Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 15 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»Wajaschkem Awrohom baboker.« ״Früh stand Abraham auf", früh beginne auch unser Tagewerk. Unsere Weisen sagten: ״Wenn nicht jetzt gleich, wann denn?" Etwa am Abend? Wir wissen nicht, wie bald es Abend wird und die Nacht hereinbricht. Oder gar am morgenden Tage? Der morgende Tag, er ist nicht unser zu nennen. Darum'was wir thun wollen, zu unserem Wohle, : zur Ehre Gottes, geschehe ohne Zögern, ohne Zaudern, das geschehe in der Frühe, weil die Morgensonne noch unseren Tag erhellt und Licht und Leben bietet. So spricht David: ״Ewiger, frühe erhörst du meine Sümme, frühe rüste ich mich zu dir und hoffe." (Pf. 5, 4.) »Wajaschkem. Awrohom baboker.c ״Abraham stand früh Morgens auf", diese Worte lehren uns ferner, dass der Patriarch keine Zeit verlor durch Grübeln und Klügeln über den Ausspruch des Herren. Er kennt Gottes Absicht nicht, er kann den Rathschluss Gottes nicht ergründen, nicht fassen, gleichwohl grübelt und klügelt er nicht, ließ sich auch keine Zeit dazu, sondern stand zeitlich auf, mit kindlichem Gehorsam den Ausspruch Gottes zu erfüllen. Denn also spricht Gott, der Herr: ״Meine Gedanken sind nicht euere Gedanken und euere Wege nicht meine Wege, denn wie der Himmel über die Erde, so viel erhabener sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über die eurigen." (Jes. 55, 8. 9.) Darum finden wir, dass Abraham, der fromme Patriarch, keine Zeit fruchtlos damit verlor, Gottes Rathschluss ergründen zu wollen, denn den Gedanken j des Unendlichen kann der endliche Geist nicht fassen, und verlorene Klugheit ist, da klügeln zu wollen, wo der Mensch nur seine Schwache fühlen und demüthig und bescheiden die Vollkommenheit Gottes erkennen sollte. Denn was möchte der Erdensohn wohl ergründen können? Der Allmacht Ziel? Es gleicht der Himmeshöhe, was willst du thun? Ast üefer als die Gruft, was kannst du wissen?? . ׳ Ast es auch unsere Wicht, als vernunftbegabte Wesen nach Mffchluss, Wahrheit und Erkennttiis zu forschen, so werden war jedoch die Schranken nicht zu übertteteu wagen, die dem menschlichen Forschungsttiebe gesetzt find. Darum haben die Weisen einen Zaun um die Thora gezogen, den der Verstand des Verständigsten nicht überschreiten soll. Wohl soll das Wissen Gemeingut werden, aber nicht alles und jedes Wissen. So erzählt uns der Talmud als warnendes Beispiel (Chagiga 14.) Folgendes: ״Vier große Denker, Ben Asai, Ben Soma, Acher und Rabbi Akiba, wagten es, den Zaun, mu das Paradies der Erkenntnis zu durchbrechen und nur der Letzte kam in Frieden wieder hinaus." Auch der Midrasch (Rab. 1. M. Anfangs) macht hierüber folgende sinnreiche Betrachtung: ״Die heilige Urkunde beginnt mit einem Zeichen — ׳ב — welches nach oben, nach unten und nach hinten sich abschließt und nach vorne nur sich eröffnet; denn die Höhe und Tiefe und den letzten Hintergrund soll der Mensch nicht ergründen wollen, weil er's ja nicht vermag." Vorwärts ergießt sich der lebendige Stern der Ent- Wicklung, und da beginnt das Gebiet deiner Forschung und das deiner Pflicht. Abraham sei unser Muster! Er verlor keine Zeit durch fruchtloses, sündhaftes Klügeln, denn er stand auf in der Frühe des Morgens, um Gottes Gebot zu vollführen. Weil Abraham den unerforschlichen Willen Gottes für höchste Weisheit hielt, darum murrte und klagte er nicht, als er hingehen sollte nach Morija, sein Kind zu opfem. Keine Zeit verlor er durch Ausbrüche den Klagens und Unwillens sondern, nachdem er vernommen des Ausspruch des Herrn, beginnt er still und ergeben zu wandern den Leidensweg in der Frühe des Morgens. W .... r. (Fortsetzung folgt). WtrrMr. Hebräische Unterrichtsbriefenach bewährter Methode für den Selbstunterricht in Alt- und Neuhebräisch ׳ bearbeitet, von Dr. Bernard Fischer, Herausgeber des Buxtorf'schen Lexieons. Comptet in 10 Lieferungen ä 75 Pf. Leipzig C. A. Koches Verlagsbuchhandlung. — An den L hrbüchern für, fremde Sprachen gibt es zwei Methoden, die mit einander abwechseln. In einem Lehrbuche findet man die systematische, in einem andern die sogenannte kalkulirende Methode. Letztere geht den empirischen Weg und liefert das Lehrmaterial in einer durch Erfahrung begründeten und durch Zweckmäßigkeit hestimmten Ordnung, indem sie den Lernenden das Lehrgebäude allmälig daraus abstrabiren lässt; die erstere hingegen gibt das Lehr-- gebäude in einem systematischen Aufbau und. erläutert durch Beispiele das gebotene Lehrmaterial. Beide Methoden haben sowohl ihre Vorzüge, als auch ihre Mängel, weshalb der Lernende oft nicht weiß, welche dieser Methoden er für seine Sprachstudium in Anwendung bringen soll. Und so unbedeutend es auch Manchem scheinen mag, ist doch die Wahl der Lehrmethode für die Erlernung einer Sprache von großer Wichtigkeit. Will nämlich der Lernende in den, Geist einer Sprache eindringen und ihren wissenschaftlichen Bau begreifen, so ist die systematisch-grammatische Anleitung die allein zum Ziele führende; wünscht aber der Schüler sich die Fertigkeit einer Sprache in möglichst kurzer Zeit anzueignen, um richtigen Gebrauch davon machen zu können, dann führt ihn die kalkulirende Lehrweise schneller ans Ziel. Wer wollte aber bei Erlernung einer Sprache nicht ehestens ans Ziel seines Wunsches gelangen? Wer fühlte nicht das Bedürfnis, sich in der zu erlernenden Sprache möglichst bald verständlich machen zu können? Deshalb finden wir seit etwa 30 Jahren die Methode Ollendors-Ahn, so wenig man in ihnen auch eine Spur systematischwissenschaftlicher Behandlung findet, in den Lehrbüchern fast aller Sprachen angewendet, von denen mit Vortheil Gebrauch geinacht wird; denn sie führt schnell zum Ziele und entspricht der Fassungskraft fast eines jeden Schülers. > . Der Verfasser des überschriftlich angezeigten Lehrbuches strebt unseres. Erachtens , die Verwirklichung der Idee an, die genannten beiden Methoden (kalkulirende und systematische) in vermittelnder Weise zu verschmelzen, und mit Benützung der rühmlich bekannten Toussaint- Langenscheidt'schen Darstellung für die hebräische Sprache in Anwendüng zu bringen. Durch eine solche zweckmäßige Verbindung soll den Mängeln der beiden einzelnen Lehrweisen abgeholfen werden, und so weit wir nach den vorliegenden 3 Lieferungen urtheilen können, hat der Verfasser die sich gestellte Aufgabe geschickt und glücklich zu lösen verstanden, indem er in wohl durchdachter Weise der empirischen Kalkulation doch .ein gewisses grammatikalisches-System zu Grunde legt. Die Regeln sind präzis, klar und leichtverständlich vorgetragen, die Beispiele sind gut und zweckentsprechend gewählt und die Ausstattung ist eine ganz korrekte. Als ein besonderer Vortheil, wodurch dieses Lehrmittel vor allen bisherigen sich vortheilhaft auszeichnet, ist anzuführen, dass die Uebungsbeispiele gleich in den Text des Buches eingefügt erscheinen, um das Zeit, Geduld und Interesse raubende Nachschlagen, welches durch die üblich beigegeben >n Tabellen eutsteht, zu vermeiden. Dass der Verfasser die sich hiedurch ergebenden typographischen Schwierigkeien nicht scheut, ist anerkennenswert. Diese gelungene,' Arbeit des durch seine literarische THätigkeit allgemein bekannten, sehr strebsamen Autors kann daher als gutes. Lehrmittel nicht nur für Selbstunterricht sondern auch für den Schulgebrauch empfohlen werden. Dasselbe bietet aber durch seine sinnreiche Zusamnienstellung auch demjenigen Interesse.׳ der mit der hebräischen Sprache schon bekannt ist. Von der Zweckmäßigkeit dieser Lehr- Methode zeugt die Thatsache, dass der Schüler nach dem Erlernen der sechs Seiten umfassenden 6 §. mit freudiger Selbstbefriedigung an sich deü Fortschritt wahrnehmen wird, zwei Lesestücke (1 freibeärbeitetes und Psalm 104) nicht nur richtig lesen, sondern auch ins Deutsche^ übertragen zu können. Indem wir uns Vorbehalten, auf dieses Lehrbuch nach seiner Vervollständigung nochmals zurückzukommen, können wir dasselbe wiederholt bestens empfehlen. Baum. Weber Jenny Lind-Gotdschmrdtdie einst so gefeierte Sängerin, über die zu ihrer Glanzzeit herrschende Lin'd-Schwärmerei weiß Emil Jonas in der ״Neuen Musik-Zeitung" (Verlag von Carl Grüninger, Stuttgart) manches Neue zu erzählen, so