Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 19 (5.6.1888)
- Date
- 1888-06-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichiseh - ungarische Gantoren Wränumeralionspreis Für Vrrrinstnitglieder. Ganzjährig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 WiertkljShrig fl. 1.25 Flir NichtmttgNede* Ganzjährig fl,, k.— Halbjährig ' fl. 3.— Mikrtkljäbrig fl. 1.50 Für daS Ausland Ganzjährig fl. 6.— 10 Mark oder 5 Rudel. Organ für ilie nuteresfen DEfcher ^Mtoren Mil Krscheinl jeden achten Gag. B e g r ü über: Obercantor Jacob Bauer. Hlebaction und Administration Wien, II., Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Wien- 5. Juni 1888. 8. Jahrgang. Methodik -er Gesangskunst. xxvm. Schon durch die Entfernung des Kehl- und Nasenklangs bei allen Tönen erreichen wir eine gewisse Gleichheit des Klanges; dennoch ist auch nach der völligen Beseitigung jener noch eine große Muaycirung des guten Klangs je nach der Stellung der verschiedenen Theile des Änsatzrohres zu einander möglich, und es ist nun unsere Aufgabe, nicht blos diese Klangfarben selbst näher zu erforschen, sondern auch diejenige unter ihnen zu suchen, welche sich am leichtesten über die ganze Scala ausdehnt; oder mit andern Worten: es ist diejenige Stellung von Mund- und Schlundhöhle zu einander, welche alle Töne der Scale ganz gleichformt und gleich erklingen lässt, zu suchen und in jeder Lage festzuhalten. Das Ansatzrohr besteht, wie wir schon dargethan haben, aus allen den Theilen, welche über dem Kehlkopf liegen und der Luft beim Ausathmen den Weg bestimmen, und welche wir unter der Bezeichnung ״Schlund- und Mundhöhle" zusammenfassen können. Zur Schlundhöhle gehören die Mandeln, die Gaumenbögen, das Zäpfchen; zur Mundhöhle die Zunge, der obere knöcherne Gaumen, die Zähne und die Lippen. Dass alle diese Theile Nichts zu thun haben bei Erzeugung und Fortschreitung der Töne, haben wir längst gesehen, und deshalb die beiden Fehler, den Gaumen- und den Nasenton, vor Allem ganz entfernt. Kurz wir haben die Erzeugung des Tones ganz unabhängig gemacht vom Ansatzrohr. Nun kann auch das Ansatzrohr mit aller Freiheit und Unabhängigkeit seinen eigenen Beruf beginnen. Auch diesen Wirkungskreis des Ansatzrohres haben wir schon früher im Allgemeinen besprochen, und wenn es sich jetzt von der gleichen Aneinanderreihung der Töne handelt, haben wir theils nur das schon dort Gesagte näher auszuführen,, theils aber auch die neuen Gesetze, welche sich in Beziehung auf den richtigen Gebrauch des Ansatzrohres aus dem Gebot der Gleichheit der Töne ergeben, darzulegen und den Weg. zu ihrer Erlernung zu zeigen. Das Ansatzrohr soll die im Kehlkopf tönend gewordene Luft — das ist seine erste Aufgabe — ganz ungehindert nach außen treten lassen. Es muß also geöffnet sein, damit die Luft durchgehen kann, und eine mittlere Mundöffnung reicht dazu hin, um sogleich auch schon den Zahnklang, das Zischeln durch die Zähne, auszuheben; wäre der Mund geschloffen, so müsste die tönende Lust durch die Nase ausströmen, und die so entstehenden Klänge alle würden Nasenklänge, sie entbehren gänzlich der Resonanz der Mundhöhle und alle Sprachbildung wäre unmöglich. Wie weit jedoch die Oeffnung des Mundes sein müsse für alle Töne der Reihe und somit auch für jeden einzelnen Ton selbst, ist jetzt Gegenstand unserer weiteren Untersuchung. Eine mittlere Mundöffnung — auch dies wissen wir schon — reicht hin zum ungehinderten Ausfließen der Lust. Es besteht jedoch das Ansatzrohr aus zwei Theilen, welche beide einer Erweiterung und Verengung fähig sind, aus einem hinteren und einem vorderen Theil, aus E chlund- und Mundhöhle; und zwar steht die Bewegung des einen Theils in genauem Zusammenhange mit der Bewegung des andern. Bewegt sich der eine Theil, so bewegt sich auch der andere; verändert der eine den Grad seiner Oeffnung, so verändert ihn auch der andere; und so groß ist dieser Zusammenhang der Bewegung zwischen beiden Theilen, dass beide sogar immer in ein und demselben Augenblick ihre Bewegung verrichten. Nimmt die Mundhöhle einen andern Grad der Oeffnung an, so thut dies zugleich auch die Schlundhöhle; und beiden Theilen ist nicht blos eine sehr große Schnelligkeit der Bewegung gegeben, sondern auch die Fähigkeit einer sehr großen Zusammenziehung und einer sehr großen Ausdehnung. — Wie verhält sich jedoch die Bewegung der Mundhöhle zur Bewegung der Schlundhöhle? Wer den Mund weit öffnet, verengert dadurch den Schlund, und wer den Mund verengert, erweitert zugleich den Schlund. Ihre Bewegung steht also in umgekehrtem Verhältnis, und nur bei mittlerer Oeffnung des Mundes nimmt auch der Schlund seine mittlere Weite an. In dieser mittleren Weite hat kein Theil das Uebergewicht über den andern; kein Theil hat noch vorherrscheuo vor dem andern einen Einfluß auf den Tonklang, sondern beide sind, wie im gleichen Verhältnis zu einander selbst, so auch im gleichen Verhältnis zum Tonklang; kein Theil ist noch so actio bestimmend für den Tonklang, sondern beide behaupten noch ihre mittlere, ruhige Hallung. Aber auch dieser nun so im mittleren Grade beider Theile gehaltene und dadurch in einer bestimmten Form gehaltene Raum, durch welchen die im Kehlkops tönend gewordene Luft aussließt, gibt