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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-03-17 · Heft 10 (17.3.1888) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 10 (17.3.1888)
Date
1888-03-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — Gott, und wie der Ton in des Meisters Hand, also der Erdensohn in des Herrn Hand. Der Meister kann das Werk zerstören, ein Augenblick und der Ton ist umgeformt, das Werk ist hin. Weinend blickt der Mensch auf die Trümmer und erkennt Gottes Allmacht. . Und wiederum ein Augenblick reicht hin und Segen strömt vom Himmel, ein Engel ruft uns zu und siehe da, die Trümmer sind verschwunden, neu und fest gegründet steht des Glückes Bau, darum heißt es: ״Der Ewige Prüfte den Abraham." Rein und geläutert soll der Mensch vor Gott erscheinen, wenn er eingeht in das Himmelreich. Glut reinigt das Metall, vom Feuer wird das Erz geläutert. Wohl geprüft ist das Gold, wenn keine Schlacken es mehr trüben; lauter ist das Silber, dem Schmelzofen entnommen. ״Das Menschenherz ist aber böse von Jugend auf", sagt die Schrift, darum muß das Herz geläutert werden und gereinigt von aller Sünde; denn nur rein und heilig können wir vor Gott erscheinen und kein Mackel darf uns ankleben. Die Schlacken weichen der Glut des Feuers, die Sünde verlässt das Herz, wenn die Glut der Leiden es gereinigt von allem Stolz und Uebermuth, vyn aller Lösen Lust und Leidenschaft. Wie der Arzt eine Wunde schaffet im Fleische, damit der Körper genese, so schaffet Gott eine Wunde dem Herzen, damit errettet werde die unsterbliche Seele Der Kranke danket seinem Arzte, wenngleich derselbe ihm zur Heilung einen Schmerz bereitet hatte; der fromme Mensch danket seinem Gott nnd spricht: ״Ich danke dir, o Gott, dass du mir gezürnt, es wendet sich dein Zorn und du tröstest mich" (Jes- 12, 1.) darum heißt es auch: ״Und Gott prüfte den Abraham". Es geschah aber, so erzählt die T-adition, dass Gott dem Abraham die Prüfung auferlegte, nachdem der Ankläger zum Herrn gesprochen: Siche, es bat Abraham um seines Sohnes willy! Gastmahl und Freudenfest gegeben, dir aber Gott hat ec kein Opfer gebracht, weder ein Rind noch einen Widder. Wenn ich fordern werde, sprach Gott, dass er seinen Sohn selbst zum Opfer mir bringe, so wird er es nicht verweigern uud wird nicht zögern, es zu thun. Und der Ewige rief: Abraham! Dieser antwortete demülhig und ergchen: ״Hier bin ich", ich bin da, um deinen Befehl anzuhören nnd deinen heiligen Willen zu vollführen. ״N i m m doch deinen S o h n!" Abraham entgegnete: ״Welchen, o Herr, ich habe ja zwei Söhne." ״Deinen Einzigen!" ״Jsak ist der Einzige seiner Mutter und Jsmael auch." ״Den du solieb hast!" ״Ich habe Leide lieb." ״Den I s a k!" Nun wusste der Patriarch, welchen Gott zum Opfer sich ausersehen, das vielgeliebte Kind, den Jsak. Wie einst in früherer Zeit der Ewige zu Abraham sprach: ״Gehe aus deinen! Vaterlande, aus deiner Heimat", und der fromme Patriarch ohne Murren nnd Klage den schweren Gang unternahm, so ertönte wieder dieselbe göttliche Stimme: ״Gehe in das Land Moriahu nnd bringe uiir den Sohn daselbst zum Opfer dar." (Fortsetzung folgt.) W . . . . r. Unsere Grammatik Von S. Riesenfeld, Oberlehrer in Schaffa. (Schluss.) Von dem Bewusstsein geleitet, dass diese Zeilen von meinen Eollegen, die an öffentlichen oder Privatschuleu wirken, nicht ohne actuelles Interesse gelesen werden, gestatte ich mir an dieselben die Frage: Welche Stellung nehmen wir gegenüber der erwähnten Anschaumig von Dittes ein? — Meine unmaßgebliche Meinung will ich sofort darleg n. Eollegen! Wir beugen uns gewiss vor dem Ausspräche eines Dr. Dittes. Hut ab! vor dem weltbewegenden Sprachj meister Jakob Grimm. Ich glaube aber, Ihrer Zustimmung sichen zu sein, wenn ich die Frage, ob ein Handbuch der Sprachlehre für die Volksschüler entbehrlich sei, entschieden verneine. Entschieden unrecht müsse aber auch Grimm haben, insoferne ihm unterlegt wird, aus der Volksschule müsse jedes Grammatisiren verbannt werden. Nach der Anlage unserer guten Lesebücher, selbst unter Zuhilfenahme der vortrefflichen ״Anleitung" von Zcynek rc., könne selbst bei der geschicktesten Auswahl und Aufeinanderfolge der Lesestücke der vorgeschriebene Lehrstoff aus der Grammatik unmöglich erschöpft werden. Bei der sprachlichen Behandlung eines Stückes werde mau allenfalls einiges der Sprachlehre zu nutze machen. Das ist aber nur als Wiederholung zu betrachten. Ein systematischer Vorgang kann nur in den eigens in den Dienst der Grammatik gestellten Büchern eingehalten werden. In den Werken von Wrauy und Lehmann z. B. werden!vir allen diesbezüglichen Anforderungen gerecht. Die Sätze finden sich dem materialen Grundsatz geinäß an ganzen Sprachstücken zur Anlchauung, das Beispiel ist der Regel vorausgeschickt und gestattet dem Schüler d׳e Möglichkeit, aus dem Concreten das Abstracte selbst zu deducieren. Ueberhaupt wird hier dem Beispiele ein breiter Spielraun! überlassen, eine Thatsache, die in der Pädagogik von ungeheuerer Tragweite ist. Wie es bereits einmal in diesen geschätzten Blattern heißt, sind Beispiele, insbesondere charakteristische, Musterbeispiele wahre Goldkörner, wohlfeile Lehrmittel und verlässliche Rettungsanker für die Gedächtniskraft des Schülers. Weil ich nun schon bei der Grammatik bin und von deren Exempeln spreche, so werd ich mir mit Genehmigung der hochgeschätzten Nedactiou erlauben, au der Hand von Beispielen zioeifelhafte Spracherscheinungen zu enträthseln. Wie schon bemerkt ist mein erstes Wortes an meine Amtsgeuossen gerichtet und als solcher muß füglich jeder angesehen werden, der sich mit dem Unterrichte in der Volksschule befasst, gleichviel ob allgemein oder hebräisch. Selbstverständlich gestattet cs der Nahmen des Aufsatzes nicht, den Gegenstand erschöpfend zu behandeln. Nein, Zweck dieser Zeilen ist nur Anregung und diese dürfte mit einem kleinen Abriss erzielt werden. Ich greife nun für heute aus der Syntax das Object und den Um stand heraus, und indem ich die ohne j-ke Gliedsrung bunt zusammengewürfelte Musterkarte von Exempeln den Fachmännern vorlege, bitte ich eventuell um Eröffnung einer Debatte und rufe: Hoch die Kritik V — Object oder U m stand? ׳ Robert ist 30 Jahre a l t (Ergänzung). Die Schwierigkeit liegt oft in der Wahl zwischen Verhältnisobject und Umstand, oft im Objecte und in der Art der Umstände. Wir haben von ihm gesprochen (Verhältnobj). Der Eitle rühmt sich d e r V o r z ü g e (2 Objecte, restexives Pronomen immer Object). Wir haben des Bittern viel erfahren (Objectsgenitiv). Ertrage dein Schicksal mit Geduld (wie? Umst. d W.). Belohne jeden nach Verdienst (wie? Maßstab der Beurtheilung, nicht Grund). Sie waren bis zu Lhränen gerührt (Wirkung, Weise). Wie Perlen stießen die Thränen über ihre Wangen (Vergleichung, Weise). Bemerkt niuß werden, dass dem Gros der Schüler inbetreff der Erkennung von Satzgliedern die Fragen maßgebend sind,׳ der logische Theil, als: Sächgrund, Erkenntnisgrund, Ausschließung rc. bleibt dem Lehrer und nach ihm den Besten in der Claffe vörbehalten, und!venu sie auch nur echod boir usdmajim bemisch.־ pocho sind. " Eines Wiederspruches muß Lehmann geziehen werden, wenn er S. 97 sagt: Dieser Knabe ist 12 Jahre alt (U. d. W.), während es S. 90 heißt: Der Greis ist 79 Jahre alt (Erg.). Doch nicht aus Respect vor dem Greis. Alter, Maß, Gewicht bleibt t meines Erachtens ein Object. Es wurde auf Tod uud Leben

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