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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-02-22 · Heft 7 (22.2.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 7 (22.2.1888)
Date
1888-02-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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beruht wesentlich auf der Spannung der Stimmbänder: es sind am ousgeschnittenen Kehlkopf durch Veränderung dieser allem sehr oft 1% Octaven Brust- und ebensoviele Falset-Töne möglich;, auch der Sänger braucht also zur Erzeugung der verschiedenen Töne nichts Anderes, und diese Töne sind um so gleicher, wenn sie alle nur durch die veränderte Spannung der Stimmbänder entstanden sind, ohne andere Mittel zu Hülfe genommen zu haben. Alles dieses haben wir schon im Früheren erkannt, sowie auch die dawider handelnden Fehler des Schreiens, Quetschens und Näselns entfernt, indem wir die natürlichsten Mittel zu ihrer Wegraumung angaben. Was aber so vom Ton als einzelnem gilt, das hat auch bei einer Reihe von Tönen seine Geltung, nur dass hiebei theils eine noch größere Achtsamkeit zu Entfernung jener sich so gern einschleichenden Fehler nöthig ist, theils die ganze Funktion des Kehlkopfes und besonders die Muskelthätigkeit bei Spannung der Stimmbänder genau erforscht und geregelt werden muß. Auch in dieser Beziehung ist somit dieser zweite Theil unseres Systems der Stimmbildung nur wieder die weitere Ausführung des ersten Theils. Wie wir schon im ersten Theil die Erzeugung jedes einzelnen Tones -durch Spannung der Stimmbänder verlangt haben, ohne An- Wendung jeder unnöthigen Beihülfe, so haben wir auch jetzt wieder bei Herstellung der ganzen Scala im Zusammenhang vor Allem auf den wirklichen Gebrauch der Muskeln zu sehen und jede unnöthige Beihülfe als fehlerhaft zu entfernen. Die Versuche am ausgeschnittenen Kehlkopf haben uns das Resultat geliefert, dass sich durch die Bewegung des Schildknorpels vor- und rückwärts (oder nach unten und nach oben) bei ganz gleich schwachem Blasen aller T me (manch - nral sogar 1% Qctaven Brust- und ebensoviele Falsettöne) ergaben. Bei diesen Versuchen selbst ersetzten wir die den'lebendigen D^iskeln selbst innewohnende und nach unserem Willen (Tonsinn) sich gebrauchen lassende Kraft durch das verschiedene in die Wagschale gelegte Gewicht, welches den Schildknorpel nach unten zog, und so die Stimmbänder verschieden anspannte: dabei blieb unser Einblasen in die hölzerne Rohre immer so schwach als nur möglich, und da die um den Kehlkopf herumliegenden Theile (Mandeln rc.) ganz weggeschnitten waren, so war auch eine Mitwirkung dieser zur Erzeugung der Töne ganz aufgehoben. — Wenn nun unser Eindlasen immer gleich schwäch blieb, die Töne aber durch das yerschjedeu ein-' gelegte Gewicht doch nach Höhe und Tiefe sich änderten^ so ist somit' erwiesen, dass nur auf der verschiedenen'Spattnüng der Stimm-.' Länder, d. h. auf der verschiedenen Muskelkraft die Höhe und Tiefe der Töne beruht. Ist aber dies beim tödten Kehlkopf der Fall, so kann es auch beim Singen, d. h. beim Gebrauch des in sich lebendigen Organs nicht anders sein: der ganze Unterschied ist nur dieser, Lass wir die dem lebendigen Organ selbst innewohnende und. unserm Willen gehorsame Kraft beim todten Organ durch äußerlich angebrachte Gewichte ersetzen mussten. Was wir am. todten Kehlkopf durch die verschiedenen Gewichte bewirkten, das müssen beim leben- Ligen Organ die Muskeln selbst thun durch ihre eigene Kraft: es . ist ein und dieselbe Thätigkeit und ein und dieselbe Wirkung, welche durch diese Thätigkeit hervorgebracht werden muß; diese Thätigkeit der Muskeln, diese Kraft mag mm von außen kommen oder von innen. Kommt sie von außen, wie beim todten Kehlkopf durch die angehängte Wagschale mit dem verschiedenen Gewicht, so ist der ganze Hergang ein sichtbarer und greifbarer; kommt sie aber von innen, wie beim lebendigen Organ, so ist der ganze Hergang ein innerlicher, uns verborgener Act. Eben darum ist dort die ganze Manipulation eine viel leichtere, bloß mechanische; hier ist es ein für den Sänger selbst unsichtbarer Process seines eigenen lebendigen Organs. Wäre für uns unser Organ selbst sichtbar, so wäre es wohl leicht zu zeigen, welche Muskeln hauptsächlich gebraucht werden müssen und in welcher Weise; so aber müssen wir nun erst nach den Mitteln uns umsehen, um unser eigenes, unsichtbares Organ gebrauchen zu lernen; wir müssen erst aus die Mittel sinnen, welche den Schüler zur Änweuduyg und allmählig freieren, - leichteren Handhäbung seines eigenen Organs führen können. Mit der ganz direkten Aufforderung, die Töne durch Muskelthätigkeit zu erzeugen, ist beim Schüler noch Nichts gewonnen, wenn nicht auch die Art und Weise, wie er dazu kommen kann und nothwendigerweife kommen muß, ihm gezeigt werden kann- Unsere Untersuchunzen am todten Kehlkopf zeigten uns auch diese Mittel und Wege, welche zu dem von uns geforderten Ziele führen, ganz deut¬ Hemlleto,;. Die Geige mit -cm Gngelskopl- Von Elise Po lko. (Schluss.) ״Wie gern nähme ich ihn mit — wir haben schon darüber geredet-aber das Kind --die Tote hatte Recht: er verlässt die kleine Angela noch nicht. Er wird warten, bis sie größer' geworden und er Euch beide mitnehmen kann!" ״Als ob ich jemals wo anders leben und sterben würde als hier am Gardasee" — fuhr sie zornig auf. ״Und das Kind?" Seht Ihr denn nicht, wie Angela nur nach ihrer Mutetr ausschaut? Und sie wird auch kommen! Die Tote weiß alles. Sie holt ihr Kind zu sich, damit der Gasparo nach Rom pilgern kann und ein großer Künstler werde. — Es kann nicht mehr lange währen, dann fliegt die kleine Angela zu ihrer Mutter Ln den Himmel. Meint Zhr nicht, dass es besser für ihn sei, er sähe das nicht?!" ״Lasst alles gehen, wie die Engel es wollen und sorgt Euch nicht!" antwortete Benvenuto tief ergriffen. ״Aber wie es auch kommen mag — der Vater scheidet nicht freiwillig von dem lebendem Kinde, nur wenn das Kind von ihm scheidet, würde er dies Haus verlaffen!" Sie nickte ernst. ״Ihr habt Recht — die Engel und. sie dort oben, die ihn so liebte — die werden alles machen, wie es für ihn am besten!" Die Tage vergingen nun sanft und einförmig, die beiden Männer gewannen sich lieb und arbeiteteu nebeneinander. Benvenuto schauerte oft zusammeu bei den Klängen, die Gasparo der Brust seiner Geige zu entlocken wusste, es war ihm zuweilen, als ob eine überirdische Musik die kleine Werkstatt erfülle und als ob sein!׳ eigene Arbeit kalt uns arm sei dieser tönenden Kunst g geuüber. U.rd die Augen des stillen Kindts in der Wiege leuchteten dann auf, und wie ein maiUT Sonnenstrahl glitt ein Lächeln über sein Gesicht. — Aber hinfälliger wurde Tag für Tag der kleine Körper, durchsichtiger die Blässe, fremder der Blick des Kindes, wie über die Erde hiuwegschauend in unabsehbare Fernen sich verlierend. — Die Blicke Brigittas, der treuen Wärterin, und des Gastes trafen sich oft in bauger Frage. Ein Glück wcn's, dass den Gasparo die Zeichnungen und Modellierungen i.iucs ־'u ה י st,' ur« r;1 nahmen und dass sie beide sich immer wieder von neuem Vernefteu in das schwierige Kunstwerk der frei und schön geschwnngeueu Geigenschnecke. ׳— Nur zuweilen, wenn der Geigenbauer sein Kind liebkosend aus der Wiege zu nehmen versuchte, warf er wohl einen angstvollen Blick auf seinen Gast und flüsterte: ״Mir ist als würde meine Angela so leicht, als könne ein Windstoß sie mir aus den Armen nehmen!" Dann fragte er hastig die treue Alte aus nach der Gesundheit seiner Kleinen, und ein Zittern überlief seine Gestalt,. wenn sie immer und immer wieder iu ihrer feierlichen Weise antwartete : ״Es fehlt der kleinen Angela nichts — als die Mutter. Die Augen Eures Kindes haben sie gesucht seit der Sterbestunde Eures Weibes. Ich sagte es Euch gleich! O Herr bittet, dass Euer Kind die Mutter sinde und glücklich werde. Ein Mägdlein ohne seiner Mutter ist allezeit ein armselig Diug, wäre, es selbst ein Königskind!"

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