Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 18 (28.5.1888)
- Date
- 1888-05-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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besonders ist dies in der Mittellage der Fall. Diesen Ton fasse der Lehrer vor Allem ins Auge und lasse ihn vom Schüler so lange üben, bis er ihm ganz feststeht, d. h. bis diese Art der Erzeugung ohne alle Beihilfe dem Schüler bei eben diesem Tone ganz zum Bewusstsein gekommen und dadurch zur Nothwendigkeit geworden ist; oder mit andern Worten, bis den Mandeln und besonders der Zunge jede Neigung, dabei mitzuwirken, für immer ganz genomm n ist. Nun reihe er an den so gebildeten Ton den nächstfolgenden höheren Ton, beobachte aber dabei ganz genau, dass gerade bei diesem Übergang zu dem zweiten Ton jede Bewegung besonders der Zunge, auch die anscheinend kleinste, unterbleibt; kurz jede nur im mindesten sichtbare Öffnung derselben im Ganzen, und jede Bewegung auch des kleinsten Theilcs derselben, jedes weitere Sich-Erheben der Zunge, sei es an deren vorderem, mittlerem oder Hinterem Theil, an einer ihrer Seiten oder am Zungenrücken, muß ganz und gar unterbleiben. Der ganze Raum über dem Kehlkopf, wie er bei dem erst errungenen guten Tonklang gestaltet war, muß beim Übergang zu dem folgenden Ton, und beim Aushalten auch dieses Tones selbst, ganz ein und derselbe bleiben, ohne die geringste Bewegung und Veränderung. Denn ob . auch der höhere Ton auf einer größeren Spannung der Stimmbänder -beruht, so geht doch die dazu nöthige Muskelbewegung für uns ganz unsichtbar vor sich, und die auf der Seite des Kehlkopfes und über dem Kehlkopf liegenden uns sichtbaren Muskeln haben gar nichts dabei zu thun. Jede Mitbewegung dieser, so bereitwillig sie sich auch -einstellen möchte, ist überflüssig, hinderlich und fehlerhaft; das Zurückziehen des Zäpfchens bei den höheren Brusttönen scheint durch die Natur geboten zu sein, denn es find t sich bei jedem Sänger und geschieht ganz unwillkürlich; wir reden also zunächst nur von den Mandeln, der Zunge , und den Lippen. Schon eine genaue Aufmerksamkeit auf sich selbst hilft viel zur Aufhebung jeder etwaigen Bewegung dieser Theile; am sichersten ist es jedoch, wenn der Schüler, luie er es beim einzelnen Tone gemacht hat, so auch jetzt beim Übergang von einem Ton zum andern — unter Vorhaltung eines Spiegels — besonders denjenigen Theil der Zunge, welcher nicht ruhig in der einmal angenommenen Lage verharren, sondern sich erheben will, mechanisch mit einem Bleistift niederdrückt, und dies ohne Unterlass so oft, bis jede Neigung, die ursprüngliche ruhige Lage wieder zu verlassen, jeder Krampf (wie wir es an anderer Stelle bezeichnet haben) verschwunden ift. Auf diese Weise reihe der Schüler allmälig einen weiteren Ton an, nach unten und nach oben, und so fort, bis die ganze Reihe aller seiner Töne ohne jede weitere Bewegung der Theile des Ansatzrohres sich ergiebt. 'Besonders ist es, wie schon gesagt, die Zunge, welche diese Neigung zur Mitbewegung hat, und auf ihre stets nchige Lage ist ein um so wachsameres Augenmerk zu richten, weil sie von Natur überhaupt der lebendigste und leichtbeweglichste Muskel nicht blos des Ansatzrohres, sondern des ganzen menschlichen Körpers ist. Durch diese unbeweglich gleiche Haltung aller Theile des Anffatzrohres (mit Ausnahme des Zäpfchens, welches wir aber nie nach unserem Willen herablassen oder hinaufziehen können, welches also getrost seiner natürlichen Mitwirkung überlassen werden kann) bei Aneinanderreihung der Töne der Scala haben wir somit über dem Kehlkopf einen Raum, welcher sich ganz gleich bleilt, mögen nun die Stimmbänder diese oder jene Spannung annehmen. Die im Kehlkopf durch die verschiedenartige Spannung der Stimmbänder verschiedenartig tönend gewordene Luft (d. h. die im Kehlkopf erzeugten, nach Höhe und Tiefe verschiedenen Töne) strömt von da durch ein und dieselbe Form des Raumes, durch einen stets gleich geformten Raum -aus, und erhält somit für alle Töne ein und dieselbe Resonanz. Und was heißt dies anders, als dies: alle Töne der Scala erhalte» gleichen Klang? Zu der gleichen Athemgebung und gleichen Muskelthätigkeit gesellt sich so auch noch die gleiche Resonanz, zu gleicher Tonstärke und gleichem Ton-Ansatz der gleiche Tonklang. Die gleich erzeugten Töne alle gleiten über die ruhig liegende Zunge hinweg nach außen durch den in gleicher Weite geöffneten Mund; die beiden Fehler, der Kehlklang und der Nasenklang, find verschwunden, und nur der freie, gute Klang ist allen Tönen zu eigen geworden; endlich ist der sogenannte Zahnklang sogleich durch die ordentliche Öffnung des Mundes beseitigt. (Fortsetzung folgt.) Gedenket -er Tage -er VsrM — erwäget die Äen-erung -er Leitatter. (V. B. M. 32.7.) X. Sie sowohl, sehr geehrter Herr Redakteur, als Ihre sehr geehrten Leser werden vermuthlich der Meinung sein, am Correspondenten vom Riesengebirge bewährt sich buchstäblich das tslmudifche »Chol hamosiph gorea«, zu deutsch: Wer hinzufügt, mindert und schadet Die 6l4ste Pflicht: Lina Lchnoth Dor W’dor, welche der Herr so ergiebig und eifrig übt, wenn er auch nur auszüglich nach Vater Jost wiedergiebt, wird gerade zu langweilig. Nunl ganz unbegründet wären diese Vorwürfe nicht. Offen gestanden mich selbst beschleicht zuweilen b i der Arbeit eine derartige Anwandlung; zumal dieser langwierige Unterbau mindestens durch einen Herz und Auge erfreuenden Oberbau entschädigen müsste, was ich leider als Verehrer der Wahrheit nicht in Aussicht stellen kann. Hauptsächlich aber darum nicht, weil die Gegenwart, der wir getrost znsteuern, wenn auch etwas freundlicher für die Judenheit im Allgemeinen, sich leider dennoch für das Judenthum höchst fraglicher Art gestaltet hat. Das liegt an der Materie, am Stoffe, und dafür bin ich nicht verantwortlich. Einstweilen aber muß ich noch die Geduld der sehr geehrten Leser zur behenden Durchwanderung der Emanzipations-Epoche beanspruchen, um an unser Zeitalter zu gelangen. Denn trotz meiner Riesenschritte soll und darf meine Arbeit nicht allzu lückenhaft sein, sondern ein mögliches Ganzes bieten. Alle bereits erwähnten und ähnliche aus der gewöhnlichen Laufbahn, dem Handel und aus dem Zauberkreise talmudischer Jdeenverbindung heraustretenden Juden dienten ihren Glaubensgenassen einerseits als Vorbilder, indem sie ihnen ihr gewöhnliches Ziel, den Geldbesitz, inimer mehr aus ihrem Gesichtskreis rücken, andererseits aber zogen sie die christlichen Beurtheiler auf die geistige Kraft der Juden, wie auf den noch häufigen Mißbrauch derselben, welcher der Zurücksetzung der Juden, in bürgerlicher Beziehung den Vorwand lieh. Besonders aber diente die Achtung, die ihnen zu Theil ward, wie selbst die Freude, die ihnen ihre Beschäftigung und und Leistung bot, zur Förderung der durch die Reformatoren beabsichtigten Fortschritte. Diese Bemühungen, welche sehr viele Opfer und Selbstverleugnung heischten, gelangen vortrefflich. Eine Verbesserung der Gesetzgebung der Juden war schon dringendes Bedürfnis geworden, als Weltereigniße eintraten, welche die Hinderniße des Herkommens gänzlich aus dem Wege räumten. Die natürliche Folge des erwachten Bewusstseins in den denkenden Mitgliedern der Synagoge war zunächst die Wahrnahme ihres jämmerlichen Zustandes, in welchem sie sich seit Jahrtausenden durch innere und äußere Uebel befanden. Soweit diese von einer durch die alten Schulen genährte Abgeschiedenheit für die Außenwelt herrührte, konnten diese erleuchtete» Geister hoffen, den Nabeln durch vernünftige Heilmittel zu begegnen. Die Erfahrung aber, dass die äußeren Üebel desto fühlbarer wurden, als man jetzt erst erkannte, was man zu leiden hatte, und wie viele; .Kenntniße von Außen und Innen sich dem Eintritt ins bürgerliche