Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 22 (29.6.1888)
- Date
- 1888-06-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/1304829-3453130-3453152--2550-3456811- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 2 — jeden intelligenten Berufsstandes bilden, haben wir gar keine Errungeuschast zu verzeichnen. Za, wir sind diesem Ziele bis Heute, trotz unseres mehrjährigen, unabläffigen, Ringens und KLmpfens um keine Haarbreite naher gerückt. Unter solchen sterilen Verhältnißen schwindet allmählich die Hoffnung aus Erfolg und macht das Ziel problematisch. Es gervinnt in Folge dessen die Vermuthung an Raum, dass getheilte Kräfte zu keinem Ziele führen und nichts zu erreichen vermögen. Wir vermissen demnach schmerzlich das vereinigte Wirken und Stre- Len und die volle Eintracht der Leiden in den Grenzen der Monarchie wirkenden Vereine umsomehr, weil wir Cantoren, bar jeder gesetzlichen Stütze, dem freien Schalten der Gemeinden ausgeliefert, wie geknicktes Rohr schwankend, doch nur im kompakten׳ Zusammenhalten-und Zusammenwirken eines Vereines etwas zu erzielen׳ Lm Stande wären. Dass wir Cantoren weder von der Gemeinde, noch vom Staate zu unseren Gunsten etwas zu erfahren hoffen, gibt sich bei jeder darbietenden Gelegenheit kund, wie dies auch neuerlich aus'der jüngst im österreichischen Parlamente über die Regelung, des jüdi-; scheu Gemeindewesens in Fluss gerathenen Verhandlung klar und deutlich hervorging, wo, analog dem ungarischen Vorgänge, einzig und allein der Rabbiner im seinem Rechte, wie es auch seiner Würde geziemt, geschützt, in' seiner Existenz gewahrt wird, während der Cantor, als das enfant terrible behandelt, mit dem subalternsten Gemeiudediener rangirt und gar keiner Erwähnung gewürdigt wird. Wenn wir uun in Erwägung ziehen, dass der Cantor in ' der jüdischen Gemeinde den Hauptfaklor, ja die conditio sine qua non jedes solennen Gottesdienstes bildet, derselbe seinem h.iligen Amte. sein Können und Wissen, seine physischen und geistigen Kräfte weihet, überdies in den meisten Provinzgemeinden nebst dem Cantoramteauch andere Gemeindedienste versieht, müssen wir dieses Vorgehen als die schreiendste Ungerechtigkeit deklariren, dass bei etwaiger Organisirung des jüdischen Gemeindewesens und deren Beamten hüben und drüben immer nur auf die Stellung des Rabbiners allein Rücksicht genommen und der Cantor, der nach den Anforderungen der Jetztzeit sich eine systematische Qualifikazion ebenso wie der Rabbiner zu seinem Amte aneignen muß, keiner Erwähnung gewürdiget wird. Angesichts dieser steten Verkennungen und Hintansetzungen müssen wir endlich zu der Einsicht gelangen,׳ dass wir auf uns selbst angewiesen sind, demzufolge wir in dem unter einem Scepter waltenden Vereine wenigstens Zusammenhalten und uns nicht theilen sollten. Es wäre daher für das Gedeihen und Gelingen unserer Bestrebungen sowohl in moralischer, als auch in materieller Beziehung, von entschiedenem Vortheile, wenn von den ׳ maßgebenden Faktoren, d. i. von den an der Spitze dieser beiden Vereine stehenden Collegen, unter annehmbaren Bedingungen eine Fufionirung ungebahnt und mit der Zeit realisirt würde, damit sämmtliche Cantoren der Monarchie sich unter das Panier eines mächtigen und kräftigen Vereines schaarend, ihre gerechten Wünsche und Forderungen zur Geltung bringen könnten. Denn nur unter diesem Zeichen könnten wir dereinst zum Siege gelangen. . Wohl wird einerseits gegen die Verschmelzung beider Vereine die Einwendung erhoben, dass das dualistische Regierungssyüem der Monarchie wegen der Verschiedenheit der diesbezüglichen Gesetze keineu Cantoren-Verein der beiden Reichshälften zulässt; 'doch ich glaube, es träten in diesem Punkte keine solch unüberwindlichen Hinderniße entgegen, welche sich Lei ernstem Streben und in Rücksicht der immensen hieraus entstandenen Vortheile nicht saniren ließen. Wir dürsten uns aber auch keiner Täuschung hingeben und etwa , die Behauptung wagen, dass im Falle der Vereinigung sämmtlicher Cantoren in der Monarchie wir sofort, wie mit einem Zauberschlage, positive Resultate in . Bezug auf die vitalen Interessen erreichen könnten; denn die Erfüllung unserer gerechten Forderungen hängt nicht von uns allein,, sondern vielmehr von der Gemeinde ab. Dennoch bietet vom Standpunkte der Erfahrung das nngetheilte Zusammenwirken und die Vereinigung aller in der Monarchie vorhandenen materiellen und geistigen Potenzen dieses Berussstandes eine sichere Garantie für das Prosperiren des Vereines, wie auch für den Erfolg unserer Bestrebungen. Wir Cantoren beschließen doch bekanntlich jede tephila mit dem Worte.*scholom«, wie auch jeden Gottesdienst mit dem Worte ,,echod«. Lasset uns nun diese zwei goldenen Worte, welche doch zweifelsohne die wesentlichste Bedingung für das Gedeihen des Segens und guten Erfolges in Haus, Familie und-Verein bildet, wol beherzigen, und dieselben im echten und rechten Sinne damit bekünden, dass wir uns alle Cantoren in der österreichisch ungarischen Monarchie vereinen und mit voller und standhafter Eintracht.zu unserem eigenen Wohle und zur Beförderung und Hebung der Ehre und Würde unseres Berussstandes die Tendenz unseres Vorhabens verfolgen! Lasset uns ferner auch als'Patrioten-fürder in unseren' Vereinsbestrebungen hoch und heilig halten: die Parole unseres ertauchten Monarchen ״viribus unitis". Philaletes. Meth odik der Gesangs Kunst. XXXI. - Dass die ganze Scala hinsichtlich des Klanges ebenso nüancirt werden könne, wie der .Ton als einzelner, haben wir nun - bereits gelehrt und thatsächiich die drei Nuancen des Klanges oder die drei Tonfarben (hell, mittel und dunkel) auch über die ganze Reihe der Töne ausgedehnt. Wir haben eine gleiche Helle, eine gleiche mittelfarbige und' eine gleiche dunkle Scala hergestellt.. Wir haben somit außer der Mittelfarbe auch ihre beiden Extreme für die ganze Scala festgesetzt. Nun aber entsteht die Aufgabe, dass eine Farbe auch übergehen könne in die andere, sich verschmelzen könne mit ihnen. Die Helle Farbe geht zur dunklen, und die dunkle zur Hellen über, immer vermittelst der Mittels rrbe; zwischen der Hellen und׳ der mittleren Farbe sind jedoch noch viele Abstufungen möglich, und ebensoviele liegen zwischen der׳ mittleren Farbe und der dunkeln. Diese kleineren Mittelfa-ben oder Vermittelungs-Farben, wie־ wir sie im Unterschied gegen die Eine Mittelfärbe nennen können, ׳liegen z." B. den Vokalen e und o in der Sprache zu Grunde. Da wie jedoch die beiden Extreme für die gmze Tonreihe schon errungen haben,׳ so hat die weitere Aufsuchung und Ausführung dieser Vermittelungsstufen auch für die ganze Scala keine Schwierigkeit mehr; sie liegen ja׳ immer nur zwischen diesen beiden Grenzen. Wenn es sich jedoch vom Uebergang dieser Tonsarben ineinander, sei es bei eine-m eiuzelnen Ton oder bei einer Reihe von mehreren Tönen oder' bei oer ganzen Scala handelt, müssen nothwendig alle Vermittlungsstufen .(auch die kleinsten), welche zwischen den beiden zu verbindenden Klangfarben überhaupt möglich sind, durchlaufen und alle miteinander so innig verschmolzen werden, dass der Eintritt jeder weitern Vermittlungsstufe nie durch einen abgesonderten, zu plötzlich eintretenden andern Klang dem Ohre bemerkbar wird. Wie beim Uebergang hinsichtlich der Stärke vom piano zu ml, und von mf zu f zc. jeder nur im minvesten hörbare plötzliche Ruck oder Einschnitt