Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 9 (9.3.1888)
- Date
- 1888-03-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Weil aber die Lesestücke selten so construirt sind, dass man 1 Hiedurch einen Planmäßigen grammatischen Aufbau fnndiren könnte, entfesselte sich ein Widerstreit der Meinungen. Palmer, L ö w, Stern rc. forderten die Umkehr zur Sprachlehre mit dem hohlen Regelkram, mährend Raumer, Rümelin, Völter und Andere gegen den formellen Ballast förmlich einen Sturmlauf inscenirten. Lasten wir die beiden letzteren selbst reden. Staatsrath Rümelin: ״Aller theoretische und grammatische Unterricht ist etwas vollkommen zweckloses, für Lehrer und Schüler gleich Peinliches und Unerquickliches, so lange die Empfänglichkeit für eine Wissenschaftliche Behandlung des Gegenstandes nicht vorhanden sei." So weit Rümelin. Völter meint: ״Die grammatische Behandlung der Muttersprache liegt ganz über dem Horizont, welcher dem Alter der Volksschüler zukommt; denn sie leitet zur Reflexion ü b e r die Muttersprache an." Die Sprache selbst muß demnach vorausgesetzt werden. Jacob Grimm ist einer der bedeutendsten Antigrammatisten. Er nennt den grammatischen Unterricht eine ״unsägliche Pedanterie." Wie treffend ist doch das Bild, das Dr. Lindner in weiterer Ausspinuung dieses Gedankens unseren Augen entrollt י Es fei «ine Verkennung einer Anstalt der Natur, die uns die Sprache mit der Muttermilch eingibt und die Ausgestaltung der erstereu in den Bereich des Elternhauses und seiner Umgebung verweiset. Die Sprache, beziehungsweise das erste Lallen und Plappern der Kleineu sei ein Geheimnis, unbewusst und könne auch nur so vermittelt werden. Zst dieser Gedanke nicht eine Variante des ewig wahren Satzes: mipi olelim wejonkim jissadto aus? — Der Kampf um die Grammatik, heißt es weiter, sei höchst interessant, der Kampf des Unbewussten mit dem Bewussten, des Instinkts mit der Regel, der unmittelbaren Intuition mit dem klügelnden Verstände — ein Kampf, der auf allen Gebieten praktischer Fertigkeit, von den automattschen Bewegungen des Athcms, Gehens und dergleichen an bis Zu den lichten Höhen der schaffenden Knust wahrzunehmen sei, und Ln welchen nach den Versicherungen Hartmanns und Schopenhauers schließlich das Unbewusste die Oberhand behalte. Uebrigens muß -auch das Sprachgefühl ins Auge gefasst werden. Als ich unlängst meine bei Tische sitzenden Kleinen fragt: ״Kinder, wollt ihr- Fleisch?" eutgegnete Elsa: ״Nein, ich allein." Die Grundlage für die heutige Methodik im Sprachnnterrichre schufen D i e st e r w e g, I a c o h o t, K e l l n e r, K c h r und Verna 1 eke n. Dr. D i t t e s hält das Sprachbuch für die Hand der Schüler entbehrlich und stigmatisirt das Festhalten an derartigen Leitfäden mit dem nichts weniger als schmeichelhaften Epitheton: ״Vererbter Schulmeisterzopf." Ein solches Buch bilde «ine Scheidewand zwischen Lehrer und Schüler, benrhme dem Unterrichte.seine Unmittelbarkeit und Frische, rücke das Abstracte vor das Eoncrete, an die Stelle des heuristischen Verfahrens das Dogrnattsche. Fassen wir die vorangeschickte Erörterung zusammen, so ergibt sich der heutigen Zeitströmung Folgendes : Beachte in erster Reihe die materiale (realistische) Seite der Grammatik; hieran schließe sich das praktische Prinzip, und die Krone des Ganzen bilde das geistweckende Element — der formale Theil. (Schluss folgt.) MethMK -er Gesangskunst. XX. Außer den! Fehler des Schreiens sind es jedoch noch zwei «ludere, sich sehr ähnliche Fehler, welche unserer Forderung der alleinigen Thätigkeit der Muskeln oft hemmend in . den Weg treten es sind die bekannten Fehler des Quetschens und Näselns oder des Gaumen׳ und Nasentons. Schon bei unserer Lehre vom Ton als einzelnen, im ersten Theil, war von ihnen die Rede und dort wurde« auch schon die eiitfachsten Mittel zu deren Entfernung angegeben. Es könnte daher genügend erscheinen, darauf hinzuweisen, dass diese bekannten Fehler ein für allemal beseitigt werde» müssen auf die dort angegebene Weise: weil sie sich jedoch besonders bei der Aneinanderreihnng der Töne, bei der Scala gerne einstellen, muß auch hier noch einmal von ihnen die Rede sein. Unsere Versuche am tobten Kehlkopf haben uns gezeigt, dass die um den Kehlkopf herumliegenden Theile zur Erzeugung eines Tons gar nicht mitzuwirken haben: denn dort erzeugten wir ja alle Töne bei ganz weggeschnittenem Ansatzrohr, mit dem Kehlkopf allein ohne Mandeln, ohne Zunge, ohne Gaumensegel, ohne Zäpfchen oc. Wenn wir jedoch die Singweise der .meisten Natursänger aufmerksam betrachten, so finden wir, dass dieselben besonders bei den Uebergängen von einem To» zum andern, vorzüglich in der höheren Lage, außer der fortschreitcudeu Muskelthätigkeit noch andere Muskeln Mitwirken lassen, und durch sie den Kehlkopf von. der Seite und von Oben drücken; durch die Zusammendrückung des Kehlkopfes von der Seite mittelst der Mandeln entsteht ein Gaumenton (oder auch Kehlton genannt); durch den Druck auf den Kehlkopf von Oben mittelst des sich erhebenden Zungenmuskels entsteht der Nasenton. Durch Beides aber erhält der Ton nicht blos einen fleischigen, speckigen und schneidenden Beigeschmack, sondern die Muskelthätigkeit und die freie Schwingung der Stimmbänder wird dadurch geradezu gehemmt. Der Kehlkopf verliert durch diese Einzwangung seine freie leichte Haltung, und wie die ihn drückenden Theile dabei hart und steif sind, so verliert auch er im Zustande solchen Gedrücktseins seine natürliche Weichheit: die Stimmbänder,. selbst verlieren an Elasticität und Freiheit dev Schwingung, sind gepresst und hart, und die betreffenden Hals- Muskeln, welche ungezwungen und frei nur dem Gedanken dienstbar. sein sollen, sind schwerer beweglich und gehindert durch die mitwirken wollenden anderen Muskeln, besonders durch die Zunge, ja bei dem sogenannten Hochathmen sind sie geradezu sogar zum Alhmen selbst schon mitgebraucht. Als Mittel, welche zur Wegräumung dieser Fehler dienen, haben wir das Hinabdrücken und Geradelegen der Zunge und das Ausweiten des Schlundes durch ein anfänglich etwas dunkleres Singen bereits angegeben. Weil sich jedoch diese Fehler besonders beim Uebergang von einem Ton zum anderen geltend machen, so achte mar! besonders beim Singen einer Reihe von Tönen aus jene Mittel, und bei einiger Selbstüberwindung und Achtsamkeit auf sich selbst werden die Fehler '.bald verschwinden. Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass zugleich mit der Thätigkeit der beim Singen zumachst in Betracht kommenden Kehlkopfmuskeln auch die mit dem Kehlkopf in weitere Verbindung stehenden Muskeln von . Natur schon Mitwirken wollen, denn es steht ja alles in innerem Zusammenhänge, aber diese Mitwirkung darf nie eine activ mitwirkende, sondern höchstens eine passive sein; Alles, was im Hinteren Ansatzrohr, ja auch im vorderen Theil desselben bei Aneiuandereihung der Töne vor sich, geht, die Annäherung der Gaumenbögen, das Zurückziehen des Zäpfchens bei hohen Tönen ist nur eine Mitbewegung, welche zwar durch die Anstrengung der Muskeln des Kehlkopfs veranlasst uhu jeut ii/iuuuuujuuij 1|1 cqi wie tfuujc *aus» Diese Mitbewegung also lässt sich keineswegs aufheben, ist auch gar nicht falsch, vielleicht wird dadurch sogar die׳ Resonanz größer: aber