Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-06-05 · Heft 19 (5.6.1888) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 19 (5.6.1888)
Date
1888-06-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/1304829-3453130-3453149--2524-3456782
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 — auch die Falset Töne erhalten dann durch Beibehaltung derselben mittlere Weite der Mundöffnung dieselbe mittlere Klangfarbe: jeder Stoß, alles Schreien hindert nur den natürlich ungezwungenen Ausfluss der Luft, und lässt dadurch den Ton auch nicht ruhig und frei erklingen; der zu plötzliche Luftdruck erregt auch die Muskeln des Ansatzrohres, und während sie bei allen Tönen, auch bei hohen und höchsten, gleich ruhig sich verhalten sollten, ruft er sie zu unnöthiger Thätigkeit auf. So wird der ganze Prozess erschwert, und es ist daher einem Schüler nicht oft genug für alle seine Studien die größte innere Ruhe zu empfehlen. (Fortsetzung folgt.) Wahrheit und Dichtmig. (Bilder aus dem Leben der Erzväter, historisch, allegorisch, mythisch und exegetisch). X. Abraham öefucht Jsmael'. Einige Jahre nachdem Abraham seinen ältesten Sohn Jsmael ans dein Hanse gejagt hatte, wurde sein Herz von Sehnsucht ergriffen, den Verstoßenen wieder einmal zu seben. War ihm doch schwer unsis Herz, ihn zu entlassen, wie die Schrift bestätiget: ״Es mißfiel sehr in den Augen Abrahams, diese Entfernung seines Sohnes", er fügte sich nur dem Drängen seiner Gattin Sarah, dem auch Gotl beipflichtete, aber sein Vaterherz war dabei verletzt. Wie denn nicht: Abraham, der gegen jeden Fremden liebevoll, wohlwollend und menschenfreundlich war, sollte er es nicht gegen sein eigenes Kind sein? Darum hebt die Schrift zu seiner Rechtfertigung besonders hervor: »vvajera Iiadorvor meod«, die Sache mißfiel sehr, (1. M. 21, 11), und diese Stelle scheint auch als Grundlage dieser Mythe anfgefasst zu werden. Also nach einigen Jahren hatte Abraham den Entschluss gefasst, seinen Sohn Jsmael zu besuchen. Mit Zustimmung seiner -Gattin Sarah beschloß er in die Wüste zu ziehen und das Zelt Jsmaels aufzusuchen, doch musste er seiner Frau einen Schwur ablegen, dass er nicht von seinem Kameele absteigen würde, um in das Zelt einzutreten, sondern sich damit begnügen wolle, den Sohn zu sehen. Abraham unternahm die Reise, traf richtig das Zelt Jsmaels, vor dessen Thür die Frau seines Sohnes mit ihren Kindern standen. Jsmael und dessen Mutter Hagar waren gerade abwesend. Abraham erfuhr von seiner Schwiegertochter, dass Jsmael auf der Jagd sei und seine Rückkunft unbestimmt ist, und da er den Sohn nicht sehen konnte, wollte er sich wenigstens von dem häuslichen Glücke desselben überzeugen. Er rrsuchte die Frau um einen Trunk Wasser, da er von der Reise sehr ermüdet war, wurde aber mit der mürrischen Antwort abgewiesen, dass weder Brot noch Wasser im Hause zu finden wäre. Hierauf ging die Frau irsis Zelt, ohne den Fremdling eines Blickes zu würdigen. Abraham hörte nur, wie sie im Zelte fluchte und schimpfte und im Zorne ihre K׳nder unbarmherzig schlug. Tief gekränkt durch das, was er beobachtet hatte, rief er die Frau heraus uud sprach zu ihr: ״Sage deinem Ehegatten, lass ein alter Mann hier war, du kannst ihm mein Aussehen schildern, der ihm sagen lasse, er möge den Nagel seines Zeltes weggeben und einen andern dafür einsetzen". Nach diesen Worten kehrte er um und reiste in die Heimat. Als Jsmael von der Jagd zurückkehrte und von seiner Frau den ganzen Vorfall hörte, merkte er gleich, dass sein Vater hier gewesen sein müsste. Er verstand auch den Sinn der Worte, die ihm der Reisende sagen ließ und befolgte den wohlmeinenden Rath. Er verstieß seine Frau und heirathcte eine Frau aus denr Lande Kanaan, die er in seine Heimath führte. Drei Jahre glücklichen Ehelebens waren verstrichen, als Abraham wieder vor dem Zelte seines Sohnes anlangte. Wieder war Jsmael abwesend; doch diesmal fand der Reisende ein freundliches Entgegenkommen. Die Frau bat ihn vom Kameele abznsteigen, inr Zelte von der Reise auszuruhen und sich an Speise und Trank zu erquicken. Abraharu, wie das erste Mal durch seinen Schwur gebunden, musste die Einladung ablehnen. Doch sprach er ganz befriedigt und erfreut zur Frau: ״Sage deinem Ehegatten, dass ein alter Mann ihn besuchte, bereits zum zweiten Male, doch diesmal war er befriedigter; er möge nur den Nagel seines Zeltes behalten, da er sich als vorzüglich bewähre". Jsmael von der Jagd zurückgekehrt und von dem Besuche des Fremden unterrichtet, konnte leicht errathen, dass sein Vater hier war. Er reiste mit seiner Frau und seiner ganzen Familie nach dem Lande der Philister, wo sich Abra- Ham damals aufhielt, um seinem Vater einen Gegenbesuch von längerer Dauer abzustatten. Diese Mythe bringt nach obiger Uebersetzung das Buch ״Jaschar" Seite 27. Auch der Midrasch (Jalk. 1. M. 95) bringt dieselbe Mythe, kürzer dargestellt, mit folgender bemerkenswerther Einleitung: Siebzehn Jahre war Jsmael alt, als er das väterliche Haus mit seiner Mutter verlassen musste. Durch das Verdienst Abrahams ging das Wasser im Schlauche, das er ihnen mitgegeben, nicht aus. Als sie aber in die Wüste kamen, da kehrte Hagar, die j Egypterin, zu ihrem früheren Götzenglauben zurück, und sofort versiegte das Wasser im Schlauche. Der Midrasch deutet das watesa ״sie verirrte sich" (1. M. 21, 14) im Glauben verirrte sie sich, im Hause Abrahams hat sie den wahren Gott angebetet, sie sah sich nun von diesem verlassen und wendete sich dem Heidenthume wieder zu. Die Bibel erzählt uns ferner: wataschlech es hajeled, ״Sie, Hagar, die Mutter, warf den Knaben weg" (das.) Dieser Ausdruck ist hart, grausam von einer Mutter, was hat denn das Kind verschuldet, dass sie es weggeworfen? Da scheint der Midrasch zwischer! den Zeilen zu Lesen, dass Jsmael nämlich in dieser Noth nicht wie seine Mutter zu den Götzen beten wollte, sondern, wie der Midrasch weiter erzählt, betete Jsmael, der sich unter einen Dornbnsch gelegt: ״Gott meines Vaters Abraham nimm mir mein Leben und lass mich nicht vom Durste quälen, da ich endlich doch sterben muß " Das mag die erzürnte Mutter so aufgebracht haben, und das rechtfertiget den Ausdruck: ״wataschlech", sie schleuderte ihn weg. Aber Gott erhörte die Stimme des Knaben, eröffnete ihm den Brunnen, der seit der Schöpfung schon diesem zu Zwecke vor- Händen war, sie tranken, Mutter und Sohn, füllten auch den leeren Schlauch an und zogen, bis sie zur Wüste Paran kamen, wo sie reichliche Wasserquellen fanden und besetzten sich dort, dann nahm sich Jsmael ein Weib von den Töchtern Moabs, Namens Assia. Dann folgt die Erzählung vom Besuche Abrahams. Auch hier weicht der Midrasch ab, während im Buche Jaschar Abraham die Frau des Hauses bildlich durch den Nagel des Zeltes darstellte, heißt es im Midrasch: ״Die Schwelle (מפתן) des Einganges." In beiden Bildern ist der Charakter einer biedern Frau gekennzeichnet. Nach dem ersten Bilde ist sie die Stütze, die Erhalterin des Hauses, wie der Nagel, der das Zelt festhält, dass der Sturm dasselbe nichts wegträgt, gleich dem Spruche Salomons: ״Die Weisheit der Frauen erbaut das Haus, die Thörichte reißt es nieder" (Spr. 14, 1). Nach dem zweiten Bilde wird die Bescheidenheit der Frau charakterisirt, gleich der Schwelle einer Wohnung, jeder, der in's Haus kommt, tretet darauf, zeigtauf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.