Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (17.3.1888)
- Date
- 1888-03-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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־für denselben Ton bei langer Stimmritze. Ein fcejäanjüeä Gesetz aber, wo eine solche Verkürzung der Stimmritze eintreten müsste, ergab sich so wenig, dass mir vielmehr in dieser Richtung gemachten Versuche als für den- Gesang zwecklos bezeichnen muffen; andere freilich würden daraus den Schluss ziehen, dass ber jeder kleinen Reihe von Tönen ein solcher Wechsel von Verkürzung und Er- Weiterung'der Stimmritze, und was damit zusammenhängt, von Ab- und Anspannung der ׳Stimmbänder eintrete, nnd dass daher jede solche kleine Tonreihe eine neue Luftführung verlange, wodurch sich 4 bis 5 verschiedene Stimmregister ergeben könnten. Dieser rein willkürlichen Ansicht aber können wir kurz die wissenschaftliche Wahr- Heit entgegenstellen, dass wir theils mit gleich ' schwachem Einblasen die ganze Scala am leichtesten hervorbrachten, also verschiedene Luftführungen gar nicht staktfinden; theils alle Töne bei kurzer und langer Stimmritze hervorriefen, nur dass dort ein schwächeres Gewicht nöthig war, als hier. Immerhin aber musste bei einem hö- Heren Ton das Gewicht größer werden, d. h. die Spannung der Stimmbänder zünehmen, und — ob nun eine Verkürzung der Stimmritze statt fand oder nicht, die Spannung' der Stimmbänder erwies sich doch immer als das sicherste und nothwendigste Mittel zur Ton-Erzeugung nach der Höhe und Tiefe. Mag also auch jene Verkürzung der Stimmritze am todten Kehlkopf möglich sein, die -Hauptsache bleibt für uns doch die Spannung der Stimmbänder; und die Thatsache, dass wir bei langer Stimmritze und gleich 'schwachem Blasen durch zunehmende Spannung der Stimmbänder in gleicher Direction alle Töne der Scala, oft sogar drei Ocraven, (Brust- und Falsettöne) hervorbrachten, zeigt uns min auch für den Gebrauch des lebendigen Organs den einfachsten und geradesten Weg vor, der nie verlassen werden kann. Die Spannung der Stimmbänder in ihrer ganzen-Länge ist die Hauptsache, die dazu dienende Muskelkraft aber ist diejenige, welche den Schildknorpel dirigirt. So lassen wir denn alle übrigen Muskeln' des Kehlkopfes als für uns unwesentlich außer unserer Betrachtung, nur die Schild- Inorpel-Muskeln, ihre Beschaffenheit und Thätigkeit gehört in unser Bereich. (Fortsetzung folgt.); ' Gedenket -er Tage -er Vorzeit — enviiget die Äenderung -er Zeitalter. (V. B. M. 32.7.) in. Sie werden vermuthlich von Ihrem Original-Correspondenten wom Riesengebirge wähnen, der durchmisst wahrlich unsere Geschichte.mit rübezahlschen Riesenschritten. Von 425—1729, über einen Zeitraum von 1304 Jahren will oder weiß derselbe nichts zu berichen. Das ist entschieden nicht der Fall. Ihr Original-Correspondent weiß die Leistungen der spanischen wie der französischen Schule wohl zu würdigen. Ist doch aus ersterer unser unsterblicher zweiter Moses 1206—1133) רמבם) hervorgegangen, der uns durch seine geistigen. Riesenwerke Jad Hachsaka, More Nbuchim 2c. systematisch und logisch die Torah aufzufassen gelehrt, ferner Jehuda Halewi, Dichter und Philosoph, Verfasser des unschätzbaren Kosri, wie die mustergiltigen Grammatiker, Hermeneuten und Exegeten, die Familie Kimchi, Aben-Esrah, Salamon ben Gabirol, Abarbanel u. a. m. und aus letzterer die Glosseristen des Talmuds, die Tosephisten, mit dem mustergiltigen Erläuterer Raschi an der Spitze, der aber leider für den Jugendunterricht mißbraucht wird. Doch diese großartigen Leistungen dieser Schulen, so hehr und erhaben sie tatsächlich sind, bleiben nur literarische Schätze. Sie haben und wirken noch für uns unaussprechlich wohlthätig, haben vor'allem uns vor geistiger Versumpfung — Tob im Mittelalter gewahrt und geschützt; allein sie gehöre» lediglich in unsere Litteraturgeschichte. ' Sie gestatten mir wohl, sehr geehrter Herr Redacteur, meine eigene unmaßgebliche Meinung, die ich über profane Geschichte hege, äußern zu dürfen, überhaupt eine Parallele zwischen ihr und der biblischen zu ziehen. Meiner Ansicht nach, hört die Geschichte Jsraels mit der Zerstörung des zweiten Tempels und dem Beginn der jetzigen Diaspora auf. Während bis zu« erwähnten Zeitpunkte durch die ganze biblische Geschichte nur der einzige hehre und erhabene Gedanke: die Erziehung der Menschheit zur Tugend und wahren Gotteserkenntnis — insbesondere Israels zu eine« Priesterreich — sich zieht, vermissen wir denselben in der profanen Geschichte ganz und gar. Dort ist alles auf's Göttlich^ hier wiederum Alles auf's Irdische gerichtet. In der profanen Geschichte finden wir leider sehr wenig Moral und Lehre, spärliche und winzige Persönlichkeiten, Charaktere, die uns mustergiltig nachahmungswerth, über- Haupt Lehrer der Menschheit im ethischen wahren Wsrtsinn geworden, wie deren die Bibel so mannigfach bietet. Im Allgemeinen erblicken wir in der profanen Geschichte, wie ein Volk das andere überlistet, bekriegt, besiegt und endlich unterjocht. Diese trübe Erscheinung schwindet nicht vl» der BildMche der politischen Geschichte und wird wohl nach menschlicher Auffassung sich so fürder bis an's Ende behaupten, wie es der Hagadist kurz und bündig im Chad gadjo uns vorführt. Die Geschichte Israels in der ersten Diaspora lehrt Jeremias (Klagelieder 1, 6) in dem kurzen Satze: ״Sie gingen kraftlos vor dem Verfolger einher" und für die zeitige Diaspora möchte» wir uns gestatten, diese» Gedanken noch kürzer zu fassen: Man jagte sie, und sie liefen. Außer dem Vortheil, den uns die profane Geschichte gewähr^ dass wir erkennen, wie Staaten und Völker, die politischen Verhältniße sich gestalten, dient sie uns als belehrende Lectüre. Hierbei kommt bekanntlich noch sehr die Subjectivität des Geschichtsforschers in Betracht, Weil beispielsweise ein protestantischer Hofhistoriograph die Geschichte Preußens und der Reformation ganz anders därstellt als ein katholischer. Was letzterer verketzert, weist ersterer nicht genug zu verhimmeln. Hingegen ist der Bibel der Stempel der Wahrheit Gottes aufgedrückt. Sie erzählt die Mackes Schwächen ihrer uns vorgesührien Heroen unparteiisch und unverblümt. Da unsere Geschichtsforscher nicht nur aus archivarischen, arntlichen Quellen, sondern auch aus der siüchtigen Tageslitteratur, den Zeitungen — seit dem sie eine politische Macht geworden — schöpfen, so ist die profane Geschichte eigentlich eine bleibende, dauernde Zeitungslitteratur. Ich erlaube mir demnach zur Begründung meiner Geschichtsansicht, zum. Schluß folgendes Bonmot eines poö nifchen Rabbi anzuführen. Dieser wurde an einem Sabbat von einem Frömmler bei der Zeitnngslectüre überrascht. Erstaunt stellt er unseren Rabbi, mit der Frage zur Rede: Wie könnt Ihr den heiligen Schabbos mit solchen diwre chol entweihen? Unser Rabbi ist. aber gar nicht verlegen und rechtfertigt fich wie folgt: ״Wos steit denn in der Zeitung?, Der Russe ist über den Türk hergefallen und Hot viele Tausend erschlagen. Hob ich ein Oneg schabbos. Lese ich weiter heißt es : Der Türk Hot sich erholt uu ist wieder über den Ruß hergefallen und viele Tausend erlegt — hob ich wieder ein Oneg schabbos." Um letzteres zn erstreben, ist Zeituugslectüre wohl selbst am Sabbat sogar rabbinisch gestattet. Mit dem Wunsche, dass meine Qrigiual-Correspsndenz Ihnen und Ihren geehrten Lesern ein Oneg gewähre, schließt bis aus Werteres s. G. w. Ihr Original-Correspondeut. (Fortsetzung folgt.) Elngesendet. Herrn Allenberg's aufgestellte Frage hat mich schon deshalb entzückt, weil ich als Anhänger Jbn Esras und eifriger Leser seiner Schriften es gerne sehe, dass er in unserem Blatte einmal zur Besprechung erscheint. Vieles ist noch von dem großen Denker unenträthselt. Moskoni, Sarsa, MusuS, Beit Jemini u. s. w., die sich zur Aufgabe machten, ihn zu erklären, haben noch immer nicht den