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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-03-17 · Heft 10 (17.3.1888) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 10 (17.3.1888)
Date
1888-03-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Lorbeer der Vollständigkeit erfochten. — Ucber das aufgestellte Motto-Röthsel vor der Perikope Iithro hilft uns jedoch׳ Herr Dr. David Rosin in seinen jüngst erschienenen ״Reime und Gedichte des Abraham Jbn Esra" und, wie ich meine, ohne bleibende Schwierigkeit hinweg. Der verbesserte Tcxt nach dem überschriebenen Mischkal יתד ושתי תנועות ויתד ושתי-תנועות ist folgender : י נאם אברם אסיר תקוה אשר פתח עני •יתרו j(', עדי.הלך חצי לבו וענה ה גדוך יתרה י וזה פרש בפרשה תחלתה דבר יתרו. Uebersetzuug: Hört den Mann in Hoffnungsfesseln, dessen, Sehne — Noth zerschnitt — bis der Geist ihm halb entschwand, den Rest — geschwächt und Wanderung Schritt — wie den Abschnitt er erklärt, wo anfangs Iithro vor uns tritt. So erscheint das Gedicht in einem Cod. edirt Neavel, zu פתה עני יתרו siche Jjob 30—11. Anstatt וענה heißt es in einem Cod. וקשר , anstatt פרש auch פירוש• Herr Allenberg, wird sich hoffentlich mit dieser Erklärung beruhigen*). Schwieriger und bis heute uNentrathsclt ist in dem 1886 von Dr. Jacob Egers neu edirten Divan des Jbn Esra das Räthfei Nr. 39. פלא שמו פלא. בראשיתו׳ אבן הביאהו אלי ביתו» אחריו המש מאות ואחריו שש לספר שמונים שים באחריתו. Ich erlaube mir, mich auch auf das- Mikol Melamdai- Hislcalti zu stützen und bitte in erster Reihe Herrn Allenberg und die übrigen gelehrten Mitarbeiter dieses geschätzten Blattes um Aufklärung. Eine Anleitung zur Lösung der Jbnesraischen Räthsel findet man ausführlich in dem soeben angeführten. Divan. Nächstens über die Thachbuloth des Jbn Esra. Samuel Gold mann) Cantor in Gr.-Kanizsa. *) Eine gleichlautende Erklärung ist von Herrn Rabbiner Dr. Grün- Wald in Iungbunzlau eingelaufen-; Löbliche Redactiou! Jüngst kam mir Ihre geschätzte Nummer 7 vom 22. Februar d. I. zu Gesichte, und ich las darin die Bitte eines Herrn Allen- Lerg, um Erklärung der Ueberschrift des Jbn Esra zu Parschath Iithro. Durch einen Hinweis auf das Leben des Verfassers und eine, kleine Emendation wird die Stelle sofort klar. Bekanntlich war Jbn Esra mittellos und dadurch gezwungen, seine Vaterstadt Toledo zu verlassen. Er durchzog aller Herrn Länder, in der Hoffnung,, irgend wo' einen Ruheplatz zu finden, was ihm.aber lange nicht gelang. Lesen wir nun statt des Wörtchens וענת mit Wow, יענה mit Jod, so ergibt sich folgender Sinn: ״So spricht Abram (Jbn Esra), der-von Hoffnung Gefesselte: Derjenige (Gott), welcher die Augen Jithros öffnete so, dass, ihm das halbe Herz ausging, erhöre den. unstät wandernden (nämlich Jbn Esra selbst), .löse ihn (von den Banden der Hoffnung durch Erfüllung derselben). Diesen aber erklärt in dem. Abschnitte, deffen Anfang die Angelegenheit Jithros (berichtet), was folgt." Mit aller Achtung Dr. S. P oll a k, Rabbiner in Trebitsch. Kleine Chronik. Wien. Der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat in der Plenarsitzung vom 11. Februar 1888 beschlossen, aus Anlass des Negierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. ein neues Alters versorgungshaüs zu errichten. Wie«. Das ״Fremden-Blatt" berichtet über eine sehr heitere Geschichte, die man sich vor Kurzem in den Couloirs des Abgeordnetenhauses erzählte: Der Abgeordnete Herr- Wilhelm Neuber hatte sich, wahrscheinlich durch seine Haltung im Parlamente, die Ungnade einiger Studenten zugezogen, und sie beschlossen, ihn dieselbe auch fühlen zu lassen. Vor einigen Tagen zog ein Troß der jugendlichen ׳ Politiker vor die •Wohnung des Abgeordneten, welche sich in Gum-'* pendorf nächst denn Wienslusse besindetzc fchlugetl.,einige Fenster ein, , riesen dem Abgeordneten, welcher, .,gm , Fester.--.sichtbar! .wurde, ein dreifach donnerndes ״Judenknecht" zy ״Wdzogen nach vollbrachter ' ״politischer Arbeit" recht luftig )uBcfrie ^3viicfe/T bte nach Margareihen führt, weiter. Nun befindet'sich' die Heimsche Prodüctenfabrtk des Herrn Neuber! in der Brückengässe Nrt 1, Und die Herren Studeuten mussten an derselben vorüberziehen. Herr Neuber eilte rasch zum Telephon, welches seine Wohnü-M ,mit der Fabrik verbindet, schilderte dem Fabriksdirector den Vorgang, der sich so eben vor seinem Hause abgespielt hatte ünd gab' ihm in knappen Zügen ein Signalement der Herren Studenten, ׳ welche an der׳ Wiener Universität einen Cursus im Fenstereinschlagen absolviren. Diese telephonische Benachrichtigung fand .in der Fabrik׳ verständnisinnige Aufnähme, denn als die Herren Studenten an dem Hause Nr. 1 der Brückengässe vorbeizogen, wurden sie von einigen Fabriksarbeitern in Empfang genommen, welche nicht ermangelten, den rückwärtigen Theil der Fettsterein schläger gehörig zu bearbeiten. Nachdem die Herren Studenten für ihre Heldenthaten ihre wohlverdienten Prügel, erhalten hatten, durften sie wieder abziehen. Nun wundern sich die jungen Herren nicht wenig, dass sie die rächende Nemesis so rasch ereilt habe, und können sie die merkwürdige Thatsache nicht enträthseln, dass sie in Gumpendorf die Fenster eingeschlagen haben und dafür sofort jenseits der Brncke, in Margarethen, die Prügel einheimsen. Die Auflösung dieses tiefinnigen Näthsels ist aber sehr einfach Es waren telephonische Prüael. Und das ist unter Umständen auch ein Segen des Telephons. Wie«. Der Dichter Ludwig August Frankl, ein langjähriger Freund des dahingeschiedenen Cantor Adolf Fischer sandte'zum Ausdrucke des Beileides an die Wittwe folgendes Gedicht: ״Er wandelt mit Gott" die Welt entlang, Sein Beten war melodiöses Flehen, Und heil'ge Andacht stoss in's Herz der Frommen, Wenn seine Stimme weihevoll erklang. ״Er wandelte mit Gott und! ist nicht mehr zu sehen, 7 Es hat ihn Gott zu sich genommen." (Moses I., C. 5, V. 22—24.) י L. A. Frankl. Warschau. Die Synagoge in der Tlomackie-Straße war am 21. Februar der Schauplatz einer entsetzlichen Katastrophe, welche ohne das energische Einschreiten einiger Vorsteher der Synagoge leicht noch verhängnisvoller hätte werden können. Anlässlich des Purimfestcs befanden sich etwa 3000 bis 4000 Israeliten im großen Tempel , dieser Stadt. In den letzten Jahren hatte die Synagogen-. Verwaltung, um. Unfällen, die Massenänsammlungen nicht selten im Gefolge haben, vorzubeugcn, nur eine bestimmte Anzahl Andächtiger in den Tempel eingelassen. Es wurden aber gegen diese Maßregel so viele Proteste und Vorstellungen erhoben, dass man sich Heuer entschloss, den beschränkten Einlass aufzuheben. Man postirte nur einige Wachleute auf die Stufen vor dem Hauptthore, um den Andrang, wenn die Jnncnräume einmal gefüllt, abzuwehren. Es gelangten trotzdem nahe an 4000 Menschen in den Tempel. Um6 ׳ Uhr Abends begann der Gottesdienst. Plötzlich, um halb 7 Uhr . Abends, ertönten streitende Stimmen vom Eingänge her. Die Rufe ״Feuer!" und, wie man behanptet, auch ״Wasser!" wurden laut. Zugleich erlo'chen auf den Galerien zwei Gasluster, und zwar, wie man später constatirte, aus dein einfachen Grunde, weil das Wässer im Gasometer gefroren war. Das herauftönende Geschrei und das Verlöschen der Luster auf' den Galerien ließen die Frauen, die sich auf denselben befanden, glauben, dass Feuer ausgebrochen sei, und rief eine Panik hervor. Alles drängte nach den Stiegen und zum Ausgänge zu. Der hiedurch entstehende׳ Tumult versetzte auch die unten stehenden Männer in Schrecken;'-' Vorstandsmitglieder stürzten Hinaus, um die Ursache der Panik zu erfahren und eventuell berühigend Einschreiten zu können. Auf den beiden zu den Galerien I führenden Seitenstiegen gewahrte man Hunderte, die, dicht aneinandergepresst, unter grässlichem Schreien vorwärts drängten.- Der Obercantor und der Prediger ermahnten die Anwesenden vom -Altäre aus zur Ruhe und Besonnenheit, die in solchen Fällen ällein retten können. Die Panik war aber eine grenzenlose. Einem der Tempel- : Vorsteher gelang es, ans dem Knäuel der znsammengepressten Weiber-

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