Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 7 (22.2.1888)
- Date
- 1888-02-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Juden noch ehren Oderpriester hatten, einen sehr weiten Weg zu wallfahren hatte, um den Hohenpriester in seinem Prachtgewcmde zu sehen, so kann man jetzt in naher Entfernung in jedem Stadtchen und Dörfchen einen 8oi 618821111 Oberrabbiner antreffen; gerade sowie, wenn in einer Gemeinde zwei Schächter sind, derjenige, welcher Mussav mit polnischem Singsang vorbetet, sich das Attribut eines Obereaniors beilegt, so nennt sich jeder Rabbiner ad libitum Oberrabbiner. Die Frage, ob die Rabbinen Nachfolger der Ahroniden sind und ob es überhaupt eine jüdische Geistlichkeit gibt, will Mezei als Laie nicht ventiliren, da aber die Funktionen des Rabbiners mit denen der Geistlichen anderer Confessionen oft sehr ähnlich sind, so will er doch nicht ohneweiters behaupten, dass es keine jüdische Geiftkichk it gibt. Das Verlangend nach einem inhaltslosen Titel ist eines der lächerlichen Eigenthümlichkeiten in unserer Zeit, am lächerlichsten scheint es, wenn dieser amtliche Titel der Ausdruck der Eitelkeit ist, und cs ist zu bedauern, dass dieser mit der Tradition kollidirender Titel sich immer mehr und mehr verbreitet. Geradezu komisch wirkt dieser Anachronismus bei den von solchen Oberrabbinern ausgestellten Zeugnißen in hebräischer und ungarischer Sprache; auf hebräisch unterfertigt er seinen Namen in voller Bescheidenheit הקטן ד,רב, aber in der ungarischen Unterschrift, wie auf seinen Papieren und Couverten glänzt mit fetten Buchstaben der Titel; Oberrabbiner. Dieser usurpirte Titel collidirt auch mit der Verordnung des Cultusministers, betreffend die Matrikengesetze, demzufolge der Rabbiner als Matrikenführer auf seinem Siegel zu bezeichnen habe: Rabbinat als Amt des Matrikenführer in W. In dieser Verordnung geschieht des ״Oberrabbiner" in keiner Weise Erwähnung.. ....... .. r ן Schon beim Congreffe hat der hochgeehrte Oberrabbiner Hochmuth in Wesprim den Antrag gestellt, dass der Titel Oberrabbiner gestrichen werde, der Congress hat auch diesen Antrag angenommen, und doch figurirt dieser Titel überall — dieser Titel, wenn er schon aus Eitelkeit gebraucht wird, hat wenigstens seine Berechtigung dort, wo in der Gemeinde noch ein Rabbiner ist, wo aber ein Rabbiner allein fungirt, ist es lächerlich und ungesetzlich, sich Oberrabbiner zu nennen. Erscheint es nicht als Kuriosum, wenn z. B. Herr Dr. Kohn in Budapest, welcher sich nur Rabbiner unterschreibt, an ein Rabbinchen in irgend einem Dörfchen schreibt und ihn mit Oberrabbiner betitelt. Der Titel Oberrabbiner kommt weder in den Congressstatuten, noch in den Matrikengefetzen oder in den Hofdekreien, welche die ehelichen Gesetze bei den Juden ordnen, vor; der Cultusminister erwähnt in seinen vielen Verordnungen nie diesen Namen, und auch das Rabbinerseminar stellt das Befähigungszeugnis nur mit dem Titel ״Rabbiner" aus. Geradezu widei sinnig ist die Vindizirung des Titels Oberrab- Liner bei den Orthodoxen; diese haben noch vor dem Congreffe ein Memorandum an Baron Eötvös überreicht, in welchem sie deklarirten, dass es keinen jüdischen Clerus gäbe und der Rabbiner keine mit seinem Amte verbundene Vorrechte besäße. Jetzt spielt aber der Titel Oberabbi bei den Orthodoxen die größte Rolle, und auch die Rabbinen jener Gemeinden, welche sich Status quo ante benennen, unterzeichnen sich häufig mit diesem Titel; cs scheint, dass Hinsichtlich dieses Titels kein Unterschied bei den verschiedenen Parteien obwaltet. Die Würde und das Ansehen der Glaubensgenossenschaft leibet durch diesen Titel; denn welchen Begriff macht sich der Nichtjude, wenn er Oberrabbiner sieht, die aller Bildung baar sind, die kaum im Stande sind, ihren Namen gehörig deutsch oder ungarisch zu unterschreiben, während der gebildetste Geistliche einer großen Ekklesie sich begnügt mit dem Namen Geistlicher. Auch in politischer Beziehung ist es nicht zu!billigen, dass Nnbbiuer minorum gentium diesen Titel führen sollen, denn es zeigt von einer Desorganisation des Rabbinerstandes. Diesen Titel sollteil nur einige ausgezeichnete Männer, entweder ihrer Würde halber, oder weil sie Organe der Behörde sind, tragen. Herr Mezei schließt seinen Artikel mit den Worten, dass selbst in den Gemeinden, wo es zwei Rabbiner gibt und der Titel Oberrabbiner eine Berechtigung hätte, es nur' in. der Macht der Gemeinde ist, diesen Titel zu :verleihen, der Rabbiner allein hat nicht das Recht, diesen Titel.sich zu vindiziren. . :י•;■■ (Fortsetzung folgt). Methodik -er Gesmigskunst. XVIL . Mit Erreichung der gleichen Athemstärke der ganzen Stimme unter Beibehaltung der Einheit auch in der Mannigfaltigkeit ist aber erst eine Seite der Gleichheit der ganzen Stimme errungen: nur diejenige, welche auf dem ersten Factor jedes Gesangtons, aus den Lungen beruht. Soll die Stimme in jeder Hinsicht, nicht blos hinsichtlich der Stärke, gleich sein, so müssen auch die beiden andern Factoren, Kehlkopf und Ansatzrohr, in Betracht gezogen werden, denn auf der richtigen gleichen Muskelthätigkeit beruht die gleiche Ansprache der Töne (Sicherheit, Umfang) und aus der Gleichheit der Oeffnung des Ansatzrohres der gleiche Klang der Stimme. Wie die Erzeugung jedes einzelnen Tons für sich allein wesentlich aus der Spannung der Stimmbänder, also aus Muskelthätigkeit beruht, so sind auch alle Töne der Scala im Zusammenhang wesentlich nur das Produkt der verschiedenen Spannung der Stimmbänder und bedürfen keiner weiteren Beihülfe. Welches jedoch diejenige Art der Muskelthätigkeit sei, bei welcher alle Töne der Scala mit gleicher Leichtigkeit und Sicherheit ansprechen, d. h. in welcher Weise die Muskeln sowohl in der auffteigenden als absteigenden Scala gebraucht werden müssen, ist jetzt Gegenstand unserer Untersuchung; und die hier sich ergebenden Gesetze sind durchaus von jedem Sänger in gleicher Weise stets zu beobachten, denn, wenn auch die natürliche Beschaffenheit der Muskeln individuell verschieden ist, so ist doch die richtige Art ihres Gebrauchs immer nur ein und dieselbe. Eben darum aber, weil es sich hier um den durchaus von allen Sängern gleich zu verlangenden, richtigen Gebrauch der Muskeln handelt, hat es die folgende Erörterung ganz besonders mit der mechanischen oder technischen Seite des Gesanges zu thun: Der richtige Ansatz der Töne (mit seinen beiden Grundformen, staccato und portamento und bereit Mitte legato, und alle Coloratur bis zu den chromatischen Scalen und Trillern) ist auf die richtige Muskelthätigkeit basirt. Wenn wir im Vorgehenden, wo von der Athemgebung Hanbeite, von Anfang an alles Hauptgewicht darauf legten, dass sich die ganze Scala mit gleich schwachem Athem Hervorrufen lasse, und so eine ursprüngliche Einheit der Erzmgungsart aller Töne von vorn herein verlangten: ׳ so haben wir dagegen jetzt die Einheit der Erzeugungsart aller Töne nach einer andern Seite hervorzuheben, nach der Muskelthätigkeit. Dort hieß unser oberster Satz: alle Töne lassen sich mit gleich schwachem Athem erzeugen: hier heißt er: alle Töne müssen durch Spannung der Stimmbänder erzeugt werden. Und zwar haben wir schon bei der Lehre vom einzelnen Ton mit Bestimmtheit das Resultat erhalten, dass eben in der Ton-Erzeugung : die Muskeln hauptsächlich und wesentlich ihren Wirkungskreis haben. Die Erzeugung eines Tons hinsichtlich seiner Lage (Höhe oder Tiefe)