Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 7 (22.2.1888)
- Date
- 1888-02-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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zu Holzern — und unschöner Gesang klingt nicht erbaulich. Aber abgesehen davon, könnte durch die Frage, in welcher Art und Weise Vorgetragen werden solle, eine Parteikampf entbrennen, der umso schwerer zu dämpfen wäre, als unter uns viel Brennstoff vorhanden , ist. »Ki odom cz hassode«, wie bei den Menschen sind auch unsere Parteien geartet. So sind die Palme, die friedliche Mutter des Lulow, ferner der Eßrogbaum, die Myrte und die Bachweide, die an keinem Succotfeste im Tempel fehlen, strenge Orthodoxe und / schwärmen für Piutim und alte Vortragsweise; wir übrigen Fortschrittler hingegen haben die Piuiim wie überreife Früchte abgeschüttelt und lieben dm modemen Gottesdienst. Zu welcher der Parteien es der Weinstock hält, ist bei seinem eigenthümlichen Gehaben schwer zu ermitteln. Er fehlt zwar zu keiner heiligen Zeit im Tempel, man steht chn aber zu unheiligen Zeiten noch öfter im Wirthshause. Es heißt zwar, dass es bei den!umschlichen Orthodoxen auch derartige Käuze gibt, diese sind aber nicht halb so gefährlich wie jener; denn einerseits hat der Weinstock einen großen Anhang, — sollte er doch zu Jotams Zeiten König der Bäume werden — und andererseits ist er sehr feuriger Natur, und der kleinste Widerstand könnte die Lrgsten Exzesse veranlassen. Es soll daher jeder um des lieben Frie- Lms seine Andacht im Stillen verrichten und nach seiner Fatzon selig werden". ״Unser Dasein ist, wir können dies ohne Selbstüberhebung sagen, ein segmsreiches und gemeinnütziges," sagte der Redner der Bäume weiter. ״Was wir produziren, ist Gemeingut aller Menschen, ohne Unterschied der Confeffion und Race. Jedem gewähren wir erquickenden Schatten und labende Frucht, und in unserer confessio- Zellen Baumschule werden die idealen Güter allen.Sprößlingen zu Heil und gedeihen die Einm durchs B e"s ch n e i d e n, die Ändern. durchs Bewässern. Um indess jedm Zweifel an unsere liberalen Schulgesetze zu beheben, muß ich noch folgende wichtige Bemerkung Nachträgen. Manche schließen aus dem Umstande, dass viele unserer Zöglinge an Stäbe gebunden erscheinen, dass in unserer Schule das Stvckregimmt waltet. Aber sie irren gewaltig; denn bei den Baumen ist der Stock die Stütze der Jungen, wie er bei den Menschm die Stütze der Alten ist. Die Menschen allerdings haben es schon versucht, dm durch die Kunst der Diplomaten geschaffenen bewaffneten Frieden auf die Schule auszudehnen. Doch ivären, meiner Ansicht nach, die Diplomaten die schlechtesten Lehrer; sagt man doch allgemein, sie hätten ihre Sprache, um ihre Gedanken zu verbergen. Dem Lehrer hingegen muß seine Sprache eben dazu dienen, um seine Gedanken klar und fasslich auszudrücken, und versteht er dies, so wird sein ״Habt Acht", auch wenn er unbewaffnet ist, befolgt werden." Nachdem der Redner der Bäume eine Zeit lange inne gehalten, schloss er mit einem feierlichen Gebete, wie folgt: ״Mögest du gütiger Vater im Himmel uns ein frohes und glückliches Jahr bescheidm, möge unter unserer Krone jeder sich glücklich fühlen, mögen unsere Blätter von keinem Sturme consisciert werden, mögen sie vielmehr die Lust von alten, schädlichen Miasmen reinigen, auf dass sich jeder frisch, fröhlich und frei auf Gottes schöner Welt bewege. Und wenn wir den Weg ׳alles Holzes wandeln, denn diesem Geschicke entgehen wir früher oder später nicht, so möge es dein Wille sein, o Vater im Himmel, dass aus unseren Cadavern weder kleincalibrige, noch großcälibrige Repetiergewehre verfertigt werden sollen, mögen sie vielmehr zu friedlichen und heiligen Zwecken, als Almemor, Sukkot und zu Taktstöcken für Cantoren verwendet werden/' Als ich den Schluss dieses erbauenden Gebetes Horte, fragte ich mich erstaunt, was die Ursache sein mag, dass die Bäume das Cantorenthum so hochschätzen, dass sie ihre Verehrung selbst auf seinen Taktstock übertrügen. Hoch bald fiel mir ein, dass Heuer der Rosch haschaaa ber Bäuche aus ben Schabbos schira, den Sabbat des Gesanges fiel. Diese beiden Worte »Aschiroh Laadonai« drücken die ganze Berufsthätigkrit des Cantors aus, und wer sonst ist mehr geeignet, dieselbe herrlicher und idealer darzustellen, als dieser Schabbos schira.׳ An ,diesem Sabbat tritt Moses als Lehrer des Volkes auf; er lehrt dasselbe, in Sang und Lied danken. Und wahrlich, der Dank, in der Art ausgedrückt, ist gewiss herzinnig und seelenvoll. Ist doch der Gesang die Sprache des Herzens und des Gemüthes; jede traurige Melodie ist ein Seufzer, so wie jede heitere Melodie ein Ausjubeln der Seele ist, und in der That waren die Israeliten nie glücklicher und mehr gottbegeistert, als zur Zeit, wo sie alle das »Aschiroh ]Laadonai« anstimmten, wo sie alle Cantoren waren. Sind aber wir Cantoren, ihre Epigonen, ebenso glücklich? Wir haben allerdings einen idealen Beruf, aber das schönste Ideal sättigt nicht, wenn man hungert, und cs erwärmt nicht, wenn man friert Sehr oft dachte ich darüber nach, wie es käme, dass unsere Weisen die Beschwerden des Existenzkampfes gerade init der Theilung des Meeres, dem Wunder das am Schabbos schira besungen wird, vergleichen, indem sie sagen: קשים מזונותיו של אדם כקריעת ים סוף Wahrlich, weil der Existenzkampf, den die meisten Cantoren ausgefochten haben, mit »Kriath jom« die meiste Ähnlichkeit hat. Als nämlich die Israeliten sich verloren glaubten, weit sie vor sich das Meer und hinrer sich den Feind sahen, sprach Gott zu Mose: ״ נטה ידךHalte deine Hand hin, und das'Meer wird sich Heilen." Auch die meisten Cantoren sehen hinter sich den Feind in Form der vielen Berufspflichten und der kargen fixen Entlohnung, vor sich wiederum ein' Meer von Bedürfnißen, das sie gerne trockeneu Fußes als ehrliche Leute durchschreiten möchten. Wie ist dies aber möglich? Man verweist den Cantor auf Emolumente und sagt auch ihm: ״ נטה ידךHalte deine Hand hin". Zu viel verlangt wäre es, von dem idealen Schabbos schira zu beanspruchen, dass er sich mit der Brod- und Magenfrage der Cantoren beschäftige. Er überlässt vielmehr deren möglichst richtige Lösung seinem Collegen, Schabbos schekalim, der im Gegensätze zu ihm höchst realistischer Natur ist und die Schekel- oder Geldfrage behandelt, und dieser beantwortet das נמה ידך mit dem ונתנו איש כפר נפשו• Wenn schon der Cantor die Hand Hinhalten muß, so soll auch jeder geben; denn wenn jeder das Gebot des ונתנו befolgt, so wird der Cantor auch die Seeligkeit des Gebens empfinden können, weil wer empfängt auch geben kann. ונתנו zurückgelesen gibt!bieder ונתנו• Möge das der Fall sein! (Fortsetzung folgt.) Oberrabbiner, Obercaittor und Ober- Zehrer. Vom Bezirksrabbiner A Roth in Sikläs. Im letzten Jännerhefte »Magyar Zsido Szerale« schrieb Herr Franz Mezei einen fulminanten Artikel über den Tüel ״Oberrabbiner", den sich so viele Unberufene vindieiren, und da unsere Rabbiner schon sagten: לא כל הרצות ליטול את ד.שם יבוא וימול so wollen wir den Inhalt dieses interessanten.Artikels reproduciren, einige individuelle Anmerkungen daran knüpfen und zugleich auch die Titel:. Obercantor und Oberlehrer in Betracht ziehen: Herr Mezei beginnt seinen Artikel, mit einer humoristischen Bemerkung, indem er sagt, wahrend mau in alten Zetten, als die