Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 19 (5.6.1888)
- Date
- 1888-06-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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hoch schon dem Tone eine gewisse Resonanz, einen gewissen Klang; — wie ja die tönende Luft überhaupt durch die eigenthümliche Form des Raumes, in welchem sie strömt, einen eigenthümlichen Klang erhalt. Wird daher jener mittlere Grad der Weite für beide Theile des Ansatzrohres bei allen Tönen beibchalten, so ist auch der Klang aller Töne ein und derselbe, denn alle haben ja so ein', und dieselbe Resonanz Welches aber' ist der Klang des Tones bei diesem mittleren Grade der Weite beider Theile des Ansatzrohrs? Ein Ton klingt om hellsten, wenn die Mundhöhle möglichst geöffnet, der Schlund aber möglichst verengt ist; und am dunkelsten klingt er. wenn die Mundhöhle möglichst verengt, der Schlund aber möglichst erweitert ist; es entstehen so der hellste Vokal 3., und der dunkelste Vokal u. Sind nun aber beide Theile des Ansatzrohres nur in ihrem mittleren Grade geweitet, welcher Klang oder welche Tonfarbe entsteht dadurch? Die Antwort ist leicht; bei durch diesen Raun! ausströmende Ton klingt nicht hell und nicht dunkel, er klingt als Mittelfärbe zwischen beiden, und dies ist der gebildete Kunst Tonklang ohne Sprache, welcher wohl die Befähigung zu beiden Tonsarben, zur Hellen und dunklen, in sich trägt, aber noch keine von beiden selbst ist, sondern deren Mitte. Es ist dieser Klang freilich mit keinem Instrumente vorzumachen, nur um so mehr stellt sich aber auch hier — bei der Lehre vom Klang — wieder die Nothwendigkeit heraus, dass ein Schüler, welcher gründlichen Unterricht in der Gesangskunst haben will, denselben immer nur bei einem solchen Lehrer suchen muß, welcher selbst seine Stimme gründlich ausgebildet hat und Lm Stande ist, auch hinsichtlich des Klanges dem Schüler alle Abstufungen desselben durch Vormachen zum Ohre und zum bestimmten Bewusstsein zu bringen. Besonders dieser primitive Tonkümg ohne Sprache 'kommt dem Schüler nur durch oftes Hören desselben im Unterschied von den beiden extremen Tonfarben, der Hellen und der dunkeln, zum klaren Bewusstsein. Aus eben demselben Grunde aber kann auch von uns nicht verlangt werden, dass wir hier diesen gebildeten Tonklaug ohne Sprache, diese Mittelfarbe, naher beschreiben; überhaupt lässt sich ja ein Klang nur annähernd mit Worten bezeichnen, und wer einen Klang genau kennen lernen will, muß ihn selbst hören; wie auch, wer eine Farbe genau kennen lernen will, sie selbst sehen muß. Worte helfen hier wenig, das Vormachen von Seiten des Lehrers und das Hören von Seiten des Schülers ist die Hauptsache und der einzige Weg zu seiner gründlichen Erlernung. Wir können ja nur sagen, dieser Klang ist die Mitte zwischen dem Hellen und dem dunklen Klang; aber wie sowohl diese beiden Extreme des Tonklangs, als auch wie ihre Mitte wirklich klingt, das können Worte nie zur Genüge beschreiben. Dennoch haben wir die Art seiner Entstchung deutlich genug schon nachgewicsen, und ein Schüler, welcher diese unsere bisherigen Auseinandersetzungen gründlich vornimmt, kann sogleich auch hören, wie dieser von uns verlangte mittlere Klang eines Tones in der That klingt, wenn er nur alle die Bedingungen erfüllt, welche zu seiner Entstehung gehören Er vermeide demgemäß vor Allem jedes Quetschen und Näseln und suche nur zwischen der größten und kleinsten möglichen Oeffnung seines Mundes die mittlere heraus; damit verbindet sich dann ganz von selbst auch die mittlere Weite seiner Schlundhöhle oder seines Mundkanals, und der ausströmende Ton hat nothwendig die gesuchte Mittelsarbe zwischen dem Hellen und dem Dunkeln. Der Schüler beginne auch bei diesem Studium, wozu besonders ein sehv achtsames Ohr nothwendig ist, wieder in der ihm in jeder Hinsicht am leichtesten Mittellage, und stelle vorerst nur bei Einem Ton derselben Liesen Mittelklang auf die angegebene Weise her; durch sieißiges Singen in ganz derselben Weise, und besonders durch möglichst langes Aushalten des Tones in derselben Klangfarbe, wird sich der Mund bald an diesen Weitegrad seiner Oeffnung beim Ausströmen der Luft gewöhnen. Sollte jedoch - ein Schüler diesen mittleren Weitegrad nicht leicht ohne Veränderung desselben beim Aushalten eines Tones festhalten können, so ist das einfachste Mittel zur Erlernung Folgendes: man beachte genau die für die Mundöffnung des betreffenden Schülers sich ergebende mittlere Weite (dies richtet sich selbstverständlich nach der natürlich gegebenen Größe des Mundes jedes Jndividun ms), und schneide sich ans hartem Holze ein Stück in derselben Höhe. Dieses dünne Hölzchen setze man dem Schüler während des Aushaltens des Tones zwischen die beiden Zahnreihen, und zwar so lange, bis jede Neigung des Schülers die dadurch entstehende Mundmeite wieder zu verlassen, aufgehört hat. Nach und nach lasse man dieses Hölzchen wieder bei Seite, und die gewünschte mittlere Mundweite oder — was daraus folgt — der gewünschte mittlere Tonklang wird sich auch ohne dieses mechanische Mittel herausstellen. Hat sich aber der Schüler bei dem einen Ton daran gewöhnt, so reihe er an denselben Ton wieder einen weiteren Tön an, nach oben und nach unten, und so fort, bis er die ganze Reihe seiner Töne unter derselben rrkittleren Mundmeite, d. h. in demselben Mittel klang gewonnen hat. Wohl gibt es Schüler, welche dieses (sobald sie nur einmal klar einsehen, was damit von ihnen verlangt wird) ohne Schwierigkeit und ohne Unterstützung durch jenes mechanische Mittel zu Wege bringen; weil jedoch schon die geringste weitere oder engere Mundöffnung den Klang sogleich etwas verändert, so ist es bei solchen Schülern, welche keine große geistige Energie besitzen, sicherer, wenn man bei dieser Aneinanderreihung der Töne in der Mittelfärbe jenes Hölzchen zwischen die Zähne nimmt und nun nur darauf noch achtet, dass auch die Lippen jede weitere Bewegung ganz unterlassen und streng dieselbe Form behalten, welche sie schon bei dem zuerst gewonnenen Ton dieser mittelfarbigen Scala gehabt haben. Leicht werden sich auf diese Weise an jenen erst errungenen, mittelfarbigen Ton der Mittellage nach oben und nach unten einige gleich mittelfarbige Töne anreihen; je mehr sich jedoch die Scala nach oben und unten ausdehnt, desto mehr stellt sich gewöhnlich die Neigung einer Veränderung der Mundweite ein, und nur mit desto größerer Gewissenhaftigkeit hat der Schüler auf die gleiche Beide- Haltung der einmal angenommenen Mundweite zu achten, denn verlässt er diese, so ändert er auch schon den Klang und hebt somit die Klanggleichheit der Töne auf. Besonders kann man an Natursängern beobachten, dass sie fast alle bei den tiefen und tiefsten Tönen ihrer Scala den Mund mehr schließen, was einen dunklen Klang ergibt, und bei den hohen und höchsten Tönen ihn mehr öffnen, was einen Hellen Klang ergibt. Ihre Scala hat so unten die dunkle und oben die Helle Klangfarbe. Damit aber ist die Klang- Einheit von vorn herein aufgehoben; vielmehr müssen sich beide, die hohe und die tiefe Lage, auch in jener Mittelfarbe zwischen dem Hellen und dem Dunkeln ergeben. Und sie sind auch in der That in dieser Weise möglich, wenn man nur darauf sieht, dass bei den tiefen und tiefsten Tönen jenes Jn-sich-hineindrücken, Jn-sichhineinsingen (daher die Redensart: ״er brummt in seinen Bart") vermieden wird, dass vielmehr auch in dieser Lage die Luft ganz frei, leicht und ungezwungen und in kleinem Quantum, allmählig in gleich ruhigem Flusse ausströmt. Und ähnlich bei den hohen und höchsten Tönen vergesse man nicht, dass sich alle Töne mit gleich schwachem Athem erzeugen lassen; man gehe daher bei Zeiten tn’S Falset über und vermeide dadurch jede Anstrengung der Lungen;