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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-06-21 · Heft 21 (21.6.1888) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 21 (21.6.1888)
Date
1888-06-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Chores erheben, begeistern und ekbauen. Eine wechselseitige Unters siützung nach dieser Richtung hm!könnte der Cantor durch den Vorstand und Rabbiner erzielen; jjsdoch haben leider beide oft gar keinen Sinn für Musik, oder ihre Kenntnis davon ist so Mangelhast, dass sie der heiligen Sache ׳selbst wenig Interesse entgegenbringen und zumal so mancher Rabbiner auch aus anderen Gründe» Cantor und Chor aus dem Tempel heraus, wünscht. Auch vielen Contoren erscheint das Einfache und doch Erhebende zu kleinlich, es muß Größeres sein. Andere find wieder so empstndlich, dass sie selbst eine gerechte Kritik in mildester Form nicht vertragen, die Büchse in's Korn werfen und Nichts mehr thun wollen. Diese Nebelst ände bestehen und lassen sich nicht wegdisputieren. Bei Anlegung liturgischer Gesänge blosauf die Herausgeber sehen wollen, ist sehr trügerisch, weil nicht Alles, was große Meister geschrieben haben, allgemein anwendbar ist, Vieles für kleinere Chöre nicht!benützt werden kann. Man wähle darum nur solche Werke, die dem Verständnis der Gemeinde Zusagen und einen dauernden Platz in der Gebetordnnng behalten. Viele Klagen über schlechten Chorgesang würden verstummen, wenn man sich nicht so häufig an Werke wagte, die weit über die Kräfte,gehen^ Wie oft werden in den kleinsten Provinzialgemeinden große Kompositionen zur Aufführung gebracht, wozu nicht allein die nothwendigsten Sänger fehlen, sondern wo es auch an der nöthigen Kunstbildung und Fertigkeit gebricht. Was kann die Folge eines so ihörichten Unternehmens, das größtentheils durch Eitelkeit veranlasst wird, anders sein, als Jämmerlichkeit und Erbärmlichkeit? Darum ist es verwerflich, Tonstücke aufzuführen, welche die Kräfte des Ortes übersteigen. Das Einfache in schönster Form wird aber Jedermann erbauen. Unsere bekannten und beliebten Partituren, deren einzelne Gesänge in guten und schlechten Bearbeitungen gesungen werden, müssten zwei- und dreistimmig mit leichter Orgel- oder Harmoniumbegleitung von den noch lebenden Componisten oder Fach- und Sachkennern umgeschrieben und herausgegeben werden, denn es fehlt an leicht ausführbaren Tempelgesängen, sowohl für die Jahresliturgie als auch für Casualfälle. Bei Herausgabe eines solchen Werkes müssten jedoch ein mäßiger Umfang der Stimmen, leichte Aussührbarkeit und gedrängte Kürze berücksichtigt werden, dann erst wird die Sucht zu modulieren und componieren aufhören und ein einheitlicher, erbaulicher Gottesdienst geschaffen sein. Möge meine kleine Anregung zu weiteren Vorschlägen anbahnen und friedlich zu einem Resultate führen, das alle Gegensätze aussöhnt. Methodik -er Gesangskunst. XXX. Wir haben nun e׳ne gleiche mittelfarbige und eine gleiche Helle Scala errungen, und es bleibt uns-jetzt nur noch übrig, auch eine gleiche dunkle Scala herzustelken. Ist jedoch schon die Forderung eines einzelnen dunklen Tones von Vielen als unsinnig oder wenigstens als unnöthig bezeichnet worden, so ist ihnen vollends die Forderung einer ganzen gleichen dunkeln Scala ein großes Räthsel und Aergernis. ״Ein dunkler Ton klingt ja gar nicht", sagen sie, und eine ganze dunkle Scala erscheint ihnen daher als eine Reihe klangloser Töne; ja ein Lehrer, welcher eine dunkle Scala lehrt, vernichte geradezu die Stimme: so schreien sie in die Welt hinein. Lassen wir uns dadurch nicht beirren, sondern folgen wir den Gesetzen der Natur und beuten ihre Mannigfaltigkeit aus nach allen Seiten. Die Natur gibt ja nicht blos den Hellen, sondern auch den dunkelrr Klang, nicht blos Licht sondern auch Schatten; und wie das Licht nicht ist ohne Schatten, so auch der Helle Klang nicht ohne dem dunkeln. Und die menschliche Sprache endlich besteht nicht blos aus Hellen Lauten, sie hat auch mittlere Laute und dunkle; sie hat nicht nur ein a, sondern auch ein u, und die in deren Mitte liegenden Laute e, i, o, und durch ihre verschiedenartige Verbindung mit einander verschiedenen zusammengesetzten Laute, als aus a-e entstehend ar aus o-e ö, aus u-e ü. Dies gestaltet sich freilich nach den verschieb denen Sprache., verschieden; dies Eine leuchtet jedoch jetzt schon ein, dass jede Sprache Helle und dunkle Klänge hat, wenn auch in verschiedenen Zusammensetzungen. Die verschiedenen Vokale selbst sind nur verschiedene Tonfarben oder Klangarten. Aus dem bisher Gesagten folgt somit auch schon, dass die Töne, wenn sie fähig werden sollen für die spätere Aufnahme dev Sprache, vor Allem durch Herstellung der verschiedenen Klangfarben dazu vorbereitet werden müssen. In jeder Sprache finden sich auch. dunkle Laute, also muß auch die dunkle Klangfarbe, oder die Kunst des dunklen Tones, und zwar für alle Töne der Scala, zu ihrem Rechte kommen. Und wir verlangen dies absichtlich für alle Töne der Scala schon aus dem Grunde, weil jedes Wort, also auch ein solches, welches den dunklen Vokal u in sich enthält, auf jedem Tone im Gesang klar und deutlich muß producirt werden können. Nehmen wir endlich dazu noch die verschiedenen Empfindungen der Menschenseele, welche sogar die im Allgemeinen Hellen Vokale der Sprache noch nach verschiedenen Graden dunkler oder Heller auftragen kann: so leuchtet auch dadurch die Erlernung einer dunklen Klangfarbe für alle Töne als nothwendig ein. Es bleibt also dabei: wir müssen im Gesang-Unterricht, wie eine gleiche Helle, und eine gleiche mittelsarbige, so auch eine gleiche dunkle Scala erringen; wir verlangen durchaus von dem Unterricht in der Stimmbildung nicht blos die voix blanche, sondern auch die voix sombre, und zwar offenbar als Vorbereitung zur richtigen Bildung und leichten Ausnahme der Sprache. Wie jedoch der dunkle Klang über die ganze Reihe der Töne sich ausbreiten lasses setzte auch Garcia, obgleich auch er diese beiden Tonfarben postulrrt, in der von ihm im Druck herausgegebenen Gesangschule nicht genügend auseinander. Dagegen ist diese Aufgabe für uns, die wir bereits eine gleiche mittelfarbige und eine gleiche Helle Scala hergestellt haben, keine schwierige mehr. Der dunkelste Klang entsteht, wie wir schon wissen, durch den kleinsten Grad der Mundöffnung und den damit zusammenhängenden größten Grad der Schlundweite. Der Schüler verkleinere daher vorerst wieder nur bei einem Ton seiner Mittellage die Oeffnung seines Mundes, und zwar soweit, dass zwischen den Lippen die Luft eben noch ungehindert ausströmen kann. Zugleich achte er darauf, dass die Lippen nur ihrer Länge nach einander näher gerückt werden, und nicht auch ihrer Breite nach anders geformt erscheinen; beim Vokal u ziehen sich nämlich die Lippen auch in der Breite zusammen (wie schon etwas beim Vokal i und noch mehr bei o). Wir haben es aber bis jetzt noch gar nicht mit der Sprache selbst zu thun, sondern nur erst noch mit dem Ton ohne Sprache und ebenso mit den.verschiedenen Klangfarben ohne Sprache Zur Sprache selbst ist die verschiedenartigste Gestaltung auch der Lippen, auch die Zusammenziehung ihrer Breite sehr wesentlich, nicht bloS zur Erzeugung der Consonanten, sondern auch schon zu Erzeugung einiger Vokale. Wir können jedoch die Vokale auch kurzweg in Helle, mittelfarbige und dunkle eintheilen, und die Sprache wird schon dadurch vorbereitet, dass wir nur erst diese drei Klangfarben noch ohne Beziehung zu den einzelnen Vokalen selbst Herstellen. Also bei

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