Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 17 (20.5.1888)
- Date
- 1888-05-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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— L — genheit ihm erschienen, um desto trüber sind die Schatten, welche auf die Zukunft fallen, in welcher er, beraubt seiner Freuden in Gram mnd Kummer, kinderlos und einsam seinen Lebensweg vollenden zu müssen glaubte. Es schaut der Vater auf sein Kind, und es durchzuckt seine Seele der Gedanke: ״Zu Hause da irrt einsam und verlassen die Mutter umher und weiß nicht, was aus ihrem Kinde geworden. Drei Tage sind vergangen, und die Mutter sucht den Liebling ihres Herzens und findet ihn nicht. Angst erfüllt ihr Gemüth und namenlose Furcht hält ihre Seele gefesselt. Es lässt sich vermuthen, dass solche Betrachtungen in Abraham aufgetaucht sind, was in der That auch stattgesungen haben möge. Dieser Wahrnehmung zufolge folgert -auch der Midrasch (Jalk. z. St.) ״Sarah hauchte ihre Seele aus und starb, daher folgt gleich dieser Begebenheit Sarah's Tod. Es schaut der Vater auf sein Kind. Mitleid und Erbarmen regt sich in seiner Seele, es ist ihm so wehe, selbst Hand anzulegen an des Kindes Leben, mit eigener Hand die Knospe zu entblättern, die zur Blüte sich entfalten sollte, doch die Gottesfurcht' siegt. Alle Stimmen, die sich erhoben, werden niedergekämpft, Abraham schickte ffich an zum Opfer. Er band Isak seinen Sohn, er legte ihn auf den Altar, streckte seine Hand aus, ergriff das Messer, zu opfern seinen Sohn, da war die Prüfung beendet, und es erfolgte vom -Himmel die Rettung. W. . . . r. (Fortsetzung folgt.) Gedenket der Tage -er Vorzeit — erwäget die Äenderung -er Zettalter. ‘ (V. B. M. 32.7.) ix. Trauer erfüllte die Herzen aller Gebildeten, als dieserHsros der Wissenschaft am 4. Jänner 4786 die Zeitlichkeit segnete. Er war während seines kurzen Lebens unter körperlichen Leiden und im Drange weltlicher, zu seiner Existenz nothwendiger Handelsgeschäfte ein siegreicher Reformator gewesen. Als redlicher Mann ungemein geehrt, als Freund, Rathgeber und Mitbürger von seiner Umgebung geliebt, genoß er als philosophischer Schriftsteller die Bewunderung der Gelehrten seiner Zeit, und als warmer Verfechter der Wahrheit die Achtung aller Menschen. Mendelssohn hatte während seiner 20jährigen Thätigkeit die Freude, den Boden selbst, den er urbar gemacht, sich veredeln zu sehen. Ihm zur Seite erwuchsen Männer, die mit anderen Hilfsmitteln demselben Ziele zustrebten. Die Theilnähme für Vilduug war unter den Juden geweckt, die kosmopolitischen Werke eines Friedrich II., Voltairs, Rousseau und anderer frei- J sinniger Schriftsteller wurden in gebildeten jüdischen Familien mit Vergnügen gelesen. Der dadurch entstandene Widerspruch mit der früher empfangenen Erziehung begann sich fühlbar zu machen und einzelne Geister mit der Frage zu beschäftigen, wie eine freiere Geistesentwicklung ohne Aufopferung der Religion zu ermöglichen sei? Ferner in welche Formen müsse sich Letztere fügen, um nicht hinter der Zeit zurückzubleiben? Diese Fragen, die sich jetzt den Juden Deutschlands zum ersten Male aufdrangen, sind übrigens gegenwärtig zwar (praktisch leider bereits entschieden, hingegen theoretisch , noch ungelöst. Aus der großen Schaar begeisterter edler Männer, die in! Ihrem Kreise durch ihre Werke die Ideen Mendelssohns förderten/! sich ihm mit Wort und That anschloßen, können u >d wollen wir nur eine gedrängte Aehrenlese bieten, und die Hauptrepräsentanten anführen. Hartwig Wessely 1725 —1803, ein geborener Hamburger, war einer jener hervorragenden Reformatoren. In Amsterdam hatte er sich bereits durch geistreiche Hermeneutik und Linguistik ausgezeichnet und war ganz in den Geist der portugiesischen Juden eingedrungen, deren Ritus er auch vorzog. Seine großartigen Arbeiten, von der hebräischen Muse begünstigt, entschädigten ihn für seine materiellen Unfälle Md ließen ihn dieselben leicht verschmerzen. Seine Werke bekunden einen klaren Geist, der unermüdlich für die Religion und die Veredlung seiner Stammesgenoffen thätig war. Wegen seiner Anhänglichkeit an der Tradition erfreute er sich großer Achtung bei den Rabbinern, die seine Werke mit Begeisterung aufnahmen. Das durch Kaiser Josef II. erlassene Toleranzedikt (1782) bot ihm Gelegenheit, seine reformirenden Ansichten gelegentlich der Einrichtung der Normalschulen in Oesterreich zur Geltung zu bringen. Wessely wurde um ein Gutachten angegangen. In demselben stellte er als erstes Erfordnis der Erziehungs-Verbesserung das Studium der heiligen Schrift in der Ursprache obenan. Talmud hingegen ist fürB.fähigte, für die Jünglingsjahre Lehrstoff. Ganz besonders aber forderte er eine erschöpfende Elementarbildung in den profanen nothwendigen, bürgerlichen Lehrgegenständen. Darob entspann sich, besonders durch starre Rabbinen Polens, ein heftiger Federkrieg. Wessely verewigte diesen Streit in seinem Werkchen ״Dibre Schalom Weemeth". Nach und nach söhnten sich die Rabbinen mit Wessely ganz und gar aus, zumal er dre hebräische Literatur mit herrlichen Werken, namentlich mit seinen sehr werthvollen ״Schire Tiphereth" bereicherte und zierte. Gleichzeitig mit Wessely arbeitete Jsaac Euchel, aeboren 1756 zu Königsberg, geüorben 1804. Derselbe verband ktaffische hebräische Kenntnis mit vorzüglicher Universitätsbildung und wirkte eifrig für Verbreitung geläuterter Ansichten wie!ür Entfesselung des Geistes aus den Banden des Rabbinismus. Auch er erwarb sich durch mehrere hebräische wie deutschen Sch iften, Uebersetzungen von Büchern der heiligen Schrift, besonders aber durch eine schöne hebräische Lebensbeschreibung Mendelssohns den Dank denkender Juden. Weiter aber als alle diese Männer schritt der sehr feurige und ebenso eifrige David Friedländer, ebenfalls 1750 zu Königsberg geboren. Derselbe erfreute sich noch 45 Jahre des so sehr lehrreichen und vertrauten Umgangs Mendelssohns. Dieser, noch im hohen Alter rührig, hatte sich durch gewählten Umgang und ungemeine Belesenheit eine seltene Bildung, Umsicht und Tathkraft angeeignet. Der Gedanke, die Schmach seiner Glaubensbrüder zu tilgen, bemächtigte sich seiner vollends und er beeiferte sich, dieselben äußer li Ir und innerlich umzubilden. In seinen kleinen Schr it-u und U-bersetzungen herrschte eine fortreißende Kraft und ed e Wärme, die ungemein fesselte. Mit derselben raschen Thatkraft errichtete er in Berlin wohl die erste geregel c jüdische Elementarschule, in der n! y Mendelssohns Grundsätzen gelehrt wurde. Die weit verbreitete -Theilnahme, welche diese kenntnisreichen Männer zu erregen verstanden, erhielt bald einen Mittelpunkt in der herrlichen, ersten hebräischen Zeitschrift ״Hammaffes", die eine Gesellschaft guter Hebräer zu Königsberg herausgab, und zu der Euchel, Friedländer rc. namentlich der gelehrte Arzt in Paris, Michael Friedländer, klassische Beiträge lieferten. Diese Zeitschrift war de Abschaffung eingebürgerter Mißbräuche, der Reinigung des hebräischen Styls wie der Verbreitung nützlicher Kenntniße gewidmet und wider den deutsch-polnischen Rabbinismus gerichtet. Sieben Jahrgänge erschienen in Königsberg, sodann in Breslau. Dieselbe wurde später in der hebräischen Zeitschrift ״Bikure Hatttim" fortgesetzt