Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (17.3.1888)
- Date
- 1888-03-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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gern, dass ihr Kehlkopf seine Stelle bei -Singen verlässt , und zwar so, dass sie denselben bei tiefen Tönen ganz Hinabdrücken, bei hohen aber hinaufdrücken: dort steht der Kehlkopf zu hoch, hier zu tief, . immer aber ist er ingezwungener, ׳ ünfteier Lage;׳ und nicht etwa Lass sie dem Kehlkopf allem solch' Schicksal bereiten, sondern dem ganzen Halse bis Hinauf, zur Kinnlade wsederfährt dasselbe Loos: bei tiefen Tönen drucken sie den vorder« Hals so weit als möglich hinunter mit Hilfe der Kinnlade, und senken so den ganzen Köpf; unnatürlich nach vorne hinab; und bei den hohen drücken sie den vordem Hals so weit als möglich hinauf, und neigm so den ganzen Kopf unnatürlich nach hinten hinab. Es entsteht so ein Hin- und Herbewegen des Kopfes, welches jedem Zuschauer alsbald auffallen muß. Die ganze unnöthige Manipulation aber rührt von nichts an- Lerem her, als von der thörichten Meinung, wenn ein Ton tief liege, so müsse der Kehlköpf recht weit hinab —, und wenn ein Ton hoch liege, so müffe er recht weit hinaufgezogen werden : statt somit den Kehlkopf allein thätig sein-zu lassen bei Erzeugung der Töne nach Höhe und Tiefe, wirken: solche Sänger auf den ganzen Kehlkopf durch andere, fremdartige Mittel 'ein, und statt seine Funktion dadurch zu erleichteru, erschweren und zerstören sie allmählig durch solchen unnatürlichen Zwang die rechte, innere Thatigkeit. Wir haben hier diesen Fchler von Ncttursängern allerdings sehr scharf gezeichnet, aber man kann ihm nie genug entgegentreten, und - auch alle diejenigen Sänger,' welche beim Singen die natürliche Haltung des Halses und Kopfes verlassen, sei es auch nicht gerade Ln der beschriebenen allerthörichsten Weise, sondern z. B. nur durch ein Neigen des Kopfes auf die Seite beim Singen, auch alle diese laboriren noch an dem von uns gerügten Fehleran der unfreien Haltung (und Thatigkeit) des Kehlkopfes; entstehe dies nun von Oben, oder Unten, oder an der Seite. Es ist dies immer ein ebenso unnöthiges, als geradezu grundfalsches Quetschen und Drücken, , und Lie so entstandenen Töne, die gequetschttn, sind widerlich Und gezwungen; bei den bereits mehrmalsvon uns -besprochenen gequetschten Tönen, wo die Mandeln sich nähern und die Zunge im Munde sich krampfhaft zusammenballt, komnit also auch der eben gerügte Fchler des Hinauf- und Hinabziehens des ganzen Kehlkopfs gewöhnlich vor,, indem bei dieser Art von Ton-Erzeugung, wie die Mandeln und die Zunge, so auch alle übrigen Halsmuskeln irrthümlicherweise mit in Wirksamkeit gesetzt werden. . Welches Mittel gibt es aber; um auch diesem großeu Halskrampf Leim Singen abzuhelfcn? Das Mittet ist sehr einfach, es ist dasselbe, wodurch wir überhaupt die gequetschten Töne beseitigt haben, und zwar 1). das ruhige׳ Legen der Zunge während des Ton-Erzeugens,' und 2) ein anfänglich etwas dunkles Singen der Töne in allen Lagen. Dadurch wird nämlich nicht etwa der Zunge und den Mandeln allein ihre bereitwillige Mitwirkung entzogen, sondern alle um den Kehlkopf herumliegenden Theile treten aus der mchen Berührung mit demselben heraus, besonders durch die dunk- Lere Klangfarbe, indem letztere den Hinteren Theil des Ansatzrohrs erweüet und daher dem Kehlkopf selbst seinen freien Platz und freien Spielraum wiedergibt. Mit der Legung des Zungenkrampfes legt sich so allmählig, und sozusagen, von selbst der Krampf des ganzen Halses. Auch hier beginne man seine Studien bei den Mitteltönen, und erst, wenn bei diesen alles Krampf-Aehnliche, alles Zwang- Aehnliche gänzlich entfernt ist, reihe man oben und unten allmählig einen wetteren Ton in gleicher, dunkler Weise mit ganz schwachem Athem an, und so wird sich bald die ganze Scala ohne Krampf, ohne Zwang ergeben; eine sehr gute Uedung ist dann diese, vom Grundton sogleich zur Octave zu springen, wobei genau darauf zu achten ist, dass auch bei diesem größeren Ruck die Zunge gelegt . bleibt, und die etwas׳dunklere Tonfarbe sich nicht:ändert; ist dies erreicht, so ist auch. der Kehlkopf selbst in seiner ursprünglichen - Haltung, geblieben. •:! Nachdem wir im Vorgehenden das zu starke Athmen und das Quetschen als fehlerhaft entfernt und dem Kehlkopf seine, freie, ungezwungene,-natürliche, gleiche Haltung oder Lage bei der Erzengung aller Töne der Scala, sie. liegen hoch oder , tiefverschafft haben, können wir. nun zur innerlichen Thätigkeit des Kehlkopfes selbst übergehen; wir treten jetzt, nach Beseitigung aller unnöthigen Hilfsmittel, in diese innere Werkstätte selbst ein, um uns über vie Anwendung des einzig richtigen, alleinigen Mittels zur Erzeugung der Töne Gewissheit zuholen. Alle fehlerhafte, nur störende Beihilfe haben wir negirt, nun können wir zur rechten positiven Thatigkeit . selbst uns wenden; welche Muskeln beim.Singen positiv thätig sein müssen, und in in welcher Weise, ist jetzt zu erforschen. Der rem natürliche, physische Hergang im Kehlkopf. bei der Ton-Erzeugung und Ton-Aneinanderreihung ist jetzt. Gegenstand unserer Untersuchung, und da der lebendige Kehlkopf selbst für uns nicht sichtbar ist, so - kann diese, wenn sie zu einem gewissen Resultate führen soll,, auf nichts anderes zu stützen, als auf die Untersuchungam. ausgeschnittenen Kehlkopf. Was am ausgeschnittenen Kehlkopf bei Erzeugung der Töne geschehen muß, dasselbe muß auch beim lebendigen Organe vor sich gehen; was wir dork als den einfachsten, geradesten -Hergang erkannt haben, dies und nichts Anderes muß auch hier verlangt: werden. Die nächste Frage, Mlche uns zur Beantwortung-vorliegt, ,ist somit diese: welche Muskeln ,dienen, am ausgeschnittenen Kehlkopf zur Ton-Erzeugung, und in.,welcher Weise?-, Wenn wir einen ausgeschnittenen Kehlkopf betrachten, so,sehen wir sogleich, , hass eine Menge ganz kleiner Muskeln an ihm angebracht sind, durch deren Berührung wir verschiedene Formen der.. Stimmritze : Hervorbringen können; wir können sie. dadurch nicht blos. sehr erweitern,, sondern auch der Länge nach verkürzen, Diejenigen,Muskeln nun, welche so zur Erweiterung der Stimmritze dienen, haben aber ihre Verrich- Mg nur beim Einathmen, wobei die Stimmritze weit gespalten sein muß; zu unserer Untersuchung gehören sie nicht, denn beim Singen, beim Erzeugen eines einer längeren Dauer fähigen Tones, mpß ja die Stimmritze verengt sein; das Singen ist somit ein fortlaufendes Ausathmen, tveil nur beim Ausathmen immer die Stimmri^e verengt ist. Freilich ist kein längeres Ausathen möglich, ohne ätzch wieder einzuathmen; d. h. die Stimmritze erweitert sich wieder, ' und jene zur Erweiterung der Stimmritzedienenden Muskeln kämmen also nur beim Athemholen, d. h. beim Einathmen, beim Nicht-Lingen, bei den Pausen in Anwendung. Beim Singen selbst aber muß die Stimmritze immer verengt sein, und wie wir bei mrse^en Versuchen am ausgeschnittenen Kehlkopf die . enge Stimmritze stets beibehatten, also jene zur Erweiternng dienenden Muskeln ganz Ln--ruhendem Zustande lassen, so ist dies auch beim Gebrauch des lebendigen Organs während des Singens der Fall. In welchem Grade aber die Sttmmritze verengt sein müsse, bei der Ton-Erzengung, diese Frage beantwortet sich von selbst durch die Erwägung, dass ja das Singen wesentlich ein Ausathmen-ist, — nämlich in demselben Grade, als sich die Stimmbänder beim Ausathmen von selbst einander nähern; bei unseren Versuchen war die Stimmritze so verengt, dass sich die Stimmbänder fast berührt hätten. Nun gibt cs aber auch noch Muskeln am Kehlkopf, vermittelst derer wir die Stimmritze verkürzen können, so dass wir eine kurze und eine lange Stimmritze erhalten; und unsere Versuche zeigten uns allerdings, dass sich bei beiden Töne Hervorbringen lassen, und dass sogar bei verkürzter Stimmritze eine geringere Spannung der Stimmbänder nöthig war zu einem bestimmten Ton, als