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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-05-20 · Heft 17 (20.5.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 17 (20.5.1888)
Date
1888-05-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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zusammengenommen) ist aber eben so wenig der volle Begiff der Gleichheit,^als jene zwei Factoren, worauf sie beruht (Athem und Kehlkopf), allein einen menschlichen Gesangston constituiren. Auch der todte ausgeschnittene Kchltopf gibt durch Einblasen und Spanuung der Stimmbänder Tone von sich, aber erst der dritte Factor, der Schlund- und Mundhöhle, gibt dem bereits von jenem erzeugten Ton seine Färbung, oder mit andern Worten, seinen bestimmten Klang. Ohne jene zwei Factoren. die zur materiellen Erzeugung selbst gehören, ohne Athem und Muskeln entsteht kein Ton; aber ohne Schlund- und Mundhöhle, d. h. ohne Ansatzrohr hat auch der erzeugte Ton keinen bestimmten Klang. Ebenso ist.ohne Gleichheit der Athemgebuug und Muskelthätigkeit keine Gleichheit der Töne möglich, aber ohne Gleichheit der Schlund- und Mundöffnung, d. h. ohne Beibehaltung der gleichen Stellung der Theile des Ansatzrohrs bei allen Tönen, hat auch die bereits errungene Gleichheit der Töne keinen gleichen Klang. (Forschung folgt). Wahrheit und Dichtung. (Bilder aus dem Leben der Erzväter, historisch, allegorisch, mythisch und exegetisch.) XI. Werde greugeu zusammen. Abraham stand auf in der Frühe des Morgens und sattelte selbst sein Lastthier, obgleich er viele Diener hatte — um sich die Prüfung, die Gott ihm auferlegte, auf keinerlei Weise zu erleichtern.. Er nahm mit sich zwei seiner Diener und Isak seinen Sohn und spaltete das Hotz zum Brandopfer, machte sich auf und gieng dem Orte zu, welchen der Ewige ihn gezeigt hatte. So gieng der . Vater mehrere Tage, und sein geliebtes Kind gieng ihm zur Seite. Bei aller Gottergebung, die in Abrahams Seele lebte, konnte der gerechte Schmerz nicht ausbleiben, wenn er auf seinen Sohn blickte, der zum Tode geweiht war. Doch Abraham blieb still in Gott und äußerte keinen Laut des Schmerzes, und das Kind merkte nicht, dass es zum Opfer ausersehen war. Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah den Ort von ferne. Seinen Blicken stellte sich dar der Ort, welcher Zeuge sein sollte, wie sein theuerstes Gut auf Erden ein Opfer werden sollte auf Gottes Geheiß. Es durchzuckte den Vater ein namenloses Weh, aber er sah den Ort von Ferne. Doch er Llieb ruhig und sprach nur zu seinen dienenden Knaben: ״Bleibet hier mit dem Lastthiere, ich aber und dies Kind wir wollen bis dorthin gehen und anbeten, und dann wieder zurückkehren zu euch." Daraus nahm Abraham das Opferholz und legte es auf Isak seinen Sohn, und er nahm in seine Hand das Feuer und das Messer, wajelchu sch’nehem jachdow und beide gingen zusammen, der Vater mit seinem Kinde. Als aber das Feuer loderte in des Vaters Hand, und das Meffer blinkte in seiner Rechten, da wurde dem Kinde so angst, so bange! Ueberwältigt von trüben Ahnungen rief Isak: ״Mein Vater, hier ist Feuer und Holz, wo aber ist das Lamm zum Brandopfer?" ״Gott wird sich ein Lamm schon ausersehen mein Sohn." So lautete die Antwort des Vaters, der bei der Frage seines Kindes gelitten haben mag, was wohl kein Sterblicher mit Ruhe zu erdulden im Stande wäre. Und dennoch sein Glaube kann nicht weichen, sein Vertrauen nicht wanken. Er liebt so innig sein Kind und duldet dennoch so gelassen. Er geht einen Leidensweg und schreitet dennoch so sicher, so fest. Er kämpft einen so schweren Kampf und dennoch merkt der Sohn nicht, wie der Schmerz in des Vaters Innern wühlet. In Abrahams Auge Leuchtet himmlische Ruhe und der Friede« Gottes strahlet von seinem Angesichte. Wajelclm sch’nehem jachdow. Schweigend Hetzen beide zusummen, der Vater mit seinem Kinde. Abraham schweigt, denn scheigend hatte seine Seele sich Gottt ergeben. Isak schweigt, wie wohl die Stimme der Ahnung ihm sagt, dass der Vater ihn zum. Opfer ausersehen, so wagt er dennoch nicht fernere Fragen an Abraham zu wenden. Es lebte in dem Kinde die feste Ueberzeugung, es könne ihm der Vater kein Leid zufügen. Alles werde wohl Gottes Wille sein, und was Gott wolle, dem müsse der Mensch schweigend und duldend sich unterziehen. So wie Abraham seinem Gotte ergeben war in Liebe und Treue, so gab sich Isak dem Willen seines Vaters hin und war bereit, in allen Stücken Folge zu leisten. Wir wissen wahrlich nicht, was wir mehr bewundern sollen, Abrahams Gehorsam gegen Gott, oder Jsaks Gehorsam gegen seinen Vater. Wohl gibt es sehr fromme Eltern, die keine Mühe sparen und keine Opfer scheuen, ihren Kindern eine wahrhaft sittlich-religiöse Erziehung angedeiheu zu lassen, aber vergeblich, die Kinder arten dennoch aus. Auch umgekehrt gibt es Falle, dais Kinder, die ein schlechtes Muster und Vorbild im Hause hatten, und dennoch biedere, gottesfürchtige Männer wurden. Das aber sind Ausnahmen, in der Regel verfehlt eine gute Erziehung ihre Wirkung nicht. Der Midrasch (Jalk. 1. M. 110) führt uns hierüber folgende geschichtliche Betrachtung vor. ״Es gibt Kinder, denen ihre Väter zur Unehre dienen, der fromme König Joschua hatte den frevelhaften Amon zum Vater; Chiskija, einer der frömmsten Könige im Reiche Juda, hatte den bösen Achas zum Vater. Es giebt wieder Väter, denen die Kinder Schmach und Schande brachten. Der Priester Eli hatte unwürdige Söhne, die den Untergang seines ganzen Hauses herbeiführten; fetbft die Kinder des Propheten Samuel machten ihrem Vater keine Ehre. Hingegen Abrahan! verherrlicht durch Isak, und Isak gepriesen durch Abraham, denn es heißt: »Wajelchu sch’nehem jachdow«. Beide gingen zusammen, beide waren ein Herz, ein Sinn, beide gereichten einander zur Ehre, und der Gehorsam des Sohnes war so groß, dass er auf des Vaters Wunsch sich auszuopfern bereit war. Das ist ein wichtiges Wort für jeden Familienkreis. ״Sie gingen beide zusammen", der Sohn wandelt den Weg des Vaters, und der Vater folgte der Anweisung Gottes, einmüthig, einstimmig, das ist die wichtige Lehre, welche uns die Versuchung Abrahams vorführt. Die Ergebung Abrahams in den Willen Gottes und der Gehorsam des Sohucs in der Leieung des Vaters. Solch ein Zusammengehen, solch eine Einheit und Einigkeit des Wollens und Sinnes zwischen Eltern und Kindern in Gott und mit Gott ist für jede Familie ein schönes Muster und würdiges Vorbild. So gehen sie nun beide zusammen, einstimmig und einig, Abraham zu opfern, Isak geopfert zu werden. Beide vereint, um zu vollführen das Gebot des Vaters im Himmel. Sie kommen an den Ort, den Gott angewiesen. Abraham baut daselbst einen Altar und ordnete die Hölzer, die Vorbereitungen sind zu Ende, der Moment des Opfers naht. Noch einmal schaut Abraham mit aller Liebe, die in seinem Vaterherzen wohnt, auf Isak sein geliebtes Kind. Da tauchten in ihm Bilder der Vergangenheit auf. Er gedenkt der Zeit, da er früh und spät zu Gott Gebete gesandt, dass der Ewige ihn nicht kinderlos sterben und ohne Erben von dieser Erde scheiden lassen möge. Er gedenkt des Tages, da Gott ihm Gewährung seines Wunsches zugesagt, und der Zeit, da die Zusage erfüllt wurde, und er zu den Glücklichsten auf Erden sich zählte. Es traten noch einmal alle die glücklichen Momente vor seine Seele, in denen er Freudendenthränen vergossen, als er in dem Lächeln des Kindes seine höchste Wonne gefunden. Je Heller und freundlicher die Bilder der Bergan«

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