünsche, Regeln und Sentenzen über des Cantors Beruf, Leben und Verhallen. Die anderen Abschnitte find agadischen Inhaltes, Exegesen, theils Producte des Verfassers, theils Gehörtes und Gesehenes. Auch ans diesen werden wir eine kleine Blumenlese liefern undzu einem Sträußchen winden. .. W ..... r. (Fortsetzung folgt.) Methodik -er Gesangskunst. XXXI. ־ Je nach der Art der Zusammensetzung der drei Factoren entstehen, wie schon angedeutet, verschiedene sogenannte Tonformen; eine andere Tonsorm entsteht, wenn der Athem vorherrscht und die beiden andern Factoren nur untergeordnet^ Mitwirken; eine andere, wenn das Ansatzrohr vorherrscht und die zwei ändern üntergeordnet erscheinen. Und ebenso nach Herstellung der Gleichheit der Scala Ln jener dreifachen Beziehung ergeben sich je nach dem Vorherrschen der einm oder der andern und je nach dem Grade dieser Gleichheit im Verhältnis׳ zum Grade der andern Gleichheiten die mmnigfaltigsten Abwechslungen, welche wir ebenfalls mit den Namen Tonformen bezeichnen können. Wie jedoch in der Architektur das Maß jeder einzelnen Form sich immer rich en muß nach dem Maße aller andern Formen, welche zusammen ein Ganzes zu bilden haben: so auch in unserer Kunst das Maß jeder einzelnen Tonform nach allen übrig«! Tonsormen. Wie dies ein Sänger erreiche, auf welchem Wege er zum inner» Verständnis dieser von ihm zu beobachtenden Maßeinheit und zu ihrer Realisirung praktisch geführt werde, auch darüber haben wir bis jetzt in den verschiedensten Gesangschulen vergebens einm Ausschluß gesucht. Und doch ist gerade dies das erste Gesetz Mer Schönheit in der Kunst, dass in den mannigfaltigsten Formen und Nuancen der Zusammensetzung die Einheit als die Basis des Ganzen sich immer wieder herausstcllt: bei einem Gemälde für das Auge, beim Gesänge für das Ohr. Denn ein Kunstwerk ist nur das Werk zu nennen, bei welchem jeder einzelne Theil im innigsten Zusammenhänge fleht mit allen! andern Theilen, und mit ihnen allen, zusammen ein Ganzes bildet/, dessen nothwendige Theile sie selbst sind in ihrem bestimmten Maß!; das Ganze. entsteh t durch die Theile, rmd die Theile durch -das Ganze. D e Form jedes einzelnen Theils richtet sich nach der des Ganzen,-ist also nicht willkührlich und zufällig; und wie der Baumeister sagen muß: ״die Form dieses Theils kann nur diese sein", so muß sich der Gesangkünstler sagen können: ״dieser Ton muß so׳ sein". Alle Willkühr hört auf, und nach dem für das Ganze nach, innerer Einsicht gewählten Maß bestimmt sich mit Noth wendigkeil .das Maß jedes Theils. Und reden wir nun, nach dieser allgemeinen Bemerkung, mit alleiniger Beziehung auf die Gesangkunst, so> richtet sich allerdings die von jedem Sänger zu beobachtende Maßeinheit für alle seine Töne und Tonformen nach der individuellen. Natur seiner Stimme überhaupt: denn Stärke, Umfang und Klang der Stimme sind individuell verschieden. Wenn wir jedoch in den vorhergehenden Abhandlungen für die individuelle Stimme eines jeden Sängers hinsichtlich der Stärke, Muskelthätigkeit und des Klanges die Gleichheit hergestellt haben, so sind damit bereits die äußeren Grenzen angegeben, zwischen,!velchen sich alle Töne und Tonformeu des betreffenden SängerL. ■ bewegen müssen. Diese Grenzen nun darf er niemals überschreiten,, sonst hebt er die Maßeinheit auf; bleibt er aber bei allen weiteren Nüancirungen und Formen streng in d esen Grenzen, so ist damit schon eine gewisse Maßeinheit bei aller Mannigfaltigkeit vor- Händen. ' ׳ Hinsichtlich der Stärke haben wir die beiden Gränzen in , der gleichen möglichst piano gehaltenen und in der gleichen möglichst 'forte gehaltenen Scala festgestellt. Ueber diesen Grad des piano׳ und des forte, wie er sich für die ganze Scala ergeben hat,, darf kein Ton hinausgehen, sonst ist die Maßeinheit hinsichtlich, der Stärke unmöglich: dem: gesetzt auch irgend ein Ton wäre als eineinzelner dazu fähig,, noch mehr piano oder noch mehr forte zu erscheinen, so hat dies keinen Werth, weil nicht auch alle übrigen' Töne im Zusammenhang zu demselben Stärkemaß gebracht werden können. Alle zu schwachen, und was besonders zu beachten ist, alle zu starken schreienden Töne sind somit unbrauchbar. Hinsichtlich des Umfanges sodann haben wir die beiden Grenzen in dem tiefsten und höchsten Ton, welche für eine Stimme durch Muskelthätigkeit bei ganz schwache« Äthem sich Hervorrufen lassen, gefunden. Ueber diesen Umfang, welcher sich durch die Ausbreitung der richtigen Muskelthätigkeit über möglichst viele Töne ergibt, darf keine Stimme hinausgehen wollen, sonst ist die Maßeinheit Hinsichtlich der Muskelkraft unmöglich. Denn gesetzt auch, es lasse sich auf andere Weise für sich allein ein noch tieferer oder höherer Ton zu Tage fördern," so haben doch solche Töne keinen Werth, weil sie nicht durch dieselbe Muskelthätigkeit wie alle übrigen Töne iin Zusammenhänge erzeugt sind. Gewöhnlich findet bei solchen zu tiefen und zu hohen Tönen eine unnatürliche .Anstrengung-säm ntlicher Halsmuskeln statt; Öet den zu tiefen Tönen ein krampfhaftes Zusammenziehen, bei den zu hohen Tönen eine krampfhafte Ausdehnung; der Hals wird durch die Anstrengung roth und der ganze Kops hat seine freie leicht bewegliche Haltung verloren, Auch stehen solche Töne dem, der sie gebrauchen will, nicht zu jeder Zeit zu Gebot, denn sowohl die zu große Anstrengung der Halsmuskeln als die Ueberanstrengung der Lungen ruft sehr bald wieder eine Erschlaffung hervor. Dagegen kann der Sänger sämmtliche Töne, welche durch richtige Muskelthätigkeit und Athemgebung möglich sind, stets sein eigen nennen und sie ohne Mühe beherrschen; nur die in diesem Umfange liegenden Töne sind ihm sich:r, um er hat nicht zu befüch-