Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 15 (1.5.1888)
- Date
- 1888-05-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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— 2 — in gleicher Art, wie dies jetzt bezüglich der Juden angestrebt werde. ■ ־ י V י־ >־ ׳ י׳ -^ Aög. Ritter v. Gn iew L s z betont, es gehe nicht .gut an, Lass der Staat sich in die internen MngKgenheiten MMnR einer Eonfession menge; gegen^Bloch M0lemHrMd,^rklch^ er^ >aM dem Rabbiner keim ÄusnahmsstellünE in der Gemeinde gebühre, beson- Lers sei aber von einer Paatlrchttr Bestätigung abzusehen. Entlassung und Aufnahme habe aber immer Sache eines Vertrages zu sein; Ler Rabbiner, der keine Weihen empfangen, könne ja nicht als Geistlicher betrachtet werden. Der Minister Dr. v. Gautsch weist darauf hin, dass die Staatsgewalt nicht gesonnen ist, stch in die Differenzen innerhalb des Judenthums einzulassen; er betrachte die Juden als solche nur als eine Religions-Genossenschaft. Gegenüber den Ausführungen Dr. Weitbosts antwortet Dr. v. Gautsch, es solle kein Vergleich mit der katholischen Kirche gezogen werden, die Verfassung des Judenthums sei ja auch grundverschieden von denen anderer Religions-Körperschaftrn. Der Minister verspricht bezüglich des Patronats besondere Vor-!lagen, an denen schon jetzt eifrig gearbeitet werde. Abg. Zotta verliest nun eine Stelle aus dem Berichte des Herrenhauses, welche die Besorgnis erweckt, dass eine Art Gewissmszwang eingeführt werde. Redner schließt mit dem Wunsche, cs möge bald die Zeit kommen, wo auch an die Regelung der griechischorientalischen Kirche geschritten werde, woran die Regierung bisher nicht gedacht habe. Hierauf wurde Abg. R. v. Gniewosz zum Referenten für Len Entwurf bestellt. MeHo-ik -er Gesaugskimst. " XXV. ■' .״■w Wie aber durch dm alleinigen Gebrauch und die Uebung der normalen Muskelthätigkeit der Umfang einer Stimme stch offenbart, so reiht stch auch eben dadurch jede Stimme von selbst in ihre natürliche Stimmgattung ein; will man nämlich bei einer Stimme genau wissen, zu welcher Gattung sie gehöre, bei einer weiblichen Stimme, ob sie hoher Sopran, Mezzo-Sopran oder Alt, bei einer männlichen, ob sie Tenor, Bariton oder Baß sei: so ist einestheils der ganze Umfang der Stimme, wie er sich besonders in der gleichen piano gehaltenen Scala ergibt, zu erwägen, anderntheils aber zugleich der Grad der Bewegung in den verschiedenen Lagen der Töne, sowie der Klang (tirndre) mit in Rechnung zu ziehen; der Umfang kann z. B. bei einem Sopran und Mezzo-Sopran, Tenor und Bariton, ein und derselbe sein, aber die Eine Stimme wird in der hohen Lage früher ermatten, als die andere, die Eine Stimme wird in der tieferen Lage voller und kräftiger klingen, als in der Höhe, die Eine wird überhaupt sich schneller und leichter bewegen lassen, als die andere. Nun fragt es sich, in welcher Lage bewegt sich eine Stimme am leichtesten, in welcher Lage kann sie ihre Kraft am besten entfalten, in welcher Lage klingt sie am vollsten und freiesten? Diese Rücksichten alle müssen mit in Beziehung kommen, und weil sich eben durch die Anwendung der normalen Muskelthätigkeit alle diese Kenn- Zeichen am klarsten offenbaren, können wir kurz sagen, dass sich da- Lurch jede Stimme gleichsam von selbst in ihre natürliche Stimmgattung einreihe. Wo dagegen nicht die normale Muskelthätigkeit zur Richtschnur genommen wird, wo Schreien und Quetschen an ihre Stäle tritt, da wird auch die Gattung einer Stimme sehr leicht verkanut und Lurch diese Verkennung die natürliche Begabung selbst frühzeitig'zerstört; wie.wir dies ja schon so oft gesehen haben, dass Lehrer die Stimmen ihrer Schüler zu Grunde gerichtet haben dadurch, dass sie dieselben in eine falsche S'immga.ttung einweisen und besonders höher treiben wollten, als dies eine richtige Einsicht in die wahre Muskelthätigkeit und ihre Grenzen erlaubt. Diese ist gaüz individuell, also nur relativ zu bestimmeü, und bei einem gewisMs haften Lehrer; welche diese Grenzen kennt, ist keine Gefahr, dass eine Stimme verdorben werde; wenn aber ein Lehrer von dieser inneren Thätigkeit nichts versteht, sondern im Dunkeln tappt, da ist die Gefahr groß, nicht blos für die Stimme, sondern für die ganze Gesundheit Ja nur wenn eine leichte Muskelthätigkeit stattfindet, ist. der Gesang gut: ist die innere Thätigkeit schwer, so ist auch der Ton schlecht; und richtig ist daher nur die Gesangsmethode, bei welchem dem Schüler das Singen immer leichter wird: die. Erleichterung schon nach einigen Stunden beweist klar den richtigen alleinigen Gebrauch derjenigen Muskeln, auf welche uns die Natur hiebei angewiesen hat. . Wir haben im Bisherigen, wenn von Anwendung und Uebung. der normalen Muskelthätigkeit die Rede war, das Singen der Scala überhaupt (der auf- und absteigenden) als bestes Mittel zur Erlangung von Fertigkeit empfohlen und genau gezeigt, auf welche Weise es geschehen muß. Zunächst meinten wir damit die diatonische Scala (Our unä Noll), welche dem Ohr am nächsten liegt und insofern schon die leichteste ist. Wenn jedoch der Schüler die;diatonische Scala richtig, auf- und absteigend in gerader Linie, im ganzen Umfang seiner Stimme ausführen und darin schon einige Geläufigkeit sich erworben hat, mag er zu zusammengesetzteren Uebungen übergehen, zunächst zum Terzen-Lauf auf- und abwärts. Der Terzenlauf ist nichts Anderes, als eine Abwechslung der normalen Muskelthätigkeit bei der aufsteigenden Scala, des staccato, mit der normalen Muskelthätigkeit bei der absteigenden Scala, dem portamento. Staccato und portamento wechseln hier mit einander ab: geht die Scala von c aus, so muß die Terze e staccoto ergriffen werden, aber nicht auch die folgende Note ä, diese muß vielmehr von e aus portamento eintreten u. s. f. Geschieht dies nicht, so wird der Terzenlauf stets unrein sein. Abwärts sodann muß die Terze stets portamento eintreten und der auf. die Terze folgende, wieder höher liegende Ton staccato erscheinen. Nur so kann der Terzenlauf richtig und leicht vollzogen werden, und je schneller er gemacht werden soll, desto mehr muß das natürliche Gesetz streng befolgt werden, welches sagt, dass jeder aufwärts liegende Ton staccato, jeder abwärts liegende aber portamento eintreten soll. Ja dieses Gesetz allein ist der Schlüssel zur Erlernung jeder weiteren Figur, des Triolen-Lau es, Quarten-Laufes oc. Durchaus nothwendig ist es aber, dass bei diesen Coloratur- Uebungen ein klarer Fortschritt vom Einfacheren zum Zusammengeletzteren stattfinde, so dass der Schüler immer sich bewusst ist, worauf es bei jeder neuen Uebung ganz besonders ankommt und wie sie vollzogen werden muß. Wir können leicht die von der Natur selbst gebotene Ordnungsfolge solcher Solfeggien vorzeichnen, es genügt aber hier, als Princip dieser Aufeinanderfolge jenen Satz wieder ins Gedächnis zu rufen, dass jeder höher liegende Ton staccato, jeder tiefer liegende portamento ergriffen werden muß, und dass die weitere Aufgabe nur diese ist, die aufwärts steigende und die abwärts steigende Tonreihe allmälig zu vergrößern, und die so entstehenden Läufe immer schneller auszuführen. Soll aber eine große Reihe von Tönen, sei es nur auf- oder abwärts, oder abwechselnd bald steigend bald fallend, recht schnell und deutlich an einander gereiht werden, da hat sich uns durch lange Paxis noch ein anderes ״ die ganze Coloratur sehr erleichterndes Gesetz ergeben: der Schüler