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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-06-21 · Heft 21 (21.6.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 21 (21.6.1888)
Date
1888-06-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Herstellung der dunklen Klangfarbe ziehe man die Lippen nur in Hinsicht ihres Abstandes von einander in ihrer ganzen Lange zu-' fammen; oder mit andern Worten, man bringe sich nur die beiden Lippen naher. Dadurch rücken auch die beiden Zahnreihen weiter zusammen, und wenn ein Hölzchen ihren Abstand ausfüllen sollte, so müsste es jetzt ganz klein sein. Hat der Schüler einen Ton mit diesem sehr geringen Grad der Weite der Mundöffnung sich angeeignct und ist er im Stande, den Ton auch in dieser Klangfarbe mit ganz ruhig ausfließender Luft festzuhalten, so reihe er wieder nach oben und unten weitere Töne an, bis er zuletzt die ganze Scala auch auf diese Weise zu produciren sich gewöhnt hat. Wie jedoch bei der Hellen Klangfarbe besonders die Töne der tiefen Lage mehr Schwierigkeit verursacht haben, als die höheren; so sind es bei der dunklen Klangfarbe umge^hrt die Töne der hohen Lage, welche den Fleiß und die größte Achtsamkeit des Schülers erheischen. Auch die hohen und höchsten Töne müffen in der dunklen Klangfarbe hervorgerufen werden können, denn sonst wäre die Aussprache der dunklen Vokale in dieser Lage geradezu unmöglich. Man bediene sich, wenn es ja nicht durch die eigene Willenskraft eines Schülers zu erreichen sein sollte, wieder eines kleinen Hölzchens, und halte dieses auch bei den hohen Tönen so lange zwischen den Zähnen, bis die angeborene Neigung, gerade bei ihnen den Mund weiter zu öffnen, sich beseitigt hat. Wir nennen diese Neigung eine angeborene, weil sie sich bei allen Natursängern, bei allen Dilettanten findet. Ja Viele halten es — so groß ist diese Neigung — ebendeshalb für ganz unmöglich, über- Haupt die Töne der hohen Lage in dieser dunklen Farbe zu produ- Liren. Wie jedoch schon aus der Sprache die Nothwendigkeit unserer Forderung der dunklen Farbe auch für die hohe Lage sich ergibt, so Legt such Ln unserem Systeme die Möglichkeit ihrer Realisirung: Jene primitive gleich piano gehaltene Scala, welche wir aus unfern Versuchen an todten Kehlköpfen als ersten Grundstein zum Aufbau einer ganzen Reihe gleicher Töne gewonnen haben, lässt uns leicht die Schwierigkeit bei Herstellung auch der hohen Töne in dunkler Farbe überwinden. Mit andern Worten: der Schüler behalte auch Lei diesem Studium nur erst immer denselben möglichst schwachen Athem bei und gehe deurgemäß bei Zeiten von der Bruststimme in das Falset über. Und erst allmählig nehme er auch für Liese gleiche dunkle Scala ein größeres Quantum von Luft und rufe auf diese Weise auch diese dunklen Töne alle stärker hervor. Dies aber führt uns zurück zur Nüancirung der Scala hinsichtlich der Stärke und somit zu einer gemeinschaftlichen, zusammensassenden Betrachtung beider Nüancirungen, hinsichtlich der Stärke und des Klanges. Vorher jedoch haben wir noch kurz vom Uebergang der verschiedenen Klangfarben in einander selbst, mit Rücksicht auf die ganze Scala zu reden. (Fortsetzung folgt.) und Dichtung. (Bilder aus dem Leben der Erzväter, historisch, allegorisch, mythisch und exegetisch.) XL Asses mit Hott. Mit Gott fang an, rnit Gott hör auf, Das ist der schönste Lebenslauf. In diesen Worten ist der Charakter des Patriarchen Abraham vollkommen gezeichnet. Abraham ist ganz und gar der passive Gehorsam gegen Gott, die ganze Fülle der Hingebung im Glauben, in Verbindung mit einem regen, gottbelebttn und gottgeregelten wirklichen Leben. Sein Leben ist voll der Waltung, der Gotteserkenntnis in allen seinen Bezügen nach innen und außen, aber nach den -Maßen der Wahrheit und ohne Einseitigkeit. Es ist nicht die menschlich eigenwillige Bildung, die sich mit sich allein beschäftigt und aus sich allein schafft, sondern die Anschmiegung an das Wort Gottes, das ihm sein Thun vorzeichnet und dem er die Verhältniße und Besitzstände der Erde willig unterordnet. Er lebt und fördert thätig die Werke der Erde, weil der Mensch dazu bestimmt ist, er kann sagar das Schwert ergreifen zum Schutze der Bedrückten und mit Erfolg; aber ec wird sie jeden Augenblick aufzugeben gewilligt sein, so des Herrn Beschluss es fordert. Es ist an ihm nichts ohne Gott, sondern Alles mit Gott. Diese religiöse Waltung lässt in seinen menschlichen Bezügen ihn vor Allem den Frieden suchen und die Gerechtigkeit handhaben. So tritt Abraham in dem Kreise der Menschheit nicht als Eroberer, nicht mit dem Schwerte von Erz, noch mit dem des Wortes auf, sein Fuß hinterlässt nirgends Verwüstung, sein Werk wurzelt nirgends im Kampfe nach außen, sonde'rn er steht aufrecht, als die Erscheinung des göttlichen Geistes, der unbehindert von dem Ringen und Weben des Menschengeschlechtes für, die Erde, unvermerkt und selbst unbewusst von innen heraussteigt und von innen sich dehnt und anschwillt, und dessen Erbe immer größer wird, bis er einst die ganze Welt umfasst. Sein Bewusstsein lieget in Gott, nicht in ihm selbst, und aus diesem sieht er die zukünftige Gestaltung. Unter diesem Einflüsse der Gottseligkeit lebt Abraham ein beruhigtes Dasein, und trotz aller Kämpfe und Mühsale erreicht er ein hohes, glückliches Alter, dennoch den Lohn seinen Wandels in der Zukunft seiner Nachkommen erwartend. ״Schauet auf den Felsen, aus dem ihr gehauen seid, auf die 'Brünnenhöhle, aus der.ihr gegraben wurdet; schauet auf Abraham euern Vater und auf Sarah, die euch geboren: denn ein Einziger, war er, als ich ihn herbei gerufen, und ich habe ihn gesegnet und groß gemacht." (ses. 51, 1.) Geschlechter schlossen sich an einander zu einer langen Zeitenkette, bevor der Wundermann auftrat, der im Haine Mamres seine Altäre baute und ausrief im Namen des Ewigen. Der Gedanke der Einheit Gottes, uns so geläufig, dass -jedes lallende Kind ihm schon schwachen Ausdruck gibt, bedurfte langer Jahrhunderte zu seinem vollen Durchbruch. Ter Wunderkeim schlug aus, ist zum mächtigen Baume geworden, der Welten umschattet und Milliarden mit seinen Früchten labt und kräftigL Die Idee der untheilbaren Einheit Gottes bedurfte der Pflege der edelsten Geister unabsehbarer Zeiten, bevor sie sich mit dem Leben des israelitischen Volkes verwebte, dass es ihr ausdauernder Träger durch eine endlose Leidensgeschichte geworden war. Und noch Jahrtausende wird es dauern, bevor ״voll geworden sein wird die Erde der Erkenntnis Gottes, wie das Wasser die Meerestiefe bedeckt." Bevor der Sonnentag über die Welt aufgeheu wird, in dem Gott einzig und der Name einzig -sein wird. Aber er bricht sich unaufhaltsam seine Wege, schreitet riesig auf seiner Lichtbahn ünd wird sein Ziel erreichen, an dem die Menschheit, geheilt von allem Wahn, in brüderlicher Einträchtigkeit dem Vater sich ans Herz werfen wird; darum hat Gott Geduld und Langmuth. Wenn er auch fern bleiben lässt den Menschen und viel des Verlassenen auch ist inmitten des Landes, wenn nur ein Zehntelnoch wäre, und das auch wiederum vertilgt würde, so bleibt, wie bei der Eiche und Terebinte, nach der Fällung noch der Stamm; denn ein heiliger Same ist ihre Wurzel." Qes, 6, 12.) Das Strafgericht wird ein dauerndes, umfassendes sein, denn über den aus der allgemeinen Verwüstung geretteten zehnten Theil wir d es noch einmal Hereinbrechen, um das

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