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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-03-25 · Heft 11 (25.3.1888) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 11 (25.3.1888)
Date
1888-03-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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- und Anwendung der rechten Muskelthätigkeit. Der Weg aber, wie der Schüler zur Anwendung der Muskelthätigkeit beim Singen nothwendig kommen muß, ist von uns bereits nachgewiesen worden, und den Schlüssel dazu gaben uns eben nur unsere physiologischen Untersuchüngen; ohne diese wären wir, wie Andere, auf die bloße Empirie angewiesen gewesen, und immer ohne sicheres Resultat geblieben. Aber nicht nur diesen Weg zur Anwendung der Muskelthätigkeit zeigen uns uns re Versuche am todten Kehlkopf vor, sondern auch die rechte Art der Anwendung derselben, wodurch sich ganz bestimmte neue Ge- ‘ setze für den Gesang, resp. für die aufsteigende und absteigende Sca- - la ergeben. Die zur Spannung der Stimmbänder dienenden Muskeln kennen wir bereits, es sind die Ring-Tckildkliorpel-Muskeln und hinsichtlich ihrer Funktion wissen wir bereits, dass sie den Schildknorpel gegen den Ringknorpel herabziehen können, so dass jener diesem bald näher bald entfernter ist. Betrachten wir dies genauer, so ist also dann der Schildknorpel am weitesten vom Ringknorpel entfernt und somit die Stimmbänder am wenigsten gespannt, tvenn jene zwei Muskeln, (welche den Schild- und Riugknorpel verbinden) in ihrer ganzen Länge aus-' gedehnt -sind, wie dies im ruhenden Zustande der Fall ist: wir erhalten so den tiefsten Ton einer Stimme; dagegen ist dann der Schildknoi-pel dem Ringknorpel am rneisten genähert und somit die Stimmbänder am meisten gespannt, w.׳nn jene zwei Muskeln sich ganz in sich zusammengezogen, intensiv verdichtet haben : wir erhalten so den höchsten Ton einer Stimme. — Bleiben wir nun zuerst bei der auffteigenden Scala; so ist der Fortschritt vom tiefsten Ton zum höchsten nicht Anderes als ein immer weiteres Herabziehen des Schildknorpels gegen den Riugknorpel zu, oder mit andern Worten das immer intensivere Zn-sich-Zusammenziehen jener Muskeln, wel-! che den Schild- und Ningknorpel verbinden. Dieselben Muskeln also, welche beim tiefsten Ton in ihrer ganzen Länge ruhig lagen, können sich nach unserem Willen mehr oder weniger zusammenziehen, und zwar nach ihrem unteren dickeren Theil zu, mit welchem sie am Ringknorpel angehe tet sind; ziehen sie sich nur ganz wenig nach unten zu zusammen, so erhalten wir einen höheren Ton, ziehen sie sich noch mehr nach unten zusammen, einen noch höheren, bis sie ganz nach unten sich verdichtet haben, was dem höchsten Tone entspricht; in Folge dieses successiven Zusammenziehens der Muskeln rückt auch der Schildknorpel successiv näher herab zum Ningknorpel, und die in ruhendem Zustande etivas kürzeren und laxen Stimmbänder werden ebenso successiv länger und gespannter. Die aufsteigende Scala ist also physisch betrachtet nichts Anderes, als das successive Jnsich- Zusammenziehen jener Muskeln, oder mit andern Worten das succeslive Herabdrücken des Schildknorpels oder das successive Anspannen der Stimmbänder; das Züsammenziehen der Muskeln aber ist die bewirkende Ursache Ziehen wir endlich noch in Erwägung, dass die betreffenden Muskeln auch im ruhigen Zustande von Natur klein sind, so folgt. daraus, dass die Grade oder Stufen ihres successiven . Zusammenziehens noch viel, viel kleiner, ja kaum sichtbar sind, und dass schon im kleinsten Zusammenziehen eine große intensive Kraft liegen muß, uud ebenso ist die Entfernung des Schildknorpels vom Ringknorpel im ruhenden Zustande von Natur eine kleine, also -geschieht auch die successive Annäherung zum letzter» hin in ganz 'kleinen Rücken (öder Stufen, Einschnitten); und die Stimmbänder ״endlich werden dadurch succeffiv nur ganz wenig verlängert, und doch liegt ein großer Unterschied des Grades der Spannung in diesen nur ganz kleinen Verlängerungen: Wie aber die Zusammenziehnng der Muskeln nach unten zu -ein Produkt der ihnen innewohnenden Kraft ist) so dass der Gedanke des zu erreichenden Tones nur mittelst -er Verven Vitzschnell die Muskeln zu solcher Kraftäußerung zu irritrren braucht: so habe» die lebendigen Muskeln von Natur Loch!(wie alles Lebendige) die Neigung,, in ihren ursprünglichen ruhenden Zustand wieder zurückkehren, d. h. sich wieder auszudehnen und dadrrrch den Schildknorpel auch wieder in seine höhere ruhige Lage, sowie die Stimmbänder in den Zustand der Abspannung znrückkehren zu lassen. Diese, des Muskeln innewohnende Neigung der Rückkehr ans dem Zustande der Anstrengung und Kraft-Entwicklung in den Zustand der Ruhe gibt uns das Gesetz an, welches der Sänger bei richtiger Vollziehung der aufsteigenden Scala vor Allem befolgen muß. Wir haben nun erkannt, dass das Fortschreiten von einem Ton zu einem höheren eine Kraft-Entwicklung der Muskeln ist, und zwar in der Art, dass dabei, wie bei allem Lebendigen, die natürliche Neigung vorhanden ist, immer wieder in den Zustand der Ruhe (zum tiefen Ton) zurückzukehren; wie kann man nun dieser Neigung, diesem Sinken-Wolle» des TonS entgegentreten? Offenbar nur dadurch, dass man den Ruck von einem Ton zum höheren, den Einschnitt des Schildkuorpels beim höheren Ton so bestimmt und fest als möglich vollziehe; also nicht von einem Ton znm andern langsam hinaufziehe, sondern sogleich mit aller Bestimmtheit und Entschiedenheit den Schildknorpel Herabdrücke auf die für diesen höheren Ton nöthige Stelle. Der Ruck, welcher zwischen beiden Tönen statt sind et, muß aufs Schnellste und Entschiedenste gemacht werden; jeder Sänger muß also darnach trachten, diese Rucke oder Einschnitte des Schildknorpels beim Hinaufsingen ja nicht zu verwischen, sondern im Gegentheil recht klar und deutlich hervortretcu zu laffen. Am leichtesten ist der Ruck, welchen der Schildknorpel dann iunck-1, wenn man vom Grundton zur Octave springt, und zwar darum, weil er schon ziemlich groß ist; am schwersten aber ist der Ruck dann, wenn man vom Gruudton nur einen halben Ton höher geht, uud zwar darum, weil er hier der kleinste ist. Durch jene Uebuug des Sprungs vom Grundtou zur Octave kommt so die Art der Muskelthätigkeit beim Uebergang von einem Ton zum andern dem Schüler in deutticher Weise zum Bewusstsein; und er hat nur bei jedem Uebergang von einem Ton zu einem höheren immer dasselbe zu thun, nur mit dem Unterschiede dass je kleiner die Distauce zwischen deu zu erzeugenden Tönen desto kleiner jener zu vollziehende Ruck. Es ist immer dieselbe Thätigkeit, nur in verschiedener Größe, uud weil die große Bewegung leichter zu erkennen und zu empfinden ist, so ist eben dies das sicherste Mittel, Herr seiner Muskel» zu werden, wenn man allnrählig von größeren Sprüngen zu kleineren bis zu den kleinsten eines halben Tones übergeht. Um jedoch diesen Sprung vom Grundtoll zur Octave richtig zu vollziehen, muß der Schüler alles Hinausschleifen und Zwischenklingenlassen vermeiden; machen wir z. B. den Sprung oder Ruck von 6 zur Octave 6, so darf kein zwischen diesen beiden Tönen liegender Ton hörbar werden, ja nicht einmal ein Sausen, oder Brummen, oder Schnurren, oder wie man Las dabei bei Natursängern gewohEH vorkommende Zwischerrklingen nennen mag; nur diese zwei Töne dürfen gehört werden in schnellster Aufeinanderfolge, sa dass der zweite Ton unmittelbar aus dem ersten hervorgegangen ist; auch!affe man den Athem Labei immer gleich schwach und achte besonders aus die ruhige Legung der Zunge. Der Athem und das Quetschen können ja dabei gar Nichts helfen, denn der ganze Hergang ist nur eine Bewegung des Schildknorpels nach unten zu, also eine Wirkung des Zusammenzieheus der Muskeln in sich. Kann der Schüler aus diese Weise vom Grundton zur Octave springen (ohne Zwischentöne) ganz bestimmt und sicher, fö maty

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