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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-04-07 · Heft 12 (7.4.1888) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 12 (7.4.1888)
Date
1888-04-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — eigennützig waren und Alles nur des Geldes halber thaten, wurden nicht verehrt, man stand vor ihnen nicht auf, nannte sie nicht Rabbi, man sagte, ihr Amtskleid sei so wie der Sattel eines Esels, auf sie wurde der Vers angewendet: »elohe kessef welohe sohow lo saasse lecho«. Zur Zeit der Gaonim wurde der Rabbiner ׳דיינא די בבא wie auch aw des din genannt, er hatte nicht blos zivilrechtliche, sondern auch religiöse Entscheidung zu treffen, . er wählte sich aus den Gemeindegliedern zwei Beisitzer (Zekenim) und bildete mit ihnen das Rabbinats-Collegium. Von diesen Richter-Rabbinen wurden alle giltkgen Ehepakten, Scheidebriefe, Wechsel, Kaufscheine und Schenkungsurkunden bestätigt. ׳ Der -Titel-Oberrabbiner wurde erst von der in vielen Staaten regierenden Macht erlheilt,- in England ernannte der König Johann ohne Land wie sein Sohn Heinrich III. einen Oberrabbiner für sämmtliche jüdische Gemeinden (presbiter Judaeorum) und zwar auf lebenslänglich. Der englische Großrabbiner hatte eine sehr bedeutende Machtbefugnis über die Gemeindeglieder. Er war zugleich königlicher ׳Kskal über die Einkünfte des Königs von Seiten der Juden. Er musste mit. einigen jüdischen oder christlichen Collegen für das Einträgen der Besitzthümer der englischen Juden in Rollen (rotali), für die Ablieferung der Judensteuer an den Schatz" und für die Einziehung der dem königlichen ׳ Fiskus Heimsallenden Güter, solcher,-die ahne Erben starben, Sorge tragen. Wollte sich der Oberrabbiner׳ nicht mit Geldangelegenheiten befassenso durfte er einen bevollmächtigten Stellvertreter ernennen. Er hatte endlich die Besugnis,- den Bann über solche Gemeindeglieder auszusprechen, welche sich seinen Anordnungn nicht fügen oder ihre Beiträge zu den Gemeindelasten nicht leisten mochten.- ***) Auch in Portugal ernannte der -König Fernando einen Oberrabbiner (Rabbi Mor), der an der Spitze der portugiesischen Juden stand, fast fürstliche Befugniße hatte und wegen seines wichtigen Amtes hochgeschätzt wurde. Der Großrabbiner, führte ein eigenes Siegel, übte die höhere Amtspflege und erließ Verordnungen mit seiner Namensunterschrift und dem Zusatze: ״Rabbi Mor durch meinen Herrn, den König, für die Gemeinden von Portugal und Algarve". Er musste ^alljährlich sämmtliche Gemeinden bereisen, ihre Angelegenheiten untersuchen und die Einzelnen auffordern, ihre Beschwerden über Beeinträchtigung, selbst von Seite der Rabbiner, vorzubringen, und wo er Mißbräuche fand, sie abstellen. Auf seinen Reisen begleiteten den Großrabbiner ein jüd. Oberrichter, ein Kanzler und ein Cxcecutor, um die richterlichen Urtheile zu vollstrecken. Unter dem Großrabbiner oder Rabbi Mor standen Provincialrabbiner in den 7 Provinzen, welche von ihm angestellt wurden. Die Ortsrabbinen wurden zwar von sämmtlichen beitragenden Gemeindemitgliedern gewählt, aber ihre Bestätigung empfingen sie durch den Großrabbiner vermöge einer im Namen des Königs ausgestellten Urkunde. ****) Bei den Sefardim waren viele Rabbinen Oberhäupterauch von den Regierungen anerkannte Vertreter des Gesetzes, sowohl um Recht zu sprechen, als um das Gesetz aufrecht zu halten. Bei den Aschkenasim waren die Rabbiner nur Gemeindebeamten, Macht hatten sie keine, hie und da einigen Einfluss auf die Vorsteher, jedoch erstreckte sich dieser irn Allgemeinen nur auf Bedienstete oder abhängige Beisassen. ***** (Fortsetzung folgt.) ***) Erctzgeschi'chte 7. Band, Seite 132. ß «***) Griitz 8/Band, S. 49. SO.! *****) Siehe Jost Geschichte des JudevtbumSU. Baud, Seite 21V. Methodik -er Gesangskunst. xxm. Um jedoch das Detoniren bei der aufsteigenden Scala gänzlich zu beseitigen, genügt es nicht, wen man nur jene Einschnitte bestimmt vollzieht, sondern es muß sich daran die weitere Uebung reihen, jeden höheren Ton eine Zeit lang in derselben ganz gleichen Höhe auszuhalten; denn nicht blos während des Fortschreitens selbst haben die Muskeln die Neigung, in ihre ursprüngliche ruhige Lage zurückzukehren, sondern auch dann noch, wenn man den Ruck bestimmt vollzogen, den höheren Ton ganz in sich bestimmt erreicht hat, auch dann noch ist dieselbe Neigung vorhanden. Man muß also auch darin sich üben, die Kehle in der gewonnene n Stellung festzuhalten, den Schildknor pel auch, nicht um ein Haar wieder hinaussteigen zu lassen, die Muskeln in dem bestimmten Grad ihrer Zusammenziehung eine Zeit lang zu erhalten. Dies geschieht dadurch, dass wir jeden Ton eine Zeit lang —allmählig immer länger -—ganz gleiUpiano aushalten; können wir ihn ganz gleich piano eine Zeit lang aushalten, ohne dass er auch nur ein wenig tiefer werde, so ist dies der hörbare Beweis dafür, dass wir bereits im Stande sind, die Muskeln in dem bestimmten Zustand der jeweiligen Kraftentwickelung eine Zeit lang fortzuerhalten. Auch hierin, nicht blos im Fortscheiten, sondern auch im Aushalten nimmt die Muskelkraft zu durch Uebung, und es ist nur zu wahr, dass die Muskelkraft fleißig geübt werden muß, wenn man sie erringen will; die Muskelkraft muß immer erst erworben werden; die Kraft wächst durch ihre weise Anwendung, natürlich aber muß jede Ueberanstrengung besonders bei den hohen Tönen vermieden werden; mäßige Anstrengung mit gehörigen Pausen stärkt, übermäßige Anstrengung erschlafft. 1 Das Gesetz, welches sich aus unseren Untersuchungen für die aussteigende Scala ergibt ist, somit dieses: es ist ein scharfes Einschneiden der Kehle beim Aufsteigen nothwendig; alles Zusammenschleifen der Töne ist Hier fürs Erste noch streng verboten; weil aber die aussteigende Skala in dem successiven Hinabrückeu des Schildknorpels oder in der sich nach unten zusammenziehenden Muskelthätigkeit . besteht: soW die eben so gewöhnliche, als oberflächliche Meinnng, dass beim Singen der aufsteigenden Scala auch der Kehlkopf höher zu stehen kommen müsse, kurz dass die dabei stattsindende Thätigkeit die Richtung nach Oben zu haben müsse, (daher das Strecken des Kopfes in die Höhe, das Stehen auf den Zehen bei höheren Tönen), sogleich als grundfalsch widerlegt. Das Hinaussingen ist vielmehr eine Muskelthätigkeit in der Richtung nach unten zu, es ist somit eher . ein successiv tieferes in sich Hineinsingen, also das gerade Gegentheil der gewöhnlichen Ansicht und der Angewohnheit der fast immer quetschenden Natursänger. Umgekehrt ist es hei der absteigenden Scala; je tiefer die Töne werden, desto mehr rückt der Schild knorpel wieder hinauf, desto mehr kehren jene 2 Muskeln in ihre urspüngliche Ausdehnung wieder zurück, desto mehr gehen sie vom Zustande der Anstrengung wieder über zu dem Zustande der Ruhe, und zugleich kehren die Stimmbänder wieder in den Zustand der Abspannung zurück.. Dass die Muskeln stets die Neigung haben, vom Zustande der Kraftentwicklung (Zusammenziehung) zu dem der Ruhe (Audehnung) zurückzukehren, haben wir bereits besprochen, und daraus die Nothwendigkeit des scharfen Einschneidens bei der aussteigenden Scala gefolgert; nun fragt es sich, wie wir bei der absteigenden Scala derselben natürlichen Neigung entgegenzutreten haben. Ließen wir diese Neigung gewähren, so würden wir vom höchsten Tone sogleich bis zum tiefsten herunterfallen, wir müssen also bei der absteigenden Scala dieses dadurch verhüten, dass^wir^den Schildknorpel nur ganz langsam, ganz nach und nach

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