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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-04-15 · Heft 13 (15.4.1888) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 13 (15.4.1888)
Date
1888-04-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Dirnt-rr« uni Obcr-eLmtes der. .Kaiser' Ferdinands-NordbaGlder Südbahn-Gesellschaft und ErediWlnstalt, der Präsident der Börsekarnmer Vincenz,Mtter D? Dutschka mit''den' Börseräthen und der Vorstand der Cültusgememde^?Die Bäröüe Albert und Nathaniel Roth-; schild rmd sämmtliche Beamte des Bankhauses Rothschild waren gleich- - falls erschienen, sowie alle Bankhäuserund Credit-Jnstitule Wien's Vertreter entsendet hatten. Mchdem Punkt 10 ׳Uhr unter den üblichen Gefangen seitens des Obercantörs Singer und des Chorpcrsonals beider Synagogen der , Sarg aus den vierspännigen- Galawagen geho- Len ward, setzte sich der imposante Zug, gebildet von eiyer den Wagen in doppelter Reihe umgebenden großen Anzahl von Fackelträgern seitens der Bediensteten der Nordbahn. und der Creditanstalt uns einem unabsehbaren Zuge der nachfolgenden Equipagen nach dem Döblinger Friedhofe in Bewegung. Hier brachte Obercantor Singer alle üblichen Gebete, wie auch unter seiner Leitung das bei-Gemeinde- Vertretern übliche >Schodme bote diomer« zum Vortrage. Prediger Docto Jeüinek hielt einen warmen Nachruf, und nachdem der Sarg gehoben und unter ergreifenden Gesäugen in die Gruft versenkt ward, sprachen sämmtliche fünf Söhne in pietatsvoller Weise und nach Mehrwürdigem Brauche das Kaddisch-Gebet. Wie«. Am 17. Dctoberd.J. gelangen die Zinsen des ״Prediger Mannheimer-Vereines" zur Vertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbinen, Prediger und Lehrer in Oesterreich-Ungarn, welche dienstunfählg geworden sind, oder deren Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens durch zehn Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstunsahigkeit sind nachzuweisen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni d. I. an die israelitische Gemeindekanzlei in Wien unter der Adresse: ,^Vorstand des Prediger Mann- Hermer-Vereines" zu übersenden. Ang Wrod. Sonntag den 8. d. M. ist der hiesige Gemeinde- Arzt, Herr Dr. Nathan Kohn, nach längerem Leiden verschieden. Durch viele Jahre übte der Verblichene in einer wahrhaft aufopferuden Weise seinen schweren Beruf, und erwarb sich durch sein humcmitäres- Wirken, das namentlich die Armen in vollstem Maße zu schützen wussten, die Hochachtung und Anerkennung sänuntlicher Bewohncr unserer Stadt, ohne Unterschied der Confession. Einen eclatauten Beweis hiefür lieferte das Dienstag den 10. stattgefundene Leichenbegängnis, an welchem die Spitzen der Localbehörden, die Vertreter der jüdischen und christlichen Gemeinde, viele Geistliche aus der Umgebung, sowie zahlreiche Collegen und Freunde des Verblichenen theilnahmen. Gemeindediener und Feuerwehrmänner bildeten Spalier vom Trauerhause bis zum Friedhofe. Mit größter Einfachheit — aus besonderen Wunsch des Verblichenen waren Predigt und Gesang weggeblieben — wurde dieser wackere Mann zur ewigen Ruhe gebettet. Doctor Köhn hinterlässt eine trauernde Witwe und sieben unversorgt^ unmündige Kinder. Stuttgart. Eine illustrirte Musikgeschichte, in übersichtlicher Darstellung, von den ersten Anfängen bis auf die Gegenwart, bearbeitet von dem als Verfasser schönwissenschastlicher Schriften rühmlichst bekannten Dr. A. Svoboda (wir erinnern nur an seine troffliche Geschichte der Ideale, sowie an seine farbenprächtigen Biographien über Defregger und Rosegger), beginnt mit dem neuen Quartal als besondere Gratisbeilage der ״Neuen Musik- Zeitung" (Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart) zu erscheinen. Es steht zu hoffen, dass die populäre Musiklitteratur somit um ein in Bezug auf Inhalt wie Ausstattung mustergrltiges Werk bereichert werde. Wir verfehlen daher nicht, aus das ohnehin so außerordeutlich billige Abonnement der ״Neuen Musik-Zeitung" (80 Pf. vierteljährlich) empfehlend hinzuweisen, zumal neben dem reichhaltigen Inhalt jeder Nummer noch außerdem gutgewählte Musikstücke, sowie rin Musiker-Lexikon als ständige Gratisbeilagen erscheinen. Hubtsßoor«. (Südafrika.) Die Grundsteinlegung zu einer neuen Synagoge ließ das überaus freundliche Verhältnis, welches zwischen den jüdischen Colonisten und den älteren christlichen Ansiedkern hier besteht, so recht zum Ausdruck kommen. Vor wenigen Iahren, als die Zahl der jüdischen Einwohner nur noch eine sehr geringe war und mit der Zeit der Besuch des Todesengels die Nothwendig- Veit eines jüdischen Gottesackers hervorrief, war es ein christlicher Farmer, welcher der im Werden begiffenen Gemeinde zu diesem Zwecke ein Grundstück schenkle^ wp es galt, .-«yter?-.gro.ßey - .-Unftrenglnr-- ge.n eine. Synagoge zu errichten, war cZ wieder, ein, Christ, Herr Black, welcher dieses UuternehmenMesentlich dadurch förderte, dass er das. schwierige Amt eines Schriftführers beim;Bau-Comitee übernahm.. Zwischen Herrn Black und seinen jüdischen Collegen waltet die schönste Harmonie, u1tf> :dies. ist, wie. cs scheint,; eine, günstige Vorbedeutung für das glückliche Gelingen'des Unternehmens. In der Skizze von dem Wachsthum der jüdischen Gemeinschaft in Süd-Afrika, welche Herr Nev. A. F. Ornstein, Geistlicher der jüdischen Gemeinde der Capstadt, in seine Rede verflocht, erwähnte er das folgende interessante Faktum: Als im Jahre 1842 die Capstidt-Gemeinde gegründet wurde, entstand ein Hindernis-bei den Eheschließungen dadurch, dass man. einen beglaubigten jüdischen Registrator nicht zulaffen wollte. Die Schwierigkeit wurde durch ein Arrangement beseitigt, nach welchem man die religiösen Funktionen durch einen jüdischen und die Akte durch einen christlichen Geistlichen vollziehen ließ. Dieser rechtfertigte nun das in ihn gesetzte Vertrauen so gewissenhaft, dass er bei Ausführung der freiwillig übernommenen Amtsobliegenheiten nie eine Aeußerung that, wodurch , ein jüdisches Ohr in. etwas Hätte beleidigt werden können. Stelleriveranderuug. College Schlesinger in Esseg ist als Obercantor in Mislitz acceptirt worden. (Wir gratuliren zum-. Amtsantritte. Die Red.) Der Baal-Tephilla. Von M. I. Rabbinowits ch. Aus dem Russischen von A. Levin-Sagan. (Autorisute Uebersetzung.) (Nachdruck verboten.)-» , .' . ft- Forschung.) ' Der Onkel wohnte, wie ich schon sagte, imCeytrum des jüdischen Viertels, das einen sehr respektablen Theil der Stadt N., deren jüdische Bevölkerung damals Dreißigtausend zahlte, -'einnahm. Die- Stadt besitzt, wie eine Seestadt, (N. liegt am Ufer des Schwarzen^ Meeres) große geschäftliche Bedeutung und hatte darum eine sehr große und sehr gemischte Bevölkerung, bei der das ausländische Element sogar vorherrschte. Besonders waren da viele Italiener, Griechen, Deutsche anzutreffen, die die schönsten und reichsten Viertel bewohnten, während . die große Masse Juden — mit Ausnahme einzelner Bevorzugter, deren . Namen beständig in Aller Mund schwebte — zusammengepfercht war in einem schmutzigen stinkenden Viertel, das ganz besäet war mit unschönen, unfreundlichen Häusern mit entsetzlich stinkenden Höfen. Und in einem dieser grauen, schmucklosen Häuser wohnte Onkel . Peßach- Sein Quartier bestand aus einer niderigen, finstern Küche, zwei Zimmern, von denen das erste als Speise- und Schlafzimmer für alle Kinder diente, das zweite, der ״Saal" genannt, das״- Schlafzimmer für Onkel und Tante, das Kabinet und sogar Gastzimmer bildete. Das erstere hatte außer einem Tische und einigen Stühlen fast gar keine Möbel und war miteinem Fenster versehen, das ans einen finstern und ungemein schmutzigen Hof hinausführte; das zweiie - Zimmer aber war sorgfältig eingerichtet: es hatte eine schöne Kommode, zwei Bettgestelle mit zierlichen Seitenwänden und gedrechselten Beinchen, zwei Spiegel, einen messingenen Kronleuchter, der in der Mitte der Decke hieng, und einige messingene Wandleuchter. Das die Umgebung, in der ich mich befand und wo ich angefangen habe, wie man zu sagen pflegt, in Musik zu baden. Gerschon kam dahin, dass er, oft sehr spät nach Hause kom-. mend, mich weckte, um mir neue Weisen vorzusingen, undich konnte es gar nicht fassen, wo er all diese Gesänge hernahm, da er immer behauptete, so spät aus dem Beth-ha-Midrasch zu kommen. An einem Sabbath Abend kam er nach Mitternacht nach Hause. Ich schlief gewöhnlich mit ihm und seinem jüngern Bruder auf der - Erde. Als er mich die Augen öffnen sah, hieß er mich aufstehen und mit ihm in die Küche gehen. Ich gehorchte eben nicht sehr gern. Er - schloß sorgfältig die Thüre und begann mich eine zweite Stimme zu., lehren, mit der ich seine erste Stimme begleiten sollte, und bis gegen .

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