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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-02-22 · Heft 7 (22.2.1888) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 7 (22.2.1888)
Date
1888-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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0 ester reichi &r;h - vm gari sehe Organ H'ränuureralionsprcis 3<tt V1*ei1«L«n1tgNkder. <d°a>-;jührig . fl. S.— Halbjährig fl. 2.50 Di-rlrljährig fl. 1.25 ufir Nichln ißglicder S'ar;jäbrig fl. 6.— Halbjährig ' fl. 3.— Vurt.ljähri'g - fl. 1.5V T«r dnS RuSland Gan;jähriq fl. 10 Mark eber 5 Rubel. für ilic jrctttcrc||’en Mischer ,Catitami mul Aultilsbeimiten. Erscheint jeden achten § a g. Begründer: Obercantor ülsooh Lauer. Nr. 7. Wien, 22. Februar 1888. j Medaction | und! Administration;׳ ־ Wien, | p II , Novaragaffe Nr. N! p Inserate > werden billigst berechnet.; י| Manuscripte werden nicht \ | retouvnirt. j 8. Iahrglmg.MI' _ Zritgrnlil'ße LitruchtuiigLii Liber LliLmisebv 08Lvr, das WeuzaHr der Wäume, 8ekaddo8 sekira nnd die arba pa!8׳eksu8. ״ ״י־־■ 7״ '׳ ׳ ׳ - Von" L. bte'r'n?^ . "'”3זי0׳ ' »Ki odom ez hassode«, ״Menschen und Bäume gleichen einander".' Die Einen wie die Anderen haben ihren Rosch haschana, doch sind die Betrachtungen, zu denen sie uns anregen, kntgcgcngesstzter Natur^ Der Rosch haschana der Menschen regt ‘ in uns den trüben Gedanken der Vergänglichkeit an, indem er andeutet, dass aus dem Chcquebuche unseres Lebens wieder einer fällig geworden ist; wie viele noch mit der Münze des Lebens zur Einlösung gelangen werden, wer kann das wissen! Ist doch die Zukunst dicht verschleiert, und ein Rückblick in die Vergangenheit sagt uns, dass ein jeder Pulsschlag in diesem Pilgerleben das Todtenglöcklein eines zu Grabe getragenen Augenblickes ist. Der Rosch haschana der Bäume bringt uns wieder das Bild ewigen Fortbestehens zu trostvoller Anschauung. Was die kurzlebigen Menschen für todt halten, ist nur sanfte Ruhe. Starren uns auch im Winter die Bäume mit ihren kahlen Aesten wie Todtengerippe entgegen, so werden sie dennoch gar bald zu neuem, segensreichen Leben erwachen. Der Rosch liaschana der Menschen mit seinen Buß- und Bittgebeten predigt Glauben, der der Bäume verkündet Hoffnung. .Das Neujahrsfest der Menschen, das in die reichste Zeit des Jahres fällt, wo die Fülle des Segens, den Feld, Garten und Weinberg bietet, eingeheimst ist, regt zur Demuth an, gleichsam andeutend, dass diese dem Reichen ziemt, auf dass er sich nicht überhebe. Der Rosch haschana der Bäume hingegen fällt in die ärmste Jahreszeit, wo kein abwechslungsreiches Farbenspiel das schmachtende Auge befriedigt, dafür aber pstanzt er Hoffnung auf, beglückenden Segen der Natur in die Herzen der Armen: Doch die Besprechung, wie die Bäume ihren Rösch haschana feiern, macht es nöthig, folgende Bemerkung vorauszuschicken: Bekanntlich haben die Blumen, schön wie sie selbst, auch ihre Sprüchlein. Cd sagt uns die Rose Angenehmes über die Liebe, die Lilie belehrt uns über die Unschuld, das Vergissmeinnicht über die Treudr" Aber nicht nur durch ihre Worte, sondern auch durch Thaten suchen sie. veredelnd auf uns einzuwirken. So oft die Sonne ausgeht, erheben sie ihre niedlichen Häupter gen Himmel unh Misen den kaffen sie dieelben wieder sinken und pflegen der süßen Ruhe; sie sind keine Nachtschwärmer und sehen deshalb so blühend aus. Freilich lange Predigten können die Blumen nicht halten, fristen sie doch nur ein kurzes Dasein; und wo hätten sie Zeit, alle hiezu nöthigen Disciplinen, als Philologie, Theologie, Philosophie und Rhetorik zu bewältigen? Anders die Bäume! Sie können aus Erfahrung sprechen, weil sie oft ein sehr hohes Alter erreichen; sie können zu jedes Gefallen sprechen, weit sie nach der jeweiligen Windrichtung ihre Köpfe neigen.; sie können 1 sogar gelehrt sprechen! Ist doch der Ez hadaas, dem wir Menschen unser Bischen Wissen verdanken, Holz von ihrem Holze und Saft von ihrem Safte. Und anzunehmen, dass er nur die Menschen, und nicht auch seine Stammesgenossen, die Bäume, mit seinen idealen Schätzen bereicherte, scheint ausgeschlossen, sonst wäre er ja nicht der Ez hadaas. Ich habe nun am vergangenen Chamischo ossor eine Neujahrspredigt, die ein alter, ehrwürdiger Baum hielt, andachtsvoll belauscht und erlaube mir, den Inhalt wiederzugeben. Dass ich die Sprache der Bäume verstehe, ist dem glücklichen Umstande zuzuschreiben, dass ich einen großen Theil meiner Weisheit ihren jugendlichen Sprösslingen, den Ruthen, zu verdanken habe. Di se haben nämlich dort, wo die Weisheit meines Jugendlehrers nicht ausreichte, schlagfertigst eingegriffen. Nnd wer in der Jugend so oft mit den Sprösslingen verkehrte, wird .doch im Alter die Sprache der Alten verstehen? Und die geehrten Leser können mir daher aufs Wort glauben, dass der Prediger der Bäume Folgendes sprach: »Ki odom ez hassode«, heißt es in der Thora, ״Menschen und Bäume gleichen einander". ״Dementsprechend," predigte er weiter, ״sollten wir auch an unserem Losch haschana einen Schacharis- und Musaph-Chasan haben wie die Menschen; aber andere Verhältniße bedingen auch andere Gebräuche. Denn um das Chasonus mit allen Coloraturpasfagen und Trillern schon zu geben, sind mir doch

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