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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-03-09 · Heft 9 (9.3.1888) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 9 (9.3.1888)
Date
1888-03-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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den Kehlkopf selbst darf diese Mitbewegung nicht in seiner Thätigkeit hemmen, wie dies beim Gaumen- und Nasenton der Fall ist. Dass aber unsere Behauptung von einem beim Quetschen und Näseln stattfindmden gedruckten, gezwungenen Zustand des Kehlkopfs ganz richtig ist; davon kann sich jeder überzeugen, wenn er nür äußerlich den Hals eines solchen Gaumenuud Nasen-Helden betrachtet, — schon die gezwungene Haltung des Kopfes — Und noch wehr, wenn er ihn berührt: in der That diese krampfhafte Steifheit aller Halsmuskeln, diese Verhärtung und Anschwellung aller Halstheile macht einen erbarmen. Ja man sollte im Interesse der Gesundheit, aus Sorge für ihren eigenen Kopf solchen Sängern das Singen verbieten: denn ein solcher Sänger muß immer nach dem Singen, besonders im Hinteren Theile des Kopfes, die gehabte Anstrengung schmerzhaft empfinden. Das gar so häufige Vorkommen dieser Fehler, verbunden mit der Unkenntnis der Mittel, welche zu ihrer Tilgung dienen, hat sogar in den Gesangschulcn selbst schon große Verwirrung angerichtet: denn offenbar kommt die Annahme verschiedener Register der Bruststimme bei vielen Lehrern von gar nichts Anderem her, als'von dem mehr oder weniger Hervortreten eben jener Fehler in gewissen Lagen; was eben nur eine Störung der natürlich richtigen Muskelthätigkeit ist, das hielten sie für eine nothwendige natürliche Befftimmtheit, und statt diese Störungen als unnöthig ganz wegzuräumen, ging/nur der Zweck des Unterrichtes dahin, das gar zu sehr Auffallende, Schroffe, zu Abscheuliche, in den Uebcrgängen von einem solchen vermeintlichen Register zum anderen, durch allerhand unsichere Hilfsmittel zn verdecken. Haben wir doch selbst es schon witangehört, wie ein Lehrer einem Schüler deducireu suchte, dass!licht blos der Klang dieser Töne ein viel iveicherer, gefühlvoller sek, sondern dass vor Allem die höheren Brusttöne nur auf diese Weise können erzeugt werden: der Lehrer ließ daher den Schüler besonders bei diesen höheren Tönen schreien und quetschen, bis er völlig ermattet war; ließ ihn die Backen anfblasen und den Hals steif in die Höhe strecken, ja selbst auf den Zehen stehen, wenn nur der Ton heranskam. Die dabei gebrauchte unnatürliche Anstrengung zog er gar nicht in Rechnung; ging aber eine solche Stimme sehr früh verloren; so suchten die Lehrer in verschiedenen unbedeutenden Dingen die Ursache, nur au ihre eigene Schuld dachten sie nicht. Die Mittel nun, wie diese Fehler, selbst wenn sie sich schon eingenistet haben, dennoch mit Sicherheit beseitigt werden können, haben wir schon angegeben; sie sind: 1) das ganz gleich schwache Athmen in allen Lagen (11111• Flankenathmen), 2) das Hinabdrücken dc. der Zunge beim Singen der Scala und 3) das etwas dunklere Klingenmachen der Töne (wie wir dies letztere in folgenden Artikeln näher zu zeigen haben). Und wer besonders bei den höheren Brusttönen sich diese Untugend schon sehr angewöhnt hat, dem bleibt nichts Anderes übrig, als dieser höheren Brusttöne sich — sei es auch Wochen und Monate lang — ganz zn enthalten; er beginnt mit der Mittellage und stelle erst hier in obiger Weise die rechte Muskelthätigkcit ohne alle Beihilfe, welche ja nur eine Störung des richtigen Herganges ist, her und gehe erst dann zu dem folgenden höheren halben Ton über, wenn der vorhergehende Ton ganz fehlerfrei und darum leicht geworden ist: und ebenso mache er es nach nuten zu Die Muskelthätigkeit stärkt sich allmählig wieder durch rechte -Uebung, und der Ton wird schöner und freier. . Nur durch Beseitigung, Negation aller dieser Fehler kommt die rechte positive Muskelthätigkeit in Gang, und zwar naturgemäß in um so leichtern und sicheren Gang bis zur schnellsten und gleichsten Coloratur, weil alle unnatürliche Erschwernis weggefallen ist: -denn es versteht sich ja doch, dass, wenn schwache Töne mit starken, Gaumen- und Nasentöne mit guten Tönen in Einer Reihe abwechselnd von einer Coloratur gar nicht die Rede sein kan». Die Coloratur beruht ja auf der Gleichheit der Töne, und die Schnelligkeit derselben ist nur die Folge einer gleich fortschreitenden natürlich-leichten Muskelthätigkeit: wird diese durch anderweitige unnöthige, vermeintliche Hilfsmittel unterbrochen, so ist die ganze Kette unterbrach«^ und die Töne, welche nur gleiche Glieder der Reihe sein sollet^ gleiche Ringe der Kette, treten bald da, bald dort nach Leichtigkeit, Stärke und Klang unter sich verschieden und fremdartig hervor. Nachdem wir bei Herstellung der Scala durch Muskelthätigkeit alle störenden Hemmungen, welche theiks durch Athem,!Heils durch die um den Kopf herumliegeuden Theile bei Natursängern sich einstellen, gänzlich entfernt haben, können wir nun ohne Weiters zu demjenigen Organ, welches den Hanptwirkungskreis bei der Ton- Erzeugung hat, zum Kehlkopf selbst, uns wenden, und zwar haben wir zuerst den Kehlkopf als ganzen mit allen seinen Bestandtheilen zusammengenommen, zu betrachten, dann aber die Funktion der betreffenden Muskeln bei der auf- und absteigenden Scala im Einzelnen zu erforschen. Wenn wir nach den einzelnen Theilen des lebendigen Kehlkopfs fragen, so sind diese allerdings für uns unsichtbar. dagegen ist doch wenigstens der Ort, an welchem der Kehlkopf sitzt, durch das Hervorragen eines Theils des Kehlkopfes am vorderen Halse (sogenannter Gurgelknopf, pomum Adami) erkennbar. Bei den Einen tritt er mehr, bei den Anderen weniger hervor, immer aber ist nicht blos die Haltung dcs Kehlkopfs^ sondern auch etwas von der Thätigkeit desselben äußerlich sichtbar. Derjenige Theil des > Kehlkopfes, welcher vorne am Halse in einer Erhöhung hervortritt, ist der sogenannte Schildkuorpel, als derjenige Knorpel,!velcher — wie unsere Untersuchungen am todten Kehlkopf erwiesen — durch ein kleines Rücken nach Oben oder Unten die Stimmbänder mehr abspannt oder anzieht; dieser kleine Ruck, diese kleine Bewegung thut sich auch außen in gewisser Weise kund, jedoch ist diese Bewegung so klein, dass der Kehlkopf, d. h. äußerlich sichtbar der Schildknorpel doch auf seiner Stelle bleibt: er beivegt sich an dieser seiner Stelle in ovaler Richtung, und kann so trotz seiner Bewegungen doch immer denselben Platz behaupten, welchen er in ruhendem Zustande hat; nicht uuähulich einer Kugel, welche sich hin» uud herbeivegen und dabei doch auf ein uud derselben Stelle bleiben kann. Eben darum aber lässt sich durch die äußere Betrachtung und Befühlung jener Bewegungen des Schildknorpels kein positives Resultat für die innere Thätigkeit desselben gewinnen; dagegen können!vir aus der äußeren Betrachtung doch die Probe ziehen, ob der Kehlkopf trotz seiner inneren Thätigkeit doch wenigstens auf seiner Stelle bleibr. (Fortsetzung folgt) Gedenket der Tage der Vorzeit — erwäget die Äeuderung -er Zeitalter. (V. B. M. 32.7.) (Original-Correspondenz vom Nieseugebirge.) II. Nachdem ich in meinem Jüngsten, wie ich hoffe zur Genüge dargethan, dass die Torah die Chochmah, die Denk kraft, voraus-! setzt und letztere nur durch sie geregelt, unsere Lebeustage und Jahre gezählt und beachtungsvoll durchlebt wissen ivill, sei mir wohl gestattet, einen kurzen Rückblick auf nufere Geschichte, insbesondere uwsere Entstehung — bis auf die Gegenwart — im Sinne: ״Erwäget die Jahre — die Aenderuug htt Geschlechter." Fürchte nicht, geehrter Leser, eine weitläufige uud langweilige Gefchichtserürterung,

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