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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-05-09 · Heft 16 (9.5.1888) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 16 (9.5.1888)
Date
1888-05-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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bekannt. Für unfern Zweck habe ich nur das anzuführen, was er speciell für uns bewirkt Und geleistet hat. Als wahrer Philosoph und Denker hat er zur Hebung seines durch Jahrtausende tiefgesunkenen Volkes die Hebel auch da angesetzt, wo sie am Wirksamsten fördern, nützen und heben können. Gingedenk der Wahrheit:״׳Wer die Jugend hat, besitzt und beherrscht die Zukunft" — was bekanntlich die christliche Geistlichkeit sehr zu würdigen weiß — begann er sein großes und heilsames Reformwerk mit und an der Jugend. Seine hebräischen Schriften linguistischen und exegetischen Inhalts überzeugten bald seine Glaubensgenossen, dass er nur eine Aenderung der Methode des Unterrichts, nicht aber der Religion beabsichtige. Dies bewirkte er am Kräftigsten durch seine deutsche Uebersetzung des Pentateuchs mit Hinzufügung hebräischer Scholien (Biur) theils von ihm selbst, theils von Salomo Dubno, Hartwig, Wessely und Herz Homburg, die nach seinem Muster und in seinem Geiste die Erklärung und Erläuterung der fünf Bücher Moses in hebräischer Sprache bearbeiteten: * Die allgemeine Bewegung, welche die Aenderuug der Sprache durch die Uebersetzung der heiligen Schrift unter den Rabbinern hervorbrachte, die an eine corrumpirte, jüdischdeutsche Paraphrase gewöhnt waren, ist das klarste Zeugnis von der Nichtigkeit der Ansicht Mendelsohns, dass nur durch eine derartige Thätigkeit der verschrobene Geist des Volkes geändert und in eine ganz neue, edlere Gestalt gebracht werde. Je größer der Widerspruch der Zeloten war, desto mehr Opfer an Zeit, Arbeit nnd Geld brachte dieser Unsterbliche dem heiligen Zwecke und drang trotz aller Hinderniße des damaligen, tonangebenden polnischdeutschen Rabbinismus durch. Der ׳ Uebersetzung und hebräischen Erläuterung der fünf Bücher Moses folgte bald die noch schönere der Psalmen, mit Erklärung seines Schülers Joel Löwe, ferner die des Predigers und Hohenliedes u. s. w. In der Einleitung zum Pentateuch benützte-Mendelsohn die eigenen Ideen der Juden als Fackel zur Beleuchtung des Gebietes.: auf welchem sie sich bislang so beharrlich bewegten. Dadurch ward es .ihm um so leichter, den Zelotismus zu entwaffnen, zu besiegen und. durchweg auszusöhnen. Während Mendelsohn auf diese Weise das Aeußere des Judenthums zu läutern, den Geschmack zu verbessern, die üblen Gewohnheiten, abzustellen, den Sprachlosen zwei Sprachen zugleich zu geben strebte, und es der inneren Entwicklung überließ, mit der Zeit fortzuschreiten, weckte er durch sein gegebenes Beispiel eine Menge trefflicher Köpfe, die seine Entwürfe ausführten, und verfehlte auch nicht, die innere Grundlage des Judenthums zu beleuchten und die eingewurzelten Vorurtheile auszuroden. Den Anlass hierzu boten die Angriffe einzelner christlicher Gelehrter, besonders aber durch das Aufsehen erregende Werk Dohms: ״Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden" fühlte sich Mendelsohn angeregt, mit seinen Ansichten unverblümt hervorzutreten. Dies Werk (1781— 84) forderte eine gänzliche Umänderung der Gesetze der Juden, respective Gleichstellung derselben mit allen Staatsbürgern, besonders aber Tilgung der unter ihnen durch langen Druck eingeriffenen U.ebel mittelst einer besseren Erziehung, jedoch mit Beibehaltung ein r gewissen religiösen Autonomie zur Vermeidung eines leicht überhandnehmenden Leichtsinns. Dies letztere war das Werk des noch herrschenden Vorurtheils, dass der Denkfreiheit durch strenge Censur Schranken geletzt werden müssten. Dagegen eiferte Mendelsohn zuerst in der Vorrede seines Manasse ben Israel ״Rettung der Juden", worin er ganz besonders die Verkehrtheit, den Geist durch Tribunale einschüchtern zu wollen, darstellt, und unumwunden die Nothwendigkeit uneingeschränkter Denkfreiheit erklärt. 1783 erschien sein ״Jerusalem", ein Werk, das als Erzeugnis der deutschen Litteratur ebenso bedeutend, als es in Betreff der Fortschritte der Juden, die sich dagegen nicht sträubten, höchst merkwürdig bleibt. Der Hauptgedanke darin ist, dass das Judenthum von zwei Seiten zu beurth eilen sei. Einmal seinem Wesen nach und dann wieder bezüglich seiner Erscheinung. DaS Erstere sei eine Religionsanficht, die jede mögliche Beleuchtung gestatte — Hatora nidresekes ב״מ״ע Panim — keineswegs das Licht scheue, vielmehr ein stetes Denken und Aufklären der Religion zur Pflicht mache; während die Erscheinung des Judenthums auf her. kömmliche, oou den Christen selbst nicht in Abrede gestellten Borschristen brruhe. Der Umsturz derselben komme nicht dem Einzelnen zu, wohl aber ist die Befolgung derselben der Gewissenhaftigkeit jedes Einzelnem überlassen, und Niemandem stehe die Befugnis zu, darüber zu richten. Der Staat habe auf diese Erscheinung, sobald es sein Jntereffe gilt, gar nicht Rücksicht zu nehmen, sondern strikte die Erfüllung der bürgerlichen Pflichten zu fordern. Diese feierliche Erklärung eines Mendelsohn, dass die Denkfreiheit ein Religionsprincip des Judenthums sei, welches durchaus kein Glaubensdogma gelten laste, war von der höchsten Wichtigkeit, in einer Zeit, wo man noch die kleinsten Religionsgebräuche für die wichtigsten Religionsdogmen hielt, und deren Nichtachtung mit Bann als Verletzung des Kerns der Religion verfolgte. Sein Werk ward von den gebildetern Inden mit seltenem Beifall gekrönt. Der Orig.-Corresp. v. R. G. (Fortsetzung folgt.) Sehr geehrter Herr Redacteur! Der Endesgefertigte, ein eifriger Leser Ihres sehr geschätzten Blattes, fand in demselben oft Anklagen und Beschwerden von Cantoren über unbilliges Gebühren ihrer Gemeinden. Ich sinde es daher auch recht und billig, das Gegentheil der Oeffentlichkeit kund zu machen, wenn man von demselben überzeugt ist, damit die humane Handlungsweise der einen Gemeinde den anderen zur Nachahmung dien«», und bitte Sie, dieses mein Schreiben an geeigneter Stelle in Ihrem Blatte zn veröffentlichen: Das böse Schicksal warf mich im verflossenen Winter aufs Krankenlager. Ich konnte zu Hanse nicht verbleiben und musste ins k. k. allgem. Krankenhaus nach Wien gebracht werden, wo ich volle drei Monate krank darniederlag. Der Vorsteher, so wie ein Beirath meines verehrten Vereines besuchten mich da, und da sie meine Lage erkannten, wurde ein Stellvertreter für die Zeit meiner Abwesenheit acceptirt. Derselbe blieb noch einen vollen Monctt auf meinem Posten, nachdem ich schon vom Spital zurückgekehrt war, so dass ich genug Zen zur Erholung hatte. Während der ganzen Zeit von 4:% Monaten meiner Dienstes Unfähigkeit erhielt meine Familie den vollen Gehalt ausbezahlt. Ich kann den Tag des Wiedereintrittes in mein früheres Amt nicht würdiger beginnen, als damit, dass ich meinem hoch, verehrte Vereine, besonders dem mir sehr wohlwollenden Vereins- Präses, Herrn Herrmann Munk, wie dem Gesammtvorftande für all die mir und meiner Familie erwiesene Güte und Theilnahme öffentlich meinen innigsten Dank ansspreche. Mögen alle in dem dieswöchentlichen Thorabschnitte vor» kommenden Segnungen an sie in Erfüllung gehen znin Lohn ihrer Güte! Allen Collegen aber wünsche ich, dass sie stets glücklich seien und nie in ihrem heil. Berufe gestört werden. Sucht sie aber das Schicksal heim, dann mögen sie einen Verein gefunden haben, der human genug ist, ihnen zu ihremllnglücke nicht ein noch größeres, das der Brodlosigkeit ihrer Familie Hinznznfügen. Indem ich im Vorhinein Ihnen, Herr Redacteur, für die Aufnahme dieser Zeilen in Ihrem Blatte danke, zeichne ich mich mir der größten Hochachtung Franz Teltsch, Leligiouslehrer. Stsckerau, am 1- Mai 1888. »«—j -' ...

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