Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 7 (22.2.1888)
- Date
- 1888-02-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Gesetzgeber noch einmal das schon besprochene Cukkolhfcst aufnimmt, I tribem - er nachträglich als Gtünd desselben die Erinnerung an die Wüste angibt mit der hinzugefügten Vorschrift, an diesen Tagen die vier Festpflanzen zu nehmen. Das Merkwürdige aber ist, dass er es noch für nothwendig hält, trotzdem er zweimal von diesem Feste gesagt, dass cs am fünfzehnten des siebenten Monats stattsinde, einzuschalten: ״Ihr sollt es feiern als ein Fest dem Ewigen sieben Tage im Jahre; eine ewige Satzung für eure Nachkommen; im siebenten Monat sollt ihr es feiern." Was soll denn diese nochmalige Ermahnung, dass man es sieben Tage und am siebenten Monat feiere, bedeuten? Nimmt man aber an, dass in vormosaischer Zeit ein ähnliches Fest etwa zehn Tage hindurch und ain achten Monat üblich war, der Gesetzgeber aber diesem Feste eine andere Idee zu Grnde legen und cs überhaupt auch der Zeit nach aus der früheren Praxs bringen will, dann verstehen wir dies Alles, auch die gewählte, einschärfende Form eines Posiscriptums. Eine weitere Betrachtung der Gebräuche, die in' späterer Zeit an diesem Feste üblich waren, zeigt uns viele, auf welche großes Gewicht gelegt wurde, deren Ursprung aber ganz unklar ist. Diese sind: a) Das Wasseropfer — נסוך המיס — welches ein Streitobject zwischen Pharisäer und Zaduccäer abgegeben hat. Die' Pharisäer hatten den Brauch, am Laubhütten feste beim Mörgenopfer nebst der Wemspende eine Wasserspende darzudringen,. welche am Abend ftüher an der Schiloahquelle geschöpft wurde. Besonders festlich lärnrend aber ging cs am Anfänge der Halbfesttage, nämlich am Abende des Fünfzehnten zu. Priester, Leviten, Männer und Frauen, Greise und Kinder, Gelehrte und: Laien, Alles überliess sich einem - Uebermaße der Festfteude Lei Sang und Tanz. ״Wer keine LüncLat Letb tasciioeblia gesehen — dies ist der Name des Freudenfestes—der hat nie ein Freudenfest gesehen," war ein gestügeltes Wort im Munde des Volkes. Die Zaduccäer belachten und bespotteten diesen Brauch und leugneten die Nothwendigkeit dieses Wafseropfers über- Haupt, was zuweilen zu Streit und Kampf geführt hat. Fragt mau aber nach der Begründung für dieses Opfer, das thatsächlich im Reise nach Florenz". ״Ich begleite Euch", sprach Gasparo, ״aber das Kind," hier drückte er die Arbeit des Freundes an seine Brust, ״muß mit. — Ich will ein tüchtiger Künstler werden — wie Marietta es gewollt. Meine Engel droben und mein Schutzherr hier unten, der Benvenuto Eellini, werden mir helfen. — Morgen brechen wir auf!" — — Und so geschah es in der That. Gasparo di Salo hat Italien gesehen — Florenz und Rom — und ist geworden, was sein Weib für ihn ersehnt: ein berühmter Künstler, der Vorläufer der Geigen- Lauer Amati, Straduari und Guarnerie. — Und die Geige des Gasparo mit dem Engelskopf war es, die dem Straduari so viel Kopfzerbrechen verursacht. Er hat, seit dem er sie ui den Händen gehalten, gar mancherlei noch verbessert und vervollkommnet an seinen eigenen Geigen und war besonders bemüht, von verschiedenen Holzarten die feinsten Verzierungen an den Seilen seiner Instrumente einzulegen, zum Schmuck, wie die Geigen Gasparos nur in schüchternen Anfängen nach den Zeichnungen seines berühmten Freundes zeigten. Und die Geige mit dem Engelsköpfchen des Benvenuto Cellini lebt noch, und atmet leise und mühsam hinter den Glaswänden eines Kastens in einem großen Museum. Vor Jahren hat sie einmal in dm Künstlerhänden Ole Bulls singen und klingen dürfen und davon träumt sie noch bis zur Stunde. Aber auch die Hörer damals träumten seltsam süße wehmütige Träume, die dm gefeierten Geiger spielen hörten — uud der Klang der Geige mit dem lächelnden Antlitz der kleinen toten Angela, die ihre Mutter wiedergefunden, mtlockte gar manchen Augen-heiße Thränen. — . Pentateuch nicht vorkommt, so wissen die Pharisäer außer nichts Leweisenden'Deutungen nur anzugeben,׳ es sei dies eine alte Tradition, die ' aber'' schon ׳zu Zeiten des Propheten J'schajah bekannt war. Thatsächlich ist der Ursprung dieses Brauches in Dunkel gehüllt. b) Ein zweiter ähnlich dunkler Brauch ist die Ceremonie der Bachweideארצה —׳ —. In der Nähe Jerusalems war eine Weiden- Au, die sogar die Römer, der Volksanschauung Rechnung tragend, steuerfrei belassen hatten; von dieser nun wurden während der Festtage Weidenzweige geholt und unter Posaunenklang und Hosiannah hielt man mit diesen Weiden täglich einen Umzug um den Altar, worauf er mit denselben. geschmückt wurde. Am siebenten Tage wurden die Umzüge sieben Mal wiederholt, darauf wurden die Zweige durch Schlagen auf den Boden neben dem Altäre ihrer Blätter entledigt. Auch für diesen Brauch weiß man nichts anzuführen, als die Traditionen von den Propheten her. Dieses Fest hat aber in der Mischnah eine eigenthümliche Färbung erhalten, die seinem Wesen scheinbar widerspricht. Es wird gewissermaßen' zu einem Regeufeste, in das aber die Hüne nicht gut passt. Da heißt es: Am Sukkothfeste wird das himmlische Urtheil gesprochen, welches Wasserquantum dem Lande gewährt werde. Eben an diesem Feste beginnt man mit der Einschaltung des Gebetes von der göttlichen Macht, regnen zu lassen. Nach R. Elieser beginne man damit schon am ersten Tage. R. J'hoschua findet dies wirklich mit dem Gebrauch der Hütte nicht gut vereinbarlich und verschiebt dies Gebet auf den letzten Tag. Von ersterem, dem man (n benbei bemerkt) nachrühmt, dass er niemals etwas gelehrt, was sich nicht auf alte Traditionen stützte, wird ferner angeführt, dass der Feststrauß, zu dem' bekanntlich vier Pstanzenarten gehören, eigentlich genommen wird, um sich das göttliche. Wohlwollen in Bezug auf den Regen zu erbitten. Alles dies hat doch wenig oder gar nichts mit jenem Einheimsefeste am. fünfzehnten des siebenten Monats im Pentateuch zn thun. Wenn ja dieser göttlichen Gabe, dem Regen, Rechnung getragen werden soll, so würde dies am passendsten um diese Zeit im achten Monate sein, wo in Palästina die Niederschläge beginnen und dev siebzehnte Cheschwan als der letzte Termin des zu erwartenden Regens gilt. Diese Betrachtungen bringen mich auf das Folgende: In der Geschichte der Sintstuth werden genaue Daten angegeben; am siebzehnten des zweiten Monats trat die Sintstuth ein, also im Cheschwan; am siebzehnten des siebenten Monats blieb die Arche stehen, also im Nissan. Am siebenundzwanzigsten aber des. zweiten Monats war die Erde ganz trocken. Mithin begann die Fluth an einem 17. und hörte auf an einem 27. Cheschwan. Wie! sollten nicht etwa diese zehn Tage zwischen den Leiden Daten festlich begangen worden sein? Wir werden dann auch verstehen, warum die Daten so genau angegeben sind, und woher sie entnommen wurden. Es waren dieseben'alte semitische Festtage. Was sonst von dem Raben, der Taube und dem frischgepflückten Olivenblatte erzählt wird, mag mit alten Ceremonien eines solchen Festes im Zusammenhänge stehen. Ich bin am Ziele. Der Gesetzgeber hebt ein altes Archenunb Sinifluthfest, welches im achten Monat gefeiert wurde, auf und setzt an Stelle desselben das Hüttenfest im siebenten Monate. Für die Arche tritt die Hütte ein und mit Rücksicht auf ältere Bräuche, vielleicht im Gegensatz zu diesen ordnet er an, gewisse Pflanzen zu nehmen, sodass das Fest einen national-historischen und zugleich herbstlichen Charakter erhält. Nun begreifen wir, weshalb er einschärft, die Feiev durch sieben Tage im. siebenten Monate abzuhalten. Bekanntlich, lässt ein Volk von tief eingewurzelten Bräuchen nicht , leicht ab. Es mögen zur Zeit Jarobh-ams die alten Festtage und ihre Bräuche nicht ganz aus dem Gedächtniße des Volkes verschwunden ■‘־•*r-ffiiwr 1 r׳”*׳ " ™*־