Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 13 (15.4.1888)
- Date
- 1888-04-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Religionsdüner Mthälten tfL Die Behörde stehe ׳ eben auf dem Standpunkte, ' dass die Regelung t>es Dienstverhältnißcs sämmtlicher Religionsdiener, ja selbst auch der Rabbinen, der Autonomie der Gemeinde zu überlassen sei und nicht im Gesetze sondern in den Gemeindestatuten Aufnahme..Anden müsse. - Nichtsdestoweniger werde -der Vorstand nicht müffig bleibensondern, bewusst der ihm obliegenden Pflichten, seine Thätigkeit im geeigneten Momente, der ja im -Gesetze, wo von einer weiteren gesetzlichen Regelung die Rede ist, angedeutet ist, mit mehr Erfolg aufnchmen. Im Uebrigen sei der gegenwärtige Stand der Frage im letzten - Leitartikel der österr. ung. Cantören-Zeitung genügend gekennzeichnet, und diesen Ausführungen schließe er sich vollkommen an. Dieser Ansicht tritt die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder bei, und es wird hierauf der Beschluss gefasst, von einer Petition an 1>as Abgeordnetenhaus für jetzt abzustehen, jedoch bezüglich der weiteren Schritte mit den maßgebenden Persönlichkeiten, namentlich mit dem Referenten im Abgeordnetenhause in Fühlung zu treten. Der Vorsitzende theilt ferner mit, dass aus der Gemeinde Strakonitz Jahresbeiträge in der Höhe von 15 fl ö. W. eingelangt seien. (Wird dankend zur Kenntnis genommen und beschlossen, auch an die übrigen Gemeinden, in welchen Beiträge gezeichnet wurden, >die bisher nicht eingelaufen sind, iu neuerlichem Ansuchen heranzutreten.) In Weiterem wird der Beschluss gefasst, an den mährischjüdischen Landesmassefond, sowie an Herrn Baron Hirsch ein Ansuchen uM Unterstützung des Cantoren-Vereines zu richten. In ersterer Angelegenheit wird der Vorstand bei dem in Wien weilenden Abgeordneten Ritter v. G o m p e r z Vorstellung machen. Cassier M. Blatt stellt in Folge Anhäufung größerer Rück- ׳stände die Frage, wie sich der Verein jenen Mitgliedern gegenüber zu verhalten habe,׳die über ein halbes Jahr mit ihrem Beitrage im :Rückstände sind. Mit Rücksicht auf die diesbezüglichen Bestimmungen der Sta-, tuten wird der Beschluss gefasst, jene Mitglieder, die trotz erfolgter Mahnung über ein halbes Jahr im Rückstände sind, ihrer Mitgliedschüft verlustig zu erklären und weitere Beiträge von denselben nicht -ünzunehmen. Der Worstarrb de« öfterr-Ungar. Lantocen-Bereines. Gingesendet. Lövl. WedacLion! Auch ich erlaube mir, meine Ansicht über Ibn Esra’s Motto zu Abschnitt Jithro in Ihrem geschätzten Blatte mitzutheilen. Der Räthselliebhaber I E. liebt es bekanntlich, selbst in seinem Commentar räthselhaft zu schreiben; ja ergibt sich die größte Mühe, um nur recht unverständlich zu schreiben. Deshalb hat er so viele סודות und רמזים, Geheimniße, Andeutungen und Winke. Ein derartiges Kunststückchen von רז—זר ist auch die fragliche Ueberschrift, und glaube ich, dass ״der dunklen Rede tiefer Sinn" folgender sei: I. E. beantwortet in dem Motto seine Frage, die er gleich zu Beginn der betreffenden Licirah aufwirft, warum denn unmittelbar nach Milchemet und Mechijath Amaleks der Abschnitt von Jithro folgt, da nach seiner (I. E. s.) Ansicht Jitliro nicht vor der Offenbarung am Sinaj, sondern erst im zweiten Jahre, nachdem die Stiftshütte bereits aufgestellt war,, angekommen war? Man vergleiche dessen Worte hier und in »Behaalotcha«. Die Antwort, die er sich und anderen darauf gibt, ist folgende: Weil die Keniten, die ׳Nachkommen des Jitroh, ihren Wohnsitz neben Amalek hatten, (I. B.. S. XV. 6 ) deshalb wird unmittelbar nach dem Gebote von der Vertilgung Amaleks die Geschichte von Jithro und besten weiser Rath angeführt, um die Israeliten aufmerksam zs machen, die Keniten nicht so feindlich wie deren Nachbarerr, die Amakekiten, zu behandeln, da ihr Stammvater Jithro den Israeliten in der Wüste Ln aufrichtiger Freundschaft zugethan war und ihnen einen wohlmeinenden und heilsamen Rath ertheilte, so dass nach I. E. der Ausdruck Moses: *We hojitho kmu loeaajim« — ״Du dünstest uns dereits einmal als Augen" — als günstiger Wegweiser, als erfahrener und bewährter Rathgeber — auf dessen staatsmännischen Rath sich beziehe. Das Motto gibt rum in kurzen Worten, in gezwungener poetischer Form dasjenige wieder, was der Verfasser in seinem Commentar weitschweisig behandelt. Der Text wäre nun folgendermaßen zu interprettren: תקוה TD» נאם «ברם ist ein einfacher Ankündigungssatz, wie IV. B. M. XXIV, 3, und 15 — 2. B. S. XXM, 1, und Spr. XXX, 1, und wie I. E. mit denselben seine Commentar- Einleitung zum Pentateuch und zu den Megiioth Ester, Schirhaschirim und Ruth beginnt. Die zweite Zeile: TUT אשר פתח עני hat eine versetzte Wortfolge, da Jithro das Subject ist. In der dritten Zeile: עדי ה?*ך חצי י$בו lese ich «Chizzi« 'mit Chirik — nicht mit Chatuf-Pattach — unter dem Cheth, und beziehe das »Udo« auf den nicht benannten, aber wohlbekannten Amalek, der iu der vierten Zeile mit הגדוד יתוו patt Baale brith oder sctfcheni bezeichnet wird. Aehnliche rück- und vorbezügliche Stellen finden sich im »!nach« sehr viele. Man vergleiche: III B. M. I. 1, wo das im zweiten Satze vorkommende »Adonaij und meohel naoeöl» sich auf das »wajikro« im ersten Satze bezieht. Ferner V. B. M. XV. 17, wo der Schlusssatz: ״Auch deiner Magd thue also", sich nicht auf das in diesem Verse Gesagte, sondern auch das im Vers 14 Erwähnte bezieht. Ferner V. XXXI, 23, wo das »waj’zwaw« mit dem der Vers beginnt, sich nicht aus Moses, der im 22. Vers erwähnt wird, — sondern aus "n Gott — der im 15. Vers vorkommt, bezieht. Die Uebersetzung wäre demnach wie folgt: Spruch des in den Banden der Hoffnung schmachtenden Abraham! Jithro ist es, der ineine Augen geöffnet — erleuchtet, — während mein Pfeil in sein des Amalek Herz — gedrungen, und auch später die Schaar -- den Nachbar desselben — Jithro gedemüthigt. Und dieses dient zur Erklärung der Parascha, die da beginnt mit der Sage des Jithro. Wien, im Nissan 5648. Leop. Buchs bäum. Kleine Chronik. Wien Unter zahlreicher Theilnahme der hervorragendsten Kreise der Residenz fand Sonntag dm 8. d. M. 10 Uhr Vormittags das Leichenbegängnis des verstorbenen Prokuraführers des Hauses Rothschild, des Herrn Moriz Ritter von Goldschmidt, statt. Lange vor Beginn der religiösen Ceremonien, warm sowohl die Räume des Trauerhauses, wie die angrenzenden Straßen desselben von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge dicht besetzt und demgemäß der Verkehr der zu- und abfahrenden Equipagen ein ungemein erschwerter. Im Trauerhause selbst waren anwesend: Der italienische Botschafter Graf Nigra, geheimer Rath Ignaz Edler v. Plener, Baron Hopser^ FZM. Baron Tiller, General-Intendant Baron Bezecny, die Reichsraths-Abgeordneten Baron Kübeck, Baron Pirquet, Dr. Jaqucs, Dr. Bloch und Dr. Max Mauthner, die Hofräthe Ritter v. Klaps, v. Doczi, Obermayer, Herz und Baron Eichler; der Präsident der Handels- und Gewerbekammer Jsbary; Regierungsrath Ritter v. Hahn; ferner der Präsident der Triester Handelskammer, Baron Morpurgo; der General-Director der Südbahn, Schüler; Regierungsrath Dr. Angelo Ritter v. Kuh; die Banqniers Baron Königswarter, Baron Schey, Hofrath Ritter v. Pfeifer, Baron Gustav und Baron Alfred Springer, Ritter v. Borkenau; die Gemeinderäthe Dr Lederer, Baurath Stiaßny, G. Simon, Bücher, Magistrathsrath Lekisch, Hosrath Stummer; Oberrabbiner Dr. Gndemann, die Vertreter der israel. Cultusgemeinde mit dem Präsidenten Arm. Cohn an der Spitze, die Vertreter der ״Chewra-Kadischa", Karnmerrath B Singer, Dr. Ludwig August Frankl, die Hofschauspieler Lewinsky und Gabillou 2c. 2c. Weiter waren anwesend der Verwaltnngsratb, beziehungsweise die