Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 10 (17.3.1888)
- Date
- 1888-03-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/1304829-3453130-3453140--2441-3456690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Oesterreichisch -ungarische antoren ־ Zeitung ^ranumerationspreis FLr V«rti״Stnitgli«der. <8a»zjührig fl. 6.— Halbjährig fl. 2.50 BirrtkljShrig fl. 1.25 Für Nichtmilglieder Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.50 Für daK Nusland Ganzjährig fl. 10 Mark oder 5 Rubel. OxgSLlCL Le )tattftfftp Wischer Mil TullmbMmten. rscheint jeden achten Fag. Begründer: Ohcrcantor Jacob Bauer.! Uedaction imb! Administration! Wien,! II., Novaragaffe Nr. 27.! Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirr. Nr. 10. Wien, 17- Mär; 1888. 8. Jahrgang. Wahrheit und Dichtung. (Bilder aus dem Leben der Erzväter, historisch, allegorisch, mythisch - und, exegetisch.) - JV. ■- VI. Are Häufung Nachdem Jsak, der Sohn Abrahams, das Jünglingsalter erreicht hatte und nunmehr in vollem Maße die Freude seiner Eltern ivar, die dem Ewigen täglich für seine unendliche Gnade dankten, dass er ihren sehnlichsten- Wunsch erhört und ihnen verliehen habe eine Stütze in ihren alten, schwachen Tagen; da prüfte Gott den Abraham und sprach: Nimm doch deinen Sohn, deinen Einzigen, den du lieb hast, den Jsak, und gehe in das Land Moriah und bringe ihn dort zum Brandopfer dar, auf einem der Berge, die ich dir anzeigen werde." (1. M. 22, 2) So lautet das Wort des Ewigen, eine solche Prüfung legte Gott dem Abraham auf. Der Allmächtige, dessen Güte kein Ende, dessen Gnade keine Grenzen hat, er kann nicht verlangen des Kindes Blut, er kann in Wirklichteit nicht fordern des Vaters einzigen Sohn, der all' sein Wünschen, Hoffen und Sehnen war. Gott verlangte auch nicht in Wirklichkeit des geliebten Kindes Tod, denn die Schrift sagt: ״Gott prüfte den Abraham." Uns zu beglücken, das ist Gottes Absicht; alle seine Erdenkinder will der Vater im Himmel erfreuen. Was er uns sendet, ist zu unserem Glücke, was seine Weisheit uns schickt, soll unser Wohl begründen. Und wenn .es nur Leiden und Trübsale sind?״ Auch diese sind ein,Zeugnis seiner Gnade, auch Prüfungen treffen uns von Gottes Liebe gesandt; denn, ״wen der Herr liebt, den züchtiget er", (Spr. 3, 12.). So ruft der Psalmist aus: ״Gott prüft den Gerechten" (Pf. 11, .5.), gleichwie .der Ewige dem Abraham eine Prüfung auferlegte, bemerkt der Midrasch zur Stelle (Jalk. Pf. M4) und fügt erläuternd hinzu: ״Gleich einem Töpfer, der die Brauchbarkeit seines Brandofens an den Gefäßen prüfen will, er^ versucht nicht die schlechter!!, die wenn er darauf klopf! gleich brechen, können, er versucht die besseren, wo ervermuthet, dass sie die Probe aushalten, so macht es Gott mit den Menschen." Glücklich sein, ist der Wunsch des Menschen, aber nicht immer kann es auch nach seinem Wunsche gehen. Wir würden übermüthig werden und Gott vergessen; darum sendet Gott den . Sturm der Anfechtung, auf dass wir demüthig bleiben und im. Sturm erkennen die Allmacht des Herrn. Wir würden zu fest und zu sicher vertrauen ans die Güter, die wir auf Erden erwerben. Darum prüft uns der Herr, ob wir im Rausche der Gefühle ein Geschöpf lieber haben, als den Schöpfer, ein Gut lieber, als den Geber, und was wir so heiß geliebt auf dieser Welt, wird uns entrissen, woran unsere Seele hing, wird uns genommen, auf dass unsere Liebe zum Ewigen sich bewähre und sich kund thue unser Vertrauen zu Gott, darum heißt es: ״Gott prüfte den Araham". Die Wüste, durch welche unsere Väter zogen, war der Weg, und das gelobte Land der Verheißung sollte das Ziel sein. Die Wüste war die Prüfung, und das Ziel sollte der Lohn sein für die, welche in der Prüfung sich bewähren würden. Ist unser Weg ebenfalls die rauhe Wüste und auch unser Ziel das Land der Verheißung, so wird es uns eben so wenig wie jenen an Prüfungen fehlen, und sich beivähren — thut vor Allem noth. Die nicht Bewährten verfallen, wie die heilige Schrift warnend lehrt, mit ihrem Leibe ganz der Wüste. Auch der Antisemitismus unserer Zeit ist eine Prüfung für das Gottesvolk, aber die Nachkommen Abrahams bewährten sich seit Jahrtausenden bei derartigen Prüfungen und werden sich auch diesmal bewähren. Wenn Prüfungen unseres Lebens, große Heimsuchungen, seltene Unglücksfälle, außerordentliche Schläge des Schicksals uns zu treffen drohen, und allerdings gibt es deren recht harte und ungewöhnliche, so sollen wir nur immer uns erinnern: ״Gott prüfte den Abraham."!. Wer alle seine Wünsche befriedigt sieht, wem alle Hoffnungen -erfüllt werden, der dünkt sich Herr zu sein seines Schicksals, der glaubt sein Glück und seinen Wohlstand selbst gegründet zu haben: glaubt nie und nimmer könne das Glück von ihm weichen und muß beständig ihm zur. Seite stehen. Darum - sollen wir lernen aus den Prüfungen, die der Herr sendet, dass der Ewige Herr fei und Keiner mehr, dass Gotz des Menschen Loos bestimme und fein Schicksal ihm bereite. Nicht der Mensch ist der Meister, sondern