Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 14 (23.4.1888)
- Date
- 1888-04-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 — Tenor muß jetzt dem Bariton Platz gemacht werden, war er Bariton, ן bann bem Tenor u. s. w. So geht das fort, bis das Altar ihm keinen neuen Posten mehr einbringt. Was bleibt dem armen Chase» dann übrig. — Auf die Wander — zu gehen. — — Am Schlüsse des betreffenden Artikels wird den Cantoren die Hoffnung zur Besserung durch die Ansicht vorgespielt: ״An der Anstalt eines etwa ins Leben tretenden Rabbiner - Seminars wird es Sache der Vereinsleitung sein, dafür Sorge zu tragen, dass an dieser Anstalt auch Cantorscandidaten die nöthige fachliche und Wissenschaftliche Ausbildung erhalten» dann wird es möglich sein, die staatliche Anerkennung der Cantoren zu erlangen." Hier leuchtet die Absicht hervor, als wollte der Verfasser den Herren Cantoren sagen, dass sie alle sammt und sonders nichts sind, keine sachlichen und wissenschaftlichen Kenntniße besitzen, daher auch nicht verdienen, anerkannt zu werden. Ich überlasse jede Polemik Anderen, möchte nur. noch erwähnen, nachdem mir die Verhältniße der Landgemeinden besser bekannt sind, dass keine Anstalt im Stande sein wird, nach dem Geschmacks der Herrn Vorsteher und Mitglieder der Gemeinde Cantoren heranzubilden. Der Cantor wird eigentlich erst in der Gemeinde ausgebildet oder verbildet,, denn er muß ja das singen und sagen, wie und was die Herrn Vorsteher befohlen, wenn auch keiner der Letzteren einen Begriff von Musik oder Liturgie hat. Sache der Vereinsleitung sollte es jetzt sein, dafür Sorge zu tragen, dass auch den Cantoren die staatliche Anerkennung zu theil werde. Dann wohl den Cantoren und hoch der Vereinsleitung! Heinrich Gol d stein, Cantor und Religionslehrer in Reichenberg. Methodik -er Gesangskmst. XXV. Eon Natur also sind die Stimmbänder auch im Zustande der Spannung sd beschaffen, so innerlich elastisch, dass sie mit dem Herabkommen der Luft sogleich tönen; wenn also die Töne einer Scala nicht gleich leicht ansprecheu sollten, so müsste die Ursache entweder in einem kranken Zustande der Stimmbänder selbst zu suchen sein, wie dies bei der Heiserkeit der Fall ist, wo durch die zu große AustrocknunA den Stimmbändern die gehörige Elasticität fehlt; oder die Ursacha liegt,, wie dies meistentheils der Fall ist, darin, dass der innere Ansatz eines Tones nicht zuvor schnell, leicht und einfach vor sich gegangen ist, denn in demselben Augenblick, als die Stimnibänder ihre gehörige Spannung erhalten haben, sind sie auch schon bereit, zu ertönen- Die Hauptsache ist somit immerhin der innere Ton-Ansatz, und ist dieser leicht und schnell in allen Lagen vollzogen, so wird auch die Ton-Ansprache eine in allen Lagen gleich leichte sein, es müssten denn krankhafte Zustande das sonst so blitzschnelle Erzittern und Erklingen der Stimmbänder unmöglich urachen (große Verschleimung, Husten,. Heiserkeit, Anschwellungen des Kehldeckels oc.). Sind aber solche krankhafte Zustande die Ursache, so unterlasse man das Singen ganz, bis der normale gesunde Zustand wieder eingetreten ist. Im׳ normalen gesunden Zustande jedoch richte der Schüler immer sein Augenmerk auf die normale Muskelthätigkeit, und durch sieißige Uebung wird er bald ein Wachsen und Zunehmen seiner Muskelkraft bemerken, zugleich aber auch ein immer leichteres, schnelleres Ansprechen der Toner durch Uebung kommen ja die Muskel immer mehr undmehr in unsere Gewalt, gehorchen immer leichter und schneller unserem Tonsiuu. Der Gang dieser Uebungeu ist naturgemäß folgender: der Schüler singe die Scala zuerst laugsam, dann schneller, dann , ganz schnell auf- und abwärts, endlich auch beide Scalen in einem Athe m zusammen, beobachte aber aufs Strengste die von uns für die ans- und absteigende Scala gegebenen Gesetze und beherzige den Satz, dass, je schneller man die Töne denken kann, desto schneller auch die Coloratur werden wird. Je mehr aber dies erreicht wird, desto meh r stellt sich auch der natürliche Umfang eine Stimme gleichsam von selbst ein, denn der Umfang einer Stimme ist nichts Anderes, als die Grenze der Ausdehnung (tiefster Ton) und die Grenze der Zusammenziehung (höchster Ton) der Muskeln. Die Stelle, wo beide Register (Brust- und Falset-Register) an einander grenzen, zeigt sich ebenfalls ganz von selbst, wenn nur zuerst ein ganz gleich schwacher Athem beibehatten wird, sowie der Uebergang aus einem Register in das andere sich durch dieselbe Beibehaltung desselben gleich schwachen Athems gleichsam von selbst herftellt. Da es aber von Natur (bei männlich en und weiblichen Stimmen) nur diese zwei Register gibt, so umfassen also sie zusammen den Umfang einer Stimme, und es ist nur noch zu untersuchen, wie weit die Brustsiimme nach unten, und die Falsetstimme nach oben sich ansdehnt. Nach unten reicht eine Brustsiimme immer nur so weit, bis die Muskeln in ihrer natürlichen ganz ruhenden Ausdehnung datiegen; hier hilft kein Drücken und kein Quetschen, dem: dadurch entstünde nur ein schnurrender, brummender Ton, sondern die natürlich-ruhigste, anstrengungsloseste, ungezwungenste Ausdehnung der Muskeln, wobei der Schildknorpel sich von selbst am weitesten wieder nach Oben gerichtet und die Bänder sich abgespannt haben, gibt den tiefsten Ton, welcher noch frei, erklingen kann. Die Frage, ob sich durch irgend eine Uebung auch noch tiefere Töne, als der natürlich tiefste Ton erreichen lassen, müssen wir daher von vorn herein verneinen; denn der natürlich tiefste Ton beruht ja bereits auf der ganz ruhenden Ausdehnung der Muskeln; jede Anstrengung und Krattentwickelung ider Muskeln aber kann nur in deren Zusammenziehungalso bei Erzeugung höherer Töne, nicht in weiterer Ausdehnung derselben bestehen. Also nach unten lässt sich durch gar kein Mittel über den natürtlich gegebenen tiefsten Ton hinaus, welcher bei ganz schwachem Athem und ohne alles Drücken sich noch ergibt und frei klingt, der Umfang ausdehnen: jener natürlich tiefste Ton ist schon der ruhendste Zustand der Muskeln, und alle noch tieferen erpressten Töne müssen daher unnatürlich gepreßt, unschön und unbrauchbar sein. Dagegen lässt sich durch vorsichtige fleißige Uebung der rechten Muskelthätigkeit das Brustregister nach Oben etwas erweitern; wenn nämlich ansänglich die Muskelkraft noch nicht so erstarkt war, dass sie die gespannteren Stimmbänder bei ihrem Schwingen in ganzer Breite sesthalten konnte, sondern nur ein Schwingen der innersten Ränder der Stimm- Länder aushielt (Anfang des Falsets): so kann dagegen durch slei^ ßige Anwendung und Uebung der normalen Muskelthätigkeit die den! Muskeln innewohnende Kraft in der Art zunehmen, dass sie nicht blos bei den mittleren Bruströnen schon viel leichter und fast von selbst ihr Geschäft verrichten, sondern auch bei noch höheren Tonen die in ganzer Breite schwingenden gespannten Stimmbänder nochfestzuhalten im Staude sind, also Töne, welche anfänglich als Falsettöne auftraten, noch als Brusttöne zum Vorschein kommen. Wir erinnern nur an de Uebung der Armmuskeln beim Fechten; wer ansänglich einen ziemlich leichten Degen höchstens % Stunde lang Handhaben konnte und dann ermattete, wird bald durch vernünftige Uebung und Gewöhnung der Armmnsketn einen schweren Degen % Stunde lang, ohne zu ermatten, und in viel kräftigerer Weise handhaben können Ebenso ist es bei der Muskelthätigkeit, die zum Singen dient : sie erstarkt durch Uebung, und was ihr anfänglich aus Mangel an Kraft und Ungewohnheit nicht möglich oder sehr schwer war, wird ihr leicht und immer leichter. So ergeben sich durch Uebung auch bei Beibehal-