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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-04-15 · Heft 13 (15.4.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 13 (15.4.1888)
Date
1888-04-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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»voran der Geist sich genügind üben konnte. Die Zurückdrängung der Juden von den meisten ersprießlichen, Kenntnißc und Umsicht erforderlichen bürgerlichen Geschäften, machte sie eben so gleichgiltig gegen die nützlichen Wissenschaften. Sie würden hierbei wenigstens zu einem gemeinsamen Interesse unter einander gediehen sein und sür dasselbe zu mancher Krastentwickümg Anlass gefunden haben) wären sie nicht anderseits auch dem Orte nach zersplittert worden, so dass! zuletzt Mer Jude für sich allein bestand, kein anderes Interesse &e;־ hiett, als die Uebung der Religionsgesetze und die Sorge für die eigene Erhaltung. Diesem gemäß gestaltete sich die Erziehung der Zugend in einer stetigen Folge. Sie bestand lediglich in der möglichst schnellen Gewöhnung an die Uebung der Gebräuche und in der möglichst frühen Erlangung einer Fertigkeit zur Herbeischaffung des nöthigen geringen Bedarfs. Zu Letzterem boten die Regierungen durch Gestattung der mit hohem Zinsfüße verbundenen Leihgeschäfte die Hand. Ze mehr dieses stille, ergiebige von der bloßen Zahlenberechnung abhängige, und keinen höhern Gedanken anregende Geschäft für die Beschäftigung mit der Religion Zeit ließ — desto stärker ward es gesucht. Es hatte die Bequemlichkeit, dass man dem Volke gewissermaßen unentbehrlich ward, ohne mit demselben in engere Berührung zu treten. Aus solchem Verkehr konnte nie ein zutraulicher Austausch entstehen, vielmehr erzeugte er von beiden Seiten Mißbräuche. Die Schuldner Sagten ihre Gläubiger der Habsucht, der Unbiegsamkeit, ja sogar., der Grausamkeit an und machten sich durch unbegründete Klagen oder Gewaltthaten Luft. Die Zuden hingegen wurden immer versteckter, schlauer und bedächtiger, daher die Klagen über Gaunerei 7 und Betrug häufig erhoben wurden. Durch herumziehende, Vaterlands-) lose Zuden musste sich dieses Nebel nur vermehren. Die sesshaften; Zuden nahmen die unglücklichen Wanderer überall gastfreundlich schon aus dem Grunde auf, weil sie in ihnen nur ein Bild des ihnM j seLst drohenden Schicksales sahen. So ward der Jude von Zugend ans gewöhnt, sich als ein besonderes Wesen im Staate zu betrachten, sein Inneres zu ver-! stecken, sein Vermögen zu verhehlen, vor Gewalt sich feig zurückzu-; ziehen, Hohn und Schmach zu erdulden — und nur in der Ver- Mehrung seines Geldes und in der Uebung seiner Religionsgebräuche sein Glück zu finden. Die Religionslehre musste eben so sehr verschrumpfen, wie der Geist. Zhre Vorschriften, welche die reinste Sittlichkeit atmen, blieben theoretisch stehen und fanden wenig Aenderung gegen die, welche den Zuden kein Recht zugestanden. Eine innere Entsittlichung musste erfolgen, wie sie überall aus der Beengung der Natur hervorgeht. Sittlichkeit der Gesinnung kann nur mit Freiheit der Bewegung bestehen. Es würde sogar eine gänzliche, allgemeine Entsittlichung der Zuden erfolgt sein, hätte nicht die erstaüuliche Festigkeit der Religion eine eigene innere Kraft dauernd erhalten, und so oft der Zwang ein wenig nachließ, hie und da den Geist wiederum zur erneuter Thätigkeit belebte. Die äußere gänzliche Absonderung der Zuden von Wohnung, Umgang und gemeinsamen Volksvergnügen — hat ihre äußere Erscheinung und Gesittung unendlich benachtheiligt. Es gestattete sich dadurch bei ihnen eine besondere Sprache, ein eigenthümlicher Ton des Ausdrucks, eigenthümliche Wortstellung, gesellige Freuden und sie sind im Allgemeinen für alles Schöne und Erhabene ertödtet worden. Aus solcher Bannung aller Geisteskräfte musste eine grenzenlose Abgeschmacktheit in Allem erfolgen, die sogar in ihren Gebeten und Erbauungsbüchern, wie es die Piutim bekunden, sich offenbart, ohne dass dieselbe von den Befangenen wahrgenommen wurde. Sie Erblickten im steten -Wechsel rund uut sich her nur das Eitle, Unhattbare, während sie selbst sich ewig LÄnktm. - Der . Aebermuth Lsi Straßenbuben, welche ihnen die: BLÄe.rupften und Koth uachwarseq, wie der der Edelleute, die sie zu allerlei entwürdigenden Diensten zwangen, war ihnen eben so gleichgültig als der Hohn, den ihnen ein Fleck auf den Kleidern und anderere herkömmliche Ermederungen verursachten. Beispielsweise waren die Juden zu Worms verpflichtet, alljährlich zwei oder drei. Tage nach einander in Gegenwart des sich mit Wein labenden Magistrats. — nach bibl. Pilisterart — der Reihe nach unter Peitschenhieben eine Rossmühle zn ziehen, bis sechs oder acht Malter Getreide-gemahlen waren. Ferner die Pflicht, sich beim Einziehen in eine Stadt sich von einem alten Weibe begleiten zu lasten, oder zur Anhörung unsinniger Pfaffen am Sabbath in die Kirche zu gehen, um bekehrt , zu werden. Derartige Knechtung konnte nur die Juden in dem sie belebenden Dünkel bestärken, ihnen nur einen Abscheu vor dem Christenthumme einflößen. Mit der Bewährung des Psalmwortes 119.92: ״Wäre Herr deine Lehre nicht meine Freude — wahrlich ich unterläge meinem Elende—schließt hochachtungsvoll der Orig.-Corresp. v. R. (Forschung folgt.) Verrinsnachrichten. Zn der am Donnerstag den 12. d. M. unter Vorsitz des Präses I. Singer stattgehabten Vorstandssitzung wurde das Ansuchen des berufsunfähig gewordenen Vereinsmitgliedes A h r o n S ch r e ck e r , Cantor in Piesling, um Ertheilung der statutenmäßigen U tersiützung bewilligt. Die geehrten VereinsmitHsteder werden im Sinne dieses Be- Muffes aufgefordert, den in den Statuten normirteu Pflichtbeitrag per 50 kr. ö. W. in kürzester Zeit an den Bereinscaffier, Herrn Cantor M. Blatt, Wien, II., Tempelgaffe Nr. 3, einzusenden. Präses-Stellvertreter I. B a u e r macht die Mittheilung, dass an ihn, in seiner Eigenschaft als Herausgeber der österr. Ungar. Cantoren-Zeitung, mehrere Zuschriften gelangt seien, in welchen der Wunsch ausgesprochen wird, der Vorstand des österr. Ungar. CantorewVereines möge aus Anlass des vom Herrenhause beschlossenen und nunmehr dem Abgeordnetenhause vorliegenden Gescheutwurses zur Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der israelitischen Cultusgemeinden die nöthigen Schritte zur Wahrung der Interessen der Cantoren unternehmen, eventuell eine Petition an das Abgeordnetenhaus richten. In Anbetracht des Umstandes, dass hierüber bereits eine Resolution der letzten Generalversammlung vorliegt, und er auch neuerdings aufgefordert wurde, diese Angelegenheit in einer Vorstandssttzung zur Sprache zu bringen, stellt er den Antrag, der Vorstand möge hierüber einen Beschluss fasten und denselben is der österr. Ungar. Cantoren-Zeitung veröffentlichen. Präses Z. Sin g e r bemerkt hiezu, dass diese Frage für den Vorstand nichts Neues sei, indem bereits in mehreren Sitzungen darüber verhandelt worden sei. Er resumirt alle jene Schritte, die vom Vorstande in dieser Angelegenheit unternommen wurden und erwähnt auch einer diesbezüglichen Vorstellung bei Herrn Baron Königswarter. Das Resultat dieser letzteren sowie der mittlerweile erschienene Motivenbericht des Gesetzes habe ihm die Ueberzeugung verschafft, dass eine Petition an das Abgeordnetenhaus ohne jeden Erfolg bleiben werde, indem für jetzt nichts mehr zu erreichen sei, als in dem Gesetze über die allgemeinen Bestimmungen bezüglich der

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