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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-03-01 · Heft 8 (1.3.1888) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 8 (1.3.1888)
Date
1888-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— S — dem einigen Gotte)? Er hat es nun ausgesprochen und vor Gott gebracht, was eraks den höchsten Gram mit sich umhergetragen unter allenLerdendes Lebens, und Gott beschloss, abzunehmen dem Patriarchen die drückende Sorgesein Angesicht zu erheitern und freudige Hoffnung in seine Seele zu senken. ״Blick zum Himmel," sprach der Ewige zu ihm, ״zähle die Sterne, wenn du es vermagst, sie zu zahlen, so sollen deine Nachkommen sein." Abraham aber glaubte dem Ewigen, und das ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Als der Ewige nun daraus seinem Lieblinge von Neuem den Besitz des Landes zusagte, verlangte Abraham ein Zeichen. Ein Bündnis schloss Gott mit dem Patriarchen, und dieses Bündnis sollte als Zeichen der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit gelten Die Thiere, die der Ewige zur Schließung des Bündnißes herbeischaffen ließ, waren von derselben Art, wie sie später bei den verschiedeneu Gelegenheiten zum Opfer gebraucht wurden. Es sollte nämlich aus diese Weise hingewiesen werden auf den künftigen Opferdienst, welcher zu Ehren Gottes eingerichtet wurde. Die Thiere wurden, nach der eigenthümlichen Sitte, ein Bündnis zu schließen, der Mitte nach zerschnitten, nur das Geflügel, die Taube, blieb unversehrt. Ein Vorbild, wie die mächtigen Nationeu der alten Welt: Meder, Perser, Griechen und Römer dem Untergange bestimmt seien und nur Israel, d i e T a u b e, erhalten werde (S. Midr. Rab. u. Jalk. z. St.), die Taube als Symbol für Israels Berns wird an anderer Stelle sehr geistreich von den Mü»raschim erörtert. Die Aussendung der Taube von Noa, wo sie beim zweiten Male mit dem Oelblatt als Zeichen des wiederkehrenden Friedens, der erneuerten Gottesgnade wiederkam, dieses machte sie zum Symbol für Israels Beruf, den Gottesglauben, den Frieden und die Versöhnung der Menschheit zu bringen. Als Bild für Wcael selbst ist sie in ihren Eigenschaften, wie sie gedrückt, gequält uM! verfolgt wird, ohne selbst zu verfolgen, keusch und züchtig lebt, unsthuldig ist und ihr Blut zur Versöhnung der Sünden Anderer auf den Altar verspritzt, nur einem Gatten anhängt, immer sich nach ihrem Schlage zurücksehnt. (Siehe M. Rab. Hohld., Schlagw. יזזגך יפה und Talm. Sabbat 130, Rasch! daselbst.) Nachdem dergestalt die Stücke und Theile der Thiere einander gegenüber gelegt waren, kamen Raubvögel auf dieselben hernieder. So ist es auch gekommen zur Zeit, als die Heiden in die Gottesstadt eindrangen, dm Tempel entehrten und wie die Raubvögel herfielen über die geheiligten Opfer des Herrn. Das mochte wohl Abraham damals vorausgeschaut haben im Geiste, wie Israel werde so vieles erdulden muffen von den Völkern der Erde, und dass Tempel und Heiligthum — die Beute der Heiden, ein Raub der Nationen geworden — einst in Staub und Asche sinke. Es schaute aber Abraham in die Zukunft, denn aufgerollt hatte' der Ewige den Schleier der Zeit. Und er sah die Leiden seines Volkes, sah wie Jahrtausende hindurch Israel geprüft und versucht werde; aber unter allen Stürmen der Zeit sein heiligstes Gut, seinen Glauben rette. Mtt Aufopferung des Lebens abweise und verscheuche die Raubvögel, welche zu rauben wagten die Ruhe des Herzens und den Frieden der Seele. So ist es den heldenmüthigen Makkabäern gelungen, die feindlichen Schaaren, welche in das Heiligrhum Gottes gedrungen, und wie Raubvögel über die Opfer gefallen waren, durch Gottes Beistand zu vertreiben und aus dem heiligen Gebiete zu verscheuchen. Abraham schaute im Geiste Israels Glanz und Ruhm, wie die heilige Stadt sich erhübe und die Gerechtigkeit in ihr wohne; er sah den Tempel Gottes, von welchem das' Licht des Herrn sich verbreüe und leuchtend und wärmend, wie die Sonne des Himmels, alle Wesen erfreue. Als er aber erkannte, wie die Farben der Pracht und des Glanzes erblassen, wie allmählig zu sinken beginne Israels,. Herrlichkeit, wie dem Untergänge sich nähere der heilige Tempels Israels Sonne; da neigte sich die Sonne am Firmamente und der Patriarch, überwältigt von den trüben Ahnungen und schmerzlichen., Gefühlen seiner Seele, sank in einen tiefen Schlummer, und Angst und Furcht ergriff ihn. Hatte Abraham die Leiden Israels gleichsam nur ahnend und fürchtend vorausgeseheu, so erhielt er nunmehr dietraurige Bestätigung und über die nächsten Jahrhunderte selbst Gewissheit. Gott sprach zu ihm: ״Wisse, dass deine Nachkommen. Fremdlinge sein werden in einem Lande, dem sie dienen werden und man wird sie drücken vierhundert Jahre. Jedoch auch das Volk, dem sie dienen werden, richte ich und nachher werden sie ausziehen mir vielem Gute" (1. M. 15, 13). Nachdem nun Abraham geschaut alle trüben Bilder der Zukunft, da ging die Sonne vollends unter und Finsternis deckte die Erde. Wie ein Ofen aber war es zu schauen, aus welchem Flammen gedrungen und gefahren. Am selbigen Tagv ברח יי אח אבדם בריח,,׳" hatte Gott mit Abraham ein Bündnis geschlossen (Das. 17. 18.). Und dieses Bindnis besteht für alle Zeit und Ewigkeit. Gott ist ewig und sein Wort ist wahrhaftig, denn also spricht der Herr: ״Der die Sonne eingesetzt zum Lichte am Tage, des Mondes und Sterne, Gesetze zum Lichte in der Nacht, der das Meer erregt, dass seine Wellen toben, Ewiger der Heerschaaren ist sein Name. Wenn diese Gesetze vor mir schwinden werden, spricht der Ewige, soll auch der Same Israels aushören, vor mir ein Volk alle Tage zu sein". (Jerem. 31, 35. 36.) So wie die Gesetze der Natur wird Israel als Volk Gottes ewig bestehen. Wie unermesslich die Größe dev Welt, so unermesslich soll Gottes Nachsicht mit Israel sein. Sowollen wir danken dem Ewigen und rühmen seinen heiligen Namen, dass er mit Abraham, dem Vater der Gläubigen, einen Bund ge-; schlossen, dessen Wirkungen und Folgen, sich erstrecken von Geschlecht zu Geschlecht. Also spricht der Psalmist: ״Denket an seine Wunder, , die er vollführt, seiner Zeichen und der Rechtsprüche seines Mundest Geschlecht des Abraham seines Dieners, Söhne Jakobs, seine Auserwählten. Der Ewige, er ist unser Gott, sein Recht gilt für alle Welt; er gedenkt an feinen Bund ewiglich, den er geschlossen mit Abraham, zugeschworen dem Jsak, zu Gesetz gestellt in Jakob, auf dass es sei ein Bündnis für Israel, dauernd für die Ewigkeit", (Ps. 105, 1—11.) Das wäre eine lehrreiche Studie für die Antisemiten, wenn sie Herz und Sinn für Wahrheiten hätten. W . . . . r. (Fortsetzung folgt). Kleine Chronik. Wien. Unter dem Geleite einer nach Hunderten zahlenden Trauergemeinde fand Dienstag den 28. Februar 3 Uhr Nachmittags das Leichenbegängnis unseres dahingeschiedenen Collegen, Cantor Adolf Fischer, statt. Im Trauerhause bemerkte man unter den Leidtragenden: Baron Kömgswarter, Ritter v. Borkenau, Ritter v. Goldschmidt, Ritter v. Hossmann, Ritter v. Leon, Hosrath Ritter v. Pfeiffer, Notar Ritter v. Olschbauer, den Präses der israel. Cultusgemeinde Arminio Cohn mit sämmtlichen Vorstandsmitgliedern, den Präses der türk. Jsraelitengemeinde Marcus Russo, kaiserl. Rath Dr. Wölfler, Dr. Ludw. Aug. Ritter v. Frankl, Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch, Prediger Dr. Schmiede,. Hoscapellmeister Julius Sulzer, die Gesangs- Professoren Lauser und Löwenstamm, sowie zahlreiche Freunde des Verblichenen. Kurz vor 3 Uhr erschien eine Deputation des österr.- ungar. Cantorenvereines, geführt von dem Ehrenpräses, Professor Sulzer, welche aus sämmtlichen, dem Vereine angehörigen Eantoren Wiens und der Vororte bestand. Während diese zu beiden Seiten

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