Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 17 (20.5.1888)
- Date
- 1888-05-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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־־ 3 ־־־ spielt viel großartiger, als man bisher geglaubt hat, besonders kann . aber auch die ganze Tiefe eines Bassisten nur dann ungezwungen und kräftig zu Tage kommen, wenn er alle vermeintliche Beihülse aufgegeben hat. Ja 2V2 Octaven Töne ist der bei richtiger Handhabung der Stimme sehr leicht sich ergebene Umfang, und sehr gutangelegte Stimmnaturen, besonders die hohen Soprane und Tenore, sind bald im Stande, jene drei Octaven, die am todten Kehlkopf oft sich ergaben, mit ihren zwei Registern, der Brust- und Falsetstimme, selbst auch wiederzugeben. Dies Alles kann aber nur dann richtig, leicht und gleichsam von selbst eintreten, wo der natürliche Proceß in seiner ungetrübten Einfachheit vor sich geht, wo also besonders das Registerunwesen verschwunden ist. Eine weitere Stimmgattung, als Brust- und Falsetstimme, hat keine einzige menschliche Stimme, und wenn sich bei irgend einer männlichen oder weiblichen Stimme noch eine andere Stimmgattung hörbar machen sollte, da liegt sicherlich ein Fehler in der Athemführung oder in der Muskelthätigkeit oder in der Stellung des Ansatzrohres zu Grunde. Wer aber diese genau kennt, wird bald avzuhelsen wissen; und offenbar verdankt das Registerwesen eben solchen Fehlern, und zugleich der Unkenntnis der Lehrer, welche die Fehler sich nicht erklären und nicht beseitigen konn. ten, seine Entstehung. Schließlich ist auf die Frage, wie lange denn der Unterricht im Gesang gewöhnlich dauern müsse, wenn er zu einem guten Resultate führen soll, bisher theils mit einer großen Anzahl von Iahren (vier bis fünf Jahre), thetts mit ernstem Achselzucken geantwortct worden. Es ist natürlich, wo es aus Abrichterei ohne Bewusstsein beim Menschen ankommt, da dauert es immer lange: wo man aber sogleich mit Bewusstsein zu Werke gehen kann, da ist ein gutes Resultat nicht nur sicherer, sondern auch viel schneller zu erreichen. , Mk die Nüancirung jedes einzelnen Tones für sich allein hinsichtlich des Klanges wesentlich auf der Beschaffenheit und Stellung der Theile des Ansatzrohrs zu einander beruht, so ist auch der Klang aller Töne der Scala im Zusammenhänge nur das Produkt der Stellung der Theile des Ansatzrohrs zu einander, ohne weitere Beihülfe. Welches jedoch diejenige Schlund- und Mund Öffnung sei, bei welcher alle Töne der Scala mit gleichem Klange auftreten, d. h. welche Stellung diese beiden Theile des Ansatzrohrs dabei zu einander einnehmen müssen, ist jetzt Gegenstand unserer Untersuchung. Die Weite der Oeffnung selbst hängt allerdings von der Individualität ab, aber nur durch das Zusammenfassen aller Töne der Scala im Zusammenhänge ergibt sich diejenige feste Stellung jener beiden Theile zu einander, welche theils zur Herstellung der Hellen und der duuklen Scala nothwendig ist, theils es möglich macht, selbst jene Mittelfarbe. der Töne, welche zwischen dem Hellen und Dunklen in der Mitte liegt, über alle Töne der Scala auszubreiten. Durch die Herstellnng dieser verschiedenen Tonfarben aber, sowie durch die richtige Thätigkeit aller Theile des Ansatzrohrs werden alle Töne zur Aufnähme der Sprache und zum Durchleuchtenlassen der Empfindungen der Seele vorbereitet. — Die Herstellung einer gleichen Reihe von Tönen ist unsere Aufgabe, und dieselbe Forderung, dass die Töne eines Sängers eine gleiche Reiche bilden sollen, hört man täglich nicht blos aus dem Munde von Kennern, sondern auch von Laien. Um so mehr ist aber auch zu verwundern, dass sowohl aus die Frage, worin diese Gleichheit eigentlich bestehe, als auch auf die damit zusammenhängende Frage, wie diese Gleichheit zu erreichen sei, nirgends eine bestimmte, sichere Antwort zu hören ist. Die Gleichheit der Töne ist für die Meisten ein unbestimmter, unklarer Begriff, und die Forderung dieser Gleichheit demgemäß, wenn sie auch noch so entschieden gestellt wurde, doch ohne befriedigende Lösung geblieben. Man forderte nur im Allgemeinen die Gleichheit; aber worin diese Gleichheit bestehe, war selbst Denen, die sie forderten, nicht klar. Natürlich war bei solcher Unbestimmtheit des Begriffes ein weites Feld zu dem oberflächlichsten Hin- und Herreden gegeben; ja der Begriff der Gleichheit einer Stimme ist heute noch ein dunkler Puukt. Diesen Punkt erhellen, diese Unbestimmtheit des Begriffes zur Klarheit erheben, kann auch nur eine gründliche Untersuchung der mensäilichen Stimme und der drei beim Gesangston zusammenwirkenden Factoren. Unsere Untersuchungen an ausgeschnittenen Kehlköpfen haben uns auch zur Beantwortung dieser Frage den einzig richtigen Schlüssel gegeben, und wir haben auch demgemäß die Gleichheit deu Töne einer Stimme bereits nach zwei Seiten erkannt, gefordert und hergestellt nämlich hinsichtlich der Stärke du ch Forderuug eines gleichen Stärkegrades vermittelst derselben der Gleichheit der Athemgebung, und hinsichtlich des Ansatzes durch Forderung einer gleichen Leichtigkeit vermittelst der Gleichheit der Muskelthätigkeit. Mit diesem zwei Merkmalen der Gleichheit einer Stimme ist aber der Begriff der Gleichheit noch nicht erschöpft; ja es fehlt gerade noch dasjenige Merkmal, welches mit dem Ohre am leichtesten zu empfinden ist und daher auch oft wohl allein, mit Weglassung jener zwei von uns bereits bespochenen, so bedeutsamen Seiten, für den ganzen Begriff der Gleichheit genommen wurde. Wir meinen die Gleichheit des Klanges. ,,Alle Töne der Scala sollen gleich sein" und ״alle Töne der Scala sollen gleich klingen", war Vielen bisher ganz ein und dasselbe, und doch ist beides wohl auseinander zu halten. Im gleichen Klang der Töne allein die Gleichheit einer Stimme zu suchen, ist einseitig, wiewohl es, wenn nur jene zwei anderen Seiten in Gedanken varausgesetzt werden, nicht geradezu unrichtig erscheint. Ja auch sehr verzeihlich dünkt uns diese Begriffsbestimmung der Gleichheit nur durch den Klang, wenn man bedenkt, dass auch der ganze Begriff der Gleichheit, wie wir ihn nach seinen drei Merkmalen fordern, eben nur mit dem Ohre von uns empfunden wird, und wenn man vollends wie unsere Untersuchungen mit größter Bestimmtheit ergeben, behaupten muß, dass eben die Gleich heit des Klanges der Culminationspunkt des ganzen Begriffes ist-. Die Gleichheit der Seala hinsichtlich der Stärke haben wir erlangt durch Forderung und Herstellung der gleichen Athemgebumg und ebenso die Gleichheit der Scala hinsichtlich der Ansprache durch Forderung und Herstellung der gleichen Muskelthätigkeit. Wenn nun ein Sänger sowohl eine gleiche Stärke, als einen gleichen Ansatz aller Töne seiner Stimme erlangt hat (durch gleiche Athemgebung und durch gleiche Muskelthätigkeit), so ist allerdings auch für den Klang schon eine gewisse Gleichheit gegeben; alle Töne sind nun nicht blos gleich nach Stärke und Ansatz, sondern sie geben sich auch sogleich dem Ohre als solche zu erkennnen, d. h. — wenn man sich so ausdrücken will — sie klingen auch gleich hinsichtlich der Stärke und der Leichtigkeit der Ansprache: ein stärkerer Ton gibt ja auch einen stärkeren Klang, und ein durch Quetschung oder Stoß erzeugter Ton gibt auch einen gequetschten oder gestoßenen Klang. Die Art der Athemgebnng und der Muskelthätigkeit ist also zu erkennen auch im Klang; das Maß der Stärke und die Art der Erzeugung wird auch im Klange offenbar. Beides, gleiche Athemgebung und gleiche Muskelthätigkeit ergeben somit allerdings bereits eine auch für das Ohr vernehmbare Gleichheit der Töne; Töne, welche mit gleichem Athemmaß und gleicher Muskelkraft erzeugt sind, treten auch bereits nach außen in diesen Beziehungen gleich auf für das Ohr. Und die dadurch schon erreichte Gleichheit ist so wichtig, dass sogar ohne diese Gleichheit in der Erzeugungsart auch eine weitere Gleichheit im Klange gar nicht möglich ist. Diese Gleichheit der Erzeugungsart (Athem und Muskelkraft