Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 23 (7.7.1888)
- Date
- 1888-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterr eichisch - ungarische Cantoren Wrärmrnerationspreis Für BereinSLritglitder. ' Ganzjährig fl. :5.— Halbjährig fl. LSv Vierteljährig fl.'1^25 Für Sttch«mÜg«tder «Ganzjährig ׳ fl. «.— P Äalbiäbria fl. 3.- Vierteljährig fl. 1.50 Für da» Ausland Ganzjährig fl. 10 Mark oder 5 Rubel. 027 MS. 22. die üiltereffeu Mfcher Hsktoreo untl ^Mltmbesmten. Erscheint jeden achten Zag. Begründer: Oberccmtor Jacob Bauer. HLedaction und - Administration W i t », n., Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werde» nicht retsnrnirt. Nr. 23. Wien, 7. JE 1888. 8. Jahrgang. Der jüdische Cantor als Sch'liach Zibbur^). 1. Der jüdische Cantor hat eigentlich eine zweifache Function zu versehen, den gesanglichen Theil als Cantor, was jedenfalls von hoher Bedeutung ist, weil dadurch der Gottesdienst verherrlicht und die Gemeinde zur Andacht gestimmt wird. Da gleichen die Gebetstücke einer Gestalt und die zierlichen Melodien derselben als angepasste Kleidung, dadurch ergänzen sich Inhalt und Form, und das Gebot erscheint nach der Sprache der Bibel, wie ״Tapuche Sohow B’maskijos Kesef", goldene Aepfel in silbernen Schalen. (Spr. 25, 11.) Eine ganz andere Function hat der Cantor als Sch'liach Zibbur, das heißt nicht als. Bote oder Diener der Gemeinde, wie Manche es aufzufassen belieben, sondern als Vertreter der Gemeinde, der andächtigen Versammlung vor Gott. Da handelt es sich nicht so um den schönen Gesang, sondern vielmehr um die Würde der Person, um das Verständnis des Inhaltes der Gebetstücke, um den sittlichen Lebenswandel des Vorbeters der Gemeinde, besonders an den hohen, heiligen Feiertagen. (S. oraeb Chajim 684, 1.) Nun ist es keinesfalls unsere Absicht, hier über die Methode des Gesan׳ ges ein Urtheil zu fällen, man könnte uns mit vollem Rechte zurufen: ״Hagam Schoul banviim sondern über den Cantor als Sch'liach Zibbur wollen wir referiren. Und auch in dieser Beziehung wollen wir uns nicht anmaßen, Vorschriften zu ertheilen oder kritische Bemerkungen vorzubringen, sondern wir wollen nur reproduziren, wie selbst ein Cantor sich über diese Angelegenheiten äußert, wir wollen der Dolmetsch eines würdigen Meisters sein. Was er über dieses Thema in heiliger Sprache vor hundertfünfzig Jahren niedergeschrieben, das wollen wir den jüngeren Geschlechtern in treuer Uebersetzung auszugsweise mittheilen, im Sinne des Bibelspruches: ״Sechaur jemaus Aulom, bino schenaus Dor Wodor", ״Gedenket der Tage der Vorzeit, . erwäget die Vor- *) Auf Wunsch der Redaction tritt mit der Fortsetzung unserer bisherigen Artikel: ״Wahrheit und Dichtung", eine längere Pause ein, und wir beginnen eine neue Arbeit unter obenanstehender Aufschrift, welche für den Leserkreis dieser Wochenschrift interessanter sein mag. A. d. V. gänge vergangener Geschlechter", (5. M. 32.?.) Die Sache ver hält sich so: Herr Obercantor S. Singer, rühmlichst bekannt als Schriftsteller und warmer Anhänger und Freund der jüdischen Litteratur, wie überhaupt der Litteratur im Allgemeinen, war so freundlich,, ein Büchlein, welches einen Cantor (הזן) zum Verfasser hat, der dasselbe zum Nutzen, und Frommen seiner College» in glänzendem hebräischen Style vor hunLMMfzrg Jahren (kV״t7>medergefchrieben, unsziLÜber« geben, mit dem Ersuchen, dieses Merkchen entweder ganz übersetzen oder Auszüge daraus in der Cantoren-Zeitung zu veröffentlichen. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen, theilweise auch aus Zeitmangel, zu dem letzteren Vorgehen entschlossen. Der Berf aff er dieses Buches, welches den Namen ״Teudas Sch’lomoh" führt, war, wie bereits erwähnt, ein Cantor — הזן — aber nicht von der Methode des Gesanges wird darin abgehandelt, obwohl auch darüber mitunter praktische Winke Vorkommen, sondern über die Person des Cantors, über seinen Charakter, wie er sein soll, über die Bestimmung seines heiligen Berufes, über Kenntnis der Liturgie, die dem Cantor nicht fehlen darf, über die Andacht beim Gebete und mehreres dergleichen, wie es sich aus der Abhandlung ergeben wird. Wer war der Verfasser? Am Titelblatte finden wir folgende Ankündigung: ״Teudas Sch’lomoh", verfasst vom berühmten Sänger Sch'lomoh, Chasan der heiligen Gemeinde zu Metz, Sohn des allerorts bekannten, berühmten Sängers Moscheh, Chasan der heiligen Gemeinde zu Fürth, Enkel des bereits verstorbenen großen Cantors und frommen Mannes Salomon, Chasan zu Frankfurt am Main." Alle waren zugleich gelehrte Männer, bedeutende Sänger und Verfasser verschiedener Schriften, ein Trifolium alter berühmter Chasonim. Uebrigens hat unser Sch'lomoh auch den Beinamen Lipschitz geführt und bekleidete auch ein Cantorsielle zu Prag in Böhmen. Das entnehmen wir sogleich aus den ersten vier Zeilen seiner Vcnrede, deren Anfangsbuchstaben der Wörter darauf hindeuten. Deutlicher ergib: sich das aus Seite fünf, wo der Berfasser nach einem kurzen Herzenserguss sein Dankgefüht gegen den Lenker aller Geschicke äußernd schließt: ״So lautet das Gebet Sch'lomos des Kleinen, Chasan, genannt Lipschitz, Sohn des Gej lehrten Moscheh, der sein Zelt aufgebrochen und sich angesiedelr