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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-02-22 · Heft 7 (22.2.1888) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 7 (22.2.1888)
Date
1888-02-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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lich; und wenn vielleicht der Eine oder der Andere von vornherein diese unsere physiologischen Unrersuchungen an todten Kehlköpfen für zwecklos und für den Gesang selbst nutzlos erklären mochte, — weil eben unser Organ für uns selbst unsichtbar ist —, so antworten wir kurz, dass eben nur diese Untersuchungen uns den Blick in diese innere Werkstätte öffnen und die rechten Mittel zur richtigen Thätigkeit^d'arin an die Hand geben können. Eben nur durch die äußerlichen Versuche am todten Kehlkopf sind wir im Stande, die durch die Innerlichkeit und Unsichtbarkeit des lebendigen Organs entstehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Die Gesangkunft ist allerdings eine rein innerliche Kunst, und deshalb etwas ganz Anderes, als das bloße Spielen eines fremden todten Instruments; sie ist rein innerlich, nicht bloß hinsichtlich der im driKen Theil zu behandelnden Beseelung und Vergeistigung der Töne, sondern schon hinsichtlich des Organs selbst, ganz materiell betrachtet, indem der jedem Gesangston vorangehende Gedanke des Tons allein schon durch die Nerven blitzschnell die Muskeln so weit zusammenzieht, wie es zu dem betreffenden Ton nothwendig ist. Aber der einzige Weg, dieser Innerlichkeit beizukommen, in diese Werkstätte einzudringen, und in ihr in der rechten Weise thätig zu werden, bleiben doch immer unsere am todten Kehlkopf gemachten Versuche und geivonnenen Resultate. Durch Empyrie, durch Erfahrung kann man allerdings auch Resutlate gewinnen, welche richtig scheinen und manchmal in der That richtig sind: aber die volle Gewissheit gibt nur die Wissenschaft selbst, und der Glund und Boden unserer Wissenschaft, der Wissenschaft des Gesangs, ist die dem Gesanglehrer unentbehrliche genaue Kenntnis des dabei thätigen Organs durch vielfache Versuche und mit weiser Anwendung der Resultate. , (Fortsetzung folgt.). Jarobh-ain oder die Theilului des Reiches. Hin Beitrag zur züd. Geschichte n. Akterthumslrunde. Von M. Fried mann, Lector am Bet-Ha-Midrasch zu Wien. (Schluss.) Dass es dem Jarobh-am leicht gelungen war die Festtage des siebenten Monats ans den achten zu verlegen, ohne i!n Volke auf ״Aber wir lieben es doch auch — — und ich würde mein Leben hingebeu für mein Kind!" rief er verzweiflungsvoll. — ״Selbst die Liebe der Engel könnte die Mutter nicht ersetzen!" antwortete die alte Frau. — Und ein Tag zog heralt-in der Geigenbauer-Werkstatt sang und klang es eben wunderbar-eine neue Geige war erstanden — — da lächelte das Kind in alle Töne hinein, wie noch nie-unddas Lächeln schwand nicht, als die Augen zufielen, es blieb stehen auf dem süßen Antlitz. — Es sagte ganz deutlich allen.denen, die es sahen: ״Ich bin geborgen — ich bin bei den Engeln und bei meinem Mütterlcin!" — Und doch war der Vater fassnitgslos vor Weh — und wollte die kleine Leiche nicht aus den Armen lassen, und kein Menschenwort hals — kein sanfter Zuspruch des greisen Priesters, kein Trostversuch des Gastes.-Und als man ertdlich von Blumen bedeckt, der Erde zurückgegeben hatte, was von der Erde tvar, so saß der Geigenbauer neben der leeren Wiege mtd legte den Kopf auf das kleine Kissen und wollte von der ganzen Welt nichts mehr wissen. Er berührte keines seiner Werkzeuge — es war, als ob er nichts inehr begehrte, als sich hinzulegen und zu sterben wie Weib und Kind. — Sein Gast ließ ihn gewähren — aber er selber arbeitete still in einem Winkel der verlassenen Werkstatt mit einem Ernst und Eifer ohnegleichen. Und die alte Brigitta schlich zuweilen herein und sah ihm mit gefalteten Händen still zu. Zuweilen berührte sie leise feinen Arm und flüsterte: ״Nicht wahr, Ihr nehmt ihn mit, wenn Ihr in Eure Heimath zurückgeht — Ihr seht ja — sie will es so!" Der Geigenbauer aber fragte nicht: ״Wann reist Ihr?" 'Er -ließ in seinem Schmerz den Gast :schalten und walten eine größere Opposition zn stoße», lässt sich durch Folgendes erklären : . Die regelmäßige Zeitbestimmung der Festtage war, selbst wen» .sie auch eingehalten.würde — was bekanntlich nicht immer der Fall war — dem Volke nur durch vorhergehende Ankündigung bekannt worden. Nun konnte das Fest auf jene Zeit verlegt werden, wo in Palästina der Regen eintritt. Nicht nur, dass hiedurch die Ab- Haltung von den Wallfahrten nach Jerusalem erzielt wurde, verhinderte auch die Ungunst der Witterung größere Zusammenstromungen des Volkes, was kein unbedeutendes Moment für einen despotischen Staat ist. Das Pessachfest mochte dem Jarobh-am weniger Bedenken erregt haben. Dies wurde ja mehr als Familienfest in der Heimat bei den. Bamoth gefeiert, was auch in J'hudah üblich war. Hierzu mag auch die ungünstige Witterunzszeit beigetragen haben; hat man doch aus diesem Grunde während des zweiten Tempels häusig einen Monat eingeschaltet, um das Fest zu verschieben. Was aber das Wochenfest betrifft, so dürfte dies überhaupt stiefmütterlich behandelt worden sein; denn obwohl die Ernte abgeschlossen ist, eignet sich dennoch die Jahreszeit nicht gut für eine weite Wallfahrt. Die Herbstwallfahrt, bei der alle Arbeit abgeschlossen und der Segen des Feldes eingeheimft ist, hatte das Gewissen beschwichtigt und dem Geinüthe genügt. Die anderen Feste kouuteu bei den heimischen Altären abgehalten werden. Allein bei den Gebildeteren und Fachkundigen des Volkes musste diese neue Einführung gerechtfertigt werden oder wenigstens den Schein des Rechtes für sich haben. Ich vermuthe, dass Jarobh-am, .so wie er in Bezug auf die Kälber und die Freigebuug des Priesterthums auf das Alterthum zurückgegriffen und gewissermaßen eine Orthodoxie vertreten hat, ebenso bei diesem Feste gethan; nur hat er ein vormosaisches Fest zur Wiedereinführung gebracht, das im Volksgedächtniße sich wohl erhalten haben mag. Was mich auf diese Vermuthung leitet, ist Folgendes: Die Festrolle in Leviticus enthält nach ihrem Schlussworte ein Postcriptum. Diese Form ist es nicht, was befremdet, denn es gibt im Pentateuch deren ähnliche; sondern was hier auffällt, ist, dass der und ivährend der Mahlzeit richtete er kaum das Wort an ihn. — Nach und nach nahm er freilich wohl einmal, feinen Platz an der Wiege verlassend, ein Stückchen Holz auf, oder ließ eine Saite durch seine Finger gleiten-die gewohnte und geliebte Arbeit lockte und rief, aber ihm fehlte die Kraft zu folgen. — Da trat eines Morgens Beuvenuto zu dem Geigenbauer, etwas Verhülltes in der Hand tragend, und sanft die Schulter d s Trauernden neben der feeren Wiege berührend, sagte er: ״Gasparo — morgen muß ich reisen, man braucht inich in Florenz. Ich bitte Euch — geht mit mir! Ihr wisst, Eure Engel wollen es so׳ Rafft Euch auf und erfüllt den Willen Eures Weibes, das Ihr so geliebt. Stört sie nicht in ihrer Seeligkeit dort oben! Sagt Ihr: ״Nein!" dann will ich Euch wenigstens ein Andenken hier lassen zum Danke für die Gastfreundschaft, die ich bei einem wackern Kunstgenosssn erfahren. Ich hoffe, dass Euch meine Arbeit gefällt!" — Und er nahm das Tuch ab und überreichte dem Gasparo de» Hals einer Geige mit einer wundervoll geschwungenen Schnecke, die in einem Engelsköpschen auslief, das die Züge der kleinen Angela trug, aber mit dem Lächeln der Seligen. — Da starrte der Geigeubauer lange auf die herrliche Arbeit — schrie dann laut auf und stürzte an die Brust seines Gastes. ״Wer seid Ihr, dass Ihr solches zu vollbringen vermochtet," 1 rief er endlich schluchzend und umklammerte krampfhaft den Hals der Geige, den Engelskopf mit leidenschaftlichen Küssen bedeckend. ״Nur der Benvenuto Eelliui kann solches schassen! Nennt utir Euren Namen, dass ich ihn ew.g im Herzen trage!" — ״Ich bin der Benvenuto Eelliui selber", lautete die einfache Antwort, ״und der beste Dank von Euch wäre eine gemeinsame

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