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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-02-14 · Heft 6 (14.2.1888) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 6 (14.2.1888)
Date
1888-02-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Abschwellen nur ein Stoßen und Nucken; statt der allmähligen KrastentwiSlung plötzliche Schläge, Mit - zarten Behauchung aLgedrvchene Seufzer. Ja! wie es des Malers Aufgabe und Kunst ist, alle Uedergange des Lichtes für das Auge zart zu vermitteln, so ist des Saugers Kunst, alle Uebergäuge der Stärke für das Ohr sanft zu verschmelzen. (Fortsetzung folgt.) ■ י Gedenket der Tage der Vorzeit — erwSget die Äenderung der Leitajter. (V. B. M. 32.7.)! (Original-Correspondenz vom Niesengebirge.). I. - - - - - - ־ Sehr geehrter Herr Redakteur! Unter obiger Ueberschrist beabsichtige ich, so Gott will, Ihnen eine Reihe von Briefen, die theils Erlebniße von circa 60 Jahren berichten, theils aber Institutionen der deutschen Judenheit, theils aber auch thatsächliche Zustände derselben behandeln sollen, zugehen zu lassen. Ich lebe der Zuversicht, dass Sie dieselben in Ihrem geschützten und verbreiteten Organ geneigtest zum Abdruck bringen werden. Ich gestattete mir diese Form, weil sie mehr als jede andere meinem vorgerückten Alter entspricht. Man läuft derart wenigstens nicht Gefahr, eine unvollendete Arbeit geliefert zu haben, wie es bei mir leider bald der Fall wäre. Im 74. Lebensjahre muß man auf derartige Vorkommniße vorbereitet und stets des Rufes gewärtig sein: ,-Bis hieher und nicht weiter." (Jhob 38.10.) So ׳ oft ich die 613 uns gebotenen Pflichten im Leier liamizwoth des Maimonides oder sonst in Sammlungen gelesen, ftel es mir immer auf, warum haben diese so pflichteifrigen Heroen der Torah nicht das von unserem Gottesmanne Moses so klar und bündig in seinem Schwanengesang Haasinu angeordnete Gebot: ״Gedenket der Tage der Urzeit — erwäget die Jahre — die Aenderung der Zeitalter, Geschlechter" nicht ausgenommen? — Hat doch Moses ausdrücklich angeordnet: ״Schreibet euch dieses Lied auf, lehret es euren Kindern derart, dass es ihnen geläusig wird u. s. w." Ja l sollen doch in diesem Schwanengesang sämmtliche Mizwoth angedeutet sein, und dieses ausdrückliche Gebot: Gedenke u. s. w. wird von Maimonides im Sefer Hamizwoth als Gebot nicht erwähnt. Es soll mir angenehm sein, wenn Jemand aus Ihrem weiten Leserkreise eine beftiedigende Lösung meiner Frage in diesem gesch. Organ ertheitt. So lange diese nicht erfolgt, muß mir meine einfache Antwort genügen. Die' 603 Pflichten sind -och entschieden uns vom Herrn durch Moses nur angeordnet, um die zehn Gebote — den Dekalog — die ewigen Sitten, und Gottesgesetze, ohne die der Mensch aufhört, Mensch zu sein, zu wahren und zu schützen (More Nebuchim IH. 31 und 32). So wenig nun die Torah den Gebrauch der Vernunft gebietet, den sie vielmehr voraussetzt *n כי אל דעות — und der Talmud bemerkt: ״Erhaben ist die Vernunft, denn sie wurde zwischen zwei Gottesnamen eingeschaltet" — diese nur durch ihre Gebote regelt und in Schranken hält, eben so wenig ordnet sie an: Gedenke der Tage der Urzeit u. s. w- Das ist einfach ein Gebot der reinen Vernunft, auf Erfahrung zu achten, und ist füglich eine Voraussetzung der ganzen Torah. So dir die Vernunft mangelt — was hast׳ du erworben. — Nur die Erlebniße, die gemachten Erfahrungen bilden die Geschichte des Einganzen Volkes: -Achten wir auf-die Geschehniße,. gehen sie nicht spurlos an uns!vorüber, so werden, gemachten Erfahrungen uns förderlich und heilsam srin, haben somit ein menschenwürdiges Dasein. ׳ Moses der Gottesmann, von dem es IV. B. M. 12.7 heißt:.! ,,Mein Diener Moses, in meinem ganzen Hause, i. e. Natur ist er vertraut," vereinigte in sich alle Vollkommenheiten, die ein Mensch, besitzen kann. Er hat nicht nur die Menschheit, insbesondere Jrsael,. Torah, Gebote, Gesetze und Rechte gelehrt, die uns eine möglichst klare Anschauung von Gott und seinen Werken — seine Lehre beginnend mit der wunderbaren Schöpfungslehre und dieselbe schließend mit dem Satze: ״Der Schöpfer vollkommen ist sein Werk" (More Nebuchim IH. 27, erläutert von Satnow) — vom Derhältnis des Menschen zu Gott, seinem Nebenmenschen liefert, sonder» Moses vereinigte in sich alle seelischen Eigenschaften, Vollkommenheiten im höchsten Grade. (Ndarim 38.) Die Heldenthaten Moses, die freilich alle vom Herrn ausgehen und auf ihn zurückgeführt werden, verzeichnet namentlich das. IV. B^ M. Seine göttliche Dichtergabe bezeugt die Torah- V. B. M. 34.11: ״Und es stand nicht ein Redner ferner im Israel gleich Moses auf" — ebenso bekundet dies auf's Unzweideutigste der tieferschütternde Psalm 90 mit der Ueberschrist: Gebet Moses, des Gottesmannes. Vers 12 dieses Psalmes lehrt ausdrücklich: ״zu zählen unsere Tage hat er mit Recht bekundet, damit wir zu einem weisen Herzen gelangen — d. h. Erfahrungen sammeln und sie nützen. Schon das I. Cap. der Torah weiset uns auf's Zählen hin. Sechs Arbeitstage zählen wir mit dem Hinblick auf den 7. Ruhe-- tag Sabbat. Sechs Jahre sollst du Feld und Weinberg bestellen,, das 7. Jahr aber ist ein Feierjahr. Sieben Feierjahre sollst du zählen, III. B. M. 25.8, und das 50. ist ein Jubeljahr. Sieben Wochen sollst du zählen mit Hinblick auf den 50. Tag unserer Gesetzgebung. Das Zählen der Tage und Jahre ist in der Torah ganz , besonders bei unseren Festen und anderen Geboten bedeutungsvoll angeordnet. Wichtige Gegenstände nur werden gezählt, und das - werthvollste sind eben unsere Lebenslage und Jahre. Darum wer diese zählt, deren Bedeutung stets erwäget, die gemachten Ersahrnngen nützet, kann sich eines weisen Herzens rühmen, so er von Natur I hierzu beanlagt ist. Er wird dann sicherlich von der Wahrheit des- 10. Verses, dieses Psalmes: ״Unsere Tage und Jahre sind 7 Zehner, und wenn es hoch kommt 8, und in ihnen drängt sich Mühsal und Unheil, denn schnell enteilts und wir müssen davon überzeugt sein. Wir Israeliten sind demnach wohlgebörene Zähler und von unserer Torah hirzu bestimmt und angewiesen. Mit vorzüglicher Hochachtung und in der Zuversicht, dass vorstehende Erörterung der Bedeutung Moses Ihnen und den sehr geehrten Lesern nicht ganz so vergeblich erscheinen dürfte — als jene umständliche Beweisführung der raffinirten Bosheit Pharaos — Zeitgenosse des Moses, die Jemand einst geliefert —schließt Ihr Orig.-Corresp. v. R. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Budapest. In einer der jüngsten Nummern des ״Egyenlöseg" veröffentlicht der Reichsrathsabgeordnete Dr. Alexander Ullmann ein. Memorandum,-in welchem die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung der jüdischen konfessionellen Angelegenheiten dargelegt wird. Der Verfasser fordert die verschiedenen Parteien der jüdischen Eonfession auf, vom persönlichen Interesse abzusehen und dahin zu wirken,. — 3 — nen Stärkegrade zn:Gründe^ Uegt, bewahrt - bleiben. Ohne diese Einheit Ln der Mannigfaltigkeit aber hätten wir stgtt des An- und zelnen, wie eines resp.l Geschichte, die

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