Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 15 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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unter anderem, ״•־knfä. eut spekulativer.Kopf ein. Paar Merr: HauL-1 schuhe ergattert habe und dann -Kusse -diefekbetl^-verMP^׳^ raMzwar eineu Küss Nllf '-die 'AnßMfeite füv .einen Dollar und jeden Kuss auf die innere Seite für zwei Dollar;" Jenny Linds Briefe an den Märchendichter Andersen, welche die ״N. M.-Ztg." in der Lageist, zum ersteumale zu veröffentlichen, geben sowohl über ihre religiöse Auffassung des Lebens, wie über ihre ehelichen Verhältniße authentische Aufschlüsse. Aus dem übrigen Inhalt der letzten Nummer (8) der ״N. M. Ztg" sind besonders bemerkenswert: ״Nur ein Musikant;" eine Liebesgeschichte aus dem Leben Johann Strauß von M. Band; die Fortsetzung der spannend geschriebenen Erzählung ״Das Lied der Gräfin Königsmark" von Ernst Montanus; ״Die Rächender Pompadour," historische Episode von B. Schlegel; ״Die Primadonnen und ihre Männer" von Dr. A. Kohut; Berliner Saisonplauderei ״Die Philharmoniker" von A. Moszkowszki; ferner eine Musikbeilage, dieselbe enthält ein schwungvolles patriotisches Lied von Vinz. Lachner ״An Kaiser Friedrich" (mit trefflichem Text von Felix Dahn): ein graziöses Klavierstück ״Tändelei" von Bela Vagvölgyi, sowie eine muntere ״Gnomen-Polka" mit köstsicher Randzeichmmgen von L. Meggendorfer. ״El molk rachamim“. Synagogal liturgischer Trauergesang für eine Sing stimme mit Orgelbegleitung, componirt von Eduard Birnbaum, Obercantor in Königsberg. — Mit dieser Nummer in Recitativoform (F-Moll) hat der Autor eine recht hübsche Piece geliefert. Zu Beginn */4Tact (Andante) mit den breit getragenen Accorden in der Orgelstimme, welche sich der elegischen' Stimmung der Melodie passend anreiht. Nach dem achten Tacte tritt ^Tact ein, und die Orgelstimme schlägt in gut gewählten Figuren ihren eigenen Weg ein, was eine gute Wirkung gewiss nicht verfehlen dürste. Schade, dass eben diese Notenfiguren nur vier Tacte währen, um eben dem ^Tact seine frühere Stellung einzuräumen. Was wir nicht für richtig finden, sind die zwei sechzehntel Noten §—g im Baß bei den Worten »ascher bochar bo adonay«, da die Singstimme gleichzeitig zwei sechzehntel de5 des singt; unseres Erachtens hätte einfach auf dem Niederstreich der C-dur Accord einzutreten, so wie es im früheren Tacte geschehen. Die Nummer ist im Ganzen eine gutdurchdachte, der ein gewisser Grad von Empfindung nicht nicht abgesprochen werden kann, namentlich beim Beginn des dolce in den Worten »lochem baal horachamim« eine kleine Steigerung, die nicht nur gesanglich wirksam ist, sondern auch durch die Orgel viel dazu beiträgt um durch 5—6 Tacte (Hier sei bemerkt wieder °/gTact) c/5 64 % 6/5 und % es-as-c einen besonderen Effect zu erzielen, der schon doppelt erreicht wird, da der Baß auf dem vierten Achtel einsetzt, und durch das Pedale unterstützt werden kann. Das kleine Postludium, welches in F-dur seinen Abschluss findet, ist der ganzen Nummer wie dem Texte angemessen. Schließlich können wir die einstimmige Piece — schon der leichten Ausführung wegen — warm empfehlen, besonders dort, wo eine Orgel in Wirksamkeit ist. G-g. Meine Chronik. Wudapest. Das ״Budapester Tageblatt" bringt aus Konstantinopel folgende interessante Geschichte: Ein junger, reicher Kavalier aus einem der ältesten spanischen Adelsgeschlechter kam auf einer Vergnügungsreise bis nach Konstantinopel und bemerkte wie- -erholt in der Nähe seines Hotels die Firma eines Bankiers, dessen spanischer Namen ihm bekannt klang, weil er ihn oft in seinen alten Familienpapieren gelesen hatte. Er erkundigte sich des Nähern und erfuhr, dass der Inhaber der Firma ein Jude sei, dessen Familie vor Jahrhunderten nach der Vertreibung der Juden aus Spa- -nien sich in Konstantinopel angesiedelt hatte und zu t>en reichsten Männern der Levante zählte. Es interessirte den jungen liberalen Herzog, einen Nachkommen der unter Mitwirkung eines seiner Ahn- -Herrn verjagten Juden kennen zu lernen, und er schickte seine Karte zu dem alten Bankier mit der Anfrage, ob er empfangen werden würde. Der Bankier erbat 'sich die Ehre seines Besuches, und im Laufe des Gespräches erzählte der junge Herzog, dass in seinem Fa- -milienarchiv mehrere interessante Briefe und auch Rechnungen von -der Hand eines Mannes vorhanden seien, welcher mit dem Herzog- > kDetz HlmsL'-ÜL׳ Geldgeschäfte ge- * macht 'zu haben scheine und dessen Name mit dem des Bankiers identisch sei. ״Das wundert mich nicht,* entgegnete der Bankier, 'welcher sich der spanischen Spräche bediente, gleich allen seinen lenautischen Glaubensgenossen. ״Auch unter meinen Familienpapieren befindet sich ein Dokument von der Hand eines Ihrer Ahnherrn." Der Herzog wünschte dringend, es zu sehen, und der alte Bankier brachte aus einem Nebenzimmer ein wohlerhaltenes Pergament heraus, welches nichts anderes enthielt, als — einen Schuldschein über 3000 venetianische Zechinen, ausgestellt zu Toledo von einem Ahnherrn des jungen Herzogs. ״Die Urkunde ist echt," bemerkte der Kavalier nach genauer Prüfung des Dokuments; ״das ist die Schrift von Don Diego und unser Wappen. Geben Sie mir diesen Schein, ich bezahle die Schuld", fuhr der Kavalier mit echt spanischer Grandezza fort nnd zog sein mit Noten der englischen Bank gefülltes Portefeuille aus der Brusttasche. Der Bankier lächelte fein: ״Herr Herzog, meine Forderung kann ganz Spanien mit allen Kolonie» nicht bezahlen, denn Ihr Ahnherr hat auch sechs Prozent Zinseszinsen bis zur Einlösung dds Schuldscheines verschrieben, wie Sie gefälligst lesen wollen und nach 421 Jahren machen die sechsprozentigen Zinsesziusen von 3000 Dukaten mehr Gold aus, als in der Welt überhaupt vorhanden ist " Der Kavalier blickte verlegen auf sein Portefeuille; der alte Jude aber strich sich den Bart und sagte: ״Trösten Sie sich, Herr Herzog, die Schuld ist verjährt. Da haben Sie diesen interessanten Autographen Ihres Anherrn; schicken Sie mir dafür, wenn Sie nach Hause kommen, die Auwgraphen des meinigen, dann sind wir quitt." Der Herzog ließ sich mehr als ein Diner bei seinem Landsmaune schmecken, dessen Familie feit mehr als vier Jahrhunderten den Boden der alten Heimath nicht betreten hatte. — So rächte sich der Jude an dem Enkel für die Sünden der Ahnen. Gr. Hecskerek. Endlich nach langer Zeit wieder ist der gesangliche Theil des öffentlichen Gottesdienstes in unserer Synagoge auf das Niveau eines allen Anforderungen entsprechenden Gottesdienstes gehoben und übt seine mächtige Anziehungskraft auf unsere Gemeindemitglieder. Während sonst unsere Tempelräume nur an jenem Sabbate mit Andächtigen sich füllten, da es galt, der belehrenden, Geist und Herz zu Gott erhebenden Kanzelrede unseres gefeierten Kanzelredners Dr. M. Klein zu lauschen, strömt jetzt Alt und Jung zu jeder bestimmten Andachtsstunde an Sabbat und Feiertagen dem Gotteshause zu. Und dies mit Recht; der gegenwärtige Oberkantor, Herr M. Schorr, versteht es, durch seinen seelen- und weihevollen Vortrag eine tiefe Wirkung zu üben. Verdienstvoll steht ihm zur Seite der überaus tüchtige Chordirigent A. S. Narozsni, der während der kurzen Zeit seines Hierseins einen Tempelchor herangebildet, der in gesanglicher Beziehung nichts zu wünschen übrig lässt. Hingegen lassen unsere Tempelräume Vieles zu wünschen übrig. Wohl wird seit Jahren schon der Umbau des Tempels geplant; doch harret diese brennende Frage noch immer ihrer Lösung.. Allein die bewährte Opserwilligkeit und Opsersähigkeit der hiesigen Gemeinde, die sich in allen ihren Institutionen kund gibt, berechtigt uns zu der schönen Hoffnung, dass zu Ehren Gottes und seiner Gemeinde der alte Tempel einem neuen in Bälde Platz machen werde. Karl Dohany, Religionslehrer. Wrag. Die Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde beschloss, anlässlich des Regierungs-Jubiläums des Kaisers 25.000 fl., zum Baue eines Siechenhauses zu widmen und den Betrag von 4000 fl. der Handwerkslehrlings-Stiftung zuzusühren. — Die Prager Volksküchen beschlossen, am Jubiläumstage alle ihre Gäste gratis zu speisen. Mreskau Vor einer Reihe von Jahren hatte der Gastwirt Gustav Kunicke die bisher von ihm bewirthschastete seit Jahrhunderten die Bezeichnung zum ״Blauen Ochsen" führende Kneipe aus der Breitenstraße aufgegeben und dafür das auf der Bischofstraße gelegene, zum ״König von Ungarn" genannte Hotel übernommen. Dieses Gasthaus, im Mittelpunkte der Stadt, ist, nebenbei erwähnt, auch geschichtlich denkwürdig. Friedrich der Große wohnte hier und nahm in dem Saale dieses Hauses an einem zu seinen Ehren von den' Großen der Provinz veranstalteten Balle theil, nachdem er von Schlesien Besitz ergriffen und zum ersteumale Breslau's Boden betreten hatte. Unter der Verwaltung Kunicke's wurde der ״König von Ungarn", ein sehr beliebter und besuchter Ort. Herren und