Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 17 (20.5.1888)
- Date
- 1888-05-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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nur ihm Mein angehören, und die ihm für alle Zeiten-zum Ruhme } wenn man sie uns vorzeigen möchte und würden dabei auskufen und zur besonder!: Auszeichnung gereichen werden. Und um nun dieses speciell auf dem Gebiete der Musik zu erörtern, und möglichst zu erweisen, soll das Ziel dieser geringen, aber von reinstem Eifer beseelten Arbeit sein. Vielleicht gelingt es uns denn auch, indem wir dieses noch immer in Frage stehende Thema wieder auf's Tapet bringen und zur nochmaligen gründlichen Erhärtung desselben Gelegenheit geben, in dieser hochwichtigen, wirklich nationalen Frage Einigkeit und Verständigung zu erzielen. Der Wahrheit zu Liebe müssen wir vollständig unparteilich zu Werke gehen, und so hüben wie drüben alle Vorurtheile und als irrig sich erweisenden Voraussetzungen gänzlich aufgeben, dagegen aber nachgewiesen Wahrheiten und Thatbestände, die aus der Natur der Sache von selbst stch ergeben, rückhaltslos anerkennen und ihnen volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Und so wollen wir hier gleich Wahrheitsgetreu constatiren, dass der Zweck der Eingangs erwähnten Broschüre, wie ihn der Verfasser selbst gleich in der Einleitung zur selben angibt, ein sehr guter und lobenswerther ist, der wohl von jedem treuen Berufs- und Glaubensgenossen, welcher es mit seiner Religion und ihren Institutionen redlich meint und von ihnen v e rn ünsti g denkt, thatkräftig unterstützt und gefördert zu werden verdient. Der Autor beabsichtigt nämlich mit diesem seinem kleinen, aber inhaltsreichen Werkchen, der heutigen leidigen Zersetzung und Verunstaltung des jüdischen Gottesdienstes einmal Einhalt thun, und dafür die Anregung zu einer einheitlichen und gleichmäßigen Sy nagogen-Liturgie zu geben. Das ist unbestreitbar ein sehr hohes und ideales Ziel; denn bekanntermaßen bekundet stch jede Religion durch die Art ihrer Gottesverehrung und durch die Eigenthümlichkeit ihres jeweilig«! Gottesdienstes. Wo nun die Einheitlichkeit im Gottesdienste, bezüglich der Gleichmäßigkeit in Zeremonien, Sprache, Gebete und Gesang fehlen, da ist das religiösnationale Band, das die Religionsgenossenschasten religiös von einander trennt, sie einzeln in sich befestigt und eine jede für sich zu einer einzigen Familie von Glaubensbrüdern verbindet, zerrissen und gelost, die Gemeinsamkeit der Glaubenseintzeit zerstört und in so viele Theile zersplittert, als innerhalb ihres Gottesdienstes Verschiedenheiten und Abänderungen zulässig werden. Die völlige Abgesondertheil der portugiesischen von den andern Juden ist der beste Beweis dafür, wie Angehörige einer und derselben Religion sich gänzlich entfremdet werden können, je schärfer die Gegensätze in der Verschiedenheit ihrer beiderseitigen Riten hervortreten. Bettachtet man nun die gegenwärtigen gottesdienstlichen Verhältniße im deutschen Israel, so ist man wahrhaft versucht, sie nüt der so trauervollen Prophetenklage zu bezeichnen: Li mispor urecho liojii elauhech.0 jisroel. Beinahe jede bedeutendere Gemeinde besitzt einen nach ihrem eigenen Schnitte zugestutzten und nach dem Gutdünken ihres Rabbiners präparirten Gottesdienst, in den meisten Großgemeinden giebt es sogar, mehrere verschiedene Goüesdienstarten, als ob eine jede derselben einen besondern, ihr eigenen Gott verehreu möchte. Wenn nun aber die immerhin schöne, einen hohen Sinn in sich bergende, wahrscheinlich eben jene unumgänglich nothwendige Uebereinstimmung im Gebete involvirende kabbalistische Mythe wahr ist, dass nämlich gute Engel unsere zun! Himmel em- Vorsteigenden Gebete auf dem Wege dahin aufhalten und, bevor sie zum Allerhöchsten gelangen, sie vorerst in ein einheitliches Gewinde kunstvoll siechten, um sie sodann insgesammt als eine schöne Krone auf das erhabene Haupt des Angebeteten zu setzen; wie buntscheckig müsste diese Huldigungskrone in der Jetztzeit ausfallen, und aus welchen grellfarbigen und mistönigen Blumen und Blüthen müsste sie jetzt zusammengesetzt sein? Ja fürwahr l wir müssten erschrecken, Ist taä wohl möglich, dass die gesegneten deutschen Fluren solche Misgewächse und in solcher großen Menge Hervorbringen können? Es ist für uns noch in dieser Beziehung ein wahres Glück, d sss man sich von Seiten der andern Glaubensbekenner un! unsere Synagogenangelegenheiten wenig kümmert, und ihnen somit unser eigenthüm'iches Gebühren hierin ganz fremd bleibt, sonst müssten wir uns vor unfern Mitbürgern ernstlich schämen. Wir, die wir ihnen in Allem nachmachen wollen und am liebsten die Synagoge zur Kirche verwandeln möchten, wir ahmen ihnen nur in unweseutlichen und ganz nebensächlichen Dingen nach; in der Hauptsache aber in der Gleichmäßigkeit des Gottesdienstes, auf welcher allein das erhabene und erhebende Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Glaubensgenossen zu einander beruht, da bleiben wir hinter ihnen weit zurück und gehen da unfern eigenen, wahrhaft wunderlicheu Weg. Im elendsten Dorfe, wo nur eine Kirche existirt und ein Geistlicher amti t, da ist der Gottesdienst — abgesehen von der jeweiligen größern oder mindern Pracht un׳ Glanzentfaltung, die sich je nach der Größe und dem Neichthume der betreffenden Kirche selbst richtet — eben derselbe, wie tu der St. Peterskirche zu Rom, wo der Papst selbst celebrirt, und bei uns ist in jedem Städtchen ein anderer Gottesdienst. Das ist in der That ein sehr trauriger Misstand, wobei unsere Einigkeit schwer leidet, und der alle wahre Freunde ihres Glaubens und ihrer engeren Nationalität zu einem energischen Vorgehen herausfordert. Daher ist von dem rastlos strebsamen, mit seiner sichern und vornehmen Stelle allein sich nicht begnügenden V rfasser höchst verdienstvoll, da׳s er zuerst die Initiative ergriffen, um wenigstens im liturgisch gesanglichen Theile unseres Gottesdienstes eine Einheit und Stabilität unter den Kollegen anzubahnen. Auch dies wird Niemand dem Autor bestreiten wollen und können, dass diese berechtigte Forderung, die allerorten übereinsimmende und gleichförmige Gestaltung der Synagogengesanges nur durch die fleißigere Cultivirung unseres Tradit onsgcsanges und durch den verständnisvollen Ausbau unserer, aus eigenen Tongattungen entstanden Rezitativ-Weisen zu erlangen sein wird. — (Fortsetzung folgt.) Methodik -er Gesangskunst. XXVII. Aus den bisher angeführten Gründen ist aber auch fast Alles was bjsher über den möglichen Umfang und die Registerzahl der menschlichen St mme behauptet wurde, oberflächlich. Die Empirie allerdings sagt, dass es ein schon großer Umfang ist, wenn ein Sänger zwei Octaven Töne besitzt; wenn es aber sogar Gaumenton-SLnger gibt, bei welchen so viele Töne trotz des Quetschens. zum Vorschein kommen, so folgt daraus, dass, wenn das die rechte Muskelthätigkeit hemmende Quetschen entfernt wird, nicht blos die bereits vorhandenen Töne freier und kräftiger werden, sondern auch noch weitere Töne oben und unten sich leicht anreihen müssen. Meine Praxis hat ergeben, dass sowohl Soprane als Tenore, welche mit ihrer früheren Singweise ttotz aller Anstrengung kaum das f erreichen konnten, bei richüger Muskel- und Athem-Thutigkeit bald sehr leicht noch die Töne g, a, b, ja c erreichen konnten; ja ein Barttonist zeigte bald ohne Anstrengung und bei großem, baßmäßigem Charakter der ganzen Stimme den Umfang der Brusttöne vom tiefen e des Bassisten bis zum hohen c des Tenoristen; die Natur