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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-03-01 · Heft 8 (1.3.1888) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 8 (1.3.1888)
Date
1888-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Beibehaltung des möglichst schwächsten Athems für die ganze. Scala. Um den Schüler zmn Gebrauch des eigentlichen Gesangsorgans hinzuführen, um die Kehlkopfmuskeln in Thätigkeit zu bringen, lasse man also den Schüler vor Allem jeden Ton so pianissimo als möglich singen; allmählig gehe man dann zur Aneinanderreihung Mehrerer Töne, bis zur ganzen Scala, mit demselben möglichst schwächsten Athem über, und beobachte dabei ganz genau, dass besonders beim Uebergang von einem Ton zum andern der Athem ja immer so schwach, wie nur immer möglich, bleibe. Denn bleibt nun der Athem bei allen diesen Tönen immer ein und derselbe ganz schwache, so ist es doch klar, dass die Töne nicht durch den Athem können andere höhere geworden sein, (weil ja der Athem durchaus -derselbe schwache geblieben ist), sondern nur durch die Anwendung der Muskelkraft; von selbst versteht es sich aber, dass der Schüler den Ton, welchen er gerade produciren will, schon zuvor bestimmt, ׳-in Gedanken haben muß; der Sänger muß immer den Ton, den er erzeugen will, vor der wirklichen Erzeugung desselben schon geistig in sich haben. Nun erst erhalten die Muskeln durch unsern Willen, den Tön hervorzurufen, ihre rechte Thätigkeit, sie sind ja ׳ebenso unterthanig und mit Blitzesschnelle folgsam unserem Gedanken!wie die Muskeln des Armes, der Hand, der Beine rc. Dass der Athem dabei nicht mithelfen kann, haben wir schon durch die Beibe- Haltung eines gleich schwachen Äthems bewirkt; vielmehr sind jetzt die Muskeln allein unserem Geiste dienstbar geworden durch An- Wendung nur eines Minimums von Athemkraft, welches, um die!bereits nach unserem Willen gespannten Bänder schwingen zu machen, wicht entbehrt werden kannn; die Töne können ja nur dann klin- -gen, wenn die Luft durch die Stimmritze aus fließt und die Bänder än Schwingung versetzt. Dagegen zur Spannung der Stimmbänder selbst hat die Luft nichts beizutragen, vielm.'hr müssen diese immer schon für jeden Ton gespannt sein, ehe die Luft durch sie ausfließt. Dies ist das sogenannte innerliche, stille Sing n, das Singen in Gedanken, wobei sich auch unwillkürlich durch den bloßen Gedanken, durch das reine Denken der Töne die Stimmbänder in die dazu gehörige Spannung versetzen; kommt dann die Luft dazu und strömt aus durch die Stimmritze, so ist dies gleichsam nur die Probe für uüser Ohr, ob wir die Töne geistig richtig gedacht und die Muskeln gehörig dazu ange'pannt haben. Das innere Aufsassen der Töne dieser innere musikalische Sinn (Tonsinn) bleibt so für jeden Sänger die erste und wichtigste Voraussetzung. Anfangs werden zwar dem Schüler bei dem von uns verlangten ganz schwachen Athem manche Töne nicht sogleich ansprechen wollen; aber dies schrecke ihn durchaus - nicht zurück, durch ein recht bestimmtes Denken des Tons lind durch öfteres Versuchen und Neben wird er bald sich überzeugen, dass die gespannten Stimmbänder schon beim zarten Hauche klingen, die Stimmbänder nehmen dadurch selbst an Schwingungsfähigkeit zu, und bald wird die ganze Scala sich auf diese Weise ergeben. Wir sagen die ganze Scala, denn auch die Falsettöne ergeben sich dabei gleichsam von selbst, sowie die Grenze zwischen den beiden Stimmregistern, Brust- und Falsetstimme, nur durch diese Uebung ganz klar und bestimmt sich offenbart: denn wir wissen ja bereits, wo dieser ganz zarte Hauch nicht mehr ausreicht, um die ganzen Stimmbänder schwingen zu machen, da schwingen nur. die inneren Ränder derselben, d. h. da beginnen die Falsettöne. Damit aber haben wir den ersten Fehler, den des Schreiens und unnöthigen Anstrengens der Lungen sogleich ganz beseitigt. Wer die Athem-Anftrengung für ein Hilfsmittel beim Singen hält, hat noch gar keinen Begriff von Singen; das Singen beruht ja vor Allem auf Muskelthätigkeit, diese aber kommt nicht zu ihrer vollen Geltung, wenn die Athemkraft sich an ihre Stelle setzen will. Ja so wenig hilft die Athem-Anftrengung zur Ton-Erzeugung, dass sie vielmehr den gleichmäßige» Fortschritt der Muskelthätigkeit hemmt, unterbricht und oft geradezu ganz aufhebt. Wer eine ordentliche Coloratur, einen leichte», schnellen Fluß der Töne erlangen will, darf seine Uebung nur auf jene Muskelthätigkeit bei möglichst schwachem Athem gründen: sonst ist alle seine Mühe eine verlorene; und dabei darf er anfangs nur sehr langsam, in langen Noten die Töne aneinanderreihen, und erst, wenn sich hier die Muskeln an den bestimmten Ruck oder Einschnitt, an die bestimmte Spannung für jeden Ton gewöhnt haben, so dass jeder Ton gauz piano und doch in sich ganz bestimmt und fest abgegrenzt gegen die umliegenden Töne auftritt: erst dann mache er dieselbe Uebung etwas schneller, und endlich noch schneller, soweit er's bringen kann: aber immer mit möglichst schwachem, gleich schwachem Athem (in der Hohe, Mitte und Tiefe.) So bildet sich allmählig eine nur auf dem leichten Spiel der Muskeln ruhende^ Coloratur, bei welcher, wie man sagt, die Töne perlen; die betrefsenden Muskeln selbst aber werden durch fleißige Uebung in der angegebenen Weife so folgsam unserem Willen werden, dass jener Gedanke, zur Erzeugung eines Tons einen stärkeren Athem-zu Hilfe nehmen zu wollen, jene ursprüngliche Neigung dazu für 'alle Zeiten entschwindet. Nun aber, wenn dies erreicht ist, mag der Schüler seine Scala auch hinsichtlich der Stärke nüanciren, und den Athem mit all' seiner Kraft, allinählig herausziehen: dies, die Näancirung hinsichtlich der Stärke, ist ja der Hauptwirkungskreis für die Athemtraft. Aber auch von dieser Seite.leuchtet auf's Neue die Wichtigkeit unserer Forderung ein, die Töne alle nur durch Muskelkraft mit möglichst schwachem gleichen Athem zu erzeugen: denn ist der Athem schon bei der Erzeugung verbraucht oder wenigstens zu viel gebraucht, wie kann er nun noch in gehöriger Weise zur Nüancirung des Erzeugten dienen, denn die Nüancirung in der Stärke beruht nur auf dem Athem und erfordert in der That große Athemfülle und Athembeherrschung. So bleibt es also dabei: nur bei ganz schwachem Ahem lasst sich die Scala durch Muskelthätigkeit herstellen; und der .erstc Fehler des Nachhelfens mit dem Athem bei der Ton-Erzeugung ist somit auch bei der ganzen Scala von uns beseitigt worden. (Fortsetzung folgt.) Wahrheit und Dichtung. (Bilder aus dem Leben der Erzväter, historisch, allegorisch, mythisch und exegetisch.) V. Gott schließt mit Abraham eine» Mrrntz. Nach den Mühseligkeiten, die Abraham hatte ertragen müssen, sehnte sich sein Herz wohl nach einer Stunde der Unterredung mit seinem Herrn, in dessen Dienst er getreten war. Er sehnte sich wohl nach dem Worte Gottes, das ihm zur Aufmunterung und Stärkung dienen sollte. Und Gott, der Herr, erfüllte die Sehnsucht seines Herzens und offenbarte sich dem Abraham i» einem Gesichte und sprach: ״Es sei dir nicht bange, Abraham, ich diene dir zum Schilde, dein Lohn wird sehr groß sein." (1. B. M., Cap. 1s.) Nunmehr stand der Patriarch nicht an, vor Gott sein Herz auszuschütten und ihm mitzutheilen, was er für den höchsten Lohn auf Erden erachten möchte. Er sprach : ״O Herr, o Ewiger^ was helfen mir die Erdengüter, da ich kinderlos einhergehe" (und. keinen Erben hinterlasse, dem ich mittheilen könnte, die gewonnene Erkenntnis von

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