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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-03-25 · Heft 11 (25.3.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 11 (25.3.1888)
Date
1888-03-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Forschung in Fluss erhalten und vor Stagnation bewahrt. Machlxukaus, die aus gemeinen Motiven entspringen, bringen ein saures Product eine unverdauliche Mazoh. Diese gehört nicht auf den Seder-Tisch, sie ist eine Mazoh. Taaruwaus vermischt und versetzt mit unhaltbaren Ingredienzien. Moraur. Den Inhalt dieses Begriffes kennt jeder und mancher weiß, einige Capitel davon zu erzählen. Odom l’omol julod, und wer das Leben einigermaßen verkostet, muß diesen Satz vollinhaltlich unterschreiben; Das Leben ist von Unannehmlichkeiten und Bitternißen durchsetzt. Auch dem Cultusfunctionär werden nicht lauter Süßigkeiten auf den Präsentirteller überreicht. Mancher gehuldige Hillel verhüllt das bittere Kraut uud verschluckt es mit der Mazoh unter dem um ihn wüthenden Streit; fast keinen Gemeideavgestellten aber gibt es, welcher sein Bosor zli ohne jedwede Mazoh umraurim genösse. Ist doch schon der Umstand, dass der Gemeindefunction Lr nicht definitiv angestellt ist, eine bittere Pille. Dessen ganze Existenz ruht demnach auf labiler Grundlage. Zumeist ist sein Gehalt — wenn der Ausdruck bei provisorischen Anstellungen überhaupt zulässig ist — so karg bemessen, dass sich wenig oder gar nichts ersparen lässt. Standesgemäß muß er leben, und die Anstrengungen, die sein Berus involvirt, erfordern auch naturgemäß eine entsprechende Lebensweise. Für den Rabbiner wird stch die Sachlage in Folge des Eingreifens der hohen Regierung in die Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der jüdischen Religionsgenoffenschast besser gestalten (§. 16 und 28 des betreffenden Ent- Wurfes); doch wann wird der n o t h w e n d i g st e Cultusbeamte, wann wird der Cantor eine gesicherte Stellung finden; der Staat kann freilich nicht überall und auf einmal Helsen. Der jüdische Gottesdienst ist so geartet, dass der Cantor den unentbehrlichste Ne- Präsentanten desselben bildet, dazu noch das äußerst mühsame, aufrei- Lende Geschäft. Die rauhe Wirklichkeit denwnstrirt uns leider Beispiele von der Wichtigkeit des Kehlkopfes und der Athmungsorgane überhaupt in drastischer Weise. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung sündigt der Cantor in jeder einzelnen Stunde des Vortrages, indem er seine Athmungsorgane immer überanstrengt. Ca.vea.nt Consules! Angesichts dieses ernsten Umstandes will ich von heiteren Episoden absehen, wie זמן וקהל beim Pijut, das der rücksichtslose Humorist als Abbreviaturen folgender Wörter ansieht: ״Chäsan steht nicht wie Kohol hinten lacht" und dergleichen Unzukömmlichleiten, zu denen der Cantor einen breiten Rücken benöthigt. Dazu wird er wie eine Citrone ausgepresst und muß arbeiten bis gegen Thorsperre. ״Und was dann?" fragte einst der hochselige deutsche Kaiser Wilhelm. Wie schaut es mit der Pension seitens der Gerneinden am Lande aus? Zu viel zu sterben und zu wenig zu leben. Sind diese Momente keine Mraurün? Darum muß ein Unternehmen begrüßt werden, das darnach Mt, dm erwerbsunfähigen Cantor dem Hungertuche zu entwinden, dessen Familie den Sorgen nach Deckung der gemeinen Lebensbedürfniße zu mttückm. Der Cantor steht heute nicht mehr vereinzelt da, er lehnt stch an die Corporation, stützt sich auf's Ganze, der Mittelpunkt seiner Bestrebungen liegt im Cantorenvereine. Darum, geehrte Herren, ergreifet die gebotene Gelegenheit der collectiven Selbsthilfe, tretet alle dem Cantorenvereine bei (selbstloser, spontaner Wunsch eines Laien) und denket an: Peßach, Mazoh Umoraur. Methodik -er Gesangskunst. XXL Der Schildknorpel bildet die vordere Wand des aus mehreren 4md durch Bänder beweglich mit einander verbundenen Knorpeln zusammengcsetztcn Kehlkopfes und besteht aus zwei Seitenflächen, dir schräg nach außen und rückwärts gerichtet sind und in der Mittellinie des Halsrs in anen stumpfen, abgerundeten (besonders beim Mann) hervorstehenden Winkel (Adamsapfel) zusammenlaufen; am untern Theile dieser Fläche befindet sich die vordere Hälfte des Ringknorpels. Die Hintere Wand des Kehlkopfs aber bildet die Hintere Hälfte des Ringknorpels. Nehmen wir nun einen todten Kehlkopf, so befestigen wir dessen Hinteren Theil, also die Hintere Hälfte des Ringknorpels auf ein Brettchen in der Art, dass der Kehlkopf bei allen unseren weiteren Versuchen nicht mehr von dieser Stelle weichen kann. An den vorderen Theil des Kehlkopfes, also an den Schildknorpel, binden wir eine Schnur und an diese eine Wagschale; der vordere Theil des Kehlkopfes aber hängt mit dem Hinteren durch die Stimmbänder zusammen., und wenn somit der Hintere Theil bofestigt ist, der vordere Theil verschiedentlich hinabgezogen werden kann, so entstehen verschiedene Grade der Spannung jener Stimmbänder. Bei unfern Versuchen am todten Kehlkopf bewerkstelligen wir dieses Hinabziehen des Schildknorpels gegen den darunter liegenden Ringknorpel zu durch Gewichte, welche wir in die Wagschale einlegen, und bringen auf diese Weise bei ganz gleichem Athem oder Einblasen alle Töne der Scala (oft sogar drei Octaven)hervor. Denken wir uns nun die Wagschale mit den verschiedenen Gewichten weg, so muß also beim lebendigen Organ Etwas Vorhanden sein, was in gleicher Weise den Schildknorpel gegen den Ringknorpel hinabzuhen und ihn wieder von diesem nach Oben rücken lassen kann; es muß einestheils der Schildknorpel selbst beweglich sein, andcrntheils eine Kraft vorhanden sein, welche ihn in der angegbenen Weise bewegt. Dass der Schildknorpel in der That beweglich ist, sehen wir nicht hloß am: ausgeschnittenen Kehlkopf, sonder» auch am lebendigen Qrgan, am sogenanten Adamsapfel, von außen beim Singen, wiewohl diese Bewegung dabei eine sehr kleine ist; endlich aber finden wir bei Betrachtung eines ausgeschnittenen Kehlkopfs alsbald auch einige Muskeln, zwei an der Zahl, welche an der vorderen Fläche des Kehlkopfes, der eine rechts, der andere links, .zwischen dem Ring- und Schildknorpel schräg auf- und auswärts liegen; eben diese Muskeln, die zwei Ring-Schildknorpel-Muskeln sind oben (am Schildknorpel) dünner und breiter, als unten (am Ringknorpel), und wenn wir in der obigen Weise mit einem Gewicht den Schildkuorpel gegen den Ringknorpel hinabziehen, so ist dies zugleich ein Verkleinern, Zusammenziehen oder Verdichten der Muskeln in sich nach ihrem untern. Teile zu, mit welchen sie am Ringknorpel festsitzen. Dieses Herabziehen der bezeichnten Muskeln, beim lebendigen Organ ersetzt somit jenes unser Herabziehen durch Gewichte am ausgeschnittenen Kehlkopft die diesen Muskeln in lebendem Zustande innewohnende Kraft dient zur verschiedenen Spannung der Stimmbänder Aber was soll nns denn diese Kentnis für den Gesang Helfer^, fragt wohl Mancher? Was nützt es, wenn wir auch am todten Körper das Organ und dessen Muskeln und deren Wirkungsweise aufgefunden und erprobt haben? was nützt diese auch noch so gründliche und noch so richtige Untersuchung, am Todten? der Gesang hat es ja mit dem lebendigen zu Lhun, und — sagen Viele, — wer in Wirklichkeit keine Stime besitzt, dem hilft ja doch auch diese Kenntnis der Muskeln und ihrer Thätigkeit nicht zu ihrem Besitz. Wir geben das Letztere gewissermaßen M insofern nämlich die physische Beschaffenheit des betreffenden Organs der Art sein kann, dass es iu der That zum Gesänge gar. nicht, brauchbar ist; aber einestheils ist dies nur selten der Fall, auderutheils beruht das schlechte Singen (der schlechte Ton, die-Unbeweglichkeit, Unbiegsamkeit einer Stimme) gewöhnlich auf nichts Anderem, als auf der nicht gehörigen Kentnis

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